The Talking Hands Collection


Beginners, Basics, Battlefields

Beginners IV: Tapping ... ein Anfang

So, hier nun mein Beitrag zum Thema "Tappen für Beginner"

Ich werde einmal die Grundsätze und die Spieltechnik erklären, und dann ein Beispiel für diverse Anwendungsmöglichkeiten (derer gibt es sehr viele) geben.

Erstmal kurz zur Geschichte: Tapping, also sozusagen die Erweiterung des Legatospiels mit der rechten Hand, gibt es schon länger als Viele denken.

Ich habe neulich noch ein altes Bild von Robby Krieger (The Doors) gesehen, in dem er anscheinend eine Art Tapping verwendete. Billy Gibbons von ZZ Top verwendete diese Technik schon Mitte der 70er Jahre, Brian May ist mit langsamen Tappings im Video zu "Bohemian Rhapsody" zu hören und zu sehen, ausserdem hat er es auf dem Queen-Album "News of the world" verwendet. Ein weiterer früher Benutzer war Harvey "The Snake" Mandel.

Allerdings haben all diese Leute das Tapping mehr für's Melodiespiel verwendet, um z.B. die Reichweite der rechten Hand zu verlängern, indem sie langsam Pull-Offs mit der linken Hand spielten, um dann weiter oben auf dem Griffbrett eine hohe Note zu tappen. Es sollte aber nicht mehr lange dauern, bis jemand dieses Tapping aufputzte und ganz enorme Sachen damit machte ...

Wir schreiben das Jahr 1978, und in der Redaktion der Zeitschrift "Guitar Player" wird eine Demoversion des Debütalbums einer Band aus Pasadena, CA abgeliefert, die sich Van Halen nennt. Das erste Stück "Running with the devil" zeigt schöne Sounds und songdienliches Gitarrenspiel, doch dann beim zweiten Stück ....

Es handelt sich um das Instrumental "Eruption" und in den 1:42 min, die das Stück dauert, revolutioniert der junge Gitarrist der Band die Rockgitarre ... wilde Divebombs, Hammer Ons, extreme Modulationseffekte und zum Schluss dann ein wahnsinnig schnelles Spiel, das überhaupt nicht nach Wechselschlag klingt ... die Redakteure der Zeitschrift denken an Keyboardtricks, schneller abgespieltes Band, zweiGitarren gemischt ... doch sie liegen falsch.

In den nächsten Jahren entdecken diverse Gitarristen (Randy Rhoads, Steve Vai) das Geheimnis von Eddie's Spieltechnik, und 1982 dann erklärt er seine Spielweise öffentlich im Guitar Player. Seitdem ist das Tapping durch viele Verwandlungsformen gegangen, es gibt unzählige Variationen, instrumentale und Soli mit Tapping ... dazu spaeter mehr.

Erste Schritte

Ich werde erst einmal die Technik erklären und ein erstes Beispiel geben. "Tapping" heisst, auf Deutsch übersetzt, "klopfen" ... und genau das tun wir auch. Wir klopfen mit der Spitze eines der Finger der rechten Hand eine Note auf dem Griffbrett. Anschliessend ziehen wir den Finger wieder ab, ähnlich wie beim Pull-Off der linken Hand.

Hier ein erstes Beispiel: Ein Finger der linken Hand liegt auf dem C (5.Bund, G-Saite), ein Finger der rechten Hand tappt am 12. Bund und macht dann ein Pull-Off, woraufhin wieder das C erklingt. Das Ganze wiederholen wir ein paar Mal:

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Diese Übung spielen wir nun mit unterschiedlichen Intervallen über's ganze Griffbrett.

Ein Wort zum Pick

Wohin mit dem Pick beim Tappen? Da gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, bei längeren Passagen z.B. kann man es sich mit etwas Spucke auf die Stirn kleben (Showeffekt, aber eklig ... haben Steve Vai und J.Batten mehrmals gemacht), oder in den Mund nehmen.

Ansonsten kann man entweder ganz einfach mit dem Mittelfinger tappen und das Pick wie immer zwischen Daumen und Zeigefinger halten, oder wie z.B. Eddie, zwischen die Fingerglieder des gekrümmten Mittelfingers klemmen und mit dem Zeigefinger tappen. So mache ich es z.B. auch und ich verspreche, dass es mit etwas Übung keine Probleme gibt, das Pick rechtzeitig wieder zwischen Daumen und Zeigefinger zu manövrieren.

