"Generelles" (oder: Gesundheit!)
Welcome back my friends
So, da simma wieda ! Ja, richtig, die Ex-Collection ist zurück
in alter Frische (???) und vieles hat sich ereignet ... viel gibt
es zu erzählen, und vieles würde ich gerne im Verlauf der nächsten
Folgen in Angriff nehmen. Fangen wir aber doch mit dem Wichtigsten
an (bevor ich weiter über Scale Patterns und so'n Zeugs laber')
...
Tja, die Überschrift "Generelles" trifft es schon ganz gut. Wie
so oft habe ich mir mal wieder Gedanken über den Inhalt und
die Themenauswahl meiner kleinen Sammlung von Instruktions-Taktraten
(Ha! Was für ein Wort! Und so falsch! Aber egal) gemacht, und mir
ist so langsam klargeworden, dass da einige Sachen unbedingt angesprochen
werden sollten, die sonst so oft unter den Tisch fallen. Wie sieht
es denn aus mit den Themen in all den verschiedenen Artikeln und
sonstigen Lehrmaterialen, die man so kriegt, ob nun frei im Netz
wie hier, oder in Magazinen, Büchern, Videos etc.
Klar, Killerfräse is' immer dabei, ob nun von Kee Marcello, Paul
Gilbert (jau, da isser wieder, ich weiss schon, wer sich jetzt freut)
oder Vinnie Moore ... wer's etwas mehr "sophisticated" will, schaut
dann Holdsworth beim Fingerverdrehen zu oder liest Klassiker wie
"Chordsoloing - An Introduction in 86897990 easy-to-understand lectures"
... aber wo finden wir denn mal was, was die "Werkzeugspflege" behandelt?
Genau, Freunde, ich rede hier von unseren Händen, und nicht nur
von denen, sondern vom Rest des Körpers.
Was da nämlich vergessen wird, kann unser Spiel im Endeffekt ganz
schön behindern. Dabei will ich jetzt gar nicht über Dinge wie "Nagelpflege"
in's Detail gehen, da gibt es viel gut lesbares und hilfreiches
Material, z.B. vom Kollegen AvR, oder natürlich vom Nagelstudio Eurer Wahl. Nein, es geht
eher um Dinge wie Streckungen, Muskeln, Atmung etc.
Wie, wird sich der Eine oder andere fragen, is'ser jetzt voll abgedreht?
Nein, ganz im Gegenteil!!! Hatte ja schon in der Einleitung erzählt,
dass es viel zu erzählen gibt ... und ich habe mir über eine ganze
Menge Dinge Gedanken gemacht, und auch ausreichend Neues gelernt.
Z.B. über die Hände ... Streckungen in all ihren Abarten waren für
mich immer sehr interessant, und ich versuche auch beim Unterrichten
meinen Schülern einzutrichtern, dass hier innerhalb kurzer Zeit
eine Menge Schaden angerichtet werden kann, wenn man nicht vorsichtig
ist.
Wie mein ich das nun? Nun, meine erste grosse Einführung zum Thema
war damals "Spanish Fly", das inzwischen legendäre Akustikgitarrensolo
von Eddie Van Halen (zu finden auf "Van Halen II", WB), aus dem
er bestimmte Passagen auch für sein elektrifiziertes Live-Solo übernommen
hat. Tja, und am Ende geht es da ganz schön zur Sache, was Streckungen
angeht ... nämlich vom zweiten zum sechsten Bund der A-Saite, komplett
mit Hammer-On's und Pull-Off's (wie auch sonst?). Tja, was habe
ich da dran gedröselt, bis ich das auf Tempo hatte ... und dann
dieses lahme Gefühl im Handballen und im kleinen Finger hinterher.
Und damit nicht genug, nein, mit Kollegen trat ich in den Wettbewerb,
und da waren dann so Sachen wie extraweite Streckungen schon wichtig,
wie sonst sollte man die Kollegen von der Zunft noch beeindrucken
(mit dem Melodiegehalt haperte es halt).
Im
Bild sieht man dann so eine Geschichte ... ich habe mal eine kurze
"Etüde" geschrieben, als Übungsstück für Tapping und weite
Streckungen, betitelt "Mirrors" (hach Gott, wie originell). Egal,
im Foto (wow, das Jahr 2000 ging auch an Talking Hands nicht vorbei)
sieht man dann einen der Fingersätze besagten Stückes, mit einem
Stretch vom 3. bis zum 9. Bund der A-Saite. Über Sinn und Zweck
solcher Manöver will ich hier keine Worte verlieren, es geht halt
um den mechanischen Prozess. Bei dieser Figur wird unsere Hand nämlich
ganz schön belastet. Und ich glaube, das trifft auch auf Leute mit
grossen Händen zu (meine sind nämlich eher mittelgross).
