Misch, misch misch ...
Oder: Huch, wat viel Knöppe!
Furchterregend, beeindruckend oder erschreckend sehen sie aus,
Mischpulte. Dabei stehen sie doch in vielen Proberäumen, allen
Studios und zum Teil auch zu Hause. Nun ist dieses Behringer-Teil
schon ganz gut bestückt, in Studios finden sich aber noch viel
schlimmere Exemplare, die man, wenn man mit solchen Geräten
nicht vertraut ist, im Traum nicht berühren würde. Dabei
ist ein Mischpult im Grunde recht simpel, ob nun vier oder wie hier
32 Kanäle, einige Grundprinzipien und -funktionen sowie Begriffe
und Namen finden sich immer wieder.
Und ich da ich gerade erst in diese faszinierende Welt der Audiotechnik
einsteige, habe ich mir gedacht ich lasse Euch an meinen Lernschritten
ein wenig teilhaben. 
Da stelle' mer uns janz dumm
Wer übrigens mit Begriffen wie symmetrisch/unsymmetrisch oder
XLR nichts anzufangen weiß, lese sich zumindestens noch einmal
den Artikel über Kabelage durch.
Wozu Mischpulte, ich nenne sie jetzt fortan Mixer oder Pulte, gebraucht
werden ist klar: entweder Probe/Bühne zum Zusammenmischen unterschiedlicher
Soundquellen wie Mikros, Keyboards oder Amps. Oder im Studio, wo die
einzelnen Signalquellen auf das Stereo-Spektrum verteilt, Hall dazu
gemischt und die Drummer immer leiser gedreht werden, und dann die einzelnen
Kanäle auf Mehrspur-Recorder aufgenommen und später wieder
zusammen gemischt werden. Wir kennen Mixer i.d.R. aus dem Proberaum
oder von der Bühne, wo sie vor der eigentlichen Verstärkeranlage,
der PA, alle zu verstärkenden Sounds zusammen bringen. Aber Mixer
machen noch Einiges mehr, was hoffentlich am Ende zu sehen ist.
Um
sich an die Funktionen eines Mixers heran zu tasten, macht es Sinn,
die einzelnen Bereiche und Komponenten zu isolieren und Schritt für
Schritt zu betrachten. Ich halte eine Struktur für handhabbar,
wo Funktionen für den Eingang von Signalen die vertikale und Ausgangsfunktionen
die horizontale Ebene bilden. Die vertikalen Blöcke behandeln also
die einzelnen Eingangssignale, die horizontalen Bereiche die Summe der
Einzelsignale, wie sie später aus dem Pult heraus kommt. In einem
weiteren Schritt kommen Blöcke dazu, die zusätzliche Funktionen
wie Effekte oder Klangformung hinzu fügen.
Heißt: die Eingangssignale werden, jedes für sich, vorbereitet
und angepasst, bevor sie zusammen in eine Ausgangssektion fließen
und diese Summe an Signalen ein letztes Mal verarbeitet und geformt
wird.
Wenden wir uns als erstes diesen Eingangsfunktionen zu, die unter
den Namen Kanalzug oder Channel laufen. Und das Bild
täuscht nicht, diese Eingangskanäle sind genau die channel
stripes, die vertikal auf der linken Seite ein Mischpult bevölkern
und die Sache so unübersichtlich zu machen scheinen. Nehmen
wir einen einzelnen Kanalzug und schauen wir uns den mal an.
An dieser Stelle auch der Hinweis, dass wir uns hier mit einem hypothetischen
Mixer herum schlagen, wie sie aber bei Behringer, Yamaha oder Mackie
so vorkommen. Manche haben noch viel mehr Funktionen und Knöppe,
manche auch weniger. Es geht auch nicht um die Detailbeschreibung eines
einzelnen konkreten Pultes, sondern um das Verständnis der Grundfunktionen,
so dass man sich am realen Pult orientieren kann.
Der Kanalzug
Jeder Channel bildet die Schnittstelle für Außensignale
in das Mischpult hinein und dient der Anpassung des Signals in Pegeln
und Klang. Die zweite Funktion eines Channels ist das sogenannte
Routing, also der Einstellung, an welche Ausgänge und
in welcher Form das Signal nach dem Channel weiter geleitet wird.
