Tap, Tap, Tap ... der Tapper
Hintergründe, Historie, Risiken und Nebenwirkungen lassen
sich beim Kollegen mit den
dünnen Saiten nachlesen. Und einen Artikel über
Tapping haben wir auch schon bei Bernd und seiner Reise
durch's Realbook. Argumentieren muss ich da also auch
nicht mehr. Daher ab in medias res. Tapping, war das,
glaube ich. Da gab es doch mal eine Serie von Ian Stephenson,
Tapping
For Electric Bass. Nehmen wir den also einfach, war
nämlich didaktisch gut gemacht, ein wenig TablEdit
und MIDI und fertig ist der Monster-Artikel. Na vielleicht
nicht ganz so schnell ... Es ist keine reine Übersetzung
der Stephenson'schen Artikel, sondern ich habe das Konzept
aufgenommen und einige Beispiele verwendet. Und Dave LaRue
aus dem Bass Player
ist auch zitiert, und Einiges von mir. Trotzdem, Ian war der
Ansatzpunkt.
Was ist Tapping?
Vom Begirff her kommt es von tapping = das Steppen,
man steppt also quasi mit den Fingern auf dem Griffbrett herum.
Was man nun damit anfängt, ist sehr unterschiedlich und
es gibt auch mehrere Methoden, Tapping zu benutzen. Aber wie
bereits Bernd in seinem Jazz-Tapping gezeigt hat, ist es sehr
nutzbringend, wenn man es in Kenntnis der Methodenlehre zu
Akkorden benutzt. Mit Tapping kann man nämlich sehr elegant
Akkorde spielen, und das auch auf dem Bass über grosse
Bundanstände. Eine andere Sparte ist die, dass man mit
Tapping sehr schnelle Folgen von Noten spielen kann, was dann
wieder die Gitarristen und Sängerinnen beeindruckt. Mit
einem Van Halen-Jünger oder Satriani-Verschnitt sollte
man sich aber nicht anlegen. Da sprech ich nur aus Erfahrung.
Also noch mal.
Werden im Standard-Mode die Saiten dadurch in's Schwingen
gebracht, dass sie mit der Anschlagshand angerissen werden,
geschieht dies beim Tapping dadurch, dass sie mit der Anschlagshand
und/oder der Greifhand auf das Griffbrett, resp. die Bünde,
aufgeschlagen werden. Auch so wird durch die Energie-Zufuhr
die Saite in Schwingung versetzt.
Aber was ist nun der Unterschied? Genau der, dass die Auslenkung
der Saite geringer und durch die andere Art der Energie-Zufuhr
und Auslenkung auch der Klang ein anderer ist. Ein Beispiel?
Bitte sehr:
| Dream Theater, John Myung am Chapman Stick |
 |
Tapping, erst auf der E-Guitarre, dann noch auf dem Bass.
Und da hört man den spezifischen Sound, so prägnant
und definiert. Wenn das nicht zum Weitermachen motiviert.
Kleines Detail am Rande: dieser andere Sound entsteht dadurch,
dass die Saiten in einer anderen Oberton-Struktur schwingen,
verglichen mit dem 'konventionellen' Anschlag.
Gibt es doch sogar Instrumente, die nur im Tapping gespielt
werden, nämlich die Sticks des alten Kollegen Mr. Chapman.
Genug der Vorrede, wie ist Tapping und wie geht das so ...
? Folgen wir Ian Stephenson in seiner Methode, die ich für
sehr gut und nachvollziehbar halte.
Stufe I: Tapping im Kleinen
Nehmen wir also unseren Bass, lassen die Anschlagshand so
weit wie möglich vom Instrument und greifen mit angenehm
hoher Geschwindigkeit die A-Saite im 12. Bund. Genauer: wir
schlagen sie auf das Griffbrett auf. Und wir bekommen ein
A (was uns nicht wirklich wundert). Wir lassen die Saite eine
gute Sekunde schwingen und nehmen dann den Finger wieder von
der Saite. Trivial? Nicht ganz, denn zwei Dinge sind hier
schon zu beachten:
- Das Aufschlagen sollte so erfolgen,
dass die Saite wirklich kräftig schwingt und ein deutlicher
Ton entsteht. Das hängt auch von der Aufschlagsposition
ab, die sollte möglichst nah am Bund, aber nicht auf
dem Bund liegen. Auch das Instrument und der Zustand der
Saiten sind nicht ganz unbeteiligt.
