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Tabulatur: Eine kleine Einführung

Viele Leute meinen, Tabulatur ('TAB') sei eine Erfindung der Neuzeit, aber da liegen sie voll daneben. Tabulatur ist um einiges älter als die Standard-Notation. Es waren die Lautenspieler im Mittelalter, die die Tabulatur erfunden haben um ihre Lieder aufzuschreiben. Glaubt Ihr nicht? Hier ist Echt-Material:

Mit dem Untergang der Laute kam TAB etwas in's Vergessen, bis sie am Anfang dieses Jahrhunderts wieder herausgekramt wurde.

Tabulatur ist recht einfach zu schreiben und zu lesen. Alles, was man tun muss, ist so viele Linien zu ziehen, wie das Instrument Saiten hat (Mitleid mit den Grand Stick-Spielern ...), und nun repräsentiert jede Linie eine Saite:

----------
----------
----------
----------
... und dann noch die Stimmung dazu ... G -------------
D -------------
A -------------
E -------------

Ziffern zeigen nun die Noten, nämlich als relative Bund-Abstände zur offenen Saite, also ist '0' die leere Saite, bei einer '3' wird eben vor dem 3. Bund gegriffen. Beispiel: die Sequenz E - G - A - C gespielt auf der E- und A-Saite sieht dann so aus:

G -------------
D -------------
A -----0-3-----
E -0-3---------
... oder eine Oktave höher,
auf D- und G-Saite:
G ---0-2-5-----
D -2-----------
A -------------
E -------------

Dann können wir noch unterscheiden, ob die Noten nacheinander oder zusammen gespielt werden:

G -----9-------
D ---7---------
A -0-----------
E -------------
G -9-----------
D -7-----------
A -0-----------
E -------------
Ein A5 als Arpeggio ... ... und als voller Akkord

Zusätzliche Zeichen aus dem normalen Schreibmaschinenvorrat machen Spieltechniken sichtbar:

G ----------
D -----(7)--
A -(5)------
E ----------
G -12b13r12-
D ----------
A ----------
E ----------
G -----9\7-
D -5/7-----
A ---------
E ---------
G ---5h7p5-
D -5-------
A ---------
E ---------
Harmonics ... Saitenziehen und -zurück

Rutscherei

Hammer-on, pull-off

G ----------
D ----------
A -x-x-x-x--
E ----------
G ---5-7~---
D -5--------
A ----------
E ----------
G ----------
D -----t14--
A -----t14--
E --12------
G ----------
D ----------
A -#?!X*?%(-
E ----------
'Dead' notes Vibrato ... Right hand tap ... Saiten-Riss

Tabulatur zeigt also schon eine Menge. Was hier fehlt, ist das Anzeigen der Notenlänge, das Timing. Obwohl Tabulatur im Grunde keine Notenlängen unterstützt, gibt es Versuche, dies auch noch mit hineinzubringen. Hier eine kurze Linie in 120bpm, 4/4 und Viertelnoten:

bpm=120   q q q q   q q q q   q q q q
G ------------0-2-|---0-----|---------|--
D -4:-------3-----|-2---3---|---------|--
A -4:-----0-------|-------0-|-3---0-3-|--
E ----------------|---------|---3-----|--
Notenlängen:

   w  Ganze Note
   h  Halbe Note
   q  Viertelnote
   e  Achtelnote
   s  Sechzehntel Note
   3  Triolen
   p  Pause

Auch Punktierungen könnten verwendet werden. Damit kommt Tabulator der Standard-Notation schon gefährlich nahe. Allerdings hat Tabulatur den grossen Vorteil, dass man keine Grafik zur Darstellung braucht, sondern nur den normalen ASCII-Zeichensatz. Und damit ist TAB ideal für's Internet, nicht wahr?

Übungen?

Such Dir genug Tabulatur und spiele ...

Vertiefende (englische) Dokumentation und TAB-Transkriptionen gibt es in Harmony Central.

 
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