Wir konzentrieren uns zuerst auf die Eingangsformung.
Zwei Arten von Eingängen finden sich auf fast jedem Pult: Mono-Kanäle
und Stereo-Kanäle. Im Prinzip unterscheiden sie sich nur wenig,
lediglich die Art von Eingangssignalen qualifiziert und der Unterschied
Mono/Stereo unterscheidet sie.

Fangen wir mit dem Mono-Kanal an und gehen wir den Kanalzug von
oben nach unten durch.
- MIC
Dies ist ein möglicher Eingang, nämlich ein symmetrischer
XLR-Input, bevorzugt für Mikrofon-Kabel oder andere symmetrische
Signale. Kann aber auch unsymmetrisch gefüttert werden.
- LINE
MIC und LINE sind als Eingänge logisch parallel geschaltet,
LINE ist aber eine symmetrische Stereo-Klinkenbuche, Schaft =
Masse, Ring = Minus, Spitze = Plus. Aber Mono, nicht Stereo.
- GAIN
Hier kommen wir zum ersten Knopp. Mit GAIN wird der Eingangspegel
geregelt, denn die Signalquellen können unterschiedliche
Spannungen abliefern, man denke an ein Mikro oder an einen Keyboard-Ausgang,
oder den Ausgang einer J-Station. Wie das dann richtig eingestellt
wird, kommt später.
Damit haben wir den eigentlichen Eingangssektor abgeschlossen.
Was ich hier weg gelassen habe ist der EQ, mit dem Bässe, Mitten
und Höhen beeinflusst werden können, denn der tut im Moment
nichts für das Verständnis Wesentliche. Wer's trotzdem
wissen will findet hier ein Diagramm
eines Kanalzuges mit EQ wie bei Behringer-UB-Pulten.
- PAN
Obwohl das Eingangssignal Mono ist, kommt es aus dem Kanalzug
zweifach, in Stereo heraus. Der PAN-Regler legt fest, wo im Stereo-Spektrum
das Mono-Signal zu liegen kommt. Manchmal auch als 'Balance' bezeichnet,
versteht man die Funktion besser, nämlich wie von der heimischen
Stereo-Anlage. PAN legt das Signal im Stereo-Spektrum fest.
- LEVEL
Genau. Am Ende wird mit dem Fader, auch Schieberegler genannt,
der Anteil des Eingangssignales am Ausgangssignal eingestellt.
Den Begriff Fader merken wir uns, denn den brauchen wir noch öfter.
Derartig eingepegelt und mit den EQ beeinflusst verlässt das Signal
also den Channel Stripe/Kanalzug. Soweit die Mono-Sektion.

Meist auf der rechten Seite des Pultes finden wir weitere Kanalzüge
mit den LINE-Eingängen, die von vornherein für Stereo ausgelegt
sind. Wie der Name schon sagt, sind diese Eingänge für Signale
mit Line-Pegel ausgelegt und können keine Mikrophon-Pegel verarbeiten.
Jedoch wie die Mono-Kanäle sind die Eingänge symmetrisch wie
der Eingang im Klinkenformat im Mono-Channel. Steckt man einen unsymmetrischen
Mono-Klinkenstecker hinein, geht das auch, jedoch dann nur unsymmetrisch.
Belegt man nur einen Eingang, meist ist LEFT derjenige welcher, wird
das Mono-Eingangssignal auf beide Ausgänge verteilt. Obwohl ein
sogenannter Stereo-Kanalzug, kann er auch Mono-Signale verarbeiten.
Im Grunde unterscheidet sich in der Bedienung der Stereo-Kanal kaum
vom Mono-Kanal. Lediglich der PAN/BALANCE-Regler arbeitet hier wirklich
so wie bei der Stereo-Anlage und regelt den Signal-Anteil in den beiden
Ausgängen, bei Stereo-Signalen pro Kanal. Und kann eben keine Mikro-Pegel.
