Acoustic Corner - FEEDBACK
Ein Problem verfolgt uns Akustikgitarristen immer: Feedback.
Was ist das überhaupt?
Feedback ist der englische Begriff für Rückkopplung.
Der Tonabnehmer in der Gitarre bzw. das Mikro vor der Gitarre "hört"
sich selbst über irgendeine Box. Das Signal wird wieder aufgenommen,
wieder verstärkt, wieder aufgenommen etc. Durch diese Endlos-Schleife
verstärkt sich das Signal immer wieder. In der freien Wildbahn
kommen hauptsächlich zwei Arten von Feedback vor: das Hupen
und das Pfeifen. Wenn es pfeift, sind entweder Mikrofone am Feedback
beteiligt oder der benutzte Pickup ist fehlerhaft eingebaut oder
selbst schadhaft. Beim Pickup übrigens fast immer ein Fall
für die Werkstatt - aber erst einmal müssen wir ja den
Gig hinter uns bringen! Beim Hupen ist die Decke der Gitarre beteiligt.
Die Praxis
Genug der Theorie jetzt! Gitarre umgehängt, Kabel eingestöpselt,
Lautstärkeregler aufgedreht, ein Akkord und es "koppelt".
Die erste Frage wie immer: Wer war das? Oder genauer: Woher hat
die Gitarre die Rückkopplung eingefangen? Verdächtigter
Nr. 1 sind die Monitore. Über den Monitor soll der Musiker
hören, was er und die Kollegen denn so spielen. Verdächtigter
Nr. 2 ist ein Amp, der eigene oder der eines Kollegen. Verdächtigter
Nr. 3 ist das Schlagzeug, Verdächtigter Nr. 4 sind die eigentlichen
P.A.-Boxen (eher selten).
Ein Grund für Feedback ist oft übertriebene Lautstärke
auf der Bühne. Die einfachste Maßnahme gegen Feedback
ist daher die Reduzierung der Lautstärke auf der Bühne.
Ganz nebenbei klingt es im Saal auch besser, wenn dort von den Monitoren
nichts zu hören ist. Vielleicht geht es sogar ohne Akustikgitarre
im Monitor - zumindest für den Gitarristen selbst. Bei "leiseren"
Bands kann der akustische Ton völlig ausreichen, um Kontrolle
über sein Spiel zu haben. Ich habe auch schon einen ganzen
Gig absolviert, ohne überhaupt etwas von mir zu hören;
das war aber sehr unangenehm.
Als zweite Maßnahme schaffen wir uns ein ruhiges Plätzchen.
Feedback ist nicht überall gleich ausgeprägt. Der Winkel,
in dem der Schall aus eine Box auf die Gitarre trifft, hat enorme
Auswirkungen. Wenn wir herausgefunden haben, welcher Monitor/Amp
die Rückkopplungen verursacht hat, rücken wir den ein
wenig zur Seite, bzw. drehen ihn ein wenig. Auch ein Schritt zur
Seite reicht manchmal für himmlische Ruhe. Aber bitte merken,
wo es koppelt und den Platz dann während des Gigs auch konsequent
meiden. Diese beiden Maßnahmen sollten zuerst ergriffen werden,
denn sie haben enorme Vorteilen. Erstens kosten sie nichts und zweitens
wird der Sound für den Hörer nicht in Mitleidenschaft
gezogen. Außerdem braucht man kein Equipment, daß man
zuhause vergessen könnte.
Maßnahme Nummer drei ist etwas unhöflich zur Gitarre
- wir stopfen ihr das Schalloch mit diesen praktischen Gummistopfen,
die für wenig Geld im Handel angeboten werden. Natürlich
nur, wenn nicht über ein externes Mikrofon verstärkt wird
und wer Schallochpickups benutzt, muß sich diese Stopfen eben
etwas zurechtschneiden. Der Sound der Gitarre über den Tonabnehmer
wird dadurch sehr wenig beeinflußt, allerdings schwingt die
Decke nicht mehr ganz so frei. Mein subjektiver Eindruck ist daher,
daß die Gitarre zäher anspricht und das Sustain etwas
verkürzt wird. Das kommt aber sehr auf die Gitarre an. Einige
Gitarristen haben auch ein spielerisches Problem mit diesen Stopfen,
weil sie mit dem Plektrum oder dem Daumenpick/den Fingerpicks gegen
das Gummi stoßen. Es gilt also wie immer: Versuch macht klug!
Wenn auch das nicht geholfen hat, folgt der Griff zur Elektronik
- der Notchfilter. Ein Notchfilter ist ein sehr schmalbandig arbeitender
parametrischer Equalizer. Meistens wird ein Notchfilter über
zwei Regler eingestellt. Ein Regler ist für die Frequenz zuständig,
der andere für den Grad der Absenkung. Erst einmal maximale
Absenkung, dann den Frequenzregler einfach langsam herumdrehen,
bis die Rückkopplung verschwindet. Jetzt diese Frequenz vorsichtig
wieder aufdrehen, bis es erneut koppelt, dann eine Idee zurück
und fertig. Manchmal ist der Grad der Absenkung auch fest eingestellt,
dann muß eben nur die Problemfrequenz gefunden werden. Den
Einsatz eines Notchfilters hört man zwar schon, allerdings
nur, wenn man den Klang mit und ohne Notch-Bearbeitung vergleichen
kann. Seit kurzem gibt es quasi automatisch arbeitende Notchfilter,
die selbständig erkennen können, wenn und wo sich eine
Feedbackfrequenz aufbaut und dann eine entsprechende Absenkung vornehmen.
Das ist natürlich eine große Erleichterung, leider sind
diese Geräte aber ziemlich teuer.
Manchmal fangen die Rückkopplungen schon an, wenn man nur
den Gitarrenkoffer öffnet, bei anderen Gelegenheiten kann man
wahnwitzige Lautstärken ohne jegliche Probleme erreichen -
das ist kaum vorhersehbar. Daher würde ich den Gummistopfen
für das Schalloch und den Notchfilter nicht von Anfang an einsetzen,
sondern nur so wenige Maßnahmen wie nötig ergreifen.
Ein persönliches Wort zum Abschluss
Es gibt den heiligen Gral aller Musiker, den perfekten Sound. Aber
Vorsicht! Auch Akustikgitarristen können an G.A.S.
leiden und zwar nicht zu knapp!
|