Fractal Chords
... oder Intervalle im harmonischen Kontext ...
Fraktale Akkorde? Harmonischer Kontext? Ägypten?
Also jetzt mal für die ganz Begriffsstutzigen: Nimmt
man zwei Noten, so hat man ein Intervall,
welches so und so definiert ist und überhaupt. Die zwei
Noten können aber auch Teil eines Akkordes sein, z.B.
der Grundton und die Terz eines Dur-Akkordes. Dann jedoch
gelten auch die Regeln für Akkorde, so von wegen Harmonisierung
und Progressionen und Modes. Immer noch nich'? Dann zurück
in die erste Klasse ...
Noch da? Prima ...
Also: Fractal Chords (FC) sind Untermengen
von vollständigen Akkorden, jedoch gelten die Regeln
der Akkorde (weil sich innerhalb eines harmonischen Kontextes
bewegend), und daher sind es nicht mehr nur einfach Intervalle.
Mit FC kann genauso Kadenzen gefolgt werden und Linien aufgebaut
werden wie mit Arpeggios und Walking Basslines, so ist da
erst einmal gar kein Unterschied. Der Unterschied kommt im
Sound, denn die FC haben nicht die brutale Bandbreite der
vollständigen Akkorde, aber auch nicht den punktuellen
Charakter der Einzelnoten-Riffs.
Fractal Chords eignen sich nicht unbedingt als Mittel innerhalb
einer breiten Instrumentierung oder als Bass-Support in einer
Bigband. Als Intros, Bass&Drum-Parts, Solos oder einfach
als Füllmittel sind sie aber sehr brauchbar und heben
den Bassisten aus der Masse der schreddernden, feedback-kreischenden
und im 34. Bund herumfiddelnden Rest-Bandmitglieder wohltuend
hervor. [So, das musste jetzt
sein ... d. Sätzer]
Haben wir Akkorde, haben wir Fractal Chords als serienmässiges
Feature, ohne Aufpreis. Der Rest ist Praxis, Kreativität
und etwas Experimentierfreude.
Fractal Chords, nach Intervall-Qualitäten sortiert,
..., darf's ein bisschen mehr sein ... ?
Terzen, wohin man blickt ...
Spricht man von Akkorden, springen die Terzen geradezu in's
Ohr. Aaaaaaber, die echten Terzen haben auf dem Bass ja ein
gewisses Problem, weil wir ja tiefergelegt sind, so dass diese
Intervalle etwas sumpfig sind. Aber wir haben ja zwei Oktaven
mit Intervallen, und da könnte man ja, statt der Terzen,
die Zehnen nehmen. Die sind als hohe Terzen harmonisch praktisch
gleichwertig, aber haben ein grosses Intervall-Gefüge.
| Fractal Chords in Thirds,
parallel mode ... |
 |
 |
Diese Linie beruht hauptsächlich auf der Harmonisierung
einer Dur-Skala, nur dass diesmal keine kompletten Akkorde,
sondern FCs benutzt werden. Der entstehende Vorteil ist eine
deutliche Ausprägung der Tonalität ohne den Match
von geschrammelten Bass-Akkorden.
Ein paar weitere Analysen dazu:
| Takt #1: |
Der Drummer soll auch mal was tun ... |
| Takte #2 .. #3: |
Wir arbeiten uns mit den FCs einfach eine harmonisierte
G-Dur-Leiter hinauf, der FC ist jeweils 1-10 bzw. 1-b10 |
| Takte #4 .. #6: |
Dat Janze einfach wieder zurück bis zum Ausgangspunkt,
ein wenig Offbeat macht's erträglich. |
| Takt #7: |
Jetzt ein wenig rückwärts, immer noch in G. |
| Takt #8: |
In der Harmonisierung von G käme jetzt eigentlich
Em raus, aber wir wechseln nach Fm, um den Keyboarder
zu verwirren. Nu' sind wir raus aus G, für einen
Takt nur, aber immerhin. |
| Takt #9: |
Erst jetzt landen wir in Em (1-b10!), have a break,
have a Kitkat. |
Und wie Arpeggios in Akkorden verwendet werden, so kann
man sie für die gleiche Linie auch für die FCs anwenden,
teilweise ...
| Fractal Chords in Thirds,
serial mode ... |
 |
 |
Quinten? Oder Quarten ... ?