Hat aber auch als Ausgänge wie im Mono-Zug zwei Leitungen für
Links und Rechts.
An dieser Stelle noch ein Hinweis zu den Line-Pegeln. Üblich sind
nämlich zwei, der sogenannte Consumer-Pegel und der Studio-Pegel;
bezeichnet als -10dBV und +4dBu. -10dBV-Ausgangspegel findet man an
Fernsehern, Stereo-Anlagen und auch einfachen Soundkarten wie Soundblaster.
Ausgesprochene Studiogeräte wie ein BOSS SX-700 Effektgerät
und auch professionelle und semi-professionelle Soundkarten wie eine
Terratec 24/96 liefern den wesentlich höheren +4dBu-Pegel. Oder
sie können beide, umschaltbar. Diese beiden Quellarten unterscheiden
sich auch in den Impedanzen, daher sollte man beim Anschluss dieser
Geräte darauf schauen, welcher Pegel ankommt, und die Verstärkung
(Gain) entsprechend darauf einstellen. Statt Poti kann auch nur ein
Umschalter /-10/+4 vorhanden sein.
Warum haben wir nun sowohl bei Mic- als auch bei Line-Kanal zwei Regler,
die den Pegel beeinflussen, nämlich GAIN und LEVEL? GAIN dient
dazu, die Verstärkung des Kanalzuges optimal einzustellen, so dass
er weder übersteuert wird und verzerrt, noch untersteuert und damit
Rauschen des internen Vorverstärkers in's Spiel kommt. LEVEL dagegen
bestimmt danach nur noch den Pegel des Eingangssignales im Gesamtsignal.
Möchte man ein Signal etwas leiser haben, dreht man nicht mehr
am Gain herum, das macht man am Anfang einmal, sondern man zieht den
Fader etwas herunter.
So, damit lassen wir unsere Channels erst einmal in Ruhe.
Ach nee, nicht ganz. Ich habe nämlich ein paar weitere Eingänge/Ausgänge/Funktionen
des Channels noch nicht erwähnt, die so an Pulten im Kanalzug
noch vorkommen. Zähle sie hier aber einfach nur auf, ist eigentlich
ganz einfach.
- INSERT
Eine Klinkenbuchse, die das Signal hinter dem GAIN-Regler nach
draußen gibt und auch wieder zurück nimmt. 6.3mm-Stereo-Klinke,
Spitze = SEND, Ring = RECEIVE. Damit kann man für einen einzelnen
Kanal ein Gerät einschleifen, z.B. einen Compressor oder
ein Effektgerät.
- TAPE/DIRECT OUT
Hier liegt das Signal wie hinter dem Fader als Ausgang an, jedoch
in Mono. Der Name spricht für sich: hier kann man das vorgeregelte
Signal abnehmen um es z.B. für die Aufnahme in einen Multitrack-Recorder
zu führen.
- LO CUT
Meist ein Schalter, mit dem ein Filter aktiviert wird, der alle sehr
niedrigen Frequenzen unterdrückt. Für Bodengeräusche,
die über den Ständer in's Mikro kommen, oder als Schutz
gegen stampfende Schlagzeuger.
- MUTE
Schaltet den Kanalzug einfach stumm. Allerdings nicht komplett,
sondern nur alles, was nach dem Fader kommt.
- PEAK LED
Eine einzelne LED, die anzeigt, wenn der Kanal übersteuert wird.
Kann in Grenzen auch zum schnellen, groben Einpegeln benutzt werden.
All diese Buchsen/Schalter können sich oben drauf im Kanalzug
oder auch auf der Rückseite des Pultes finden.
Ich glaub', mich streift'n Bus
Da kommen also nun aus jedem Kanalzug ein Signal für Links und
Rechts heraus, schon auf definierten Pegel gebracht, mit dem EQ verschönert.
Was machen wir damit? Irgendwie müssen wir das ja nun an einen
Ausgang bringen, damit wir es in den Verstärker der PA oder in
unseren PC bringen können. An dieser Stelle müssen wir nun
einen neuen Begriff einführen, und der charakterisiert am besten
den horizontalen Bereich unseres Pultes, nämlich den des Busses.
