Doublestop Delight
Weiter im Solo ...
Teil #1 unserer Solo-Aktivitäten bezog sich mehr auf Fragen
wie Strukturierung und Aufbau von Solos. So könnte man sagen,
dass dort die Rede von Solos im Sinne von Einzelnoten-Solos war.
War auch ganz meine Absicht, nicht darauf einzugehen, was man denn
nun genau für Noten spielt. Das kann und soll auch nicht so
sein, weil die Frage des Noten-mäßigen Aufbaus des Solos
sehr von der Stilrichtung, vom persönlichen Geschmack und anderen
Variablen abhängt. Der Eine hält sich stur in der Pentatonik
auf, der Nächste mag es gern chromatisch bis die Schädeldecke
abhebt. So wird, wenn von Solos die Rede ist, auch in erster Linie
der Gedanke an Melodien, Linien und Riffs auftauchen. Nicht ohne
Grund.
Das MP3-Beispiel am Ende des ersten Teils
zeigte aber noch eine weitere Alternative für Solo-Elemente
auf: Doublestops. Daher hier noch etwas mehr zu Doublestops. Diesmal
unter dem Gesichtspunkt Solo.
Wat is'se 'ne Doublestop?
Ein double stop ist das gleichzeitige Spiel von zwei unterschiedlichen
Noten. In welchem harmonischen Zusammenhang diese beiden Noten stehen,
ist begrifflich erst einmal Hupe. Zwei Noten, gleichzeitig gespielt.
Doublestops sind nicht unbedingt ein Rezept für den Aufbau
kompletter Bass-Solos (obwohl das nicht ausgeschlossen ist), sondern
dienen dem Auffrischen und Anfärben von Riffs, oder eben in
Solos, oder in Fills, oder im Pedalton-Sektor, oder auch in anderen
Angelegenheiten, wo eine einzelne Note aus dynamischen, musikalischen
oder persönlichen Gründen nicht ausreicht. Auf der Gitarre
gibt es Spezialisten wie Mickey Jones von Man,
der spielt ganze Solos komplett mit Doublestops, geile Sache. Und
es war gerade Jimi Hendrix, der das Spielen in Doublestops gepflegt
und weit entwickelt hat. Aus Sicht des Bassisten unter der Prämisse
Solo jedoch sind Doublestops primär eine Geschichte für
Fills. Natürlich könnte auch der Tieftöner ein komplettes
Solo in Stops auf den Tresen werfen, wer denn masochistisch veranlagt
ist. Aber ...
Zwei gleichzeitig gespielte Noten auf dem Bass sind so eine Sache.
Wie schon einmal in der Theorie angesprochen, und der Physiker könnte
uns noch mehr dazu erzählen, hat die Sache etwas mit sogenannten
Schwebungstönen zu tun. Treffen zwei unterschiedliche Frequenzen
aufeinander, ergibt sich eine dritte neue Frequenz; dieser Effekt
ist als Schwebung bezeichnet. Liegen nun die Ausgangsfrequenzen
deutlichst auseinander und fällt diese Differenz so aus, dass
die Schwebungsfrequenz als Ton, wenn auch mehr unbewusst, wahr genommen
wird, gerät die Geschichte harmonisch interessant. Denn dann
hätten wir ja drei Töne, auch wenn nur zwei im Wesentlichen
wahr genommen werden. Dass diese Schwebungen als paletti oder grausam
empfunden werden, hängt mit den Teilungsfaktoren der Intervalle
zusammen, lassen wir jetzt mal so stehen.
Es wird trotz drei entstehenden Frequenzen jedoch
kaum ein Akkord, aber der entstehende dritte Ton bestimmt, ob es
angenehm klingt wie das Intervall der Quinte oder doof wie die kleine
Sekunde. Dass die beteiligten Frequenzen in ihrer Differenz entscheidend
sind, merkt man dann, wenn man mal die Sekunde = 2 Halbtöne
nimmt, und mal die None = Oktave + 2 Halbtöne. Obwohl harmonisch
schon verwandt (die Interpretation als 2 oder 9 geschieht im Hinblick
Akkorde auf die weiteren beteiligten Noten), liegen akustisch Welten
dazwischen. Also Sekunde als Doublestop eher nicht, None ginge aber
schon. Da aber nun Saiten nicht nur auf einer Grundfrequenz schwingen,
sondern auch auf Vielfachen davon (Obertöne), kommen auch noch
durch die Obertöne Schwebungen dazu. Und zwar zwischen allen!