- Genauso zuverlässig, wie
man die Saite in Schwingung versetzt, sollte sie auch wieder
zum Schweigen kommen. Das Abheben soll gerade und zuverlässig
dämpfend erfolgen.
| Als Tabulatur wäre das dann: |
G|----------------|
D|----------------|
A|-12-------------|
E|----------------|
H |
Das 'H' unter der Note bezeichnet einen Hammer-On,
denn das ist genau das, was wir mit der Greif-Hand getan haben.
Das Aufschlagen mit der Greifhand ist ein Hammer-On,
nicht schon Tapping.
Nun kommt unsere Anschlagshand in's Spiel. Die Greifhand
bleibt in gleicher Position. Wir positionieren den Arm der
Anschlags-Hand so, dass der Ellbogen irgendwo über der
Bridge schwebt, legen den Daumen der Anschlagshand auf den
oberen Rand des Griffbrettes, so dass der Zeigefinger und
der Mittelfinger vor dem 14. Bund der D- und G-Saite schweben.
Aushalten ... und schlagen mit dem Zeigefinger die D-Saite
vor dem 14. Bund auf's Griffbrett:
| Wieder als Tabulatur: |
G|---------|
D|-14------|
A|---------|
E|---------|
T |
Und das ist jetzt Tapping. Voilá. Wir haben
getappt. Das 'T' unter der Note zeigt es eindeutig. Was ist
wichtig?
- Die getappte Note sollte in der
gleichen Lautstärke erklingen wie die Note, die wir
gehämmert haben. Das muss man üben und für
sich ausprobieren. Und der Mittelfinger hat nix getan! Der
ist immer noch oben!
- Genauso wie zuvor muss man auch
die getappte Note wieder so zuverlässig zum Abbruch
bringen. Auch das ist
Übungsfeld.
- Die Fingerstellung und Handhaltung
wird sich mit der Zeit verändern, so dass jeder eine
ganz individuelle Art des Tappings entwickelt. Am Anfang
empfiehlt sich die zuerst genannte Form.
Und nun beides zusammen: Zuerst machen wir einen Hammer-On
mit der Greifhand im 12. Bund der A-Saite, dann ein Tap mit
dem Zeigefinger im 14. Bund der D-Saite. In genau dosiertem
Abstand, mit sauberem Stop der Noten. Und zwar lassen wir
zuerst die A-Saite weiterschwingen, im nächsten Takt
spielen wir echte Einzelnoten!
| Eine getappte Quinte: |
G|----------|---------|
D|:-----14--|-----14-:|
A|:-12-[12]-|-12-----:|
E|----------|---------|
H1 T1 H1 T1
|
Die eckigen Klammern zeigen uns das Halten der Note an, im
ersten Takt. Die Dopfelpunkte, dass die beiden Takte wiederholt
werden, bis zum bitteren Ende. Zeit, nun unseren Mittelfinger
in's Spiel zu bringen. Zuerst wieder simpel und allein, und
wir achten auf das 'T2' unter der Tabulatur, denn das sagt:
'Tappe mit dem 2. Finger' ...
| Mittelfinger-Tap: |
G|-14------|
D|---------|
A|---------|
E|---------|
T2 |
Hat's geklappt? Prima, denn jetzt kombinieren wir:
| Kombination #1:: |
G|------14--|-----14--|
D|:-14-[14]-|-14-----:|
A|:---------|--------:|
E|----------|---------|
T1 T2 T1 T2
|
| Kombination #2: |
G|----------|-----14--|
D|:-----14--|--------:|
A|:-12------|-12-----:|
E|----------|---------|
H1 T1 H1 T2
|
| Kombination #3: |
G|----------|-14------|
D|:-----14--|-----14-:|
A|:-12------|--------:|
E|----------|---------|
H1 T1 T2 T1
|
Gar nicht so einfach wie angenommen? Das ist tatsächlich
so! Darum wieder unsere Prioritätenliste:
- Ziel Nummer Eins bisher ist Präzision
in den Punkten Timing und Dynamik. Die Noten sollen sicher
und mit weitgehend gleicher Lautstärke kommen.
- Unsere Anschlagshand, wenn wir
Tapping-Anfänger sind, ist diesen Bewegungsablauf nicht
gewohnt, unser Gehirn und unsere Muskeln müssen diese
Vorgänge erst einmal erlernen. Und das braucht Zeit!
- Also: Zeit nehmen, im Tages-Abstand
wiederholen. Ein paar Minuten pro Tag reichen am Anfang,
denn die Wiederholungsrate ist der Schlüssel, nicht
die Länge des Übens oder die Geschwindigkeit.
