Play a song for me ... (schu-bi-du-bi-du ....) (und
der Nachtrag )
Songwriting in einer einzigen WWW-Seite? Hat er jetzt
einen Knall? Nein, hat er nicht, weil hier keine endgültige,
vollständige Einführung in das Thema kommt,
sondern ein Fahrplan und etwas Anregung zu Arbeitweisen.
Also, wie üblich werde ich bewusst dem Anspruch
nicht gerecht, sondern versuche, etwas von dem weiterzugeben,
was ich mir so zusammengeklaubt habe.
Nun, Songwriting, ..., das ist, wenn, ..., also im
Allgemeinen ...
Was heisst Songwriting?
Könnte man zuerst, so im ersten Überschwang,
mit ganz professionellen Dingen zusammenbringen. Tatsächlich
ist Songwriting aber schon dann Wirklichkeit, wenn man
ein paar Akkorde und Text und etwas Struktur auf's Papier
(oder in den Editor) bringt. Songwriting ist aber mehr
als nur Notation und Inspiration. Und doch ohne Kreativität
und Intuition nichts. Wo fängt man also an? In
der Theorie, angepasst an uns Amateure und ohne Ballast.
Wie komme ich an einen Song?
Sich nun mit einem Instrument hinzusetzen und so herumzududeln,
wird kaum etwas zustandebringen ausser vielleicht ein
paar nette Akkordfolgen oder Riffs. Doch man kann mehr
darausmachen, wenn man etwas über Strukturen und
Abläufe weiss. Und für wen schreiben wir ein
Stück? Natürlich für einen Adressaten,
einen Zuhörer, unsere Perle (oder unseren Kerl).
Und damit wir den richtig erwischen, fangen wir mit
dem grundlegenden Kram an. Das ist nicht Basser-spezifisch.
Ein paar simple Betrachtungen zum Warmwerden
Jedes Lied, jedes musikalische Stück setzt sich
aus Einzelelementen zusammen. Diese Einzelelemente haben
zueinander eine Beziehung, einerseits harmonisch (sie
müssen 'zueinander passen'), und in Hinblick auf
Dynamik (Auf- und Abbau von Spannung, Bindung und Freigabe
des Zuhörers, Hooks). Das Stück hat
eine Transport-Funktion, z.B. für eine Geschichte,
oder Emotionen, Erinnerungen, Botschaften. Damit wir
diesen Inhalt rüberbringen, müssen wir immer
unseren Zuhörer im Blickpunkt behalten, und es
sind einige Verhaltensregeln zu beachten:
 |
Der Zuhörer muss
interessiert und eingebunden werden.
Entweder durch eine spannende Melodie
oder Akkord-Folge, oder durch eine unverwechselbare
Komponente des Stücks (hook), oder einen
fokussierten Text. Leider tendieren wir Amateure
und besonders aktive Instrumentalisten dazu zu glauben,
dass besonders komplexer Kram den Zuhörer interessieren
wird, oder dass Stücke eine komplexe Struktur
haben müssen und damit 'anspruchsvoll' erscheinen.
Das ist absoluter Blödsinn! Alle Brüller
der Pop-/Rock-Musikgeschiche waren im Grunde einfach
und übersichtlich. Gegenbeispiel: Echolyn's
As The World. Hyperkomplex, technisch hervorragend,
aber man weiss nie, wo man gerade ist oder was es
bedeuten soll (ich mag die Scheibe trotzdem). Entweder
ist Komplexität einfach im Stück drin
oder sie ist künstlich konstruiert, was sofort
auffällt und unnatürlich wirkt. Es sei
denn, man produziert bewusst Musik für Musiker. |
 |
Ein Riff oder eine Akkordfolge
für sich ist wertlos. Gerade Instrumentalisten
tendieren dazu, ein Stück um ihr Instrument
herum aufzubauen. Stattdessen sollte man sich so
früh wie möglich von Einzelkomponenten
trennen und das Stück unter ein Motto, eine
Botschaft oder in einen Kontext stellen. Und das
sowohl harmonisch als auch in Hinblick auf weitere
Komponenten. Bei vielen Stücken merkt man,
dass Gesang und Text am Ende aufgepfropft wurden
und die Stimmigkeit fehlt. Sie haben keine Botschaft,
keine Bindungsmöglichkeiten und keine Vibrations.
Ist es ein Stück über die neue Liebe und
die darin enthaltenen Stimmungen? Ist es Ausdruck
des Schmerzes über ein Ereignis oder eine Situation?
Oder brutaler Protest gegen etwas? Songs ohne Botschaft
sind Müll für Kaufhäuser oder Zappelbuden. |
 |
Wiederholung kann Stilmittel
sein. Meistens ist sie Ausdruck für
Ideenlosigkeit oder Egozentrik. Die Dinosaurier
des Progressive Rock (Yes, Marillion, Caravan, EL&P,
Gabriel's Genesis, King Crimson, Gentle Giant, Jethro
Tull etc. etc) waren Meister in der Variabilität.