Das Ergebnis ist also am Ende nicht nur die beiden Grundnoten und
die Schwebungsnote, sondern ein ganzer Kamm vom Schwebungsfrequenzen.
Und das klingt eben dann so voll. Oder auch schräg, je nach
Ausgangstönen und auch Saitenqualitäten. Saubere neue
Saiten machen viel Obertöne, machen viel Schwebungstöne.
Jo, so war das, mit der Physik. Ende der Wiederholung.
Etwas genauer bitte!
Da wir es auf dem Bass in den unteren Lagen eher mit
niedrigen Frequenzen zu tun haben, ist es notwendig zu betrachten,
welche Doublestops auf dem Bass Sinn machen und welche nicht. Das
lässt sich sehr leicht ausprobieren, z.B. so:
Obwohl beides Grundtöne und Quinten sind (einmal
unter und einmal oberhalb des eigentlichen Grundtones), macht es
offensichtlich wenig Sinn, Noten nahe beisammen in den unteren Lagen
zu kombinieren. Matscht nämlich ziemlich. Als ersten Merkpunkt
hätten wir also den, dass Doublestops auf dem Bass nicht in
den unteren Lagen zusammen gebildet werden sollten. Effektiver wird
es erst mit höheren Frequenzen, aus obiger Physik auch verständlich.
Nun muss man aber Doublestops nicht unbedingt nur oben am Hals spielen,
mit dem Rückblick auf die Betrachtung von Schwebungstönen
macht es auch Sinn, wenn die beiden Frequnzen weiter auseinander
liegen, z.B. durch Kombination von Noten über eine Oktave hinaus:
Das geht gut miteinander, weil die Noten in ihren
Tonhöhen so weit auseinander liegen, da matscht nichts und
klingen tut es auch nett. Nebenbei soll auch die technische Seite
der Geschichte nicht vergessen werden. Ein Jazz Bass mit aktiven
Pickups und frischen Saiten, vielleicht auch nur mit dem Bridge-Pickup
in Betrieb, klingt bei Doublestops natürlich anders als ein
62er Vintage Precision mit acht Jahre alten, Nutella- und Cola-getränkten
Flatwounds. Aber das sollte ja klar sein ...
Intervalle
Spätestens im letzten Beispiel wird auch deutlich,
dass der Effekt von Doublestops in der Kombination von Intervallen
liegt. Beispiel 1 waren beides Grundtöne und Quinten. Beispiel
2 wären im ersten Takt nur die Grundtöne, jeweils eine
Oktave auseinander, im zweiten Takt ... Beherrschung des Griffbrett-Trekkings
und der Intervall-Definitionen
sei Dank ... Grundton plus Oktave der großen Terz. Und genau
dies ist die wichtigste Voraussetzung beim Thema Doublestops: welche
Intervalle ich anwenden kann oder sollte oder darf, und darüberhinaus
wie ich die Intervalle lege, ob unterhalb der Grundnote oder oberhalb.
Schauen wir also erst einmal an, wie das denn mit den verwendbaren
Intervallen so aussieht. Schon an dieser Stelle im Gedächtnis,
dass das Ziel dieser Übungen die Ausdehnung unserer solistischen
Aktivitäten ist. Heisst: wir werden es vermutlich mit wechselnden
Tonarten und Modi zu tun haben, falls irgendwelche Kadenzen und
Leiter-Schweinereien in Anwendung treten.
Kernargument bei den Intervallen ist, ob sie einen
möglichst tragenden Charakter haben, also ob sich, das ist
das Ziel, ein besonderer harmonischer Eindruck ergibt. Dass das
wichtig ist, haben wir bereits bei den beiden Beispielen oben gehört:
wie unbedeutend ist die Oktave in diesem Zusammenhang, wie deutlich
prägend die Terz.