Tja, und kaum haben wir die Hand so weit gestreckt, geht es dann
mit den Bewegungen los ... Hammer-On ... Pull-Off ... bisschen Vibrato
... mehr Tempo ... ouch!!!! Und was lernen wir daraus? Dass man
solche Geschichten (wie auch vieles anderes) langsam angehen sollte,
seinen Händen Zeit geben. Und natürlich sollte man langsam beginnen,
mit Streckungen Über drei Bünde oder vier, bevor man dann ins
Extrem geht. Warum ich mir erlaube, hier darüber "Klugscheissereien"
abzulassen? Ganz einfach, genau so habe ich es nämlich nicht
gemacht, und mir dabei fast die Hände ruiniert.
Damals ...
Es war in meiner Anfangszeit, mit Akkorden hatte ich immer noch
ziemlich zu kämpfen, Tappen konnte ich aber schon (weil es einigermassen
klang und natürlich bei den Kumpels Eindruck machte ... über den
musikalischen Gehalt schweige ich jetzt mal). Egal, eines Tages
dann fand ich endlich eine Sammlung von Van Halen-Tablaturen, inklusive
"Spanish Fly", also ab nach Hause und losgedudelt ... zumindest
das Tapping am Ende wollte ich können. Also ohne Rücksicht auf Verluste
losgetappt, und obwohl die Sauberkeit zu wünschen übrig liess hatte
ich das Ding bald auf Tempo ... tja, bis dann meine Hand begann
wehzutun, der Handballen fühlte sich lahm an, die Sehnen des
kleinen Fingers taten weh.
Kurz gesagt, die Hand war überlastet. Glaubt es oder nicht, damals
war ich noch nicht ganz doof. Also machte ich mich auf die Suche,
um Rat von einem Doktor und einem erfahrenen Kollegen einzuholen.
Darüber gehe ich jetzt auch mal nicht in's Detail, nur kurz gesagt:
Was ich lernte war, dass man
- das Ganze langsam angehen sollte (s.o.) und
- die Wichtigkeit des Aufwärmens nicht unterschätzen
sollte.
Letzteres lernte ich dann gleich noch mal in der Praxis, als ich
nämlich mit dem Giggen anfing, u.a. mit einer Heavy Metal-Formation,
wo ich mir als Gitarrist schon mal die Freiheit für längere Solo-Passagen
und später dann auch für ein unbegleitetes Solofeuerwerk nehmen
konnte. Tja, und zu der Zeit sah es mit Aufwärmen immer dürftig
aus ... war für uns alle (bis auf den Bassisten) ein Fremdwort.
Und schnell stellte ich fest, dass selbst bei technisch nicht zu
anspruchsvollen Kunststücken (z.B. Hammer-On/Pull-Off-Passagen mit
eher kleinen Streckungen) die Hände schnell ermüdeten und schmerzten.
Wieder war es Zeit für mich, Informationen zu sammeln und mir
mal ein paar Gedanken zu machen. Und von dem Zeitpunkt an lernte
ich die Vorzüge des Warmspielens kennen. Ein paar der Erkenntnisse
die ich hier sammelte:
- Gripmaster und Gerätschaften ähnlich diesem sind für diesen
Zweck eher ungeeignet. Ist meine feste Überzeugung. Denn: zwar
trainiert dieses Gerät ohne Zweifel die Muskeln und Sehnen der
linken Hand, aber der Bewegungsablauf ist ein völlig anderer
als der beim normalen Spielen. Wir kennen das vom Bodybuilding:
Der Körper ist gut trainiert, dicke Muskeln etc. aber im Endeffekt
kann man nicht das volle Potential anwenden, da der Bewegungsablauf,
der zum Entstehen eben jener Muskeln ein anderer ist als bei
vielen Situationen, in denen wir jene einsetzen möchten.
- Nicht nur sollten Skalenläufe, chromatische Übungen und Bendings
zum Aufwärmen verwendet werden, sondern auch Akkordübungen,
simple Kadenzen und etwas aufwendigere Akkordprogressionen.
Ich erinnere mich an ein älteres Interview mit Steve Lukather
im GUITAR PLAYER, in dem er über das Aufwärmen vor Sessions
und Gigs sprach. Der Gute fängt mit Akkorden an und geht später
in Bendings über, um dann ein paar Trademarklicks durchzushredden.
Steve betonte, dass Aufwärmen mit Akkorden um einiges hilfreicher
ist als das pure Singlenote-Shredding.
- Nicht nur sollte man sich mit rein spieltechnischen Vorgängen
und Bewegungsabläufen beschäftigen, sondern auch die Muskeln
"trocken", also ohne Gitarre dehnen ... u.U. hilft es, Hände
und Unterarme in warmes/heisses Wasser zu tauchen (wie es der
gute Joe Satriani praktiziert ).
- Enge Uhren und Armbänder sind im Endeffekt eher behindernd,
ebenso wie enge Bündchen am Pullover/Hemd.