Ganz neu ist der Begriff nicht, eventuell kennen wir ihn schon aus unserem
PC, als PCI-Bus oder AGP-Bus, wo solche Karten wie LAN-Controller oder
Soundkarten drin stecken. Ein Bus ist eine Art von Sammelschiene, auf
dem Signale logisch zusammen geführt werden. Tatsächlich sind
die Busse in unserem Mixer physikalisch anders als ein Bus im PC, es
ist mehr ein logischer Begriff als echte Leiterbahnen oder Hardware.

Diese Busse sammeln also Signale auf und leitet sie zusammen weiter,
fast immer mit dem Ziel eines Ausganges am Mixer. Und die einen
Busse sind Stereo, bestehen aus zwei Signalwegen, andere sind Mono
mit einem einzelnen Signalweg. Und dann sind da noch die, die in
der einen Richtung Mono, in der anderen Richtung Stereo sind. Wieso
das denn und wozu? Eins nach dem Anderen.
Vier Busse stecken in fast jedem Mischpult:
- MAIN BUS/MAIN MIX
So zu sagen das Ziel allen Bemühens, der Hauptbus, an dem
wir regulär einen Verstärker einer PA anschließen.
Der Kern, das kriegt das Publikum zu hören.
- SUB BUS
Kurzform von SUBsidiary BUS. Im Prinzip die kleinen Brüder des
Main-Busses.
- AUX BUS
Auch eine Kurzform, nämlich von AUXiliary BUS. Auch ein Hilfs-Bus,
aber diesmal für hauptsächlich zwei Funktionen: Effekte
und Monitoring.
- SOLO BUS
Ein einzelner Bus, der zum Einpegeln und auch zur Überprüfung
von Signalen gebraucht wird. Und der, wenn im Einsatz, auch nur
ein einzelnes Signal führt, daher SOLO, mit vollem Namen
SOLO IN PLACE.
Gehen wir jetzt etwas mehr in's Detail und wozu diese Busse verwendet
werden.
MAIN BUS
Über den gibt es nicht so viel zu sagen. Hier landet die Summe
der für die Öffentlichkeit gedachten Signale, sei es über
die PA oder im Studio auf Band oder Master-Recorder.
SUB BUS
Die sind jeder für sich erst einmal Mono, man fasst aber zwei
zusammenfassen und hat dann einen Stereo-Sub-Bus. Daher werden die Sub-Busse
meist als 1-2, 3-4 usw. zusammen verwaltet. Der Sub-Bus ist eine Art
Zusatz-Bus, über den Summen-Signale wie auch über den Main
Bus geführt werden. Typischerweise leitet man Signale auf den Sub
um dann z.B. Mitschnitte bei Auftritten zu machen, oder um eine Variation
des Main Bus in einen anderen Raum zu senden. Also ist der Sub-Bus,
bzw. die Sub-Busse, so eine Art Hilfsschiene für summierte Signale.
AUX BUS
Obwohl namentlich etwas disqualifiziert, sind die Aux-Busse ganz wichtige
Strecken. Sie dienen überwiegend zwei unterschiedlichen Zwecken.
Der Aux-Bus dient in der einen Anwendung zum Hinzumischen und Zusammenfassen
von Effektsignalen wie als Beispiele Reverb/Delay. Deshalb bestehen
die Aux-Busse aus mehreren Pfaden:
- AUX SEND: ein Mono-Bus, der das trockene Quell-Signal bekommt
- AUX RETURN: ein Stereo-Bus, der das Stereo-Effekt-Signal zurück
erhält
Damit ist die Logik zu sehen. Ein Kanalzug sendet das vorverstärkte
Eingangssignal auf den AUX SEND-Bus, von dort geht es in ein Effekt-Gerät,
dieses wiederum liefert das Effekt-Signal an den AUX RETURN des
Busses. Und das verhallte oder verechote Effektsignal wird zum gewünschten
Anteil vom AUX RETURN in den Main-Bus oder auch in einen Sub-Bus
geroutet. Ah! Da war das Wort, das kommt gleich wieder. Und Aux-Busse
sind oft genau so zahlreich zu finden wie Sub-Busse.
