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Music Man OLP MM2 4 String-Bass (China, 2003)
Das ideale Zweitinstrument?
Reviewer: Rainer
Website: http://www.olp-music.info/
Typ: Elektrisch Magnet-PUs (4saitig)
Preis: 339,-- Euro (Neu)
Korpus: Linde klarlackiert
Hals: Ahorn
Griffbrett: Ahorn
Bundierung: 21 medium sized frets
Pickups: 1x MM Dual-Coil Humbucker (passiv)
Elektronik: 2x Volume 1x Tone (passiv)
Fazit:

Irgendwie war mir so über die Zeit mein Zweit-Bass verlustig gegangen. Und da ich im Proberaum Flat-Tuning brauche, zu Hause aber Standard, musste noch ein Zweit-Bass her. Zu viel kosten sollte er nicht, ich tendierte zu einem Squier P oder J, oder zu etwas Gebrauchtem. Beim Durchstöbern von Katalogen und auch Reviews stieß ich auf den OLP MM2, eine lizensierte Kopie des Musicman Stingray, und auf begeisterte Beurteilungen. Auch in einem G&B-Test schnitt der OLP gut ab, also warum nicht mal etwas Anderes als mein geliebter Jazz Bass?

Den Preis, als enorm niedrig gepriesen, muss man genauer betrachten. Listenpreis ist 453€, im Natur-Look kostet der OLP MM2 bei Musik Produktiv in Ibbenbüren 339€, bei Thomann etwas mehr. Mein Fender MIM Jazz Bass kostete 1995 knapp unter 800DM, somit relativiert sich der Preis etwas, was aber an der Teuro/$-Inflation liegt, ein MIM Jazz kostet heute so um die 550€! Aber der Preis für den OLP schien ok.

Der OLP MM2 orientiert sich stark an seinem Original, dem Musicman Stingray, wesentliche Unterschiede sind die passive Regelung, einfachere Hardware und natürlich der Pickup. Letzteren kann man relativ einfach gegen einen Delano oder beliebigen anderen MM-Pickup austauschen, ein Vorteil der allgemeinen Verbreitung dieses Instrumentes wie bei Fender J und P, nicht zuletzt auch für mich ein Argument für den OLP. Obwohl die Hardware einfach, zweckmäßig und schlicht ist, kann man nicht meckern. Die Tuner arbeiten weitgehend tadellos, die Bridge ist auch nicht schlechter als bei einem Fender, der Sattel aus Plastik (wie bei einem 2000€-US-Fender auch). Die Lackierung ist einwandfrei, das Instrument kommt optisch tadellos aus dem Karton. Die Werkseinstellung ist so la'la. Da kann erst einmal etwas tun. Ernie Balls runter, D'Addarios drauf, Sattel richtig einfeilen, Hals gerade stellen, Saitenlage runter, kompletter Setup. Die Einstellung der Halskrümmung mit der gelochten Scheibe am Halsende ist genial, kein Suchen nach zölligen Imbus' nötig, zur Not geht jeder mitteldicke Schraubendreher. Die Innenimbus-Maden in der Bridge sind natürlich andere als bei Fender oder Yamaha, etwas größer. Aber metrisch, nicht zöllig. Die Spannfedern für die Bridge-Reiter sind etwas unterdimensioniert, Intonationseinstellung erfordert manuelles Verschieben der Reiter. Nach diesen Vorarbeiten spielt sich der OLP gut und entspannt. Die Saitenlage kann sehr niedrig eingestellt werden, Lob für die exakte und feine Bearbeitung in der chinesischen Fabrik. Die Bearbeitung der Bünde ab Werk ist mehr als gut, keine Grate, keine Unregelmäßigkeiten. Und für 340€ ist das sogar eine sehr gute Bundierung. Ein kleines Manko für mich ist der einzelne Pickup, mir fehlt der Hals-Pickup als Daumenstütze. Wahrscheinlich werde ich eine nachrüsten, auch wenn mich jemand schräg anschauen sollte.

Das Spielgefühl des OLP MM2 erinnerte mich auf Anhieb sehr stark an einen Japan Fender Precision aus den mittleren 80er Jahren. Der Hals ist mit 41mm etwas breiter als beim Jazz Bass, ähnlich einem Precision, nicht gerade halbierter Baseball-Schläger, aber schon eine gut verrundete D-Form. Der Standfestigkeit und dem Sustain kommt das aber zu Gute, denn das Sustain ist wirklich beeindruckend und steht lange im Raum. Deadspots habe ich nicht gefunden. Das Instrument ist auch nicht leicht, etwas leichter als ein Jazz Bass, ich schätze so 4.4 bis 4.5kg. Das ausgeprägte Shaping des Korpus und die Fender-Form sind aber angenehm, am Gurt hängt der OLP MM2 absolut ausgewogen und bequem. Trotz des etwas breiteren und satteren Halses spielt sich das Instrument auch in fixeren Passagen gut und präzise. Auffällig ist die schon fast gefährlich direkte Tonansprache des OLP; Tapping oder Hammer-Ons kommen mit fast dem gleichen Pegel wie normale Anschläge. Daher ist Dämpfung wichtig, aber unproblematisch.