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Sekunden |
Die können wir getrost vergessen, der Abstand ist sicher
zu gering und gilt schon seit seligen Zeiten als void interval.
Egal ob große oder kleine Sekunde. |
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Terzen |
Ab hier wird es interessant. Da die Terzen
für das Tongeschlecht maßgeblich sind, müssen
wir im harmonischen Kontext aber aufpassen, nämlich ob
kleine oder große Terz (wer nicht weiß warum, kann
das unter Harmonisierung
noch einmal nachlesen). |
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Quarte |
Nicht uninteressant, aber die Quarte hat als Intervall einen
eher farblosen Charakter. Nicht dass sie Probleme wegen zu geringen
Abstandes macht, aber sie ist eben ein etwas schwebendes Intervall
(weshalb sie in den sus4-Akkorden die suspended-Komponente
einbringt). Sie ist verwendbar, erfüllt aber nicht unserer
Ansprüche hinsichtlich eines harmonischen Farbtupfers.
Also eben nur Stufe Gelb. |
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Quinte |
Die neutrale Quinte ist sicher auch paletti.
Durch ihr glattes Frequenzverhältnis zum Grundton wird
sie etwas farbiger als die Quarte, da sie ergänzender wirkt,
aber nicht so farbtragend wie die Terzen. Zudem ist sie harmonisch
recht unempfindlich, lediglich auf der vii. Stufe der Dur-Leiter
taucht sie in der Harmonisierung und in dem passenden Modus
nicht auf. |
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Sexten |
Die Sexten sind gefährliche Objekte für Doublestops,
denn die kleine ist enharmonisch auch die dissonante #5, die
Große Sexte ist ebendar noch abhängig von der Tonart.
Sexten sind partiell gefährlich und bringen auch farblich
wenig. Weder die Harmonie der Quinte, noch die Spannung der
Septime. |
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Septimen |
Wegen der großen Spannungskraft (Leitton-Charakter)
der Septimen kann man sie schon in unserem Thema fast den Terzen
gleich stellen. Aber auch die Septimen sind von der Tonart abhängig
(Ionisch groß, z.B. Äolisch klein)! |
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Oktave |
Da kann ja gar nichts schief gehen. Aber sie bringen keine
Farbe. Stufe Gelb: schaden nicht, helfen nicht. |
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Nonen |
Das sind ja die großen Schwestern der Sekunden. Aus
der Sache mit den Akkorden hatte sich aber gezeigt, dass die
Nonen für Akkorde nicht nur Oktaven-Intervalle aus der
Basis-Oktave sind, sondern für Akkorde wichtige Erweiterungen
dar stellen. Und wenn sie für Akkorde wichtig sind, müssen
sie das auch für Doublestops sein. |
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Dezimen |
Noch einmal Verwandtschaft: die Terzen eine
Oktave höher. Sind Terzen, sind wichtig. Zusätzlich
sind wir nun über die Grundoktave hinaus, was weite Frequenzabstände
ergibt und ganz besonders nett klingt |
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Undezime |
Quarte + eine Oktave. Ist Quarte, bleibt eine Quarte. Jedoch
sind wir auch hier eine Oktave höher, und das kann dann
ganz anders klingen als die echte Quarte. |
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Duodezime |
Jetzt kommen wir langsam an die Grenzen
unserers bassistischen Tonbereiches, jeden Falls für Viersaiter.
Die Duodezime ist die Quinte und eine Oktave höher. Noch
höhere Intervalle ersparen wir uns, das ginge höchstens
mit Leersaiten und hoch gegriffenen Noten. |
Nehmen wir uns nur die grünen Intervalle, bleiben
tatsächlich wenige für unsere Doublestops zur Auswahl.
