Griffbrett-Trekking
«Gib mir doch mal ein A!»
«Öh, was? Öh ... A ... öh ...»
Ich
gebe offen zu: ich wildere im Moment etwas bei Eric und füge
noch so das eine oder andere Kapitelchen hinzu, bevor ich mich wieder
wichtigen Themen wie der Herstellung fettfreier Nuss-Nougat-Creme
widme.

Dabei wäre die Frage nach dem A doch so einfach zu beantworten
gewesen. Jeder Bass mit mindestens vier Saiten und 18 Bünden
hat mindestens sieben Mal das A anzubieten, beim Standard-Fender
sind es schon acht, Flageolettes noch gar nicht eingerechnet. Warum
findet man in diesem Moment das blöde Sch**ß-A nicht?
Weil man sich die Noten auf dem Griffbrett nicht wirklich angeschaut
hat, nicht wahr? Besonders nicht in den oberen Lagen, oder? Frag
mich doch keiner nach einen C# oder Ab.
Es geht noch einmal um das Thema Notenfindung auf dem Griffbrett.
Das hatten wir zwar schon mal im Theorie-Teil, aber eher so am Rande.
Und aus aktuellem Anlass komme ich noch einmal darauf zurück.
Ich fange an mit
Meinen beiden magischen Zahlen
Meine beiden magischen Zahlen für die Notenfindung auf dem
Griffbrett meines Basses sind die und
die .
Und zwar nicht deshalb, weil es beides Primzahlen sind, sondern
weil unser Bass in Quarten-Stimmung steht. Dadurch ergibt sich die
5 als die fünf Halbtöne Distanz zwischen zwei aufeinander
folgenden Saiten und die 7 als die sieben Halbtöne zur Oktave
der Saitengrundnote auf der nächsthöheren Saite. Alles
klar? Dann können wir ja hier aufhören ... oder doch nicht?
Vergessen wir die 2 als Differenz
zwischen den beiden nicht, aber dazu später mehr.
Wer nennt die Noten, zählt die Bünde?
Im praktischen Proberaum-Betrieb, und beim Zusammenspiel mit Bläsern
oder Pianisten sowie klassisch verdorbenen Saitenartisten kann es
sehr wichtig sein, Noten auf dem Griffbrett schnell lokalisieren
zu können. Auch hilfreich ist es, solchen trivialen Fragen
nach zu gehen wie «Aus welchen Noten besteht ein G-Dur7-Akkord?».
Das Griffbrettmuster mag man noch parat haben (insbesondere nach
Kontamination durch Kontakt mit sechssaitigen Instrumenten), aber
die Noten nicht zwingend. Also sollte man die Notenfindung genau
so trainieren wie Anschlag, Fingerhaltung oder Rhythmik. Fangen
wir klein an und erarbeiten wir uns ein paar Eselsbrücken,
wie wir einer Lage eine Note zuordnen können und umgekehrt.
Etwas mathematische Grundlagen
Die Standard-Stimmung unseres Basses ist E - A - D - G. Die nächsthöhere
Saite liegt also jeweils eine Quarte = 5 Halbtöne/Bünde
höher als die vorhergehende. Genauso finden wir die Oktave
der Saite auf der nächsthöheren, nur sieben Bünde
= sieben Halbtöne höher. Das ist logisch, weil die höhere
Saite plus sieben Bünde 12 Halbtöne ergibt, der Abstand
zur Oktave. Wir können auch noch die Differenz zwischen den
beiden benutzen: 7 - 5 = 2. Wo finden wir die Zwei wieder? Die Oktave
finden wir auch 2 Saiten und 2 Bünde höher (2 Saiten höher
+ 2 Bünde höher = 2 * 5 + 2 = 12). Daher die Differenz
von Zwei als nächsten Anhaltspunkt.
Diese Zahlen finden sich noch an anderen Stellen. Im 7. Bund einer
Saite liegt die Quinte, 7 Halbtöne höher. Oder eine Saite
und 2 Bünde höher auch. 7 * 5 + 7 = 42, und das ist, laut
Hitchhiker's Guide To The Galaxy, die Antwort auf alle Fragen.
Erste Noten mit der Fünf
Mittels dieses Zahlenkonstruktes wagen wir uns nun an die Notenfindung.
In einem Punkt kann ich Euch aber hier beruhigen: auch erfahrene
Musiker zählen manchmal heimlich Tasten oder Bünde ab
und friemeln sich ihre Noten zusammen, also kein falscher Ehrgeiz
an dieser Stelle. Wir werden uns auch nicht gleich dem Eb oder Gb
an den Hals werfen.
Noch ein Wort zur folgenden Notation, da ich schreibfaul bin: die
Notation [E|5] heißt hier:
E-Saite, 5. Bund. Macht es dann
etwas kürzer und lesbarer. Nun aber weiter im Text.