Und das waren sie, weil ihre Kreativität nicht
aus einem Kopf allein entstand, sondern aus den
Fähigkeiten aller Beteiligten und ihrem Einfluss.
Ein Song aus einer Hand kann super sein, aber die
Wahrscheinlichkeit, dass die Kollegen Wertvolles
beitragen, ist gross und sollte einbezogen werden. |
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Es gibt Formalien, an
die man sich halten sollte. Die sind
im Grunde einfach: gebt dem Zuhörer etwas woran
er sich festhalten kann. Einen Hook zum Erkennen,
eine Songstruktur, die er nachvollziehen kann, eine
Spannung, die ihn bei der Sache hält und eine
Identifikation. Daraus entstehen auch so simple
Regeln, dass der Bass die Akkordlinien tragen und
betonen sollte, und dass Drums und Bass zusammen
eine Orientierungslinie aufbauen sollten. |
Diese Formalien helfen, zu strukturieren und bewusst
Varianzen zu ermöglichen. Sie ersparen nicht die
kreative Arbeit und sie ersetzen keine Ideen, aber sie
unterstützen dabei, Ideen und Gedanken in Formen
zu giessen und in eine Struktur zu fassen.
Song-Strukturen
Die folgenden Kapitel sind Aussagen zu Songwriting
und noch schlimmeren Dingen aus der Sicht des Musik-Amateurs
Rainer Böttchers, daher vereinfacht, streckenweise
abstrus und aus der Sicht von dilettantischen Professionellen
und professionellen Dilettanten ganz anders. So, das
musste ich noch vorausschicken, um mir Prügel zu
ersparen.
Die drei Struktur-Ebenen
Ich teile hier für mich mal Song-Strukturen in
zwei Ebenen ein:
- Vers-Struktur
- Kadenzen/Riffs
Ich glaube, dass zwischen diesen drei Struktur-Elementen
bestimmte Beziehungen und sinnvolle Abhängigkeiten
herrschen und dass die Wirkung eines Stückes aus
der gegenseitigen Abstimmung folgt. Warum? Kommt gleich.
Vers-Struktur
Jedes musikalische Werk hat eine Struktur auf oberer
Ebene, in dem sich relativ abgeschlossene und selbstständige
Song-Elemente über ein oder mehrere Takte finden.
Diese Strukturen finden sich in nahezu allen Stücken,
ob Klassik, Jazz, Volksmusik oder Metal. Für meine
Nomenklatur verwende ich diese Begriffe:
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Intro |
Der Teil eines Werkes, der der Einführung
und Vorbereitung des Zuhörers auf das Stück
dient. Dieses Intro (introduction) kann ein
völlig eigenständiges Element sein, eine
Abwandlung des Verses (z.B.: Sheryl Crow: Strong
enough) oder des Refrains, oder ein Intro kann
auch völlig fehlen (z.B.: Genesis: Supper's
ready).
Die Hauptaufgabe des Intros ist, den Song sofort
identifizierbar zu machen. Falls also ein Song
einen starken Hook hat, sollte er auch schon im
Intro auftauchen. Wenn der Hörer das Stück
wieder hört, muss er anhand des Intros das
Stück sofort wiedererkennen.
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Verse,
Strophe |
Der erzählende, bildende oder füllende
Teil eines Songs. In der Regel wird er innerhalb
des Songs mehrfach wiederholt, eventuell abgewandelt.
Hier liegt auch, bezogen auf einen eventuellen Text,
die Varianz im Song. Während der Refrain oft
konstant ist, ist der Verse mindestens im Text unterschiedlich.
Verfahrensunterschiede sind üblich, so kann
man z.B. den ersten und letzten Verse identisch
halten, oder es gibt nur einen Verse in einem Song. |
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Transitional Bridge |
Ein weitgehend selbstständiges, kurzes Element,
das den Übergang von Verse zu Refrain bildet,
hat auch eine Vorbereitungsfunktion. |
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Refrain |
Das oft wichtigste Struktur-Element des Songs,
weil er die Hauptbotschaft des Songs trägt,
den Hook beinhaltet oder besonders dynamisch ausgebildet
wird. Der Refrain wird meist über ein ganzes
Stück konstant gehalten und kehrt regelmässig
wieder. |
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Primary Bridge |
Ebenfalls ein selbstständiges Element, das
zwei hintereinanderfolgende Refrains verbindet und
der Auflockerung und Abgrenzung dient. In Pop und
Rock wird die PB oft sehr ausgewalkt und mit Solos
gefüllt. |
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Coda |
Das Gegenteil zum Intro, es leitet den Song aus.
Die Coda kann identisch zum Intro sein, eine Variante
des Verses oder des Refrains. Eine Coda muss
genauso wenig sein wie ein Intro. |
Ein Song kann nun mit diesen Hauptelementen eine Strukturierung
aufbauen. Einige simple und eher synthetische Beispiele:
Intro |
Verse |
Refrain |
Verse |
Refrain |
Coda |
Solche Abfolgen sind sowohl in der Volksmusik, aber
auch in Pop und Folk sehr üblich. Bezeichent man
den Verse als 'A' und den Refrain als 'B', könnte
man diese Songstruktur auch als ABAB-Form bezeichnen.
