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Die C-Dur-Tonleiter, Notennamen und Lage auf
dem Griffbrett. Erste einfache Intervalle, die chromatische
Leiter und ein wenig Tabulatur + Notation. Ableiten anderer
Dur-Leitern über Tetrachords. Quintenzirkel. |
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Grundlagen Tonleitern
Schritt für Schritt aufwärts
Gerade dieses erste Kapitel ist etwas lang geworden. Nicht
um jemanden zu quälen, sondern um eine Menge Grundlagen
zu schaffen. Und auch in dieser theoretischen Einführung
gelegentlich den Bass in die Hand zu nehmen ist nicht falsch.
Also nicht abschrecken lassen, ist gar nicht so schlimm, was
nun kommt. Basics.
Also als erstes ein Blick auf Tonleitern. An eine solltet
Ihr Euch wohl alle erinnern können, nämlich an die
C-Dur-Tonleiter, auf der so wundervolle Lieder wie
'Hänschen klein' oder 'Alle meine Gänschen' aufgebaut
sind. Musikalisches Material kann in mehreren Formen nieder
geschrieben werden. Eine dieser Formen ist die sogenannte
Standard-Notation, und im Vertrauen auf die Musiklehrer hoffe
ich, dass wenigstens diese einfache Tonleiter in Standard-Notation
nicht völlig unbekannt ist: die acht Noten der C-Dur-Tonleiter:

[Ich gebe,
wo sinnvoll und möglich, sowohl TAB als
auch Notation an, in einigen Fällen auch für Gitarre,
wo der Bass im Notenbereich nicht passt.]
Kann man sich sicher an die Schule erinnern, und den
ersten Musik-Unterricht, die C-Dur-Leiter kennt eigentlich jeder.
Hmm, stimmt hier was nicht? Ach ja, vielleicht
stört Euch die vorletzte Note, die Ihr als 'H' kennt
und hier 'B' heisst. Das 'H' ist zwar in
vielen Ländern gebräuchlich, aber das B als fortlaufender
Buchstabe des Alphabets eigentlich logischer. Woher das stammt,
dass wir H benutzen, darüber gibt es viele Theorien.
Eine davon ist die, dass im Mittelalter beim Abschreiben von
Liedern die Leute noch kein Winword mit Rechtschreibprüfung
hatten und das H und das B verwechselten, und so pflanzte
sich dieser Fehler fort (die tatsächliche Erklärung
ist die, dass in der damaligen altdeutschen Schreibe das H
und das B sehr ähnlich aussahen, und somit leicht verwechselt
wurden). Ausser den deutschsprachigen Musikern und einigen
anderen Ländern verwendet kaum jemand das 'H', und das
ist auch gut so, denn das 'H' ist unlogisch! Und daher verwende
ich immer das undeutsche 'B' an dieser Stelle. Zurück
zu unserer Tonleiter.
So simpel diese Tonleiter ist, liefert sie ein paar grundlegende
Erkenntnisse, die später noch wichtig werden:
- Die Noten haben die Namen A bis G
- Eine Tonleiter ist eine Sequenz, eine Folge von Noten
nach einem wohldefiniertem Schema
- Diese obige Tonleiter klingt sehr freundlich und offen,
weil sie eine Dur-Tonleiter ist (engl.: major
scale)
- Eine Tonleiter reicht von einer Note bis zur nächsthöheren
mit dem gleichen Namen, hier bis zum C
Zu simpel? Überhaupt nicht. Diese C-Dur-Tonleiter wird
uns lange begleiten und uns als Beispiel für viele Dinge
dienen. Spielen wir sie doch mal auf dem Bass, und dies ist zugleich
eine Gelegenheit für das Thema Notation. Wenn wir hier über
Noten reden, müssen wir uns ja auch selbige mitteilen können.
Das kann man einerseits so tun wie oben, in der Standard-Notation.
