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Wahrnehmung von Notensystemen und Leitern, ein wenig
Psycho-Akustik. |
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Ein wenig Esoterik und doch auch Praxis
Wenn zwei das Gleiche tun
... ist das nicht das Selbe. Ich wollte nach der Beschäftigung
mit Leitern und Akkorden einmal kurz die Aufmerksamkeit auf mehr musikalische
Aspekte dieser beiden Themen richten. Nur so ganz am Rande.
Beim Thema Inversionen von Akkorden haben wir Bewegung im Akkord erlebt,
indem Noten innerhalb eines Akkordes ihre Positionen tauschen. Auch
war konstatiert worden, dass ein Akkord eben nur aus bestimmten Noten
besteht, die Positionen innerhalb des Akkordes aber nicht für den
Akkord selbst entscheidend sind. Diesen Effekt möchte ich an einem
kleinen Beispiel noch einmal aufgreifen:
| C major chord palette: |
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Es sind tatsächlich alles gleiche Akkorde, C-Dur, in verschiedenen
Lagen und mit verschiedenen Positionen der Noten. Und sie klingen tatsächlich
unterschiedlich. Alles der gleiche Akkord, und solche Sounds. Wie allein
die Lage der Noten sich aus wirkt, noch einmal an einem Nicht-Akkord:
A5, ein Powerchord in A:
| A5 palette: |
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Warum das so ist, ist leicht einzusehen. Wir haben es zwar mit gleichen
Noten zu tun, jedoch in verschiedenen Oktaven. Hier in MIDI ist der
Unterschied auch noch viel geringer als bei realen Saiten-Instrumenten
wie Gitarre oder Piano. Weil: ein A auf der unteren E-Saite klingt anders
als das A der leeren A-Saite. Selbst die höhenrelativ gleiche Note
ist dann unterschiedlich im Klang.
Selbst die Abfolge der Noten ist von Einfluss. Solltet Ihr eine Ketarre
Euer Eigen nennen und falls Ihr in der Lage seid, ein Paar Basis-Akkorde
zu greifen, werdet Ihr die esoterisch anmutenden Beurteilungen von Sound-Experten
nachvollziehen können:
- D-Moll in der Grundform (1 auf der D-Saite, 5 auf der B-Saite und
b3 auf der E-Saite) klingt am traurigsten.
- Knapp gefolgt vom A-Moll und E-Moll.
- C-Dur in der Grundform ist der offenste Akkord, da kann noch nicht
einmal G-Dur mit halten.
Es lohnt sich also sehr wohl, verschiedene Akkord-Muster auszuprobieren.
Die Wirkung kann ganz unterschiedlich ausfallen.
Doch nicht für Tonleitern!
Doch. Aber anders.
Früher habe ich mich immer gewundert, warum ein und die selbe
Person mal Stücke in G-Dur, dann in A-Dur geschrieben hat. Und
auch bei Moll fröhlich durch die Lagen. Eb-Moll, F#-Moll, A-Moll.
Und warum hat er das gerade in D-Moll
geschrieben? Weil die Pfeifen für C-Moll verstopft waren? Eher
unwahrschweinlich.
Die Tonart macht wirklich etwas aus. Es tritt nämlich der gleiche
Effekt auf wie bei den Akkorden: unterschiedliche Noten = unterschiedlicher
Klang. Erstens durch die Schwingungseigenschaften des echten Instrumentes,
zweitens klingt etwas immer dunkler wenn tiefer gespielt, drittens:
die physikalischen/tatsächlichen/messbaren Frequenzverhältnisse
zwischen den Noten/Intervallen sind unterschiedlich. Es ist also nicht
Voodoo, es ist eine Mischung aus unseren Hörgewohnheiten und Physik.
Spielt man die Note D auf der E-Saite im 10. Bund, auf der A-Saite im
5. Bund oder auf der leeren D-Saite, ist es immer die gleiche Note.
Wegen der unterschiedlichen Saiten-Längen und -Massen aber ein
unterschiedlicher Klang. Immer noch nicht glaubwürdig. Gut, hier
kommt etwas Mathematik.
Mathemusik
Zwei Zahlen brauchen wir. Zuerst die Zahl 1,059463. Das ist der Faktor,
durch den eine Frequenz dividiert werden muss um einen Halbton höher
zu kommen. Dann noch das Frequenzverhältnis der Quinte zur Grundnote,
das beträgt 3:2, also Faktor 1,5. Nun rechnen wir ein wenig, hier ein wenig aufgerundet ohne Nachkommastellen:
- Für A = 440Hz ist die Quinte 440Hz * 1,5 = 660Hz
- Für C = 523Hz ist die Quinte 523Hz * 1,5 = 784Hz
- Frequenz-Differenz für A und Quinte = 220Hz
- Frequenz-Differenz für C und Quinte = 261Hz
Für Tonleitern ist unsere Beweiskette hier abgeschlossen. Unterschiedliche
Tonarten repräsentieren unterschiedliche Frequenzabstände
von Noten. Je tiefer der Grundton, desto geringer die Frequenzabstände,
daher unterschiedlicher Klangeindruck.
Für
Akkorde gehen wir nun noch einen Schritt weiter. Aus der Physik ist
(hoffentlich) noch das Phänomen der Schwebung bekannt. Treffen
zwei unterschiedliche Frequenzen aufeinander, so ergibt sich eine dritte
Frequenz, deren Betrag gleich der Differenz der beiden Ausgangsfrequenzen
ist, also f3 = f2 - f1. Genannt der Schwebungston.
Machen wir das für unsere beiden Noten A und C von oben:
Für A ergäben sich die Frequenzen 440Hz, 660Hz, Schwebungston
220Hz
Für C ergäben sich die Frequenzen 523Hz, 784Hz, Schwebungston
261Hz
So, wie wir unterschiedliche Noten als unterschiedliche Frequenzeindrücke
wahr nehmen, kommen auch die physikalischen Abläufe unterschiedlich
in unserer Wahrnehmung an. Bis ca. 20Hz erscheint der Schwebungston
als Modulation, darüber hinaus wird er zum Noteneindruck.
Und?
Wirkt also ein Stück nicht traurig genug, nicht dunkel genug,
nicht am Stück herum feilen, mal ein Paar Finger breit tiefer spielen,
und etwas langsamer. Und der letzte Parameter, wo es dann noch treffender
wird: mit Sänger(in). Müssen die nur ein oder zwei Halbtöne
höher oder tiefer singen, verändert sich ihre Stimme, wandert
z.B. aus dem Bauch in den Kopf.
Wirkt ein Song irgendwie nicht, oder bringt eine Akkordfolge nicht
die gewünschte Wirkung, mal ein paar Halbtöne höher oder
tiefer spielen.
Theorie also auf der einen Seite, Praxis auf der anderen. Und deshalb
auch neben dem Lesen nie das Hinhören vergessen.
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