Bisher haben wir halbe Noten gespielt. Ist dies einigermassen
sicher, steigern wir uns für den nächsten Teil auf
Viertelnoten:
| Tapping in quarters: |
G|----------14------|
D|:-----14------14-:|
A|:-12-------------:|
E|------------------|
H1 T1 T2 T1
|
Und wenn wir schon von Noten sprechen: das Metronom oder
der Drum-Computer helfen uns hier (auch wenn ich mich jetzt
wieder mit Jeff Berlin anlegen würde). Nehmt Euch alle
Zeit der Welt. Tapping erlernt sich nicht in ein paar Minuten.
Erst wenn das sitzt, gehen wir in die zweite Phase. Ach ja,
was haben wir bisher eigentlich gespielt? Klaro ... A = Grundnote,
E = Quinte dazu, A auf der G-Saite = Oktave, bleibt das Intervallmuster
1 - 5, also der A5, der Powerchord, der Gitarristen-Liebling.
Simpel, macht aber nix. Reicht uns hier allemal.
Nun wird's harmonisch
Interessant wird es aber erst, wenn man nun dieses Tapping-Muster
verschiebt, denn dann kommen Akkord-Wechsel hinzu. Und da
liegt auch ein Witz beim Tapping: es werden ja nur Noten ohne
Leersaiten gespielt. Also sind die Muster beliebig verschiebbar.
Daher reicht sicher etwas TAB für den letzten Abschnitt
dieser Stufe I ... Achtelnoten, wieviel bpm Ihr Euch halt
zutraut:
| Shifting the pattern: |
G|------14------12---|----10------10------12----|
D|:---14--14--12--12-|--10--10--10--10--12--12-:|
A|:-12------10-------|-8-------8------10-------:|
E|-------------------|--------------------------| |
Alles klar? Natürlich ... irgendeinen Grund muss es
ja haben, dass dieser Artikel so länglich und ausufernd
ist. Ian Stephenson hat das nicht anders gesehen.
Nochmal, in Kenntnis der eigenen Ungeduld: Nehmt
Euch Zeit und Muße! Das geht nicht in 3 1/2 Minuten!
Diese Patterns sollte man üben, bis die zwei Haupt-Merkmale
vollständig erfüllt sind, nämlich 1.) Präzision
und exaktes Timing, 2.) gleiche Lautstärke der
Noten. Und gerade der Anfang fällt beim Tapping sehr
schwer und ist langwierig. Also nicht entmutigen lassen!
Null Problemo?
Schön. Aber trotzdem, wenn man schon reingefallen ist,
hinterher ein paar weitere Anmerkungen, bezüglich Stolperfallen
und so.
- Auf welchem Instrument ist Tapping
leichter, auf einem schlechtem oder einem guten Instrument?
Falsch! Das gute Instrument reagiert viel sensibler
auf Dynamik und nimmt schlechte Dämpfung viel übler.
Auch sind die Pickups dann meist von besserer Qualität,
und schon ein leichtes Anschwingen der Saiten ist deutlich
hörbar. Beim Schalungsbrett mit Griff gehen geringe
Saitenschwingungen verloren. Tapping auf einem 'NeckThru'-Bass
(*) mit aktiven PUs und guten
Hölzern (vor allen Dingen harten) ist die Hölle.
- Wie kann man das verhindern?
Ein dünnes Filzplättchen, so breit wie das Griffbrett
und so lang wie der Abstand zwischen Sattel und erstem Bund,
dick genug, damit es nicht rausfällt, dünn genug,
damit die Saiten nicht spürbar angehoben werden, zwischen
Griffbrett und Saiten direkt hiner dem Sattel, erleichtert
es am Anfang und später auch. Siehe: Handarbeits- und
Bastelgeschäfte. Schaumstoff oder dicker Stoff geht
auch.
- Wie bei der Stange bleiben?
Setzt man Tapping nur sehr selten ein (wie z.B. ich), kann
eine Konzentration auf die Greifhand sinnvoll sein. Also
mehr auf Hammer Ons konzentrieren. Kommt unten noch ein
Beispiel.
| (*) |
Der Hals ist von
der Kopfplatte bis zur Bridge ein einzelnes Stück
Holz, keine Schraubungen oder Klebungen. Bewirkt sehr
intensives
Sustain und kräftige Oberton-Entwicklung. |
Wo waren wir stehengeblieben?
Ach ja, beim letzten Mal hatten wir ja das hier gespielt,
eine Abwandlung von All Along The Watchtower, von Jimi,
nun in der besseren Rhythmik hier noch einmal in einer anderen
Form:
e e
e e e e e e e
e e e s s s s
s s s s
|--------14----------12----|-------10----------10----------12-----|
|:----14----14----12----12-|----10----10----10----10----12----12-:|
|:-12----------10----------|--8-----------8----------10----------:|
|--------------------------|--------------------------------------|
H1 T1 T2 T1 H1 T1 T2
T2 H1 T1 T2 T1 H1 T1 T2 T1 H1 T1
T2 T1 |
Und das sollte ja laufen. Versucht es nun in der schnelleren
Variante.