Aber Gitarristen und Bassisten verwenden gern eine einfachere
Notation, nämlich die Tabulatur. Falls noch nicht
bekannt, gibt's hier eine kleine
Einführung dazu.
Hier also nun noch einmal eine C-Dur-Tonleiter in TABulatur,
diesmal für Gitarre:
Eigentlich recht einfach, oder? Und damit kann man auch sehen,
dass TAB für Saiteninstrumente eine übersichtliche Sache
ist. Auf dem Bass wildern wir jedoch in einem anderen Notenbereich,
aber auch dort können wir eine C-Dur-Leiter spielen.
Zweimal? Es dient nur dazu zu zeigen, dass man die
gleichen Noten an verschiedenen Stellen findet. Das haben wir
den Keyboardern voraus. Am Ende ist es aber immer eine C-Dur-Leiter,
auf dem Bass aber in einer anderen Lage als auf der Gitarre.
Die Sache mit den Intervallen
Wenn man nun diese Tonleiter auf dem Bass spielt, wird man leicht
erkennen, dass die Abstände zwischen den Noten nicht immer
die gleichen sind. Einmal muss man bis zur nächsten Note
einen Bund weiter gehen, ein anderes Mal zwei Bünde! Spielt
man C-Dur nur auf einer Saite, wird das noch deutlicher:
Diese Betrachtung führt uns zu einem wichtigen, wenn nicht
ganz wichtigen Begriff: den des Intervalls.
Der Abstand zwischen zwei Noten kann hier zwei Werte annehmen,
nämlich einen Bundabstand = einen Halbton oder zwei
Bundabstände = zwei Halbtöne = einen Ganzton.
Und jeder Bund auf dem Bass (ja, ja, und auf der Gitarre und dem
Banjo und der Mandoline) ist ein Halbtonschritt. Ziehen wir uns
auf die englichen Begiffe zurück: Halbton = Half Step,
Ganzton = Whole Step.
Aha! Damit kennen wir jetzt schon drei Grundintervalle: Halbton,
Ganzton, und: der Abstand von einer Note zur nächsten
gleichen Note, aber eine Oktave höher. Im Bild oben
C im 3. und C im 15. Bund.
Bassisten sind irgendwie anders
Wenn Ihr Euch noch einmal die C-Dur-Tonleiter am Anfang dieser
Seite anseht, ein paar Begriffe dazu. Diese Art der Notation,
die Standard-Notation, ist eigentlich die beste Art, Noten aufzuschreiben
und für Profis und Semi-Profis unverzichtbar. Tabulatur ist
hilfreich, aber wenn Ihr einmal richtig ernsthaft einsteigen wollt,
ist das noch ein kommendes Arbeitsfeld.
Für viele Instrumente werden Noten so wie oben geschrieben.
Der Schlüssel am Anfang der Noten zeigt uns die Lage der
Noten an:
Unser Schnörkel hier heisst Violinschlüssel
oder G-Schlüssel, weil er die Notenlinie umkreist, auf der
das G liegt. Für die Notation von Bass-Noten wird aber ein
anderer Schlüssel verwendet:
Dieser Bass-Schlüssel heisst auch F-Schlüssel,
weil er eben die Notenlinie umschlingt, auf der in dieser Notation
das F liegt. Man beachte, dass die Noten in den beiden Formen
an unterschiedlichen Positionen liegen! Und was die Notenlage
angeht: das untere C in der G-Schlüssel-Version entspricht
dem oberen C in der Bass-Schlüssel-Notation. Das ist sozusagen
der verbindende Teil zwischen den beiden Notensystemen.
Und um die Reihe der Fussangeln komplett zu machen:
sowohl Gitarre als auch Bass werden eine Oktave tiefer gespielt
als notiert. In der Notation wird das durch das Kürzel 8va
(ital. octavo) gekennzeichnet, und zwar so:

Und was soll das komische C da am Anfang? Keine Panik,
das heißt nix anderes, als dass diese Noten im Rhythmus
4/4 stehen. Ist aber auch kein Wunder, dass die Standard-Notation
so unbeliebt ist ... lassen wir das jetzt.