Anwendung 2 ist das Monitoring, also einen oder mehrere Eingänge
in Bühnen-Monitore zu leiten, weil man die Haupt-PA auf der Bühne
ja nicht deutlich hört. Oder man nimmt einen Aux-Bus und packt
darauf die Quellen, die in einem Studio zu den Kopfhörern in Aufnahmeraum
gehen. So kann ich auf der Bühne dem Drummer den Bassisten auf
den Monitor geben, dem Keyboarder den Drummer etc. pp. Einfach, indem
ich mehrere Aux-Busse verwende und am Ende aller Aux-Busse verschiedene
Monitor-Boxen auf der Bühne stehen. Große Pulte können
locker 8 oder mehr Aux-Busse haben. Für das Monitoring wird dann
nur der AUX SEND benutzt, es gibt ja nix zu Zurückleiten.
SOLO BUS
Obwohl es so klingt, ist der Solo-Bus nicht der, über den Gitarristen
ihre endlosen Solos spielen. Sondern er dient in Mono oder Stereo in
der Hauptsache dem Einpegeln, Messen und derm Überprüfen.
Routing
Dieses Verteilen auf die unterschiedlichen Busse im Pult wird als
Routing bezeichnet. Und ist die zweite Aufgabe auch der Kanalzüge.
Und ist eigentlich gerade das Komplizierte an einem Pult, so die
ganzen Busse zu verwalten und was wohin geht, nicht die Kanalzüge,
obwohl die viel komplexer aussehen.
Kehren
wir zu unserem Channel zurück und widmen uns der noch nicht behandelten
Bestandteile. Jetzt klar, wozu die beiden Regler AUX1 und AUX2 sind?
Genau, dieser Mixer hat offentlich mindestens zwei Aux-Busse. Und die
beiden Regler dienen dazu, das Eingangssignal auf einen monophonen Aux-Bus
zu schicken, zu routen, damit es vielleicht in ein Effektgerät
gelangt. Oder dem Bassisten auf seinen Bühnen-Monitor.
Und die drei Schalter über dem Fader bekommen nun auch Sinn. Sie
legen nämlich fest, auf welchen Bus das letztendliche Signal hinter
dem Fader gelangt, entweder auf den Main-Bus, den Sub-Bus 1-2 oder den
Solo-Bus. Oder auf alle drei, oder auf zwei. 
Rechts sind mal die Schalter rot markiert, die an unseren Channels
gedrückt sind. Kanal 1 kommt auf Main und Sub, Kanal 2 nur auf
Main, Kanal 3 nur auf den Sub-Bus und so weiter. Jetzt wissen wir, von
wo die Signale kommen, nämlich aus dem Kanalzug oder Channel, dass
sie nach dem Fader auf den MAIN, SUB oder SOLO BUS geroutet werden,
und dass sie über die Aux-Busse in Effektgeräte oder auf Bühnen-Monitor
abgezweigt werden können. Doch halt, da sind ja noch zwei Schalter
an den AUX-Reglern. 'PFL'? Watten datten?
Die nächsten zwei wichtigen Begriffe deuten sich an.
Denkt mal daran zurück, zu welchen zwei Zwecken die Aux-Busse
genutzt werden. Der Pegel, der auf den Aux-Bus geroutet wird, kommt
im Normalfall nach dem Fader heraus. Das ist überhaupt der Normalfall
für alle Signale, sie werden hinter dem Fader abgenommen, demnach
geregelt. Ist auch sinnvoll, denn wenn das Signal in ein Effektgerät
kommt und man nimmt den Pegel der Quelle zurück, dann sollte auch
der Anteil des Effektsignals geringer werden. Passiert ja auch, weniger
Signal in das Effektgerät, weniger Effektsignal. Fein so.