Tatsächlich ist die ABAB-Form sehr verbreitet.
Und selbst Metallica frönt ihr ausgiebig.
Nun kann man diese Grundform abwandeln, ohne auf Bridges
zurückzugreifen:
Intro |
Verse |
Verse |
Refrain |
Refrain |
Coda |
Und diese Form hiesse dann AABB-Form (nein wirklich
...?). Nicht ganz so üblich.
Intro |
Verse |
Refrain |
Prim. Bridge |
Refrain |
Refrain |
Coda |
Hier haben wir nun eine ABBB-Form mit einer Primary
Bridge. Das könnte schon gut für einen Rocksong
passen, wo der Gitarrist in der Mitte seine Show abzieht
und sich und die Band unendlich blamiert.
Intro |
Verse |
Trans. Bridge |
Refrain |
Verse |
Trans. Bridge |
Refrain |
Refrain |
Hier wird es jetzt schon kniffeliger und wir haben
die einfachen AB-Strukturen verlassen, Bridges benutzt
und nehmen eine Wiederholung des Refrain als Ende des
Songs.
Dynamik in der Song-Struktur
Der messerscharfe Schluss, eine komplexe Struktur
würde einen Song interessant machen, oder eine
ABAB-Form wäre immer einschläfernd, ist so
erst einmal am Thema vorbei. Denn neben der Struktur
spielt die Dynamik eine ganz wichtige Rolle. Hört
man sich Gigs von (uns) Amateur-Bands an, findet man
oft, dass Stücke technisch sehr gut gespielt sind
und der Song auch wirklich interessante Aspekte enthält.
Das Gesamtergebnis ist dann aber eher langweilig und
hinterlässt einfach keinen Nachgeschmack.
Der erste Grund für das Danebengehen kann das
Fehlen eines Hooks sein. Viel wahrscheinlicher
ist aber das Ausgrenzen einer Dynamik innerhalb des
Stückes. Alles fliesst so dahin und alles wirkt
voraussagbar.
Wie kommt man an Dynamik? Das wissen wir alle, aber
anwenden tun wir es selten oder am falschen Platz. Dynamik
entsteht beispielsweise aus der Instrumentierung, aus
der Spielweise und aus der Ausprägung der zugrundeliegenden
Kadenzen. Dynamik kann auch aus der reinen Lautstärke
entstehen, aber da ist die Auswahl an Möglichkeiten
begrenzt.
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Dynamik aus der Instrumentierung
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Der gleiche Verse, einmal von einer und einmal
von zwei Gitarren gespielt, klingt sehr unterschiedlich.
Oder, wenn nur eine Gitarre verfügbar, einmal
in Overdrive, einmal in HiGain. Oder einmal in
Akkorden über zwei bis drei Saiten, einmal
in voller Halsbreite.
Leider sind in Rock/Pop-Bands die Instrumentierungsvarianten
beschränkt (wer will schon vier Gitarristen
und drei Drummer in der Band?). Trotzdem sollte
man diese Dynamik-Möglichkeiten im Auge
behalten. Ein Kammer-Orchester hat da nun mal
die grösseren Möglichkeiten.
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Dynamik aus der Spielweise
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Für die Gitarristen fallen mir da Effekt-Varianten
ein. Oder unterschiedliche Griffbilder für
die Akkorde. Oder Wechsel von E-Gitarre zu A-Gitarre,
oder 6-saitige zu 12-saitige.
Für die Basser: Einmal auf den Grundnoten
der Kadenz bleiben, dann komplexere Basslinien.
Oder Viertelnoten gegen Achtelnoten. Oder, oder,
oder ...
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Dynamik aus der Rhythmik
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Sträflich vernachlässigt, dieser Anteil.
So wichtig die grundlegenden Anteile wie eine
harmonische Abwechselung und eine interessante
Linie sind, so wichtig ist die Ausnutzung rhythmischer
Möglichkeiten. Ganze Musikrichtungen ziehen
ihre Existenz daraus, wie Ska, Funk, Blues.
Im Pop/Rock sind Police, Beatles und EL&P
naheliegende Hörbeispiele dazu.
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Was nun die Lautstärke angeht, kann man da obige
Verfahren und reine Wattzahl zusammenbringen. Wichtig
ist aber, dass Dynamik spürbar und hörbar
wird, dass innerhalb des Songs Höhepunkte und Ruhezonen
entstehen. Der Vergleich mit einen Fussball- oder Tennisspiel
ist da gar nicht unpassend. Auch dort gibt es Höhepunkte,
ausgeglichenere Phasen, technische Gimmicks und einfach
Dramatik.
Wichtig ist, dass Dynamik entsteht und der Zuhörer
damit wach und interessiert gehalten wird.