Toll! Und?
Und weil das alles so schön war, machen wir jetzt ein
paar Variationen dieser Sache. Der nächste Schritt in
dieser Geschichte ist die Anwendung von 'Double Stops'. DSs
sind zwei Noten, die zusammengespielt werden und nicht identisch
sind, also ein Intervall (kein Akkord!).
Haben wir bisher die mit der Anschlagshand getappten Noten
nacheinander gespielt, werden beim Double Stop die Noten zur
geichen Zeit gespielt. Klaro?
q q
e e q q
q e e
e e
|-------14-----------12----|------10--------10-------12----|
|:------14-----------12----|----------------10-------12---:|
|:-12----------10-10-------|-8----------8--------10-------:|
|--------------------------|-------------------------------|
h2 T12 H1 H1 T12
H1 T12 H1
T12 H1 T12 |
Watten nu? Mit dem 12. Finger tappen? Natürlich nicht
... T12 = T1 + T2. Das sind eben die Double Stops. Auffallen
könnte hier noch das andere Fingering, nämlich das
HammerOn mit dem 3. Finger. Dies reduziert notwendige Hand-Bewegungen,
erfordert aber auch wieder einen konsistenten Sound. Eine
mögliche Variante ist dann noch, nicht dieses Rhythmus
gerade durchzuspielen, sondern in Wiederholungen mit leichtem
Onboat/Offbeat etwas abzuwandeln.
Die Noten sind 5er-Formen der Akkorde Am, G und F.
Der Vorteil der Double Stops ist, dass es sehr breit und
füllig klingt. Allerdings passiert es hier, dass die
eigentliche Bassline im Gesamtsound verloren geht. Daher empfehlen
sich solche Spielchen nicht für durchgehende Bass-Arbeit.
Also müsste man die Sache aufspalten, damit man wieder
in die unteren Lagen kommt und das entsprechende Bass-Fundament
liefert. Das geht, ist der nächste Schritt und erfordert
einen weiteren Koordinations-Aspekt:
q
q e e q q q e e e e
|-------14-----------12----|------10--------10-------12----|
|:------14-----------12----|------10--------10-------12---:|
|:-------------------------|------------------------------:|
|--5-----------3--3--------|-1----------1--------3---------|
H2 T12 H1 H1 T12
H1 T12 H1 T12 H1 T12 |
Jetzt hat man nämlich nicht mehr unbedingt alle Finger
im Blickbereich, und damit wird es etwas härter! Und
darum ist es ein erhöhter Schwierigkeits-Grad. Da hilft
nur üben und mit dem Griffbrett vertrauter werden. Sobald
das Splitten der Hände funktioniert, und auch hier ist
wieder die Investition von Zeit und Lernchance gefordert,
kann man die Splittung noch einen Tucken weiter treiben, nämlich
so:
e e e e e e e e e e e e s s s s s s s s
|--------14----------12----|------10--------10-------12----|
|:----14----14----12----12-|---10----10---10--10---12--12-:|
|:-------------------------|------------------------------:|
|--5-----------3-----------|-1----------1--------3---------| |
Ein weiterer verschärfender Aspekt ist der, das F im
ersten Bund als HammorOn zu spielen. Da wir in diesem Fall
eine ziemlich fette Saitenmasse zu bewegen haben, ist ein
Maximum an Aufschlags-Energie notwendig.
Etwas Entspannung gefällig?
Am Anfang hatte ich erwähnt, dass bei nur gelegentlichem
Einsatz von Tapping die Greifhand besser arbeitet, weil sie
lediglich mehr Energie leifern muss, aber die Grundthematik
vertrauter ist. Daher hier mal als kleine Abwechselung ein
Riff aus meiner Küche, der mit einem Ein-Finger-Tap auskommt
und dafür die Greifhand stärker einsetzt. Und er
zeigt auch, dass Tapping sich nicht auf Power-Chords reduziert,
sondern gerade die anderen, 'normalen' Akkorde im Tapping
Farbe bringen.
Dafür hat dieser Riff auch alles drin, was Eindruck
schinden kann, nämlich normaler Anschlag, Pull Off, Hammer
On und Tap:
| All Together Now: |
 |
: |
Folgender Hinweis zum Spielen: Die A-Saite und die D-Saite
werden mit Hammer Ons (H1, H2) gespielt, die G-Saite mit Tap
(T1). Die leere A-Saite zwischendurch mit einem Pull Off aus
dem vorherigen H1, und auf der G-Saite das Slide nicht vergessen.