Denkt man aber an den Fall, dass Signale auf den Aux-Bus geroutet
werden und nicht in Effektgerät, sondern auf die Bühne
in Monitorboxen gehen, dann sieht der Fall anders aus. Ziehen wir
nun den Fader von Kanal des Sängers herunter, weil der im Laufe
des Gigs immer lauter wird, so ziehen wir auch den Eingangspegel
für die Monitorbox, auf der gerade auch das Signal des Sängers
landet, mit herunter. Und das ist unschön.
Deshalb wäre es gut, wenn das für den Aux-Bus abgegriffene
Signal nicht hinter dem Fader, sondern von davor stammt; demnach
vom Fader unabhängig ist, so dass man den Pegel an der Monitorbox
einstellt. Und genau dafür ist PFL. Pre Fader
Listening, Zuhören vor dem Fader. Mit PFL schalten
wir das Routing also so, dass das Signal in den Aux-Bus vor dem
Fader abgenommen wird, nicht dahinter. Jetzt bleibt das Signal in
den Aux-Bus vom Fader unabhängig.
Ein Bild
Es ist an der Zeit, diese Sachen nun mal in ein Bildchen zu packen,
damit wir nicht die Übersicht verlieren.

Da hat der Sack doch noch wieder einen Kasten dazu
gepackt. Aber das hat der Sack gemacht, damit wir auch den Solo-Bus
verstehen. Also, fassen wir zusammen:
- Die Signale aus den Channels können einem oder mehreren
Bussen zugeführt werden. Die Zahl der Sub-Busse und Aux-Busse
kann von zwei bis ganz-viele reichen.
- Aus den Channels werden die Aux-Sends abgezweigt, entweder normal
(post fader) oder PFL (pre fader). Diese werden entweder in Normal-Betrieb
für externe Geräte genutzt, die ihren Output wieder
über einen Aux-Return an einen Bus zurück führen.
Oder PFL für das Senden von Mithörsignalen für's
Monitoring.
- Das Verteilen der Signale auf die verschiedenen Busse wird Routing
genannt.
- Natürlich kann man auch einen Sub-Bus für Monitoring
benutzen. Oder über Aux-Return externe Quellen zusätzlich
in's Pult fließen lassen, wenn die anderen Channels schon
alle belegt sind. Manchmal hat das Pult schon einen internen FX-Prozessor,
dann ist einer der Aux-Busse damit vorbelegt (z.B. Behringer UX
FX-Pro-Serie). Oder es wird einer der Aux-Busse von vornherein
als MON bezeichnet und bekommt noch einen eigenen Ausgang. Damit
auch jeder den Monitoring-Ausgang findet. Alles Geschmacks-, Bauart-
und Hersteller-abhängig.
So, und mit dem zusätzlichen Kasten oben im Bild können
wir auch dem letzten geheimen Bus entgegen treten.
Der Solo-Bus, und alles unter Kontrolle
Wie bereits gesagt, dient der Solo-Bus internen Zwecken. Und die
machen dann Sinn, wenn man berücksichtigt, dass es in einem
Mixer noch einen Sektor Control Room gibt, weshalb der dann
meist in einen Kopfhörer-Ausgang sowie einen Ausgang für
Verstärker im Regieraum/Recording-Raum mündet. Genau so
läuft das dann, man legt sich ein bestimmtes Signal allein
auf den Solo-Bus und kann es überprüfen.
Aber das Wichtigste am Solo-Bus ist das Einpegeln. Das Thema haben
wir oben bei den Kanalzügen ausgespart. Denn irgendwie muss man
mit dem Gain-Poti im Eingang ja etwas machen. Und damit das gut geht,
hat das Routen auf den Solo-Bus ein paar Tricks im Bauch! Man kann sich
das Signal vom Solo-Bus nämlich PFL holen, schlimmer noch, direkt
vom Ausgang des Gain-Reglers. Also schaltet man einen einzelnen zu justierenden
Kanal auf den Solo-Bus, schaltet ihn im Control-Bereich auf PFL und
hat das Signal dieses Kanals auf den Pegel-Anzeigen, wie es dort vorliegt.
