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Notenlesen mit Intervall-Schemata
von Adam Nitti
Hallo liebe Bass-Gemeinde,
Geben wir es zu. Wenn man ein richtiger
Musiker sein will, muss man in der Lage sein, Noten
zu lesen. Es ist oft eine mühselige Sache, aber
wir müssen mit der Sprache der Musik vertraut sein,
wenn wir in ihr sprechen wollen. Die unter uns, die
nicht notenlesen können, sind vielleicht von Auftritten
und Sessions ausgeschlossen, in denen sie doch eigentlich
gern dabei wären. Wie viele von Euch brechen in
Schweiss aus, wenn der Bursche am anderen Ende der Leitung
noch zum Schluss Details eines Gigs durchgibt und dann
nachhakt: "Du kannst doch notenlesen, oder ...?"
Mir ist aufgefallen, dass die Meisten schon
etwas von den Noten in der Standardnotation kennen,
aber wir brauchen ein wenig Anschubhilfe, um auf eine
vernünftige Lesegeschwindigkeit zu kommen. Hier
ist mein Konzept, das nützlich sein kann, wenn
man plötzlich vor vollendete Tatsachen gestellt
wird und 'lesen' muss. Eins sollte man aber nie vergessen,
darum betone ich es auch noch einmal:
DER BESTE WEG
NOTENLESEN ZU ÜBEN IST,
SO OFT WIE MÖGLICH NOTEN ZU LESEN.
Klingt offensichtlich, oder? Ihr solltet Euch klarmachen,
dass sich die Fähigkeit zum Notenlesen nicht über
Nacht entwickeln wird. Es ist ein sehr langwieriger
Prozess, und daher müsst Ihr Euch immer wieder
den Herausforderungen stellen um letztlich die Sache
einfacher zu machen. Wenn ich eine Zeit lang keine Noten
lese, roste ich ein Stückchen ein. Viele von Euch
werden das auch für sich selbst festgestellt haben,
und es ist nicht lustig zu bemerken, dass man aus dem
Übung ist.
Nun gut, nachdem nun das klar ist, somit möchte
ich Euch eine kleine Abkürzung präsentieren,
die Euch vielleicht etwas Vertrauen gibt, das Notenblatt
zu bewältigen, das Euch so lange auf der Seele
liegt. Sie beschäftigt sich mit Notenlesen auf
Basis von etwas, was Euch sehr vertraut sein sollte:
Intervall-Schemata.
Die konventionelle Art Noten zu lesen verläuft
etwa so:
- Ihr seht eine Note auf der Lineatur.
- Ihr verknüpft die Note mit einer Tonhöhe
und einer Notenlänge.
- Ihr lokalisiert die Tonhöhe in einer Position
auf dem Instrument
- Ihr spielt die Note in der vorgegebenen Länge.
- Ihr geht zur nächsten Note über und fangt
wieder bei 1. an.
Obwohl das keine besonders wissenschftliche Beschreibung
ist, trifft es doch die Herausforderungen beim Notenlesen.
Das Bewältigen dieser Schritte 1. bis 5. macht
Euch zu einem tollen Noten-Leser, und doch: nach meiner
Meinung ist das Bemühen, Noten zu identifizieren,
die grösste Herausforderung, wenn das Ganze in
Echtzeit (z.B. während eines Gigs) geschehen soll.
Jedoch die Kenntnis der Intervall-Bilder kann Euch hier
einen wesentlichen Vorteil bringen
Schauen wir uns erst einmal einige Grundintervalle
und ihre Bilder an, mit denen Ihr eigentlich vertraut
sein müsstet:
Der Name eines jeden Intervalls ergibt sich aus dem
Abstand von der tieferen zur höheren Note. Zum
Beispiel:
| Sekunde (2nd): |
C(1) D(2) |
| Terz (3rd): |
C(1) D(2) E(3) |
| Quarte (4th): |
C(1) D(2) E(3) F(4) |
| Quinte (5th): |
C(1)D(2) E(3) F(4)
G(5) |
und so weiter.