Nicht ganz trivial, aber auch nicht so schwierig. Und so klingt's
gedoppelt:
| Our House: |
: |
Der dritte Schritt
Nachdem wir nun Doublestops für den Aufbau von Akkorden
benutzt haben, und damit im Grunde die harmonischen Grundlagen
augeschöpft sind, kann man sich mehr auf die technischen
Aspekte konzentrieren. Nämlich: die Hände weiter
von einander unabhängig machen. Für Instrumente
wie Klavier ist das autarke Spiel der Hände noch viel
wesentlicher. Aber beliben wir auf dem Bass.
Nehmen wir mal einen Akkord an ...
G|-------12--------|
D|-------12--------|
A|----7------------|
E|-----------------| |
Watten datten? E auf der A-Saite, ein D und ein G, gibt welchen
Akkord? Klingt etwas dissonant, soll aber hier so sein. Nun
lassen wir diesen Akkord in der Bass-Note sich nach G auflösen
...
|-----12-----12---|
|o----12-----12--o|
|o-7-------------o|
|---------3-------| |
Der Gag an dieser Linie ist es, die Greifhand zu bewegen
und trotzdem die Anschlagshand in der gleichen Position zu
halten. Mit dieser Form ist es dann noch möglich, nochmal
auf den A-Moll-Akkord von vorhin zu kommen:
| e e e s s+q q | e e q e e q ||
|-----------------12-----12-----|--------12--------------14-----||
|:----------------12-----12-----|--------12--------------14-----||
|:----------7--7------7------7--|-------------------------------||
|-------------------------------|--3--3----------5--5-----------||
L4 L4 R12 L4 R12 L4 L1 L1 R12 L3 L3 R12 |
Und jetzt ist da wieder das Problem mit dem fehlenden Bass-Fundament
im ersten E-Akkord. Die damalige Lösung war, einfach
die Root-Note eine Oktave tiefer zu setzen, aber hier haben
wir das E dann auf einer leeren Saite. Etwas schwierig für
einen Hammer-On, oder 'Left-Hand-Tap' (darum heisst es in
der Tabulatur oben 'L', und nicht 'H', kleiner Paradigmen-Wechsel).
Die Antwort kann also nur sein: wir brauchen dazu die Anschlagshand.
Damit müssten wir die Tapping-Position verlassen, bisschen
schwierig in der Koordination, Plektrum oder so etwas entfällt
auch. Aber schaut man sich die Handposition an, könnte
einem auffallen, dass der Daumen in idealer Lage für
einen 'Slap' auf die E-Saite liegt! Ah ha!
Was ist also ein Slap? Wir holen mit dem Daumen, und nur
mit dem Daumen, ein Stück aus, schlagen mit dem Daumen-Gelenk
die E-Saite auf's Griffbrett und nehmen den Daumen sofort
wieder zurück. Zwar ist die Position des Daumens im Moment
nicht so perfekt, aber es geht und wir erhalten das gewünschte
tiefe E.
Bietet dann noch eine Variation des Tappings an, nämlich
den Wechsel des Tappings auf ein Hammer-On mit der Greifhand,
wird dann ein Right-Hand-Tapping + Slap. Einfach mal ausprobieren
und die optimalen Positionen herausfinden:
| e e e s s+q q | e e q e e q ||
|-----------------12-----12-----|--------12--------------14-----||
|o----------------12-----12-----|--------12--------------14-----||
|o------------------------------|-------------------------------||
|-----------0--0------0------0--|--3--3----------5--5-----------||
RT RT L3 RT L3 RT L1 L1 R12 L3 L3 R12 |
So weit, so gut ...
Als Einführung zu Tapping sollte das nun reichen. Noch
mal eine kleine Zusammenfassung, denn kurz und knackig war
dieser Teil ja nun wirklich nicht.
- Von Tapping kann man immer dann sprechen, wenn die Saiten
durch eine Hand auf die Bünde aufgeschlagen werden.
Im Grunde egal, ob durch linke oder rechte Hand. Der Übergang
zu Hammer-On ist eher philosophisch.
- Der Übungs-Anteil ist sehr gross, vor allen Dingen,
wenn die getappten Noten gleich laut und präzise kommen
sollen.
- Neben Akkorden kann man durch Kombination von beiden Händen
nicht nur Akkorde, sondern natürlich auch Leitern und
beliebige Sequenzen und Riffs spielen.
Na denn, viel Spass.
|