Bildungsregel für Dur-Tonleitern
Nicht, dass ich des Deutschen nicht sonderlich mächtig
bin, aber erstens sind die englischen Namen oft prägnanter,
und wir wollen uns ja auch weiteres Material aus dem Internet
erschliessen, und das ist oft in Englisch. Damit es nicht ganz
so verwirrend wird, führe ich die englischen Begriffe immer
erklärend ein. Zurück zu Leitern und Intervallen.
Nicht umsonst hatte ich auf das Wörtchen Intervalle
so viel Wert gelegt und es noch oben explizit erwähnt. Diese
Intervalle sind für uns 100%-iges Grundwissen, und ohne sie
kommen wir nicht weiter. Jedoch können wir uns diesem Intervall-Begriff
langsam nähern, nämlich mit unserer Hänschen-Klein-Leiter.
Und erinnern und an die Begriffe Halbton = H und Ganzton = W sowie
die Tatsache, dass zwei Mal H einen W ergibt. Auf Bünde bezogen:
einen Bund für H oder zwei Bünde für W. Nehmen
wir uns also noch einmal unsere C-Dur-Tonleiter (engl.: C major
scale) und schauen uns etwas genauer die Abstände zwischen
den einzelnen Noten an. Das geht am besten auf dem Griffbrett,
und das Ergebnis in einer Tabelle dargestellt sieht so aus:
| NOTE |
C
|
|
D
|
|
E
|
|
F
|
|
G
|
|
A
|
|
B
|
|
C
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| ABSTAND |
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W
|
|
W
|
|
H
|
|
W
|
|
W
|
|
W
|
|
H
|
|
Was bringt uns das? Die Erkenntnis, dass die C
major scale das Bildungsschema WWHWWWH hat. Und tatsächlich
ist das so: ALLE Dur-Tonleitern gehorchen diesem Bildungsschema!
Das heisst, wir können mit diesem Verfahren, dieser Bildungsregel,
nun alle Dur-Tonleiter konstruieren. Ist das nicht toll? Macht
das doch mal für den Grundton (engl.: root) 'D'.
Auf dem Griffbrett ist das einfach, denn statt auf der A-Saite
ab dem dritten Bund heraufzurutschen, nehmen wir einfach die
A-Saite ab dem 5. Bund. Aber wie heissen die Noten??? Es sind
offensichtlich nicht alle die gleichen wie in C-Dur.
Noch mehr Noten
Mit unserem Notenvorrat ABCDEFG können wir die D-Dur-Leiter
nicht bilden, da fehlen ein paar. Genau, es gibt scheinbar mehr
Noten in der Oktave. Genaugenommen sind es 11 Noten, denn der
Abstand zwischen dem A auf der leeren A-Saite und dem nächsthöheren
A liegt im 12. Bund. Überhaupt, warum sind das 12 Bünde
Abstand?
Dazu müssen wir wissen, dass die Dur-Leiter nur eine Untermenge
ist, nämlich aus der chromatischen Tonleiter. Die
chromatische Tonleiter (engl.: chromatic scale) ist die
Mutter aller Tonleitern. Sie enthält alle in unserer westlichen
Musik möglichen, definierten Noten. Da wir aber nur sieben
Notennamen haben, wenden wir ein bestimmtes Verfahren an, um aus
sieben elf zu machen, und zwar so:
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Eine Note, die einen Halbton höher ist als die Grundnote
(ABCDEFG), bekommt ein '-is' angehängt und in der Standard-Notation
ein '#' angehängt. Im Englischen hängen wir statt
'-is' das Wörtchen sharp an. |
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Eine Note, die einen Halbton tiefer ist als die Grundnote,
kriegt ein '-es' dazu, und in der Standard-Notation ein 'b'.