Warum dies ist die Frage? Weil wir mit der Quarten-Stimmung
unseres Basses da in der Praxis so einige Uneindeutigkeiten
bekommen. Und zwar deshalb:
Betrachten wir einen gängigen Griff auf dem Griffbrett
und die Möglichkeiten der Interpretation:
G|-----|-----|-----|-----|
D|-----|--4--|-----|-----|
A|-----|--1--|-----|-----|
E|-----|-----|-----|-----| |
Greifen wir zwei
Saiten in der gleichen Bundposition, kann man die Note
auf der unteren Saite als Grundnote des entstehenden Intervalls
nehmen, dann ist die höhere Saite die Quarte dazu. |
G|-----|-----|-----|--5--|
D|-----|--1--|-----|-----|
A|-----|--5--|-----|-----|
E|-----|-----|-----|-----| |
Nehmen wir aber
die Note auf der höheren Saite als Grundnote des
Intervalls, ist die tiefere Note die Quinte, eine Oktave
tiefer als im regulären Intervall. Tja, ... |
Und was ist jetzt 'richtig'? Beides und keins, es kommt
auf die Interpretation und die wirklich zugrundeliegende Tonart
an. Eine hervorragende Möglichkeit, sich zu verlaufen.
Als FC interpretiert, haben beide Intervalle ihre
volle Berechtigung. Die Quinte als meist neutrales Element
vieler Akkorde (maj, minor, sus2, sus4, 7/maj7/m7, 5er etc.)
und damit als Vorteil die Nichtbetroffenheit der Harmonisierung
innerhalb der einfachen, grundlegenden Kadenzen. Die Quarte
als Bestandteil der sus4 und sus47-Akkorde, und auch als wichtiges
Kennzeichen der Dur-Tonleitern. Wechselbilder wie die von
Escher, diesmal im akustischen Rahmen, sind die Quinten und
Quarten.
Ein Riff mit Quarten, den wohl einige Leute gut kennen,
und den man auch als Riff mit Quinten hören kann (wenn
man will):
| Owner of a lonely heart ... |
 |
 |
Und da es auch reine Intervalle im physikalischen Sinne
sind, ergibt sich auch auf dem Bass kein Match, im Gegensatz
zu den krummen Terzen und ihren entstehenden Schwebungstönen.
Und auch dies gilt für beide, die Quinten und die Quarten.
Und nun alles zusammen
Ganz interessant wird es dann, wenn man sich bei der Verwendung
von Fractal Chords nicht auf ein Intervall beschränkt,
sondern in die epische Breite geht:
| Fractal Chords Medley ... |
 |
 |
| Takt #1: |
Das Übliche. |
| Takte #2 .. #3: |
Quarten, ja es sind Quarten ... wird im
nächsten Takt sichtbar/hörbar, was der Grundton
ist! |
| Takte #4 .. #5: |
Aus den Quarten-FCs geht's abwärts
in den Dur-Bereich (1-3) und den Moll-Bereich (1-b3).
Ganz schön gemein, aber wirkungsvoll. |
| Takte #6 .. #7: |
Jetzt kommt's ganz dicke: Quinte, Moll-Terz,
Quinte, dann back to the roots, nämlich Quarten. |
| Takte #8 .. #10: |
Und wieder weiter mit Quarten, bis zum bitteren
Ende. |
Obwohl wir es als Fractal Chords im Grunde nur mit Einzelintervallen
zu tun haben, ist die Tonalität in den einzelnen Abschnitten
sehr deutlich hörbar.
Ja, das wollte ich noch so erzählen, so zwischendurch,
ist mir so eingefallen. Ist mir beim Hören meines Freundes
Stanley nochmal sehr deutlich geworden, kann man 'ne Menge
von lernen, von den Burschen ...
Famous last words about FCs for FFs
(FF = Fretless Freaks)
Auf dem Fretless sind echte Terzen so ziemlich das Schlimmste,
was man sich leisten kann. Aufgrund der sehr feinen Relation
der Notenhöhen werden diese Intervalle zu Fanalen der
Fehlintonation. Die Zehnen dagegen sind ungefählicher,
weil die Frequenzabstände viel grösser sind, und
damit die Schwebungstöne bei Fehlintonation nicht so
deutlich wahrgenommen bzw. hörbar werden.
Quarten sind gerade auf dem Fretless etwas ganz Feines,
besonders in Slides und als Ausbreitung pentatonischer Leitern.
Unbedingt probieren!
Quinten sind nicht ganz so von Fehlintonationen bedroht.
Da sich mit dem sehr geraden Frequenzverhältnis von 3:2
auch wenig Schwebungsmöglichkeiten ergeben, aber auch
etwas trocken.
So, dann mal wieder zurück an's Instrument ... und
Fenster putzen muss ich auch noch ...
|