Der Weg zum guten Sound ... Teil I
Wenn man nicht genau weiß, wohin man will, kann es
sein, daß man ganz woanders ankommt ... Wo wollten wir
doch gleich mal hin? Richtig, guter Sound! Was ist das eigentlich?
Sound ist das, was man hört. Diese Aussage ist nur auf
den ersten Blick trivial, denn ich frage mal weiter: Was hört
denn das Publikum? Das Publikum hört eine Band, genauer
gesagt einen Bandsound, der natürlich auch durch den
Raum beeinflußt wird. Da wir am Raum aber recht wenig
tun können, kümmern wir uns um den BANDSOUND.
Das Drama geht im Probenraum beim Arrangieren los. Wenn der
Keyboarder gerade mit beiden Händen in die Grütze
greift, um mit Supertramp-artigem E-Piano-Geklimper zu beeindrucken,
der Drummer 16-tel auf der halboffenen Hihat shuffelt und
schließlich zum Slappen des Bassisten der Sänger
auch noch zum Tamburin greift, tja, dann kommt man als Gitarrero
auch mit dem schärfsten Sound einer grellen Tele nicht
durch. Eher schon mit einem warmen Halspickupsound, aber damit
werden nur die Symptome kuriert.
Nein, das Geheimnis liegt im Arrangement. Sparen heißt
die Devise, denn wir haben keinen Platz. Je mehr Musiker mitmachen,
desto mehr Absprachen und Disziplin sind notwendig! Das gilt
sowohl für den Sound als auch für die eigentlichen
Parts. Klingelnde Sounds, wie oben geschildert, dürfen
nicht alle gleichzeitig spielen. Für fette Flächensounds
gilt das ebenso. Überhaupt sollte man sich frequenzmäßig
aus dem Weg gehen - parametrische Equalizer wirken da Wunder!
Da, wo die Gitarre so richtig fett kommt, wird der Sound des
Keyboarders ein wenig abgesenkt (oder umgedreht) und , oh
Wunder, beides kann auf einmal gehört werden. Jetzt noch
eine Prise weniger Bass und auch der Kollege an den dicken
Saiten ist froh, bis wir ihm die Hochmitten rausdrehen. Plötzlich
rufen sie alle: ja aber mein Sound ist total dünn/mupfig/bollerig/flach/ausdruckslos.
Und das Lieblingsargument meiner Kritiker: "Ich
höre aber meinen Sound, und wenn mein Sound gut ist,
spiele ich besser und das hört das Publikum".
Eins zu null? Von wegen! Erst mal mein Ausgleich: Das Publikum
hört das "bessere" Spiel leider nicht, denn
es hört nichts außer Matsch, wenn jeder sich einzeln
einen tollen Sound zusammenbastelt. (1:1) Wenn das Publikum
aber mit einem anständigen Bandsound verwöhnt wird,
dann ist ohnehin die Stimmung besser, Mucker besser drauf
und spielt auch besser. So, 2:1 in wenigen Sekunden, die Bayern
kennen das ... 
Schon im Probenraum heißt es daher hinhören. Eine
witzige Geschichte ist der "Soundpate". Der Keyboarder
wird Pate für den Gitarrensound. Sobald er den Gitarristen
nicht hört, muß sofort Meldung gemacht werden,
der Basser paßt auf den Keyboarder auf, der Gitarrist
auf den Basser, der Drummer auf den Sänger. Denn Drummer
hört man ja eigentlich immer und der Sänger hat
schon genug zu tun, sich selbst zu hören. Das führt
nebenbei auch zu besserem Zusammenspiel. Die Patenschaften
werden regelmäßig getauscht. Probiert das mal aus!
Soviel zum Sound, jetzt zu den Parts. Unisono-Geschichten,
also Bass und Gitarre spielen dasselbe oder Gitarre und Keyboard
oder Keyboard und Bass oder zwei Gitarren - das kann ganz
böse daneben gehen. Vom enormen Übungsaufwand mal
abgesehen - es klingt nämlich grausam, wenn es nur unisono
sein soll aber nicht ist - soundlich driftet das sehr
schnell in die Matsch-Ecke oder wir haben mit Phasenauslöschungen
zu kämpfen. Doof ist auch, wenn alle staccato oder legato
spielen.
Zwei Tips für den richtigen Weg. Erstens ein Kassettenrecorder
im Probenraum mit kritischem Abhören. Das Abhören
sollte vor der Probe erfolgen. Nach dem Einspielen
findet man immer alles toll, was nicht total daneben ist.
Zweitens, und jetzt fällt mir ullli um den Hals: nehmt
einen guten Soundmann mit in die Band. Nicht nur zum Mischen,
auch zum Kritisieren im Probenraum. BAP haben damit ganz gute
Erfahrungen gemacht.
Reicht für dieses Mal oder? Nächstes Mal gehts
aber um Gitarren, versprochen!
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