Kommen wir zurück zur Fünf. Wenn der Halbtonabstand zwischen
den Saiten fünf Halbtöne = eine Quarte ist, dann ergeben
sich auf dem Griffbrett immer im 5. und 10. Bund die jeweils nächsthöheren
Saiten. Also [E|5] = A, [E|10] = D, [A|5] = D, [A|10] = G.
Die fünfte Lage ist durch einen Punkt markiert, die 10. Lage
durch den Punkt plus ein, oder zwei Bünde unter der Oktave,
demnach leicht zu finden. Die 15. Lage hat wieder einen Punkt, nämlich
den ersten nach der Oktave mit i.d.R. zwei Punkten. Ist uns das
klar, haben wir schon einmal die Spiegelungen aller Saiten-Grundnoten.
Da dies ein elementarer Schritt ist, hier die Tabelle für die
sich ergebenden Noten über die Fünfer-Regel.
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Saite |
5. Bund |
10. Bund |
15. Bund |
|
E |
A |
D |
G |
|
A |
D |
G |
(C) |
|
D |
G |
(C) |
(F) |
|
G |
(C) |
(F) |
(Bb) |
Die kursiven geklammerten Noten kennen wir als Saiten-Noten auf
dem Viersaiter nicht, auf dem Sechssaiter aber auf jeden Fall das
hohe C auf der höchsten Saite.
 |
Wahlfreies Greifen von Noten im 5., 10., 12.
und 15. Bund auf allen Saiten, Benennen der Note (Kontrollieren
z.B. über Leersaiten). |
Haben wir das gefressen, wenden wir die nächste Stufe an.
Kann man verschieden machen, ich nehme mal die 7 - 5 = 2 Regel,
weil sie auch einfach zu merken ist.
7 - 5 = 2 und zwei dazu
Richtig, die Oktave, zwei Saiten + zwei Bünde. Auch dies sind
immer noch nur die Grundnoten der Saiten, aber eben die Oktaven
derer dazu. Plus natürlich die Oktaven der Grundnote auf der
gleichen Saite. Ergibt:

Wie man sieht, bevölkert sich das Griffbrett zunehmend mit
den bekannten vier Noten. Diese kann man entweder aus der n * Fünfer-Regel
ableiten, oder aus der Zweier-Regel (2 Saiten + 2 Bünde höher).
Oder über die Oktave im 12. Bund einer Saite. In jedem Fall
lohnt und rentiert es sich ab hier, die Intervalle und die dazu
gehörigen Halbtonschritte parat zu haben.
 |
Grundnote der Saite spielen, mindestens
eine Oktave dazu auf der selben und auf allen anderen Saiten
(auf- und abwärts!). |
 |
Saite im 5. Bund greifen, mindestens eine Oktave
dazu auf der selben und auf allen anderen Saiten (auf- und abwärts!). |
 |
Saite im 10. Bund greifen, mindestens eine
Oktave dazu auf der selben und auf allen anderen Saiten (auf-
und abwärts!). |
Rein, reiner, Quinte
Bis hierhin haben nur die Grundnoten der Saiten ihren Platz gehabt,
und wir brauchten uns keine anderen Noten zu merken. Da nun aber
dieser Vorrat erschöpft ist, müssen wir neue Noten nehmen.
Wie wäre es mit der Quinte zu E als passend zur 7er-Regel ([E|7]
= B) und der Note C wegen der bekanntesten Dur-Tonart?
B und C sind gut, C wegen C-Dur mit nur Dur-Intervallen, B wegen
des Blues'. Die Quinte B von E passt auch zur Zweier-Regel (nächste
Saite + 2 Bünde) und auch zur Fünfer-Regel (fünf
Halbtöne unter der Grundnote = nächsttiefere Saite). Und
es gibt noch einen Grund. Während fast alle Noten einen Abstand
von zwei Halbttönen haben, liegt zwischen B und C nur einer.
Sie liegen paarig, dirtekt nebeneinander.