Und kann den Gain für den Kanal so einstellen, dass der Channel
nicht unter- und nicht übersteuert wird. Und das macht man Kanal
für Kanal, bis alle Channels optimal ausgesteuert sind. Den Rest
erledigt man mit den Fadern. Und selbst wenn man die voll aufzieht,
übersteuert nix, weil man vorher den Kanalzug über Solo +
PFL (damit der Fader aus dem Spiel ist) optimal eingestellt hat. Irgendwie
clever, nicht? Große Pulte haben übrigens entweder so wie
so für jeden Channel eine Aussteuerungsanzeige, oder eine 'Meter
Bridge' mit einzelnen Pegel-Anzeigen. Wie zum Beispiel dieses
Monster. Vielleicht schon mal in einem richtigen Studio gesehen.
Aber bei unseren kleinen Pulten muss man das eben über Solo + PFL
für Control machen. Kanal auf den Solo-Bus, im Control-Bereich
PFL für die Anzeige aktivieren, Gain auf max. 0dB Aussteuerung
einstellen.
Der eingangs aufgezählte Mute-Schalter im Kanalzug, der den Kanal
stumm schaltet, hat übrigens nur Auswirkung auf alles, was Post
Fader kommt. Daher kann er genutzt werden, um den einzupegelnden Kanal
von Sub- und Main-Bus (und Aux-Bus, falls dieser post-fader geschaltet
ist) herunter zu nehmen. Dann kann man still einpegeln, ohne Übersteuerungen
beim Einstellen auf die PA zu blasen.
So, und wenn man diese Eingangsarbeiten erledigt hat, holt man
sich den Main-Mix oder auch einen Sub-Bus auf den Kopfhörer.
Das kommt dann auf den Einzelfall an.
Jo ...
Nun bitte nicht schimpfen, wenn auf dem Pult, das Ihr habt/kennt/vorfindet,
nicht MAIN OUT, sondern MAIN MIX steht, oder wenn die Line-Kanäle
eben keinen Gain-Steller, sondern einen Schalter +4/-10 haben. Oder
kein LO CUT-Schalter da ist. Oder eine LED-Kette statt einem Nadel-Instrument
drin ist. Es ging einzig und allein darum, die Grundfunktionen und Möglichkeiten
eines Mischpultes darzustellen. Schon ein reales Mischpult für
300 oder 400€ hat noch viele zusätzliche Funktionen und Anschlüsse,
von TAPE IN/TAPE OUT über Equalizer für Main oder Sub bis
hin zu Phantom-Speisung für Kondensator-Mikros und aktive DI-Boxen
über die Mic-Leitung.
Pulte mit vier Solo-Bussen gibt es auch. Auf manchen Pulten taucht
der Begriff PFL nicht auf, statt dessen steht da LEVEL SET. Hersteller
erfinden auch gerne eigene Begriffe. Der Kern ist und bleibt das
Konzept der Kanalzüge, der Busse und des Routings von Signalen
zu Bussen.
Die Funktionen eines Pultes hängen stark mit seinem Einsatzziel
zusammen. Die einen Pulte sind speziell für Recording im Studio
oder zu Hause ausgelegt, dort spielen vielleicht Aux-Busse und Monitoring
keine große Rolle. Oder ein Pult ist gerade für das Mischen
großer Live-Auftritte ausgelegt, da braucht man weniger Schnittstellen
für Tape-In und -Out, dafür mehr Aux-Busse und/oder Sub-Busse
für's Monitoring.
Die Hauptsache ist, dass Ihr Euch in Zukunft von 128 Knöppen nicht
mehr abschrecken lasst, den Unterschied zwischen Sub- und Aux-Bus kennt
und einen Channel einpegeln könnt, das ist dann schon eine Menge.
Wenn Ihr nun ein Blick auf ein echtes, wenn auch kleines Pult werft,
wie dieses von Behringer, dann solltet Ihr eigentlich fast alle
Funktionen sofort zuordnen und bedienen können. Und wenn Ihr
dann auch noch heraus findet, was dieses Pult nicht hat, wir aber
oben besprochen haben, und was hier anders heißt als vorher
gezeigt, dann seid Ihr schon echte Cracks.
Und mehr wollte ich auch gar nicht erreichen.
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