Beispiele für Dynamik-Verläufe
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Beispiel 1:
Das Intro eher ruhig, baut der erste Verse etwas
Leben auf. Erster Refrain hält und bestärkt
die Dynamik. Nächster Refrain schon heftiger,
ebenso mittlerer Refrain. Der letzte Refrain treibt
die Stimmung auf den Höhepunkt, die Scheiben
fallen raus. Danach wird die Spannung relativ schnell
abgebaut (bleibt aber beim Zuhörer noch
bestehen, das ist der Witz). Metal und Rock. |
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Beispiel 2:
Verse #1 wie gehabt, ebenso Refrain #1. Danach gönnt
man den Hörern eine kleine Ruhepause, was auch
in eine Erwartungshaltung führt (jetzt ihn
bloss nicht hängen lassen!). Verse #2 und
Refrain #2 gehen wieder in die Vollen. Je nach Höhe
des Gipfels schneller oder langsamer ausleiten. |
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Beispiel 3:
Im Heavy Rock eine beliebte Variante. Erst mal gaaaanz
lange unten bleiben, recht soft und hart am Limit
zum Einschläfern. Kurz androhen was jetzt kommt
und dann voll zuschlagen. Auch die lange Phase im
Low am Anfang baut erheblich Spannung auf, weil
der Zuhörer auf den Bäng wartet. |
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Beispiel 4:
So sollte es nicht sein. Die Spannung ist über
das gesamte Stück recht konstant, die beiden
Höcker werden gar nicht voll wahrgenommen,
es fehlt einfach die Bewegung und die Abwechselung. |
Ein paar allgemeine Orientierungspunkte:
- Ein Song sollte nur einen deutlichen Höhepunkt
haben. Sind zwei gleiche oder annähernd gleiche
Peeks vorhanden, fehlt dem Song der dynamische Fokus.
- Der Hörer muss auf den Verlauf in gewissem
Rahmen vorbereitet werden. Daher extreme Dynamik-Sprünge
vermeiden.
- Aus Ruhe und Langsamkeit kann oft mehr Spannung
und Energie entstehen als aus brutalem Gehämmer.
- Songs nicht überkomplizieren, Verse und Refrains
sollten in ihrer grundsätzlichen Ausprägung
(Kadenzen, Rhythmik) möglich ähnlich und
vergleichbar sein. Ansonsten droht für den Hörer
ein Verwirrspiel.
- Und beinahe am wichtigsten: Song-Struktur und -Dynamik
müssen zur Message des Songs passen! Wo liegt
in einem Liebeslied der Schwerpunkt? In der Geschichte
oder in der Hauptbotschaft? Und wie sieht das für
ein Klagelied aus? Und wie für ein Lied zum Saufen
und Feiern?
Damit lassen wir das Thema Vers-Strukturen erst einmal
so stehen. Soll ja eh' nur zum Nachdenken und Weiterarbeiten
anregen. Wenn man sich mit Song-Strukturen vertrauter
machen will, sollte man sich mal mit CD, Kopfhörer,
Schreiber und Papier bewaffnet an eine Reihe von Stücken
setzen und die Struktur analysieren. Ihr werdet überrascht
sein, wie komplex diese Struktur in scheinbar simplen
Stücken sein kann, und wie simpel in fesselnder
Musik. Also nur Verfahren und Regeln, keine unfehlbaren
Rezepte.
Hinab, hinab, in's Grabb, in's Grabb ...
Nachdem wir Level 1 verlassen haben, steigen wir in
die Unterstrukturen ein. Zuvor aber noch einige warme
Worte zu einem bereits in einem anderen Kapitel erwähnten
Zusammenhang: Mikro- und Makrostrukturen.
Wir können die Oberelemente, z.B. Verse und Refrain,
im Weiteren zerlegen, hier in Kadenzen und Riffs. Die
Kadenzen wiederum in Akkorde, die Akkorde in Akkord-Formate
oder Griffversionen. Auf jeder Ebene kann die Komplexität
und Dynamik unterschiedlich oder gleichartig sein, hier
mal einen strukturell komplexen Song mit einfachen Dur-
oder Moll-Kadenzen und die Akkorde darin als Grundakkorde,
als alterierte Akkorde oder nur Powerchords. Oder eine
einfache ABAB-Form, aber sehr abwechselungsreiche Kadenzen
darin.
Legt man gleiche Massstäbe in allen Ebenen an,
komplexe Struktur + komplexe Kadenzen + komplexe Rhythmik,
so kann der Song völlig überfrachtet sein.
Oder es ist eben alles zu vorhersagbar und simpel, und
damit langweilig. Der Mix macht es, einfache Struktur
+ komplexe Kadenzen + einfache Rhythmik. Oder umgekehrt.
Wenn ein Song langweilig scheint (oder tatsächlich
ist), sollte man nicht im Nachhinein anfangen, an einzelnen
Stellen zu drehen und zu flicken. Wenn der Song einfach
ist, lasst ihn so. Oder er gefällt eben nicht,
dann ist es eher ein Indiz dafür, dass man die
Vorgabe, ein Stück unter ein Motto zu stellen oder
sich eine Message bereitzulegen, nicht berücksichtigt
hat. In diesem Fall liegt das Problem schon etwas zurück.