Suchen wir uns nun diese beiden neuen Noten dazu:
 |
Auf jeder Saiten ein E, A, D und G lokalisieren
und die Quinte dazu spielen, Benennen der Note der Quinte. |
 |
Mindestens ein C, ein G und ein B auf allen
Saiten lokalisieren. |
Die beiden Exoten
Mit B und C haben wir eine der beiden Abnormitäten hinein
bekommen, nämlich die beiden Notenpaare, die nur einen Halbton-Abstand
haben, B - C und E - F. Diese beiden Notenpaare lassen sich wegen
eben dieses geringen Abstandes leicht lokalieren. Hinzu damit.

Fällt etwas auf? Es sind nun alle Basisnoten irgendwo auf
dem Griffbrett, von A bis G! Entstanden aus den wenigen Schritten
- Grundnoten der Saiten
- Oktaven aller Grundnoten
- B und C als Exoten #1
- E und F als Exotenpaar #2
Zählen wir zusammen: 4 Grundnoten der Saiten + B/C + E/F =
8 Noten? Klar, E ist auch Saiten-Grundnote, sind's am Ende eben
doch die sieben Noten von C-Dur, oder eben alle nicht erhöhten/erniedrigten
Noten der chromatischen Leiter.
Ganz vollständig ist das Griffbrett-Bild noch nicht, die Zweier-Regel
rückwärts ist noch nicht zur Anwendung gekommen: Oktave
= 2 Saiten und 2 Bünde tiefer:

Das ergibt z.B. das G auf der E-Saite, und auch andere Positionen
füllen sich dann.
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Gehe durch die C-Dur-Leiter und lokalisiere
jede Note mindestens einmal auf jeder Saite. |
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Wahlfreies Greifen von Noten auf dem 5., 7.,
10., 12. und 17. Bund jeder Saite, Benennen der Note. |
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Nehme die Stufenakkorde von C-Dur (hier
aufgelistet) und finde die Noten zu jedem Akkord auf beliebigen
Saiten. |
Nun sind aber alle Noten ohne die sharps und flats
(b und #) auf dem Brett. Was machen wir mit denen?
Erhöhte und erniedrigte Noten
Da machen wir uns es leicht. Wenn wir die reinen Noten schnell
und sicher erkennen und lokalisieren können, muss man das '#'
und das 'b' kurzfristig dazu rechnen. Es wird einige erhöhte
oder erniedrigte Noten geben, die man mit der Zeit im Kopf behält,
zum Beispiel weil ein bestimmtes Stück in just dieser Tonart
liegt. Meistens sind aber diese modifizierten Noten in der populären
Musik als Tonart in der Minderzahl. Daher sollte man das Spiel auch
nicht zu weit treiben. Nur Jazzer üben das Eb extensiv.
Noch 'ne Übung
Zuerst wollte ich wieder ein Java-Progrämmchen schreiben,
jedoch fiel mir rechtzeitig eine alte Version ein, die einfacher
ist, und auch offline problemlos verwendbar. Man bastele sich drei
Würfel oder modifiere drei existierende Würfel mit zurecht
geschnittenen Klebe-Etiketten. Oder drucke sich die Seite aus und
greife zur Schere, oder lade sich die Bausätze als PDF-Datei
herunter. Falls man Kinder hat, ist die Produktion größerer
Würfel-Mengen ein prima Alternative zu Fernsehen oder Playstation
an verregneten Sonntag-Nachmittagen.
Die
Logik ist simpel. Man würfelt und finde die gewürfelte
Note in möglichst großer Zahl auf allen Saiten. Würfel
A ist für die groben Anfänge, Würfel B schon gesteigert,
Würfel C ist Hi-End.
Und das kann man sogar für Gitarre verwenden. Die Limitierung
auf sechs Noten pro Würfel ist bitter, aber vielleicht findet
sich ja noch ein Hersteller, der acht- oder zehnsaitige Würfel
produziert und ich sie in Lizenz verkaufen kann.
So weit zum Thema Griffbrett-Trekking.
In diesem Sinne, und überhaupt ...
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