Ich hatte mal einen Stingray in der Hand, trocken, den Sound selbst kannte ich nicht wirklich. Als ich aber zum ersten Mal den OLP am Amp hatte, erkannte ich den Sound auf Anhieb wieder. Ich kann nicht beurteilen wie nahe er nun am Stingray liegt, aber der Wiedererkennungswert ist sofort da. Ich würde sagen, der OLP klingt wohl ganz ähnlich wie ein Stingray. Was mir fehlt, ist Varianz in den Sounds. Man kann zwar die beiden Spulen des PU einzeln mischen, aber sehr viel unterschiedliche Sounds kann der OLP so nicht. Ein wenig mehr Attack, ein wenig mehr Pfund, viel mehr gibt die passive Regelung nicht her, jeden Falls nicht im Vergleich zu Bässen mit separaten Hals- und Bridge-Pickups. Die Höhenblende greift übrigens erst auf den letzten 45° sehr deutlich, das könnte man durch ein anderes Poti oder einen anderen Kondensator ändern. Überhaupt könnte man an diesem Bass prima basteln, sind MM-Parts doch gut und reichlich zu bekommen.

Bei ersten Anspielen solo war ich ein wenig enttäuscht. Es klang doch ziemlich dünn und sehr drahtig, zu drahtig, ohne Fülle. Ach ja, der Amp ist ja noch auf den Jazz Bass eingestellt, also etwas mehr Tiefbässe, Hochmitten und Höhen zurück, Ambience-Regler weiter auf, mehr Kompression. Aaaaaaah ja! Das klingt schon anders. Aber der Entschluss für einen anderen Pickup stand schon fast fest. Bei der ersten kompletten Probe änderte sich dieser Eindruck. Sobald der Amp einen anständigen Pegel bringt und die Spielweise ein wenig rauer wird, kommt der OLP gut durch, er braucht eben nur etwas mehr Dampf. Im Bandpegel ist der Sound des OLP MM2 pfundig, mit einem ganz deutlichen Hochmitten-Anteil, ziemlich crisp und mit kräftigem Attack. Stingray-artig eben. Er trägt verdammt gut, klingt akzentuiert und ist nicht zu überhören. Kein Bass für Reggae oder Traditional Blues, aber für Funk und Rock eine sicherlich gute Wahl. Es ist in Original-Form vom Sound her sicher kein Bass für frickelige Solo-Arbeit, auch wenn die leichte Bespielbarkeit dies unterstützen würde. Aber im Band-Kontext liefert der OLP MM2 im Rahmen des Möglichen alles was man braucht, vor allen Dingen Wumms und Druck plus Höhen und Attack. Abstriche muss man beim Original-Pickup ion der Transparenzt machen, Mehrsaiten-Akkorde sind nicht unbedingt die Stärke des OLP-Pickups. Dass bei Bässen dieser Preisklasse aber der Pickup i.d.R. das schwächste Glied ist, ist eine Binsenweisheit. Weil jedoch die Hardware-Basis gut ist und die Verarbeitung auch, kann man leichten Herzens einen Hunni für einen anderen Pickup spendieren (siehe dazu auch Harry Häussel MM-Style Pickup!)

Der Preis geht also mehr als in Ordnung, sogar der Pickup ist in dieser Preisklasse genau genommen besser als üblich, die Verarbeitung makellos. Er ginge auch ohne Weiteres als Erstinstrument durch, nicht nur für Anfänger, die Qualität und der Sound reichen dafür aus. Meinen heavily-modified MIM Jazz Bass wird er so schnell nicht ablösen, aber der hat auch Jahre des Reifens gebraucht. Dem OLP MM2 würde ich das auch nicht absprechen, mal sehen, was aus ihm wird. Den Kauf habe ich auf jeden Fall nicht bereut, ist ein nettes und wahrscheinlich zuverlässiges Instrument.

Bewertung:
Bespielbarkeit: 9 / 10
Sound: 8 / 10
Optik: 9 / 10
Preis/Leistung: 10 / 10

GESAMT: 9 / 10
 
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