Es empfielt sich dann besser, unter Recycling vorhandener
Komponenten ein Redesign zu machen. Ebenso fatal ist
es, einen Song mit tatsächlichem oder vermeintlichem
Druck anzugehen. Wenn ein Song komplex und/oder anspruchsvoll
sein muss, man selbst aber eher zu simplen
Dingen neigt oder erst gerade anfängt, eigene Songs
zu schreiben, geht es in die Hose oder wird eine unglaubwürdige
Geschichte.
Ich halte es für wichtig, auch im Songwriting
zu sich selbst zu stehen und nicht zu versuchen, ideellen
Vorstellungen oder Vorstellungen des Publikums gerecht
zu werden. Also auch hier: auf dem Teppich bleiben und
klein anfangen. Schreibt Eure Songs, nicht Songs
für Andere (Freunde/Freundinnen, Haustiere, Geschwister
ausgenommen).
Kadenzen/Riffs
Die Kadenzen waren
im theoretischen Teil behandelt. Das betraf aber eher
die grundsätzlichen Betrachtungen, und was das
überhaupt ist. Man kann Kadenzen aber noch unter
einem anderen Blickpunkt betrachten. Und der ist für
das Songwriting wichtiger.
Ich habe hier auch noch eine Unterscheidung gemacht,
nämlich in Kadenzen und Riffs. Ich sehe diese Notwendigkeit,
weil der eher formale Begriff Kadenz in der Rock-Musik
nicht so tief verankert ist. Auch denken wir Amateure
eher in Riffs als in Kadenzen.
Bevor wir nun in Kadenzformen einsteigen, nochmal
eine Zusammenfassung von Begriffen und Schlagwörtern,
die man in diesem Zusammenhang im Hinterkopf halten
sollte. Auswähltes Kapitel, versteht sich.
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Eine Kadenz
ist eine Abfolge
von Stufenakkorden, bezogen auf eine zugrundeliegende
Tonart. Der Akkord auf der I. Stufe, auf der Tonika,
ist der Dreh- und Angelpunkt einer Bewegung, die
eine Spannung auf- und wieder abbaut. |
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Diese Tonika ist das
tonale Zentrum aller Bewegungen. Einige Akkorde
bauen Spannungen auf, z.B. weil sie den Leitton
(leading tone), die Septime, enthalten, die
eine besondere Auflösung zur Tonika fordert.
Diese Bewegung um die Tonika und den Bezug auf sie
nennt man Tonalität. Gibt
es keine Beziehung zu einer zugrundeliegenden Leiter
und einem tonalen Zentrum, spricht man von Atonalität. |
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Andere sehr starke Spannungen
entstehen aus weiteren Intervallen, z.B.
dem Tritonus, oder auch aus ungeraden/kleinen Intervallen
wie die in der Blues-Tonleiter verwendet Zwischen-
oder Übergangsnoten (z.B. b3/3, 3/4, b7/7). |
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Den Wechsel der Tonalität
von einer Tonart zur nächsten nennt man Modulation.
Aus der Modulation entsteht auch ein Bewegungeffekt
innerhalb des Stückes. Modulationen sind nicht
an eine bestimmte Form gebunden, beliebt sind Wechsel
in Sekunden-, Quarten- und Quintenabständen.
Solche Modulationen müssen aber eingeleitet
werden. |
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Unsere Arbeitskadenz
ist die einfache I-IV-V-Kadenz. Für C als tonales
Zentrum ist das die Akkordfolge C-F-G. Wir könnten
auch II-V-I nehmen. Man kann nämlich Kadenzen noch
in einer anderen Weise gruppieren, und das geht so:
Vollständige Kadenz
Das sind die oben genannten drei Stufenakkorde. Von
der Tonika (I) geht's auf die Subdominate (IV), dann
auf die Dominante (V) und zurück zur Tonika (I).
Die Vollständigkeit ist die Rückkehr auf die
Tonika.
Hier: C - F - G - C ...
Unvollständige Kadenz
Löst sich eine Kadenz zur Tonika (I) auf, ohne
über die Dominate (V) zu gehen, spricht man von
einer unvollstandigen oder plagalen Kadenz.
Hier: ..., F - C - ...
Authentische Kadenz
Löst sich eine Kadenz jedoch immer von der Dominante
(V) zur Tonika (I) auf, ist es eine authentische Kadenz.
Der Knackpunkt ist jedoch, dass vor dem Dominant-Akkord
nicht unbeding der Subdominant-Akkord der IV. Stufe
stehen muss. Massgeblich ist nur die V-I-Folge. Vor
der V. Stufe kann also auch was ganz anderes kommen.
Eine vollständige Kadenz ist also euch eine authentische
Kadenz.
Hier: ... G - C - ..., zum Beispiel
Asus2 - G - C
Vollkadenz
Nicht zu verwechseln mit der vollständigen Kadenz.