Und im Englischen wird's flat. Ausnahme: Zwischen E
und F bzw. zwischen B und C gibt es keine Note dazwischen,
denn die beiden Notenpaare liegen immer nur einen Halbton
auseinander. Da ist nix dazwischen. |
Das heisst, die Note zwischen C und D ist Cis oder Des bzw.
C# oder Db. Englisch: C sharp oder D flat. Und hier
nun die chromatische Tonleiter mit allen Noten:
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C
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C#
|
D
|
D#
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E
|
F
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F#
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G
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G#
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A
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A#
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B
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C
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| oder: |
C
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Db
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D
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Eb
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E
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F
|
Gb
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G
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Ab
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A
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Bb
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B
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C
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Was aber ist nun der Unterschied zwischen F# und Gb???? Keiner,
für uns überhaupt keiner! Ob wir nun vom F einen Bund
höher gehen oder von G einen Bund herunter, wir landen auf
der gleichen Note. Und weil das so ist, spricht man in diesem
Fall von enharmonischer Verwechselung. Eine Note, zwei
Namen. Und trotzdem brauchen wir beide Namen, werden wir noch
sehen.
Noten auf dem Griffbrett
Ein Blick auf das Griffbrett zeigt, welche Noten wo liegen.
Zuerst für den Viersaiter mit erhöhten Noten (die Stimmungs-Note
ist die Leersaite):
Und nun nur mit erniedrigten Noten:
Verwirrung komplett? Welche Notennamen nimmt man den nun? Werden
wir bei der Bildung der Tonleitern noch sehen. Allgemein kann
man aber schon sagen: Bei der 'rohen' Angabe von Notennamen ("spiel
mal ein X ....") nimmt man die -is-Namen ausser beim Bb (kleinen
B).
Das Griffbrett-Bild sagt uns aber noch viel mehr als nur die
Notennamen:
- Im 12. Bund ist die Oktave erreicht, ab da wiederholen sich
die Notennamen.
- Zwischen zwei Notenpaaren gibt es keine Zwischenstufen:
zwischen E-F und zwischen B-C.
- Im 5. Bund findet sich die Grundnote der nächsthöheren
Saite.
- Im 7. Bund findet sich die Oktave zum Grundton der nächsttieferen
Saite
'Ne ganze Menge Noten, was?
Wir spielen Dur
Es wäre doch nun ganz sinnvoll, diese Dur-Leitern auch
spielen zu können. Natürlich geht das wie oben auf
einer Saite hoch und runter. In der Praxis aber wenig handhabbar.
Stattdessen brauchen wie für unsere Dur-Leitern etwas,
was man als Fingersatz bezeichnet. Ein Fingersatz ist
sozusagen ein Strickmuster, wie ich eine bestimmte Leiter,
oder auch andere Folgen von Noten, möglichst variabel
spielen kann. Dann mal müssen wir D-Dur spielen, und
ein anderes Mal B-Dur. Heißt, dass man sich auf dem
Griffbrett ein Muster bauen muss, um genau die erforderlichen
Noten zu erreichen, und das mit möglichst wenig Bewegungen.
Nehmen wir unser Notenbild oben, und kennen wir die Noten
von C-Dur, ist das ein einfacher Schritt. Wir suchen uns ein
C, und die weiteren Notenpositionen auf dem Griffbrett. Wenn
wir dabei bedenken, dass wir ohne Bewegen der Greifhand nicht
mehr als vier Bünde erreichen, ergeben sich zwei Kandidaten.
Dieses Beispiel ist ein gutes, weil wir nun
zwei Fingersätze für die Dur-Leiter haben, die keine
leeren Saiten nutzen, und deshalb überall auf dem Griffbrett
einsetzbar sind. Das obere Pattern funktioniert dabei auch
mit Leersaiten. Welches von beiden wir in der Praxis nun benutzen,
ist situationsabhängig. Das zweite Pattern ist etwas
schwieriger zu spielen. Warum? Sehen wir uns dazu die Fingerpositionen
an, denn wir wollen ja ohne Bewegung der Greifhand spielen
(1=Zeigefinger, 2=Mittelfinger, 3=Ringfinger, 4=kleiner Finger).
