Creative Leadguitar
Scales & Patterns Part III - Die Pentatonik
So, machen wir doch einfach mal nen Sprung zurück . nach den fünf Major- und
den sieben Longform-Patterns sollte ich auf jeden Fall die pentatonischen Patterns
ansprechen. Wie bitte? Höre ich Beschwerden? Höre ich wieder Kommentare wie
"Ach Gott, die Pentatonik . die ist doch sooooooo langweilig und tot!"? Da lege
ich doch gleich mal Widerspruch ein! Die Pentatonik ist nicht langweilig, altmodisch
oder eine "Anfängerskala". Ganz im Gegenteil. Was altmodisch und langweilig
ist, ist der Ansatz beim Benutzen der Pentatonik. Und der liegt bei uns selber.
Da hört man doch einfach immer wieder die selben alten Licks, seien wir doch
mal ehrlich. Die Pentatonik ist immer noch (das war sie und wird sie wohl auch
bleiben) eine interessante und hilfreiche Konstruktion, ein nützliches Werkzeug
für jeden mit ein wenig Fantasie und Kreativität. Mein altes Musterbeispiel
für jemanden, der die Pentatonik immer noch interessant klingen lassen kann,
ist immer noch Eric Johnson. Der benutzt die pentatonische Skala immer noch
andauernd und schafft es dabei immer wieder, sie interessant klingen zu lassen
und sie anders als gewohnt einzusetzen. Dazu bedient er sich am üblichen Trickvokabular
der modernen Rockgitarre . und verwendet z.B. grosse Intervallsprünge und Positionswechsel,
sowie eine grosse Auswahl an verschiedenen Phrasierungen.
Also ich hoffe dass einige von Euch inzwischen die Johnson-Nummer "Desert Rose"
(von "Ah Via Musicom") kennen.oft genug genervt habe ich ja in anderen Artikeln
schon damit. Die Soli basieren fast komplett auf der pentatonischen Skala. Und
wenn ich mir das so anhöre, klingt das überhaupt nicht langweilig oder tot.
Ganz im Gegenteil (Mal so nebenbei: Eric ist eine äusserst selbstkritische Person
und bezeichnet jenes Solo als sein ultimatives solistisches Statement. Soviel
dazu.)
Und der gute Eric ist noch nicht einmal das einzige Beispiel . Michael Lee
Firkins, Andy Timmons, Steve Lukather, Steve Vai, Paul Gilbert (da is'ser wieder,
Rainer .freuste Dich? [Hörst Du
mich stöhnen? d.S.]), Scott Henderson . die Liste ist
endlos.
Nun aber zur Sache. Erst einmal.watt is denn nu ne pentatonische Skala. Ganz
einfach. Hier ein Vergleich mit einer C Dur Skala zum Vergleich:
| C Dur: |
C - D - E - F - G - A - B - C |
| C Pentatonik: |
C - D - E - G - A - C |
Wie wir sehen, handelt es sich bei der Pentatonik grundsätzlich um eine Dur-Skala,
die wir der Quart und Sept (4 und 7) berauben. Diese beiden Intervalle hatte
ich ja früher schon mal erwähnt . Stichwort "Tension" . In der Pentatonik kommen
die also nicht vor. Trotzdem sollte man sie nicht als "Durskala für Blöde" oder
"charakterlose Skala" sehen. Lacht nicht .genau solche Schoten habe ich schon
bei meinen Workshops gehört. Die pentatonische Skala ist eine ganz eigenständige
Skala, mit einem ganz spezifischen Klang und Charakter.
Wer sich mal meinen Artikel über die Pentatonik durchliest
und sich die MIDI-Files anhört, wird das wohl selbst feststellen. Nun gut, sehen
wir uns das Ganze doch mal auf dem Griffbrett an, so wie wir es schon in den
anderen Artikeln gemacht haben. Hier erst einmal der ganze Hals bis zum 15.
Bund, mit allen Noten der C Dur-Pentaonik markiert. Die Prime (C) ist wie immer
rot.
Und hier nochmal das Gleiche, nur habe ich jetzt das Ganze in fünf handliche
Patterns aufgeteilt. Gleiche Prozedur wie in den anderen Scales & Pattern-Artikeln.
Und um die Unterschiede mal ganz klar zu machen, vergleichen wir doch einfach
mal die fünf Major-/Dur-Patterns mit den fünf pentatonischen .
Wie man nun ganz gut sehen kann, sind die Dur- und Pentatonik-Patterns miteinander
verwandt. Klar, keine Frage. Im Endeffekt haben wir ja wie gesagt einfach die
4 und 7 (F und B) aus der Durskala entfernt.
Viele meiner Schüler haben die Durpattern gelernt, indem sie sich zuerst die
pentatonischen draufschafften und dann später "die Lücken füllten", also die
4 und 7 wieder einsetzten. Und selbst wenn es um das Erlernen anderer Skalen
(z.B. die Modes wie Dorian, Lydian etc. oder auch eher exotische Skalen) geht,
kann der Einstieg durch die Pentatonikpatterns sehr erleichtert werden. So,
jetzt aber mal was zwischendurch.
Ich weiss dass all dieses Scales & Pattern-Zeugs ein eher kritischer Ansatz
ist, wenn es um Musik geht. Ich würde gerne anmerken, dass all das nichts weiter
als ein Werkzeug, ein Hilfsmittel ist. All dies soll uns beim Musik machen helfen,
und die besteht nicht nur aus ein paar Patterns. Was z.B. die Dur-Patterns erlauben
ist, dass wir in jeder Tonart über den ganzen Hals spielen können, ohne falsche
Noten dabei zu haben (vorausgesetzt natürlich, dass wir die Dinger auch lernen).
Was wir aber im Endeffekt spielen, liegt an uns selbst, das heisst WIR müssen
da noch "Musik dazumischen". Ob wir einfach nur durch die Patterns shredden
oder ganz einfache, aber wunderschöne Melodien kreieren, liegt an uns selbst,
und eines der Hilfsmittel dazu können diese Patterns sein.
Ich glaube es wird Zeit, dass ich eine romantische Metapher einbaue, was denkt
Ihr? Stellt Euch vor ihr wollt ein Bildhauer sein, ihr habt den Willen und die
Intention dazu, und Ihr habt einen grossen Granitblock. Alles was ich tue ist,
Euch ein paar Werkzeuge in die Hand zu drücken (z.B. Hammer und Meissel), und
ein paar grobe Ecken und Kanten des Blocks wegzumeisseln. Alles was ihr daraus
dann macht, mit den Werkzeugen und einem rohen Granitblock, liegt an Euch. Alles
was ich gemacht habe ist ein paar Kanten wegzuschlagen sowie ein klein wenig
Hilfestellungen und Richtlinien zu geben. Mann, ich sollte Dichter sein.naja,
vielleicht auch nicht.
Aber im Ernst, diese Patterns sind die mechanische Seite des Spielens. Ihr
solltet sie als Werkzeug oder Richtlinie sehen, die Ihr benutzen oder sogar
ein wenig alterieren könnt, um Eure Musik zu kreieren. Ihr MÜSST nicht stur
in den Patterns bleiben. Probiert mal "Outsidespiel". Experimentiert auch mal
mit Spielertricks wie grossen Intervallsprüngen oder Solospiel auf nur einer
Seite . alles ist möglich. Also, soviel dazu. Licks gibt es diesmal nicht, die
hatte ich schon im Pentatonikartikel. Und im Endeffekt will ich es Euch überlassen,
was Ihr draus macht.
Und vergesst mir die Musik nicht.
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