Die Vollkadenz ist in zwei Sorten verfügbar: als
Quinten-Vollkadenz und als Quarten-Vollkadenz. Die Quarten-Vollkadenz
entsteht als so: Man starte auf der Tonika und bewegt
sich in Quart-Abständen auf den Stufen vorwärts,
bis man wieder bei der Tonika ankommt. Für die
Quint-Vollkadenz entsprechend Quinten, logo. Dies ergibt
sehr interessante Akkord-Folgen. Unbedingt ausprobieren!!!
Hier: C - F - Bdim - Em - Am - Dm - G - C
Ganzschluss
Jede Kadenz, die sich zur Tonika auflöst, hat
einen Ganzschluss.
Hier: ... - I
Halbschluss
Jede Kadenz, die sich zur Dominante hin bewegt, hat
einen Halbschluss.
Hier: ... I - IV - V
Trugschluss
Wat ganz Feines. Eine Kadenz, die sich nicht zur Tonika
auflöst, sondern zur parallelen Molltonika (die
ja im Quintenzirkel
gegenüberliegt).
Hier: ... F - G - Am
Und weitere ...
Weitere Kadenzen findet Ihr am Ende des theoretischen
Kapitels über Kadenzen.
Ich würde empfehlen, mal einige dieser Kadenzen
für eine vorgegebene Tonika zu konstruieren und
durchzuspielen. Manchmal kommt der Aha-Effekt (Ey, das
kenn ich doch irgend woher ...) oder man entdeckt einfach
Ideen für Songs.
Darüberhinaus sollte man sich aber nicht auf
diesen Schemata festnageln lassen. Viele Kadenzen oder
Quasi-Kadenzen sind auch komplett frei erfunden. Zur
Analyse würde ich noch EL&P: From the beginning,
Jethro Tull: Another Harry's bar oder King
Crimson: I'm a dinosaur andienen.
Und?
Habe ich jemals behauptet, wenn man einige Begriffe
kennt, stellt sich der Rest von selbst ein? Das ist
es echt nicht, aber es ist die Beschäftigung mit
dem Thema an sich. Also bei den Kadenzen zum Bleistift,
ist es wesentlich, einige Kadenzen zu kennen und auch
auf dem Instrument durchzuarbeiten. Schritt #2 ist es,
Kadenzen und Song-Strukturen zusammenzubringen. Das
kann so aussehen:
Vers = I - IV - V auf C-Dur
Refrain = I - iv - V auf paralleler Moll-Leiter
oder
Vers = II - V - I
Refrain = II - I
Ye' know what I mean?
Trotzdem ist es auch wichtig, bestimmte Zusammenhänge
in diesem Bereich sprachlich darstellen zu können,
so wie man mit Potenzrechnung klarkommen muss, bevor
man an Logarithmen geht.
Riffs
In der Musiktheorie ist dieser Begriff nicht verankert,
er gehört eher zum Alltags-Dialekt. Im Gegensatz
zu einer Kadenz ist es keine Stufenakkord-Folge, sondern
eine Melodielinie. Nicht selten liegt gar keine Kadenz
zugrunde, sondern das tonale Zentrum ist konstant im
Vordergrund. Trotzdem können Riffs eine interessante
Grundlage sein und den kompletten Hook eines Songs beinhalten.
Da es keine zugrundeliegende Theorie dazu gibt, entstehen
Riffs komplett aus Intuition und Inspiration.
Die Konzentration auf Akkorde bewährt sich auch
hier. Da Riffs Untermengen von Leitern sind, und Akkorde
auch, könnte man diese beiden Klassen testweise
zusammenbringen. Will man also einen Riff konstruieren
oder über ein Thema improvisieren, kann man sich
an den Akkordregeln festhalten und eine Vorauswahl treffen.
Und daraus entstehen genau die Riffs, die in der Playing
Section verwendet sind.
Methode #2 ist, statt den Stufenakkorden Riffs zu
verwenden, die dann auf dem Bass oder der Gitarre die
Akkorde ersetzen. Damit sind eindeutig nicht Arpeggios
gemeint, denn die Riffs erlauben ja auch Übergangsnoten
und Hammerings und Slides, was die Akkorde nicht tun.
Und wie komme ich jetzt an einen Song?
Die Frage habe ich befürchtet. Nur durch Lesen
einiger HTML-Zeilen bestimmt nicht. Ich habe dies ja
auch absichtlich nur Appetizer genannt, um einen Vorgeschmack
zu liefern, worum es bei dem Thema geht.
Also erst einmal braucht Ihr noch etwas mehr Theorie.
Das Buch von Fritsch/Kellert/Lonardoni
liefert für meinen Geschmack eine gute Mischung,
und auch noch mehr Material zu Texten, Verfahren und
Harmonik.
Es braucht aber gar nicht so theoretisch und komplex
zu werden. Es geht auch einfacher. Es gibt aber keine
universalen Kochrezepte. Sorry. Es gibt aber Angewohnheiten
und persönlichen Stil.