Zwar erfordert das obere Pattern eine weitere Streckung,
dafür beginnt das untere auf der Grundnote mit dem Ringfinger.
Das fällt gerade am Anfang schwer. Also nehmen wir jeweils
den Fingersatz, der uns besser passt. Das hängt auch
davon ab, wo wir gerade spielen. Oben auf dem Griffbrett ist
das erste Pattern leichter. Auf dem unteren Teil des Griffbrettes
das zweite.
Wir bauen neue major scales
Aber wir haben nun alles zusammen, um alle Dur-Tonleitern zu
konstruieren. Den einen Weg kennen wir schon: man nehme einen
Grundton, wende die WWHWWWH-Regel an und erhält die passende
Dur-Tonleiter. Die chromatische Tonleiter gibt uns dabei die Schrittweiten
vor. Aber es gibt noch eine andere Methode, und die bringt uns
neue Erkenntnisse und auch neue Begriffe für das nächste
Thekengespräch mit einem Jazz-Pianisten. Machen wir das mal
wie ein Kochrezept:
Man nehme die C-Dur-Tonleiter und teile sie in der Mitte. Damit
erhält man zwei Tonleiter-Teile, sogenannte Tetrachorde,
weil jeder Teil vier Noten enthält (griechisch: tetra
= vier):
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C
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D
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E
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F
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|
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G
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A
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|
B
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|
C
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|
|
W
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|
W
|
|
H
|
|
|
|
|
W
|
|
W
|
|
H
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Fällt Euch am zweiten Tetrachord etwas auf?
Er hat das gleiche Bildungsschema wie eine Dur-Leiter am Anfang.
Geil, wa? Also machen wir es uns einfach und ergänzen den
zweiten Tetrachord mit vier aufeinander folgenden Noten aus
der C-Dur-Leiter, bis wir wieder eine Oktave haben:
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G
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A
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B
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|
C
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D
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E
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F
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G
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W
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|
W
|
|
H
|
|
W
|
|
W
|
|
H
|
|
W
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Schauen wir uns aber nun die Intervalle an, müssen
wir feststellen, dass die Bildungsregel für Dur-Leitern
nicht stimmt.Wir wollen WWHWWWH und nicht WWHWWHW! Aber das
ist ganz einfach zu beheben: Wir erhöhen das F zum F#,
und damit stimmt die Intervall-Reihenfolge wieder:
|
G
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A
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|
B
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|
C
|
|
D
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|
E
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|
F#
|
|
G
|
|
|
W
|
|
W
|
|
H
|
|
W
|
|
W
|
|
W
|
|
H
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Jetzt haben wir die G-Dur-Leiter, und sie hat
eine Note mit einem Vorzeichen: F#.
Jetzt machen wir weiter, teilen G-Dur in zwei Tetrachords, nehmen
den zweiten, ergänzen und müssen wieder eine Note verändern,
damit die Bildungsregel WWHWWWH erhalten bleibt. Und wir erhalten
die weiteren Dur-Tonleitern. Nebenbei, im Moment liegt das F#
jetzt im ersten Tetrachord, die zu erhöhende Note im zweiten.
Doch stop! Mit jeder Teilung zu einer neuen Tonleiter wird
mindestens ein # dazukommen, wegen der notwenigen Füllung
im zweiten Tetrachord! Und irgendwann nimmt's dann bedenkliche
Formen an. Darum machen wir es so: Sobald zum ersten Mal eine
Note mit Vorzeichen zum Grundton einer Leiter wird, verwechseln
wir enharmonisch, so heißt es, wenn man eine
Note mit Vorzeichen durch eine andere gleiche Note mit anderem
Vorzeichen ersetzt. Enharmonisch hier meint also, dass wir
eine Note mit einem # durch die gleiche Note mit einem b ersetzen.