Konkreter: die Terzen, Quinten und Septimen. Und die haben haben
wir einmal in direkter Beziehung, und eine Oktave höher ...
und eine tiefer! Eigentlich habe wir diese Intervalle ziemlich weit
verbreitet auf dem Griffbrett. Die gelben Intervalle wollen wir
nicht ignorieren, aber sie dienen nicht direkt dem Zweck der Doublestoppigkeit,
daher halten wir sie eher in der Hinterhand, in case of, so to speak.
Lokalisieren wir unsere Kandidaten.
Lagenwechsel
Für die Terzen sähe es auf dem Griffbrett
dann so aus, jeweils mit der Note A
als Beispiel-Grundton, und die relativen Positionen:
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#1
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#2
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#3
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#4
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Das ist bekannt ...
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Da haben wir die 12 ...
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Und hier die Terz abwärts ...
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Dito für die D-Saite ...
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Die Patterns #2 und #3/#4 haben den Vorteil eines
recht weiten Abstandes von Grundton und Terzen, sind also brauchbar.
Machen wir das Gleiche jetzt für die Septimen. Diese Intervalle
haben im Gegensatz zu den Terzen schon von vornherein den Vorteil,
dass sie fast eine Oktave vom Grundton entfernt liegen. Das ist
aber auch ein Nachteil:
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#1
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#2
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Es sind nämlich nur zwei Muster wirklich
verwendbar, das eine auch nur, wenn die Grundnote auf der G-Saite
liegt. Das stört aber nicht wirklich, weil die Septime
in der nächsthöheren Oktave schon fast zwei Oktaven
weg läge. Als invertierte Intervalle ergeben die Septimen
nämlich Sekunden. Und die tun schon fast weh. |
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So, fehlen uns nur noch die Quinten. Die sind einfach zu konstruieren
und zu finden, und auch in der Regel einfach zu greifen.
Packen wir es zur Übersicht noch einmal in eine
Grafik:
| Terzen: | |
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Das wären jetzt also die drei sich anbietenden Muster,
die wir verwenden könnten. Die merken wir uns erst einmal.
Die beiden Terzen finden wir demnach entweder drei Saiten
höher (wenn der Grundton auf der tiefsten Saite liegt,
oder zwei Saiten tiefer.
Septimen liegen ebendar kurz vor der Oktave.
Quinten: klar, entweder zwei Bünde höher, nächste
Saite. Oder eine Saite tiefer als invertiertes Intervall.
In den ganz hohen Lagen reicht die Fingerlänge oft auch
schon für die Duodezime, die klingt wunderschön.
Einwand: eine Situation haben wir hier ignoriert: Leersaiten
als Grundnoten. Na gut ...
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| Septimen: |
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|
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| Quinten: |
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Dass diese Betrachtung nicht vollständig sein kann, sollte
klar sein. Bei einem Standardbass mit vier Saiten und 20 Bünden
ergeben sich viele Möglichkeiten, Flageoletts, Leersaiten und
Tapping offerieren noch weitere Möglichkeiten. Dazu kommen
noch einmal die Invall-Konstellationen mit Leersaiten, die natürlich
dann besonders weite Abstände ermöglichen.
Aufpassen muss man jedoch schon etwas, eben wegen der unterschiedlichen
Intervalle auf den Stufen einer Leiter. Hier noch einmal zur Erinnerung
aus der Harmonisierung die Stufenakkorde und welche Terzen und Septimen
pro Stufe für die Dur-Leiter gelten:
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I
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ii
|
iii
|
IV
|
V
|
vi
|
vii
|
|
C
|
D
|
E
|
F
|
G
|
A
|
B
|
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maj7
|
m7
|
m7
|
maj7
|
dom7
|
m7
|
m7b5
|
|
3, 5, 7
|
b3, 5, b7
|
b3, 5, b7
|
3, 5, 7
|
3, 5, b7
|
b3, 5, b7
|
b3, b5, b7
|
Ein aufsteigender Lauf durch eine Leiter (hier A) müsste demnach
so aussehen:
Für Natürlich-Moll analog. Schön, schön. Ehe
wir nun zu einem praktischen Bleistift kommen, noch ein kleiner
Trick am Rande.