Handhaltung

Und auch noch was zur Handhaltung: Man sollte den Daumen oder Handballen auf den Rand des Griffbrettes legen, um so eine Stütze zu haben (entspannter). Ausserdem sollte eine Dämpfung der linken bzw. rechten Hand stattfinden, um die ungespielten Saiten nicht erklingen zu lassen. Dabei aber darauf achten, dass man beim Lagenwechsel mit der rechten Hand keine Rutschgeräusche (sehr störend) erzeugt.

Wer diese Ratschläge von Anfang an beherzigt, entwickelt früh eine saubere Tappingtechnik, und damit klingt es halt noch beeindruckender.

Schritt #2

So, zweites Lick:

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Hier nun werden von der linken Hand zwei Noten gespielt: Hammer On vom C auf's D, Tap auf's G, Pull Off zum D, Pull off zum C und von vorne. Auch hier gilt: In allen Tonarten und über's ganze Griffbrett üben.

Schritt #3, dann #4 ...

Weiter geht's:

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Hier nun drei Finger der linken Hand im Einsatz, und es entsteht eine weite Streckung. Wichtig: Besonders bei Licks mit weiten Streckungen und Legatospiel sollte man darauf achten, sie am Anfang langsam zu üben, bzw. in hohen Lagen, wo die Bünde näher beieinander sind, anzufangen, um Schäden an Muskeln und Sehnen der Hand/Finger zu vermeiden.

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Dieses Lick erinnert sehr an eines der "Shredding for Oncatchers"-Licks. Ein Tapping mit reinen Pull-Offs und Leersaiten, wobei wir jedesmal die Saite wechseln. Dies kann sehr gut benutzt werden, um schnell von der tiefen zur hohen E-Saite zu kommen.

Aber Vorsicht: Dieses Lick steht in C-Dur/A-Moll, und man kann mit Lagenwechseln und Variationen ähnliche Licks in D-Dur, G-Dur und einigen weiteren Tonarten spielen. Dabei sollte man dann aber auch auf den harmonischen Zusammenhang achten, z.B. bei F#-Dur kann man von den Leersaiten nur das B verwenden.

Also: dieses Lick ist nur beschränkt in wenigen Tonarten zu verwenden. In anderen kann man aber z.B. triolisch ohne Leersaite Licks dieser Art spielen. Ich verweise jeden, der über die elementare Musiktheorie noch nicht genau Bescheid weiss, noch einmal auf die Theoriesektion von Just Chords!

Schritt #5 und #6

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So, hier nochmal: Drei Finger der linken Hand, mit teilweise Steckungen vom 5. zum 9. Bund, inklusive Saitenwechsel haben wir so ein schönes Lick in G-Dur/E-Moll. Auch hiermit kann man weite Intervalle schnell überwinden.

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Schritt #7

Nun wird's klassisch und wir kommen zu einer etwas anderen Anwendung des Tappings: Kein Pull Off der linken Hand, und das Tapping der rechten spielt verschiedene Pedaltones über die wechselnden Noten, die die linke Hand spielt.

Das Ganze klingt recht klassisch, und wer Bach's Fuge in F kennt, weiss wovon ich rede ... die kann man hiermit schön auf der Gitarre spielen [J.S. Bach gehört den Bassisten ... bassta! d. Sätzer]

Van Halen-Fans, die sich fragen, warum ihnen dieses Lick so bekannt vorkommt: Dieses Lick kommt in Eddie's Solo "316" auf dem Livealbum der Band "Right here, right now" vor. Ich rege zum Experiementieren mit Licks dieser Art an. Auch Joe Satriani hat bei "Always with me" etwas Ähnliches gemacht, allerdings gemischt mit Leersaiten.

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Nun wird's richtig schön harmonisch: Hier haben wir ein klassisches A-Dur Arpeggio, allerdings addieren wir noch die Sekunde (B) zu den Akkordtönen ([A, C#, E] = A Dur). In der Mitte des Taktes springen wir zur B-Saite und spielen das Ganze nochmal, erhalten also das gleiche Arpeggio, nur diesmal in E Dur.

Schritt #8

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So, hier wieder was aus meiner Serie "Wie komme ich mit wenig Aufwand schnell von tiefen zu hohen Positionen?", diesmal mit Tapping. Das Lick steht in G-Dur/E-Moll ... (Mann, bald muss ich mal anfangen, die Licks in anderen Tonarten auszunotieren, bin ja kein Bassist ...)