- Grundideen zu Songs im Amateur-Sektor entstehen
meist aus der Improvisation, dem Ausprobieren und
Herumspielen. Sei es eine Akkordfolge, sei es eine
Melodie, ein Riff. Diesen gilt es festzuhalten, und
zwar so schnell wie möglich, mit einem Notationsprogramm
oder einem Recorder, oder auf Papier. Wenn Ihr das
verpasst, kann es sein, dass die Idee schon fünf
Minuten später wieder futsch ist.
- Ist das in trockenen Tüchern, gilt es, diese
Idee zu analysieren. Und da wird dann die Theorie
wichtig, damit wir das Kurzergebnis in Begriffe und
Schemata fassen können.
- Was repräsentiert der Riff/die Kadenz? Hier
ist der Punkt, für das weitere Vorgehen ein Motto
zu finden, eine Überschrift. Ist das Material
die Melodie-Linie? Die Bass-Linie? Wo gehört
sie hin? Welche Stimmung steht dahinter? Was ist meine
momentane Stimmung (EADG?
)?
Wo waren meine Gedanken? Ist es der Hook? Ist es eher
was für den Refrain oder die Strophe?
- Es wird auch Zeit, sich über den weiteren
Rahmen Gedanken zu machen, eine Songstruktur vorauszuplanen
und auch (falls vorhanden und sichtbar) die anderen
Instrumente einschliesslich Gesang an die Sache heranzubringen.
Aus dem Motto kann auch schon eine Idee für Text
entstehen.
- Falls der Riff komplex ist: wie wäre eine
simple Songstruktur? Falls kadenz-basierend: Welche
Modulationen und Varianten springen in's Ohr?
- Es könnte das weitere Entwickeln des Songs
angegangen werden. Wo liegen Höhepunkte? Wo liegen
Ruhephasen? Songstruktur festlegen, Übergänge
analysieren. Brüche oder Stellen wo es schief
klingt?
- Zuletzt ausfeilen, immer wieder konzentriert hineinhören,
nachfühlen und intuitiv hören. Und
sich immer in die Position des Hörers versetzen!!!
Klingt einfach, ist in der Praxis aber nicht-trivial.
Was mir immer wieder (im Nachhinein) auffällt,
ist, dass man Themen am Anfang nicht wirklich erfasst,
sondern erst das Verinnerlichen nach einer Zeit der
Beschäftigung den wirklichen Fortschritt bringt.
Na ja, gut, vielleicht so als Einstieg ein kleines
Beispiel.
| So fängt's an: einfach eine Idee über
einen invertierten G-Akkord, wo eine kleine Art
Melodie auf einen Akkord aufgesetzt wird. Es bleibt
auch konstant beim G. Ganz trivial. Zu trivial. |
 |
 |
Kann man das Thema irgendwie varieren? Klar kann
man, ich liebe Harmonisierung, also nehmen wir ein
ähnliches Grundthema, aber nicht als Melodie,
sondern wir harmonisieren über G. Und damit
haben wir schon einen Verse aus zwei Komponenten.
Was schon hier auffällt, ist das Fliessen und
die Konstanz des Riffs. Irgendwie beruhigend, vertraut,
fast wie ein Wiegenlied.
Dahin könnte es gehen ... |
 |
 |
| Eine Strophe habe wir also. Wie könnte ein
passender Refrain aussehen? Da die Strophe konstant
auf dem tonalen Zentrum G liegt, sollte der Refrain
nicht wesentlich abweichen. Ein C bietet sich an,
ein Cmaj7 ist etwas runder, und das ist der Dominant-Septakkord,
und welche Kadenz-Form ist das? |
 |
 |
Immer noch ganz schön simpel, obwohl der
Charakter des Ganzen ja nun mal in diese Richtung
geht. Wie könnte man die Konstanz aufbrechen?
Natürlich durch eine Primary Bridge. Wir bleiben
im G, aber die Rhythmik ändern wir ...
Da ist das Motto. |
 |
 |
| Jetzt packen wir alles zusammen. Die ersten vier
Schritte waren keine Stunde Arbeit. Das Zusammenfügen,
die Bass-Linie und ein provisorisches Drumpattern
dahinter kosten noch ein paar Stunden. Und die Vokal-Linie
ist hier erst rudimentär, nur zur Orientierung.
Aber jetzt ist es fast schon ein kompletter Song
... |
 |
 |
| Und jetzt noch hier ein bisschen gefeilt, und
eine Coda verschieden vom Intro, die Melodielinie
ein wenig gedreht, und so sieht's dann in etwa am
Ende aus, mit dem passenden Text ... Going Home
(for Maria). |

|

 |
Was sagt uns das? Auf jeden Fall, dass auch ein ganz
einfacher Song viele Stunden Arbeit frisst, sogar ohne
Text und Ausarbeiten von Dynamik und mehr Bewegung.
War wohl nix mit den Kochrezepten.
Tja, ...
Irgendwie hatte ich mir mal wieder zuviel vorgenommen.