Diese Intervall-Abstände stehen in direktem Zusammenhang
mit den Intervall-Schemata auf Eurem Bass. Hier ein
paar Intervall-Abstände, basierend auf der Dur-Tonleiter
(die untere Linie ist jeweils die tiefste Saite auf
dem Instrument):
Benutz man diese Intervall-Schemata (oder -Muster),
kann man eine Serie von Noten spielen, indem man sie
als eine Folge von Intervallen behandelt, anstatt sie
einzeln zu identifizieren. Die Melodie wird in Intervall-Begriffen
interpretiert, als eine Abstandsfolge innerhalb einer
Tonleiter. Auf diese Weise kann man das Lesen der Noten
erheblich beschleunigen:
- Identifizieren der Tonart für den jeweiligen
Abschnitt.
- Auswahl eines Griffbrettbildes, eines Fingersatzes,
der alle benötigten Noten enthält.
- Lesen des Stücks in Form von Intervallen,
nämlich mit den Noten, die innerhalb des Griffbildes
zur Verfügung stehen (bei Erhöhungen/Erniedrigungen
werden die Intervalle entsprechend angepasst).
Versuchen wir nun, diesen Vorgang einmal zu demonstrieren,
von Anfang bis Ende. Hier ist eine kleine Linie, die
wir benutzen um alles zusammen durchzuexerzieren:
| 1.) |
Wahl der Tonart.
Da wir hier drei Kreuze haben, ist es A-Dur
oder F#-Moll. [siehe
Quintenzirkel,
der Sätzer]
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| 2.) |
Wählen eines Griffbrett-Schemas, das
alle Noten der Linie enthält.
Dazu müssen wir als erstes die tiefste
und höchste Note betrachten, durch die der
Gesamtbereich der Noten eingegrenzt wird. In diesem
Fall ist die tiefste gespielte Note ein F# zwei
Oktaven unter dem ein-gestrichenen C, also 2.
Bund auf der E-Saite. Die höchste Note ist
ein F# eine Oktave höher, z.B. 4. Bund auf
der D-Saite oder 9. Bund auf der A-Saite.
Nachdem nun A-Dur bzw. F#-Moll das tonale Zentrum
darstellt, wäre es das Beste, eine der A-Dur-basierenden
Modi zu wählen (A-Ionisch, B-Dorisch, C#-Phrygisch,
D-Lydisch, E-Mixolydisch, F#-Äolisch oder
G#-Lokrisch). Jede dieser Skalen enthält
alle erforderlichen Noten, was ausreichend wäre.
Nehmen wir F#-Äolisch für unser Beispiel.
Der Fingersatz würde dann wie folgt aussehen,
das tiefste F# in der Linie entsprechend auf die
E-Saite ausgerichtet:
Glücklicherweise haben wir keine
weiteren Versatzzeichen und können somit
bequem in unserem grundlegenden Fingersatz bleiben.
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| 3.) |
Lesen des Stücks in Intervall-Bezügen
Nun spielen wir die Noten als eine Folge von
Intervallen, von links nach rechts. Und so sieht
es dann aus, in Intervallen bezeichnet:
In Textform wäre die Folge:
|
1.
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2.
|
3.
|
4.
|
5.
|
6.
|
7.
|
8.
|
|
Start
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Terz
auf
|
Terz
auf
|
Terz
ab
|
Sekunde
ab
|
Terz
auf
|
Sekunde
auf
|
Sekunde
ab
|
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F#
|
A
|
C#
|
A
|
G#
|
B
|
C#
|
B
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Anmerkung für die Theorie-Freaks:
Die Intervallbezeichnungen hier sind allgemein,
und nicht als Moll oder Rein bezeichnet. Da sie
im Zusammenhang mit der Äolischen Leiter
gespielt werden, sind die Qualitäten nicht
genannt, denn sie ergeben sich eben aus dieser
Leiter. Ansonsten kann diese Methode in Zusammenhang
mit allen Tonleitern angewandt werden.
Und nun hier die komplette Linie:
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Ihr müsst dabei natürlich berücksichtigen,
dass dieses Vorgehen um so schwieriger wird, je mehr
Versatzzeichen, Akkorde oder grosse Intervall-Sprünge
innerhalb des Stücks zu finden sind. Für meinen
Teil halte ich diese Methode vor allen Dingen bei Walking
Basslines oder anderen linearen Folgen für sehr
brauchbar. Und nochmals, diese Methode soll auch nur
den Einstieg erleichtern, und es macht keinen Sinn,
alle konventionellen Verfahren durch dieses zu ersetzen.
Viel Spass damit und bis zum nächsten Mal ...
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