Shred101
The Whammy Bar
Endlich mal wieder was aus der Shredder-Richtung, wie? Genau,
es geht um den Jammerhaken und was man so damit machen kann.
Geben tut es ihn schon lange, und Kollegen wie Adrian Belew,
Jimi Hendrix und Ed Van Halen haben sehr einfallsreiche Dinge
mit dem "vintage vibrato" gespielt.
Letzterer war dabei extrem innovativ. Das Problem mit
der geringen Stimmstabilität des alten Vintage-Systems
versuchte er auf verschiedene Arten zu lösen. So
sägte er z.B. den Vibratoblock zwischen D- und
G-Saite durch, so dass ein Betätigen des Jammerhakens
nur Einfluss auf die drei hohen Saiten haben würde,
während die Basssaiten relativ unberührt blieben
und er somit selbst bei verstimmten Melodiesaiten den
Song zu Ende spielen konnte.
Anfang der 80er dann setzte sich eine neue Variante
durch, das "double locking" Vibratosystem,
perfektioniert u.a. von Mr. Floyd Rose (der bis heute
immer noch die Lizenzen auf jenes System hat und kräftig
absahnt ). Plötzlich waren extreme Whammyaktionen
möglich, ohne dass sich die Gitarre nennenswert
verstimmte, und bald machten Spieler wie Steve Vai,
Joe Satriani und Steve Stevens von sich reden, da sie
gar ungewöhnliche Sounds mit eben jenen Whammy
Bars erzeugten. Bis heute sind einige dieser Sounds
noch recht beliebt, aber vielen ist leider noch unklar,
wie sie entstehen. Und das werde ich nun versuchen teilweise
aufzudecken...
(Eddie Van Halen)
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Diesem Artikel sind keine MIDI- sondern MP3-Files beigefügt.
Ich habe ganz einfach einen Preamp mit Speaker Sim an
den Computer angeschlossen und schnell ein paar Beispielsoundfiles
aufgenommen. Diese sind zwar nicht als "high quality"
zu bezeichnen, sind jedoch, so meine ich, gut genug
um jedem klar zu machen, was ich im Text zu beschreiben
versuche. Ich habe einen recht lauten Pegel und auch
relativ viel Gain verwendet, was natürlich der
Hörbarkeit der Whammybar-Effekte sehr zuträglich
ist.
(Eric
Van Vandenberg)
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Es gibt auch keine TAB, denn zumeist handelt es sich eigentlich
nur um spielerische Effekte, die einfacher zu beschreiben
als in TAB wiederzugeben sind. Hoffe, diese Lösung sagt
den Lesern dieses Artikels zu. So, nun zur Sache:
Sounds & Samples
Das erste Soundfile ist ein Beispiel für ein typisches,
leichtes Vibrato, wie es auch ohne Probleme mit Vintage-System
zu erzeugen ist. Der Vorteil beim Vibrato mit dem Hebel ist,
dass man in beide Richtungen "vibrieren kann", im
Gegensatz zum Fingervibrato. Ausserdem kann man so auch ganze
Akkorde und sogar Obertöne vibrieren lassen. Im Soundfile
spiele ich zuerst einen A5 Akkord, vibriere diesen, spiele
dann das A am zweiten Bund der G-Saite, vibriere auch diesen
in beide Richtungen mit dem Hebel, und spiele schliesslich
einen Oberton am siebten Bund der G-Saite.
| Whammy Standard |
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Das nächste Lick beschäftigt sich ebenfalls mit
dem noch gemässigten Vibrato ... hören kann man
es bei vielen verschiedenen Spielern, von Hendrix über
Eddie und Sambora zu Lukather... Es handelt sich um einen
Doublebend. Ich greife mit einem Finger das D am 10. Bund
der E1-Saite und mit einem anderen Finger das A am 10. Bund
der B-Saite und schlage beide Noten an.Dann ziehe ich eben
jenes A einen Ganzton und vibriere mit dem Whammy. Besonders
mit viel Gain ergibt das einen sehr klassischen Sound. Vorsicht
jedoch bei leicht zu bewegenden Vibratosystemen! Hier kann
es sein, dass sich die eine Saite beim Ziehen der anderen
verstimmt, da das System ein wenig nach vorne kippt.
| Whammy Double Bend: |
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So, nun zu den Divebombs, den klassischen.
So langsam bewegen wir uns nun in die Richtung des Floyd
Rose Systems, denn es wird schwierig, richtige Divebombs mit
dem Vintage Vibrato nachzuvollziehen. Zumindest nicht, wenn
man anschliessend noch sauber im Tuning sein möchte.
Also, zur Einführung ganz einfach: die tiefe E-Saite
anschlagen und den Whammy Bar langsam und genüsslich
herunterdrücken, bis alle Saiten "erschlaffen",
dann schnell wieder nach oben kommen lassen und die Saiten
abdämpfen, um Nebengeräusche zu vermeiden. Zu hören
ist das hier:
| Whammy Dive Bomb: |
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Das folgende Soundfile beschäftigt sich mit einer
beliebten Variante der Divebombs: Die Verwendung von
Obertönen. Also einfach den Oberton am 5. Bund
der G-Saite anschlagen, und wieder: genüsslich
runterdrücken, dabei noch etwas schütteln
(ist das jetzt noch jugendfrei?!?) bis die Saiten erschlaffen...