Ich wusste, dass das Thema Songwriting komplex ist,
aber erst beim Schreiben wurde mir klar, wie komplex,
nämlich als ich einsah, wie viele Aspekte ich in
diesem Rahmen gar nicht behandeln kann. Und wieviele
Überschriften im Bereich Harmonielehre ausgeklammert
wurden. Und dass Hörbeispiele dringend erforderlich
wären.
Aber es könnte ja sein, dass das Interesse geweckt
worden ist, und wenn das so ist, ist schon eine Menge
erreicht.
Also ab in die Buchhandlung, oder in's Netz und weitergemacht.
Daher hier noch ein paar Links
zu diesem Thema ...
Nachtrag
Logbuch des Raumschiffs Enterprise, Captain James
T. Kirk, Sternzeit 2539,4 ..., Nachtrag ...
Jetzt habe ich doch schon wieder was vergessen. Klar,
das war ja ok, so mit den Strukturen und so, aber ein
Thema ist mir da völlig abhanden gekommen: Orchestration.
Was ist das, Orchestration? Also Orchestration
geht in den Grundzügen, also in dem Rahmen, was
wir hier betrachten, und sehr eingeschränkt, in
etwa so:
- Man weist den Instrumentengruppen in einem Orchester
bestimmte Funktionen zu, das können Solo-Funktionen
sein, oder das Ausbilden eines Hintergrundes, oder
Fundamentieren der Rhythmik. Ziel dieser Auf- und
Verteilung ist es, die jeweilige Stimmung, die
message, den mood, möglichst umfassend
zu repräsentieren (habe ich mich jetzt klar ausgedrückt?
:-)
- Diese Verteilung hat auch den Effekt, den Klang
zu verbreitern und der Situation anzupassen.
- Eine Möglichkeit, ein Aspekt dieses Vorgangs
ist das Bilden von Variationen über eine Linie,
z.B. eine Kadenz oder einen Riff. Durch diese Aufteilung
oder Varianz wird aus einer Akkordfolge nichts
anderes, aber sie klingt anders und erlaubt es, einen
Sound breiter und tragender zu machen.
- Andere Möglichkeiten sind unterschiedlicher
Einsatz der Instrumente, wie angedeutet, in
Solo- oder Flächen-Funktionen.
Hmmm, was soll das für Rock und Pop bedeuten?
Ich habe in einem Stück versucht, solche Techniken
anzuwenden, obwohl das Gesamtthema Orchestration sehr
weitschweifig und komplex ist. Ein gutes Beispiel für
solche Techniken wird auf der CD 'Secrets Of Synthesis'
von Wendy Carlos
dargestellt. Überhaupt ist die CD als Ideen-Input
recht wertvoll. Vielleicht bei Gelegenheitz mal reinhören.
Also hier mein Mini-Beispiel für erste Gehversuche
meinerseits in die Problematik Orchestration, oder wie
der verständlichere Titel lauten könnte: Wie
lasse ich drei Instrumente breiter und farbiger klingen
Mein bescheidener Beitrag
Dieses Stück ist nur knapp drei Minuten lang
und rein instrumental.
Entstanden ist der Song aus einer sehr simplen Variation
eines anderen Songs. Es gibt fünf Teile:
- Intro (I)
- Verse (A)
- Refrain (B)
- Interlude I (L1)
- Interlude II (L2)
- Coda (C)
Folge der Elemente ist:
I - A
- B - A - B - L1 - L2 - A - B - C
Coda und Intro sind Varianten des Verse, als erstes
war der Verse da, dann der Refrain. Um ein wenig Bewegung
hineinzubringen, sind die beiden Interludes entstanden.
Entwicklungsmethode war Trial and Error und ein gutes
Stück Improvisation.
Folgende Probleme traten auf, und dann habe ich dies
und dies gemacht:
| Die Gitarrenlinie
für sich klingt etwas dünn. |
Doppeln
der Gitarrenline mit einer zweiten Gitarre, die
eine Stahl, die andere Nylon. |
| Man kann die Gitarren
nicht auseinanderhalten, es wird zu flächig. |
Aufteilen
der Akkorde in einen oberen und einen unteren Teil,
streckenweise gegenläufig, im Refrain und in
der Coda. |
| Keine Vocal-Linie. |
Der
Bass wird fretless und weich artikulierend (Ahaa!!!)
und bekommt fast schon einen Vokal-Charakter. |
| Orchestrationmöglichkeiten,
derer ich nicht mächtig bin. |
Zum
Beispiel Einsatz von Akkord-Substitutionen (Dominant-Substitution,
Subdominant-Substitution) und von Kadenzen aus der
Modus-parallelen Leiter. |
| Rhythmik |
Die
Gitarrenparts sind streng Achtel-Orientiert, der
Bass nicht. Einschieben von 2/4-Takten zum Aufbrechen
der Serialität. |
Also, wie schon gesagt, habe ich das Thema Orchestration
auch erst gerade entdeckt. Ich wollte aber diese Ideen
noch an die Hand geben. Vielleicht nutzt es ja mehr
als erwartet.
Für tiefergehende Betrachtungen zum Thema Orchestration:
Die Theorie-Seite.
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