Bäumchen wechs'le Dich
Nehmen wir den besten aller Fälle an, und den einfachsten
und angenehmsten, nämlich den, dass wir uns während unseres
Solos an einer Stelle wähnen, die uns immer entgegen kommt,
den Verbleib in einer Tonart. Dann können wir uns in dieser
Phase einen weiteren Freiheitsgrad leisten: die Ablösung von
der Tonika, die ja hoffentlich vom Rest der Band (Ketarristen, Schlüsselbrett-Spieler,
nie Drummer) geleistet wird. Wenn ich aber beim Einsatz von Doublestops
den Grundton nicht brauche, kann ich ihn durch ein möglichst
neutrales Intervall zum selbigen ersetzen. Und was nehme ich da?
Natürlich das ungefährlichste Intervall von allen, die
Quinte. Ich ersetze also (fast) alle Noten meiner eigentlichen Solo-Linie
durch Quinten. Als zweite Note kommen dann die zur jeweiligen Melodienote
passenden Terzen, Septimen oder sonstiger Kram zum Einsatz. Noch
einmal zur Veranschaulichung:
| Aus: |
1 - 3
|
1 - 7
|
1 - b12
|
| Wird: |
3 - 5 oder 5 - 3
|
7 - 5 oder 7 - 5
|
5 - b12
|
So, das sollte an Vorbetrachtungen reichen. Und schon einmal Raum
für eigene Experimente mit Doublestops schaffen.
Doublestops sind uns nun schon an mehreren Stellen unter diversen
Vorzeichen über den Weg gelaufen. Diese Betrachtung auf's Solo-Spiel
ist eine weitere Sicht der Dinge. Doublestops sind nicht die bassistische
Killerwaffe für das Solo, dafür ist ihre Verwendung zu
kniffelig und stark von der Tonika und den Lagen abhängig,
in denen man sich gerade bewegt. Ich würde befürworten,
an einigen wenigen Stellen Doublestops einzusetzen, bevorzugt an
Punkten, wo aufeinander folgende Noten einer Leiter auftreten, oder
für eher konstante Parts (man denke an eine perlende Reihe
von Achtel-Triolen auf der Tonika mit Wecheln von Dur nach Moll,
oder Arpeggien auf die Tonika mit wechselnden Intervallen). Stops
sind ein weiterer Pinsel in unserem spielerischen Repertoire, nicht
mehr aber auch nicht weniger. Oder doch? Man kann ja noch einen
drauf setzen.
Chords on bass
Zugegeben, das Thema Akkorde im Zusammenhang mit Bass hat einen
etwas akademischen Charakter. Trotzdem bringt das Thema wenigstens
einen zusätzlichen Einblick in Patterns und Akkord-Schemata,
die für Basslinien auch verwendbar sind.
Das mit den Doublestops war so etwas wie ein Einstieg, den man
ja noch erweitern könnte. Aber warum sollte man Akkorde auf
dem Bass spielen? Für's Lagerfeuer wäre die alte Framus-Wandergitarre
doch wohl eher geeignet. Nee, es geht natürlich um etwas Anderes
als echte Begleitfunktionen. Es zieht uns da so mehr in die Richtung,
hatten wir schon, Solo, Solo-Arbeit. Oder als Grundlage für
eine reine Bass-Band, immer noch ein Traum von mir.
Um uns wirklich dem Thema Akkorde auf Bass zu nähern, müssen
wir noch ein oder zwei Noten dazu nehmen und wären fettisch.
Aber nein, ganz so einfach ist die Geschichte leider nicht. Bringt
uns aber eventuell noch ein paar zusätzliche harmonische Erkenntnisse
ein. Die übrigens auch für Pianisten und Keyboarder allgemein
gelten. Harfen-Spieler wären da auch noch betroffen.
Was macht den Akkord aus?
