Acoustic Corner Teil 4: Kontakt-Tonabnehmer, Mikros und mehr
Piezosysteme und magnetische Schallochtonabnehmer führen
zwar schon zu befriedigenden Ergebnissen bei der Abnahme akustischer
Gitarren. Trotzdem bleibt oft das Gefühl, daß irgendetwas
fehlt. Um dem Sound mehr Leben einzuhauchen, greifen wir jetzt in
die Trickkiste...
Kontakt-Tonabnehmer
Diese Tonabnehmer werden in der Gitarre direkt auf oder unter
die Decke geklebt. Die technischen Funktionsweisen sind verschieden,
meist läuft es aber doch auf Piezobasis hinaus. Es ist ganz
entscheidend, wo man den Pickup plaziert und das muß man wieder
individuell ausprobieren: der Sound eines an einer Stelle auf die
Decke gedrückten Tonabnehmer entspricht meistens dem Sound,
den man erzielt, wenn der Pickup an der gleichen Stelle unter die
Decke geklebt wird. Der Sound dieser Tonabnehmer ist ziemlich "holzig"
und geräuschvoll und kann dadurch sehr natürlich wirken.
Auch Percussionstechniken klingen optimal. Nur ist die erzielbare
Lautstärke meistens nicht ausreichend. Die Gitarrendecke fängt
nämlich leider auch sehr gerne Rückkopplungen ein und
es "hupt" sehr schnell. Je besser ein Kontakttonabnehmer
überträgt, desto empfindlicher ist er auch für Feedback.
Als einziger Tonabnehmer nicht empfehlenswert - aber dennoch gut
verwendbar, abwarten!
Eingebaute Mikros
In den Gitarrenkorpus eingebaute Mikrofone sind etwas problematisch.
Vor dem Einbau läßt sich kaum abschätzen, wie der
Sound sein wird. Vom Sound außerhalb des Resonanzkörpers
läßt sich nicht ableiten, wie es innen klingt. Wer mir
nicht glaubt, kann ja mal seine Hifiboxen umdrehen; vor oder hinter
der Box ist schon ein enormer Unterschied. Aber zwischen dem Klang
vor der Gitarre und in der Gitarre liegen Welten. Man kann eine
ganze Weile suchen, bis man eine Stelle gefunden hat, an der das
Mikro einen guten Sound aufnimmt. Der Klang in der Gitarre ist darüber
hinaus oft baßlastig und der Mikrosound muß erst einmal
davon bereinigt werden. Danach klingt es meistens sehr natürlich
und "luftig" aber auch etwas indirekt. Dazu kommt eine
deutliche Übertragung von Percussion und natürlich Nebengeräuschen.
Auch bei eingebauten Mikrofonen ist die erreichbare Lautstärke
wegen der Feedbackempfindlichkeit oft nicht ausreichend.
Tonabnehmer-Kombinationen
Eine gängige Kombination sind Piezosysteme gleichzeitig mit
einzubauenden Mikros. Der vorher etwas harte Piezosound beginnt
mit dem Mikro zu "atmen". Greifgeräusche und Obertöne
ergänzen den Pickupsound und es klingt einfach natürlicher.
Die Kombination Schalllochpickup und Mikro ist genau so empfehlenswert.
Es gibt mittlerweile sogar Schalllochpickups, bei denen direkt ein
Mikro ein- bzw. angebaut ist.
Piezo plus Kontakttonabnehmer habe ich schon bei Seriengitarren
erlebt und das Ergebnis war wirklich beeindruckend. Das Hauptsignal
ist wieder der Piezo, der Kontakttonabnehmer bringt das "Holz"
in den Ton. Das Gleiche gilt für Schalllochpickup plus Kontakttonabnehmer.
Übrigens ist auch die Kombination von Piezosystemen und Schalllochpickups
empfehlenswert. Der tendenziell knalligere Piezosound passt sehr
gut zum warmen Magnetpickup. Ein eingebautes Mikro mit einem Kontakttonabnehmer
zu kombinieren, halte ich dagegen für wenig erfolgversprechend.
Kombinationen führen allerdings zu einem deutlich höheren
Aufwand als ein einzelner Pickup. Die beiden Signalquellen sollen
ja kombiniert, also gemischt werden. Wer das direkt an der Gitarre
machen will, muß irgendwie eine Regeleinheit an die Gitarre
anbauen. Die meisten Piezo/Micro-Kombinationen werden zwar mit einer
Regeleinheit für den Zargeneinbau angeboten, allerdings müssen
da auch fast immer größere Löcher in die Zarge gesägt
werden. Eine Alternative dazu ist der Einbau einer Stereoklinkenbuchse
im Endklotz und die Verwendung eines entsprechenden Stereokabels.
Das Stereosignal wird dann entweder später zusammengemischt
oder bearbeitet beiden Monosignale völlig getrennt. Beim Einbau
der Stereobuchse sollte darauf geachtet werden, daß beim Einstöseln
eines normalen Mono-Gitarrenkabels der Tonabnehmer übertragen
wird, der den hauptsächlichen Signalanteil überträgt
(also der Piezo oder der Schalllochpickup). Falls nämlich einmal
das Stereokabel defekt ist, wird sicherlich noch ein normales Gitarrenkabel
aufzutreiben sein und der Gig ist gerettet.
Brauche ich sowas?
Gute Kombisysteme sind einzelnen Pickups meist überlegen.
Bevor man sich für dieses non plus ultra entscheidet, sollte
man sich aber fragen, wie die Gitarre überhaupt auf der Bühne
eingesetzt werden soll. Spielt die Gitarre nur eine Nebenrolle,
dann wird ein nicht ganz optimaler Gitarrensound den Auftritt schon
nicht ruinieren. Ein ordentliches Piezosystem oder ein guter Schalllochpickup
reicht dann schon aus. Der Tonabnehmer ist außerdem auch nur
ein Glied in der Signalkette - bevor die letzten Finanzen in ein
Kombisystem gesteckt werden, sollten auch der Verstärker bzw.
die P.A. in der Lage sein, diese Feinheiten zu übertragen.
Zu guter Letzt
Egal wie man seine Gitarre auch ausstattet, natürlich kann
man sich immer noch ein externes Mikro vor das Instrument stellen.
Michael Hedges hat seinerzeit live übrigens mit einer Kombination
aus einem magnetischen Schalllochpickup, einem Kontaktpickup und
zwei Raummikrofonen gespielt. Seinen absolut großartigen Sound
werden aber die meisten von uns wohl auch mit einem Dutzend Tonabnehmern
und einem Wald von Mikrofonen nicht erreichen.
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