Acoustic Collection


Acoustic Corner Teil 3: Abseits der Piezos

Der Versuch, die akustische Gitarre mit einem magnetischen Tonabnehmer abzunehmen, ging schon einmal daneben und führte zur Erfindung der elektrischen Gitarre. Jahrzehnte später gibt es immer noch Gitarristen, die einen magnetischen Pickup in ihre akustische Gitarre einbauen, um auch einen akustischen Sound zu erreichen. Haben die denn gar nichts gelernt, sind das einfach Ewiggestrige? Auf keinen Fall, denn auch diese Pickups sind deutlich besser geworden als noch vor einigen Jahren.

Sound

Magnetische Pickups erzeugen in der Regel einen warmen und weichen Sound, der selten aufdringlich wirkt. Die Mittenbereich sind meistens etwas ausgeprägter als die Höhen, daher kann der Klang etwas elektrisch wirken. Deshalb sollte man auch die Anschaffung eines Preamps oder eines Equalizers einkalkulieren, damit kann der "elektrische" Soundanteil wenigstens teilweise ausgetrieben werden. Es reizt natürlich, die Höhen anzuheben. Dabei sollte man aber vorsichtig sein, denn meistens führt das Anheben von Höhen zu einem erhöhten Rauschen. Das Absenken der Mittenfrequenzen ist einfacher, allerdings macht man sich den Vorteil des warmen und vollen Sounds kaputt, wenn damit übertreibt. Hier ist Fingerspitzengefühl gefordert. Beim Ausprobieren sollte man besonders darauf achten, ob die Saiten ausgewogen abgenommen werden - besonders die blanken h- und e-Saiten sind häufig viel zu laut im Vergleich zu den umsponnenen.

Der Einbau

Wie bekomme ich den Pickup in die Gitarre rein und wie wieder raus? Da stecken wir in einem echten Dilemma. Die Pickups sitzen im Schalloch, was den akustischen Sound schon beeinträchtigt. Auf der Bühne ist das erst einmal egal, trotzdem Grund genug, den Pickup nicht für alle Ewigkeiten in die Gitarre zu schrauben. Klemmvorrichtungen bergen ein anderes Problem: Wie haltbar ist das bei Bewegungen auf der Bühne? Was schonend und einfach zu befestigen ist, ist meistens nicht fest genug. Erdbebenfeste Halterungen sind allerdings nicht immer materialschonend.

Vom Pickup muß ein Kabel ggfs. über Preamp und Effekgeräte zum Verstärker/zur P.A. führen. Viele Pickups sind gleich mit einem etwas längeren Kabel ausgestattet, was ja sehr praktisch erscheint. Das verführt aber zu einer "freifliegenden" Verkabelung, bei der das Kabel direkt vom Pickup herunter vor die Füße des Gitarristen baumelt. Besser ist es, das Kabel in die Gitarre zu führen und dort in der typischen Buchse am Endklotz in der "klassischen Pürzellösung" enden zu lassen, also die Kombination aus Gurthalteknopf und Buchse. Das bedeutet wieder einen operativen Eingriff in die Gitarre und wieder empfehle ich den Besuch beim Gitarrenbauer Eures Vertrauens. Laßt Euch aber auch sagen, wie man den Pickup für die Zeit zwischen den Gigs wieder problemlos aus der Gitarre herausbekommt!

Eine Alternative ist die oberirdische Verkabelung. Dabei führt man das Kabel des Pickups zum Gurthalteknopf und sichert es da mit einer Zugentlastung (mit Kabelbinder am Knopf/Gurt fixieren), damit nicht der gesamte Pickup aus der Klampfe gerissen wird, wenn das Kabel mal irgendwo hängenbleibt. Sinnvoll ist auch, das Kabel am Pickup so zu verkürzen, daß dieses Kabel nur bis zum Gurthalteknopf reicht und dort in einer Klinkenbuchse endet. Da wird dann die Buchse mit einem Kabelbinder befestigt und für den weiteren Signalweg benutzt man ein ganz normales Gitarrenkabel.

Der Einsatz von Effektgeräten ist bei magnetischen Pickups schwierig. Vorsicht bei jeder Verwendung von Flanger, Chorus und Hall! Zwar verstehen sich magnetische Pickups sehr gut mit Effektgeräten, es besteht aber laufend die Gefahr, die E-Gitarre neu zu erfinden. Mischsounds zwischen akustischer und elektrischer Gitarre können toll klingen, das hat mit einem reinen Akustiksound nur eben nicht mehr viel zu tun.

Vor einem Kauf eines Schallochpickups ist der Test mit der eigenen Gitarre Pflicht, und das ist ja bei Schallochpickups auch überhaupt kein Problem. Wenn die verwendete Gitarre schon akustisch sehr weich und warm klingt, kann es nämlich zu Problemen mit der Durchsetzungsfähigkeit kommen. Eine Gitarre mit eher schrillem Grundsound wird mit einem magnetischen Pickup dagegen soundlich aufgewertet. Wer auf der Bühne mit einer Zwölfsaitigen spielt, sollte übrigens unbedingt mal einen Schallochpickup probieren, das paßt meistens gut zusammen. Beim Probieren sollte man auch verschiedene Verstärker benutzen, um zu hören, wie die Gitarre-Tonabnehmer-Kombination damit jeweils klarkommt.

Zum Schluss

Magnetische Pickups sind nichts anderes als Induktionsspulen, die Spannungen abgeben, wenn sie magnetische Schwingungen aufnehmen. Diese magnetischen Schwingungen sind die von uns mehr oder weniger kunstvoll gezupfen oder geschlagenen Stahlsaiten. Aus diesem konstruktionsbedingten Grund können Magnetpickups auch mit Nylonsaiten nichts anfangen. Also keine Reklamationen wegen angeblich defekter Pickups!

Den magnetischen Tonabnehmern fehlt der "holzige" Klanganteil, da nur die Saitenschwingungen abgenommen werden. Daher ist die Kombination von magnetischen Pickups mit Kontakttonabnehmern und eingebauten Mikrofonen sehr interessant - später mehr dazu!

 

 
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