In der Theory Collection hatten wir schon ausführlichst über
Akkorde gesprochen, wie sie
aufgebaut sind und woher sie kommen, über verschiedenste Akkordformen
auch. Wir unterliegen auf dem Bass aber einigen Einschränkungen,
was Anzahl beteiligter Saiten und auch Sound-Möglichkeiten
angeht. Lassen wir zu Beginn noch einmal die wichtigsten Akkorde
an uns vorüber ziehen, schauen uns dabei mal genauer Intervalle/Noten
an, was denn essentiell und was weniger wichtig ist.
| Akkord |
Intervalle |
|
| maj |
1 - 3 - 5 |
Der Standard |
| maj7 |
1 - 3 - 5 - 7 |
Blues und Jazz |
| m |
1 - b3 - 5 |
Noch ein Standard |
| m7 |
1 - b3 - 5 - b7 |
Und wieder Blues/Jazz |
| 7 |
1 - 3 - 5 - b7 |
Wichtiger Akkord, da die V-Auflösung in den
Kadenzen |
| sus4 |
1 - 4 - 5 |
Die sus-Kollegen haben etwas Sphärisches |
| sus47 |
1 - 4 - 5 - b7 |
Netter Ersatz für den 7-er |
| m7b5 |
1 - b3 - b5 - b7 |
Im Jazz unumgänglich |
Zur Wiederholung: man sieht, dass die klangbestimmenden Intervalle
in den Akkorden die Terzen und Septimen sind. Beziehungsweise der
Vertreter Quarte. Nur der m7b5 ist da anders, in ihm ist die verminderte
Quinte tatsächlich klangprägend. So verwundert es wenig,
wenn man sich die Arbeit von Pianisten ansieht, die lassen nämlich
gerne in Akkorden die Quinte weg, wo sie nicht wesentlich für
den Klang des Akkordes sind. Dadurch reduziert sich auf dem Bass
die Anzahl notwendiger Noten. Und da wir ja oft nur vier Saiten
zur freien Verfügung haben, kommt uns das sehr entgegen.
Zu den Patterns
Müssen wir uns nun also für unsere Akkord-Staffel da
oben geeignete Pattern basteln. Mit den Grundlagen aus der Doublestop-Geschichte
fällt das nun leicht. Ohne große theoretische Herleitung
(wer's bis jetzt nicht weiß, dem ist auch nicht zu helfen)
finden wir auf dem Bass einige wenige universelle Pattern für
unseren Akkord-Vorrat.
Obwohl bei den oberen Patterns die Quinte grundsätzlich erreichbar
und spielbar ist, würde ich empfehlen, auf sie zu verzichten.
Dafür ist dieses dann auch in den untersten Lagen spielbar.
Die unteren Patterns eignen sich wegen dier tiefergelegten Quinte
eher für die oberen Lagen bzw. die oberen Saiten.
Hier analog: obere Patterns hohe Lagen, untere Patterns tiefe Lagen.
Fehlen uns jetzt noch unsere Exoten.
Das m7b5-Pattern ist frei verschiebbar, das sus47 macht nur so
Sinn. Wieder Vorsicht mit den Quinten in tiefer Lage! So, damit
hätten wir das entsprechende Repertoire zusammen. Mit dem Intervallbaukasten
kann sich noch weitere Pattern zusammen pappen, wie 7+, mmaj7 und
was man sonst noch braucht.
Praktische Anwendung?
Versuchen wir nun doch mal ein Stück mit vielen Akkorden als
Bass-Duo. Was bietet sich an? Autumn Levaes zum Bleistift.
| Autumn Leaves |
Bass Duo |
 |
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Noch ein Beispiel vom Profi
Ehe ich diesen Artikel nie online kriege, weil mich wieder tausend
Leute von der praktischen Umsetzung abhalten, lasse ich einfach
andere für mich arbeiten. 
Ein wunderschönes Beispiel für das Arbeiten mit Doublestops
liefert mein alter Freund Jeff Berlin als Steilvorlage. Leider ist
das Filmchen etwas groß geraten, nämlich so um die 20MB,
wer jedoch über DSL und Zeit verfügt, dem lege ich diesen
Solopart dringend an's Herz. ISDN-Nutzer können immer noch
die MP3-Version hören.
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Jeff Berlin: Tears
in heaven (Bass solo):
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Schön, ne?
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