Und arbeiten dann nur noch mit 'b's weiter statt '#'. Das
heisst, wir setzen alle mit '#' behafteten Noten in 'b'-Versionen
um. Dann kommen nur noch 'b'-Noten dazu. Hier ist das einmal
ausgearbeitet.
Und oh Wunder: es werden im weiteren Vorgehen nicht mehr 'b's,
sondern immer weniger, bis wir wieder auf dem Ursprungston landen:
C. Aber wir müssen eben auch aufpassen: was ist Dbb? Klar,
C! und was ist D#b? Auch klar: D. Und aus diesem Verfahren ergibt
sich ein wichtiges Hilfmittel in der Musik: der Quinten-Zirkel
oder Circle Of Fifths.
Dieser entsteht wie folgt:
Auf einem Kreis wird oben C-Dur eingetragen. Für jede der
neuen Dur-Leitern aus dem Tetrachord-Verfahren wird wie auf einer
Uhr die nächste erzeugte Tonart eingetragen, und tatsächlich
kommen wir auf eine 12-er-Teilung, und landen am Ende wieder bei
C-Dur. Gegenüber jeder Dur-Leiter tragen wir die sogenannte
parallele Moll-Leiter ein. Diese liegt immer auf der sechsten
Note einer Dur-Leiter (bei den Modes erfahren wir mehr
darüber). Für C = 1 wäre das A = 6, nur eben Moll
statt Dur. Und dann schreiben wir noch zu jeder Stufe die Anzahl
# und b dazu. So bekommen wir den Quintenzirkel.
Was fällt auf? Nun, erstens dass bei sechs Uhr dieser Wechsel
passiert und die erste Note mit Vorzeichen als Grundton auftaucht.
Und dass es 12 Positionen gibt, da ist die Schlüssigkeit
mit der chromatischen Leiter sichtbar.
Er hat aber noch eine weitere ganz wesentliche Funktion. Durch
die Beschriftung auf der äußeren Schale hilft er, die
in der Standardnotation übliche Angabe der Tonart durch die
entsprechende Zahl # oder b zu lesen. Finde ich also in der Standardnotation
am Anfang des Stückes keine #/b, so ist die Tonart etweder
C-Dur oder A-Moll. stehen da drei #, ist die Tonart A-Dur oder
F#-Moll.
Wir wollen jetzt auf den Quintenzirkel nicht so im Detail eingehen,
ich wollte ihn andererseits auch nicht unter den Tisch fallen
lassen. Nicht, dass Ihr der Jazz-Polizei in diesem Punkt unwissend
in die Hände fallt, meinte ich. Später tauchen noch
viel mehr Dinge über ihn auf, die hier noch nicht wichtig
sind. Aber wer schon etwas voraus schauen möchte, findet
hier ein paar weitere Worte zum Quinten-Zirkel.
Über den Quintenzirkel und seine musikalische Bedeutung
herrscht oft Unklarheit. Und obwohl wir ja hier in der theoretischen
Abteilung sind, möchte ich schon einmal ein paar Beispiele
anbringen, dass zwischen der Musiktheorie und der Praxis tatsächlich
Verbindungen bestehen, so quasi als Appetizer.
Circle Blues of Fifth
Ich finde es ganz interessant, sich mal durch den Quintenzirkel
hindurch zu hören. Machen wir das einmal. Zuerst gehen
wir bei C im Uhrzeigersinn durch den Zirkel:
| Round the major chords: |
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Es ist unschwer zu erhören, dass wohl zwischen der Abfolge
der Akkorde ein Zusammenhang besteht. Irgendwie passen die
Akkorde in dieser Folge zu einander. gehen wir einen Schritt
weiter und packen jeweils hinter den Dur-Akkord den gegenüberliegenden
Moll-Akkord, den parallelen Moll-Akkord also:
| Major - minor round: |
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Auch hier ist ein Zusammenhang nicht zu leugnen. An ein paar
Stellen fällt noch weiter auf, das Dur- und Moll-Akkord
irgendwie eine Ergänzung darstellen. Bei C-Dur und A-Moll
sowie E-Dur und C#-Moll wird das ganz deutlich:
| Classic chords? |
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Hm, dabei war das jetzt Musik, die nur aus rein theoretischen
Sachen entstanden ist. Herumgejuckel im Quintelzirkel, mehr
nicht. Quod erat demonstrandum, wie der Mathematiker sagt.
