Acoustic Collection


Acoustic Corner, Teil 5: Der effektive Gitarrist

Was ist eigentlich ein Effekt? Laut Duden ist ein Effekt u.a. ein "auf Wirkung abzielendes Ausdrucks- und Gestaltungsmittel". Das hilft uns nicht viel weiter. Schauen wir lieber mal, was man mit einem Effektgerät anfangen kann! Um den Überblick zu behalten, teile ich die Geräte in zwei Kategorien ein. Vorab allerdings noch eins: welche Verwendung sich die Hersteller gedacht haben, sollte uns völlig egal sein. Ob Geräte für E-Gitarre, E-Bass, Studio oder sogar Keyboards, alles ist erlaubt.

Die Exoten

Als Exoten bezeichne ich alle Geräte, die den Klang der akustischen Gitarre deutlich verfremden. Ob jemand seinem Publikum stundenlang einen Sound anbieten möchte, der an eine asthmakranke, hustende Antilopenkuh oder einen abstürzenden Flugsaurier erinnert, ist absolut Geschmackssache. Die Voraussetzungen für die Benutzung sind sehr einfach: man muß den Sound einfach mögen. Dann also los und probiert, testet alles, was Euch unter die Finger kommt, schnorrt beim E-Gitarristen von nebenan und nervt in jedem erreichbaren Laden. Flanger, Phaser, Chorus, Equalizer, Harmonizer, Tranquilizer, Anabolikalizer, Humanizer, alles ist erlaubt, wenn es Euch gefällt.Übrigens lassen sich auch die Geräte der zweiten Kategorie zum Verfremden überreden, wenn man nur die Regler extrem genug verdreht. Also ab zur zweiten Gruppe, ich nenne sie...

Stille Helferlein

Diese Effekte sollen helfen, den Sound natürlicher zu machen, also Defizite beim Pickup oder der Anlage auszugleichen. Bei den Helferlein gilt der Grundsatz, daß man den Einsatz des Gerätes nicht hören darf. Erst beim Ausschalten des Effektes muß das Gefühl entstehen, daß etwas fehlt. Dann stimmt die Dosierung.

Helfer Nr. 1: Compressor/Limiter. Diese Geräte komprimieren (ach nee!) das Signal; schützen also vor zu starken Dynamikschwankungen. Während der Compressor zu leise Signale anhebt und zu laute Signale absenkt, kümmert sich der Limiter ausschließlich um Signalspitzen. Der Limiter ist sozusagen nur die obere Hälfte des Compressors. Nun ist es natürlich Unsinn, das gesamte Signal "glattzubügeln", vielmehr sollen ungewollte Dynamikschwankungen gekappt werden. Damit ist dann dynamisches Spiel noch möglich, es "knallt" aber nicht mehr gnadenlos. Der gesamte Klang wirkt dann auch dichter. Preiswerte Piezopickups werden mit einem Limiter sehr aufgewertet, wobei ein einfaches Gerät schon ausreicht.

Helfer Nr. 2: Das Delay (engl. für Verzögerung). Mit einem Delay wird ein Echo erzeugt. Bei sehr geringer Verzögerungszeit zwischen Originalsignal und Echo wird der Sound "angedickt" und wirkt voller. Wichtig ist beim Dosieren, daß es eben nicht nach Gitarre plus Echo klingen darf, was wie gesagt durch eine geringe Verzögerungszeit möglich wird.

Helfer Nr. 3: Das Hallgeräte (engl. Reverb). Wirklich brauchbar sind nur sehr kurze Hallzeiten, meistens als "Room"-Programm bezeichnet. So ein "Room"-Programm ist auch nichts anderes als ein sehr kurzes Echo, das Hallgerät ist also eine Alternative zum Delay. Gitarre mit Hall klingt immer irgendwie gefällig, daher neigt man zum Überdosieren, hier ist Vorsicht angesagt.

Helfer Nr. 4: Der Equalizer. Wenn eine Frequenz nervt oder nicht ausreichend vorhanden ist, hilft der EQ weiter. Wenn der Sound insgesamt zu dünn wirkt, würde ich aber ein Delay vorziehen; das Ergebnis wirkt dann nicht so "elektrisch".

Helfer Nr. 5: Der Röhrenbooster, nicht zu verwechseln mit einem Verzerrer. Diese Geräte lassen das Signal einfach mal durch eine Röhre laufen. Das Ergebnis ist ein präsenterer, direkterer Sound, der sich einfach besser durchsetzt. Das lässt sich schwer in Worte fassen. Seit ich so ein Gerät habe, schalte ich es nur noch sehr selten aus und bin total begeistert. Wie immer gilt "am besten selber testen".

Die hier gewählte Reihenfolge ist völlig zufällig hat nichts mit der Wichtigkeit der Geräte zu tun!

Was kaufen?

Häufig sind die Geräte für E-Gitarren auch auf deren Frequenzgang ausgerichtet, also fehlen Bässe und Höhen. Die Bassgeräte sind für uns Akustikgitarristen geeigneter.

Der Markt bietet Einzelgeräte und Multieffektgeräte. Die Einzelgeräte sind meistens als Pedale ausgelegt. Die Bedienung ist einfach: pro Regler eine Funktion (bzw. umgekehrt), drauftreten, Effekt an, nochmal drauftreten, Effekt aus. Meistens zeigt noch eine LED an, ob der Effekt aktiviert ist. Simple Bedienung auch in größter Hektik, und das ist ein echter Vorteil.

Multieffekte gibt es als Bodengeräte mit mehreren Fußschaltern oder als sog. Rackgerät. Bei Rackgeräten muß in die Anschaffung auch noch ein Pedal zum Schalten der Effekte her. Multieffektgeräte bieten meist sehr viele Möglichkeiten für einen vergleichsweise günstigen Preis. Außerdem sind meistens alle möglichen Effekte mit an Bord, die man irgendwann einmal vielleicht brauchen könnte. Ob sie gebraucht werden, ist vollkommen egal, gekauft und bezahlt sind sie erst einmal. Leider bleibt aber die flexible Bedienbarkeit auf der Strecke. Wer sich für einen "Multi" entscheidet, sollte sich gut damit auseinandersetzen, um bei Bedarf auch schnell reagieren zu können. Es bringt absolut nichts, sich zuhause einen tollen Sound zu programmieren, am Veranstaltungsort aber feststellen zu müssen, daß die Hallzeit eben doch zu lang ist und dann nicht zu wissen, wie man die verkürzt!

Es gibt übrigens auch spezielle Multieffektgeräte für die Akustikgitarre, die allerdings immer etwas teurer sind, als Multis für die Tieftöner oder die elektrischen Kollegen, obwohl doch die meisten Effekte gleich sind. Es lohnt sich immer, mal Effektgeräte für E-Bass oder E-Gitarre zu probieren, damit läßt sich eine Menge Geld sparen. Dafür verpacken die Hersteller die Akustikgitarrenmultieffektgeräte (was für ein Wort!) gerne in ein Gehäuse mit Holzflair oder zumindest in brauner Lackierung. Wir "Holzköppe" sollen wohl nicht verschreckt werden...

 
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