Wir beginnen auf jeder Saite mit einem Tap, und dann zwei Pull-Offs mit der linken Hand, dann Saitenwechsel ... d.h. wir brauchen das Pick überhaupt nicht bei diesem Lick. Auf der hohen Saite "klettern" wir dann nach oben, um mit einem Tap auf's hohe D zu enden. (Strat- und Telespieler hämmern auf's C# und machen dann schnell ein Bending mit dem Tappingfinger, einen Halbton nach oben ... trickreich, oder? grins ...)

Auch hier, wie immer: Analysiert Euch das Lick durch, baut Euch Fingersätze und spielt es in diversen Tonarten.

Schritt #9, Finale

So, zuletzt noch ein bekanntes (mehr oder weniger, geb ich ja zu) Lick als Beispiel für die vielen Möglichkeiten des Tappings. Es handelt sich um Paul Gilbert's (Mann, bald haut der Sätzer mir auf's Maul, wenn ich nicht aufhöre, Paul zu erwähnen ... [Was soll ich gegen Paul McCartney haben ... ?]).

Ok, hier ist der Deal: Im nächsten Artikel, egal welches Thema, kein Verweis auf PG, ok ? "Green-tinted sixties mind"-Intro, vom Mr.Big Album "Lean into it"...

Als ich das Intro das erste Mal hörte, bin ich fast vom Stuhl gefallen. Erstens klingt es wirklich schön und erfrischend anders, zum Anderen klingt es verwirrend, fast schon rückwaerts. Als ich die Band dann live sah und Paul das Ding spielte, wurde mir klar, dass er dieses trickreiche Lick erfunden hat, um einen Rückwaerts-Effekt beim Hörer zu erzeugen.

Im MIDI-File klingt es nicht besonders beeindruckend, besorgt Euch die CD oder hört zumindest 'mal beim Kumpel oder so rein ... es lohnt sich.

Also, hier das Lick

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Wir sehen, Paul schlägt die leere E-Saite an, hämmert auf's F# (Grundtonart ist übrigens E-Dur), Pull-Off zum E, leere B-Saite angeschlagen, E-Saite, Hammer On auf's B, Pull Off zum A, dann zurück zum E, dann A und B auf G-Saite, leere E-Saite anschlagen, Hammer On auf A und B und nun geht Paul's Hand Richtung Griffbrett zum Tappen ...

Tap auf's hohe E, Pull Off zum B und zum A, Tap auf's hohe A, Pull Off vom E zum D (Reibung, da D in der Tonart nicht vorkommt, passt aber trotzdem schön), nochmals Tap auf's A, Hammer On's auf's tiefere A und das B, Tap auf's G# , Pull Off zur leeren E-Saite, dann über G# und B, dann ein weiterer Trick:

Paul tappt auf's E (12. Bund), rutscht dann mit dem Tapping-Finger auf der Saite zum G# (wie beim normalen Sliden), dann zurück zum E, Pull Off's und Schluss.

Ihr müsst zugeben, dass das Ganze recht trickreich ist. Ganz wichtig ist, dass, wenn ihr das Lick lernen wollt, Ihr ganz langsam anfangt und sicherstellt, dass die zugegebenermassen verwirrende Tonfolge genau der Notation entspricht, und dann erst das Tempo steigern. Paul spielt es sowohl live als auch im Studio sehr, sehr (sagte ich sehr) schnell und präzise.

Zu beachten ist, dass die rechte Hand am Anfang mit dem Pick die Anfangsnoten anschlägt, sich dann zum Griffbrett bewegt und am Ende des Licks wieder zurückgeht (Paul spielt das Lick insgesamt viermal hintereinander). Auch hier stecken, wie ich finde, 'ne Menge Ideen drin. Also: baut Euch eigene Licks!

You're welcome

So, das war's erstmal. Es ist nicht einfach, einen repräsentativen Überblick über das Tapping zu schaffen, dazu ist das Thema viel zu komplex. Ich werde wahrscheinlich noch ein paar schwerere Tapping-Licks sammeln und unter "Creative Leadguitar: Fortgeschrittenes Tapping" veröffentlichen.

Wie gesagt, das Thema ist riesig, und Tapping ist nicht halb so langweilig wie Viele denken ... nur muss man halt einfach mal selbst ein bisschen experimentieren und sich was Eigenes ausdenken, so wie es Paul halt bei "Green-tinted..." gemacht hat.

So ... wie immer: Hassbriefe, Fragen und Anregungen (Ideen, Wünsche u.s.w.) an talkinghands@web.de [Geschenke und Barleistungen dagegen immer an den Sätzer ... ]

 
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