Theorie und Praxis scheinen doch nicht sooooo weit auseinander
zu liegen.
Zusammenfassung
Was wir jetzt noch machen könnten, wären die andere
Leitern, denn wenn es für die Dur-Leiter das Bildungsprinzip
WWHWWWH gibt, muss es auch andere Regeln geben. Darauf konzentrieren
wir uns aber erst einmal nicht, denn wir wollen uns ja mit Akkorden
beschäftigen. Trotzdem: nicht alle Leitern lassen sich so
bilden, schon gar nicht die Moll-Tonleiter und andere Stammtonleitern.
Mehr zu Tonleitern findet sich übrigens im Book
Of Scales. Dort ist auch noch etwas zu dem Begriff der Stammtonleitern
zu finden. Wen es schon hier interessiert.
Also ...
- Alle Tonleitern sind eine geordnete Folge von Noten, die
ihre Namen aus dem Buchstabenvorrat A bis G bekommen.
- Eine Leiter verläuft vom Grundton, der der Tonleiter
auch den Namen gibt, bis zum Ton mit dem gleichen Namen.
- Die C-Dur-Tonleiter (C major scale) ist die bekannteste Tonleiter
mit den Noten C-D-E-F-G-A-B-C
- Die Noten zwischen zwei Grund-Noten werden durch das Erhöhungszeichen
# oder das Erniedrigungszeichen b erreicht.
- Zwischen E und F und zwischen B und C sind keine weiteren
Noten vorhanden.
- Der Abstand zwischen zwei Noten einer Tonleiter ist nicht
konstant.
- Es gibt zwei grundlegende Intervalle: den Halbtonschritt
(half step) = Abstabnd zwischen zwei Bünden, und den Ganztonschritt
= zwei Bünde (whole step).
- Alle zwölf möglichen Noten bilden die chromatische
Tonleiter (chromatic scale).
- Der Abstand zwischen zwei Noten mit dem gleichen Namen ist
eine Oktave.
- Alle Dur-Tonleitern werden aus der C-Dur-Leiter durch Teilen
in Tetrachorde und Auffüllen nach der Bildungsregel WWHWWWH
gebildet.
Übungen
- Die Bildung der Dur-Tonleitern ist eine mühselige Sache.
Trotzdem sollte man es mal gemacht haben, also: Bildung der
Dur-Tonleitern nach dem Teilungsprinzip.
- Spiele die C-Dur, G-Dur und A-Dur-Tonleiter. Einmal auf einer
einzelnen Saite und auf mehreren Saiten. Einmal immer ohne Verwendung
von Leersaiten, also ungegriffenen Saiten.
- Eine wichtige Übung ist das Auffinden von Noten auf
dem Griffbrett. Nehme zwei Würfel und ein Blatt Papier.
Auf das Papier kommt eine Tabelle, wobei 1=C, 2=C# bis 12=B.
Würfle eine Zahl abwechselnd mit einem oder beiden Würfeln.
Finde dir gewürfelte Note mindestens drei Mal auf dem Griffbrett.
Leersaiten sind erlaubt.
- Eine weitere Übung zum Auffinden von Noten auf dem Griffbrett:
der Random Note Generator von Todd Snyder. Ersetzt die Würfel.
- Hilfreich für dieses Spiel ist ein Griffbrett-Diagramm
auf Papier: Zeiche alle Notennamen auf dem Griffbrett bis einschliesslich
dem 12. Bund.
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