(jetzt bestimmt nicht mehr!)
| Whammy Harmonic
Dive Bomb: |
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(Steve
Vai)
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Jetzt etwas aus der Steve Stevens-Trickiste: Gleicher Oberton,
aber hochgezogen (geht halt nur bei freischwebenden Systemen
), dann nach unten ...
| Whammy Bar: The Stevens
Trick: |
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Mit genügend Gain am Amp kann man schwer zu erzeugende
Obertöne leichter zum Erklingen bringen... hier sind
Obertöne am dritten Bund:
| Whammy Bar: Another
Trick: |
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Diese sind natürlich schon recht hoch. Wer Lust hat,
kann ja mal dran arbeiten, Obertöne am 3. Oder 14 Bund
(da liegen die, die Joe Satriani im Intro von "Satch
Boogie" verwendet hat) zu erzeugen.
Das nächste Lick ist ein Ed Van Halen-Trademark: Oberton
am fünften Bund, dann wie irre mit dem Jammerhaken "rühren",
dann abwärts, nach oben reissen, fertig ...
| Eddie made: |
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Zurück zu Mr. Vai und dem "Cat Purring".
Kennen wir noch alle das alte Grundschul-Spielchen mit
diesen dünnen Linealen? Ihr wisst schon, zur Hälfte
auf eine Tischkante legen, Zeigefinger drauf, runterziehen,
Finger abrutschen lassen und schon flattert das Lineal
los. So ähnlich geht das Cat Purring. Ich spiele
mit der linken Hand eine Melodie (mit Hammer Ons und
Pull Offs ), während meine rechte Hand den Vibratohebel
immer kurz herunterdrückt und dann abrutscht. Bei
einem sauber eingestellten, freischwebendem Floyd Rose-System
entsteht dann eben jener Flatter-Effekt. Gut zu hören
bei Mr. Vai, z.B. in "For The Love Of God",
bei Steve Lukather in Toto´s "Dave´s
Gone Skiing" (auf "Tambu" ) oder auch
hier:
| Cat Purring: |
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(Steve Vai und die
etwas ungewöhnlichere Benutzung eines Vibratohebels)
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Apropos Lukather: Der hat öfter den folgenden Trick
benutzt: mit der linken Hand eine sich wiederholende Hammer
On / Pull Off Phrase spielen, und dabei in Intervallen den
Hebel runterdrücken und wieder loslassen... gibt einen
etwas "leiernden" Effekt. Ins Extrem hat diesen
Effekt wieder mal Stevie-Boy Vai getrieben mit der "Windmill":
beim linkshändigen Vibratospiel den Hebel immer wieder
um 360 Grad drehen und dabei runterdrücken, das heisst
es geht abwechselnd aufwärts und abwärts. Soundfile:
| Lukather's Trick: |
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Sowohl Steve Vai als auch Joe Satriani beherrschen das Melodiespiel
perfekt. Während Vai oftmals nur eine Note anschlägt
und dann eine Melodie spielt, indem er den Hebel benutzt um
die richtigen Tonhöhen zu erzeugen, benutzt Satriani
den Hebel um in eine Note hinauf zu "diven". D.h.
wir drücken den Hebel etwas hinunter, spielen dann mit
der linken Hand die erste Note unserer Melodie und lassen
den Hebel dann schnell los... die Note ist erst etwas zu tief
und kommt dann zur richtigen Stimmung. Dies kann man beliebig
in eine Melodie einbauen, so wie im frei improvisierten nächsten
Soundfile.
| Whammy Bar Dive Up: |
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Last but not least ein Whammy-Inferno, indem ich einen Trick
von Steve Vai und einen von Richie Sambora vereine: Wir legen
die linke Hand auf den Whammy (ja genau, wir greifen also
über, unser linker Arm befindet sich unterhalb des Halses
und geht über das untere Cutaway zum Hebel ), dann schlagen
wir mit der rechten Hand auf der G-Saite die sogenannten "artifical"
oder "pinch harmonics" an (wer damit nicht vertraut
ist: mit der Plektrumspitze die Saite anschlagen, dann eben
jene noch einmal leicht mit der Seite des Daumens berühren.
Im Glücksfall entsteht ein Oberton ... zu hören
sher oft bei Billy Gibbons ). Wir bewegen uns dabei mit der
rechten Hand immer wieder Richtung Hals und zurück, wodurch
die Tonhöhe der Obertöne variiert. Dabei schlagen
wir mit der linken Hand auf den Whammy-Bar... ein echter Alien-Effekt.
Später dann spielen wir immer noch Obertöne, drücken
dann aber den Hebel herunter, schlagen wieder einen Oberton
an, lassen den Hebel los, wieder ein Anschlag etc. Ich empfehle
(deshalb auch keine TAB ) selbst einmal zu experimentieren...
es lohnt sich.
| Whammy Inferno: |
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Zu guter letzt dann noch mal völliger Jammerhaken-Irrsinn
... ein frei improvisiertes kurzes Solo, welches ein paar
der wilden Whammy-Tricks vereint. Vielleicht ohne hohen musikalischen
Wert, aber dafür mit einigen der beschriebenen Effekte
in der Anwendung.
| Whammy Bar Outtro: |
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Ich hoffe, dem einen oder anderen ein wenig geholfen zu haben,
ein paar Geheimnisse gelüftet zu haben, was den Whammy
Bar angeht, und ich hoffe, dass der eine
oder andere nun einmal ein wenig experimentieren wird... richtig
eingesetzt kann der Whammy Bar ein wunderbares musikalisches
Tool werden ( siehe Vai,Michael Lee Firkins, Jeff Beck etc.
) ... also einfach mal damit beschäftigen.
Aufgenommen
wurden die Soundbits über einen Marshall JMP-1 Preamp,
den ich über seinen "Speaker Emulated Output"direkt
an den PC anschloss. In der parallelen Loop befand sich ein
gutes altes Alesis Quadraverb GT. Gitarre war meine Stevens
Custom Strat mit einem Seymour Duncan Custom Custom Humbucker
und Schaller (FR License) Double LockingVibrato.
Email: talkinghands@web.de
Web: www.ericvandenberg.com
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