Atmung
So, nun aber zu etwas ganz Anderem ... Atemtechniken. Und damit
beschreite ich dann endlich auch neue Wege mit der Talking Hands-Collection
... denn von nun an weiss jeder ganz sicher, dass ich 'nen Schuss
habe, die Vermutungen finden den Beweis ... aber mal langsam ....
wie komm ich darauf?
Nun, eine sehr gute Freundin hat mich neulich einmal in die weite
Welt des Yogas eingeführt. Angefangen haben wir (besagte Person
ist übrigens diplomierte Yoga-Instruktorin, weiss also, wovon sie
spricht) dabei mit einfachen Atemtechniken, die dazu dienen den
Körper zu beruhigen. Eine der Grundtechniken ist eine Technik, bei
der man den Mund schliesst, durch die Nase einatmet, um dann, wenn
man an dem Punkt ankommt, an dem man normalerweise einfach durch
Mund und Nase ausatmen würde, den Atem sozusagen wieder in den Bauch
hereindrückt, also eine Art "interne Zirkulation". Wozu das Ganze?
Nun, Yoga ist eine Technik, die sehr viel Konzentration erfordert.
Fängt man erst einmal mit den wahren Übungen an, sollte man in der
Lage sein, die ganze Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Nur so (und
natürlich, wie schon beim "Aufwärmen" erwähnt, viel Vorbereitung
und langsames Herantasten, hier also ein weiterer Bezug zum Gitarre
spielen) kann man im Endeffekt den eigenen Körper "pushen" und die
Flexibilität erhöhen.
Ich gehe zweimal am Tag durch meine Übungen, und wenn ich das tue,
will ich mich darauf konzentrieren und nicht über den Rest des Tages
nachdenken, Sorgen und alle anderen in diesem Fall störenden Gedanken
abschalten. Also verwende ich besagte Atemtechnik. Nun aber komme
ich zurück zum Thema.
Und dann ...
Neulich hat mich mein guter Kumpel Tommy mal zum "Sit-In" mit seiner
Band eingeladen ... diese spielte an jenem Abend in einem kleinen
Club, und Tommy fragte mich, ob ich nicht auf die Bühne kommen wollte,
um auf "Attitude Song" (Steve Vai) zu jammen. Zum Aufbau und Soundchecks
meines Gears blieb kaum Zeit, neu war das Zeug auch noch, also war
ich nicht voll drauf eingespielt, der Song ist im Endeffekt auch
nicht gerade der einfachste (im Endeffekt hatten wir uns nämlich
darauf geeinigt, zumindest den ersten Durchgang original wie Kollege
Steve zu spielen), und es war das erste Mal in ein paar Monaten,
dass ich (und auch noch als Gast mit einer Band, mit der ich nie
gespielt hatte) auf der Bühne stand. Also war ich schon etwas nervös,
und durch meine "Studien" zum Thema "Aufwärmen und Muskelprobleme"
wusste ich, dass diese Nervösität leicht zu Problemen führen kann,
sowie eben erwähnte Leiden noch unterstützt.
Tja, und da erinnerte ich mich dann an oben erwähnte Atemtechniken,
und setzte mich für ein paar Minuten in eine ruhige Ecke, um sie
zu verwenden. Wie gesagt, oben erwähnter Atem soll der "Selbstfokussierung"
dienen, man sollte sich selbst beim Atmen zuhöhren, was der Konzentration
zuträglich ist. Und es half tatsächlich!!! Zwar war ich immer noch
nervös, jedoch war das "Zittern" weg, die Hände waren viel ruhiger,
der Atem ruhig und langsam, der Kreislauf so ziemlich auf normalem
Stand. Und dann, in den letzten Sekunden bevor ich auf die Bühne
marschierte, stand ich auf der Seite derselben in einer dunklen
Ecke und atmete noch einmal auf besagte Weise ... und das Ganze
war schon eine sehr lehrreiche Erfahrung, denn ich erinnere mich
mit Grausen an die Aufregung und die körperliche Reaktion auf dieselbe
zu den Zeiten, als ich noch drei bis vier Mal wöchentlich auf der
Bühne stand.
Und die Profis?
Alles klar, ich sollte vielleicht auch noch erwähnen, dass ich
mit meiner Begeisterung für diese grundsätzliche Atemübung aus dem
Yogabereich nicht allein stehe ... Kollegen wie Eric Johnson und
der gute Steve Vai (der, wenn ich mich erinnere, besagten Atemvorgang
im Intro zu "For The Love Of God" von "Passion & Warfare" sogar
auf Platte bannte) verwenden eben diese oder ähnliche Übungen im
täglichen Leben. Ich selbst bin nun einmal kein lizenzierter Yogalehrer
und werde mich hüten zu versuchen jene Vorgänge hier bis in's kleinste
Detail durchzugehen oder sogar zu versuchen, Vorgängen wie den "Feueratem"
zu lehren. Mein Anliegen ist ganz einfach klarzustellen, dass mit
ein wenig Fokus und Konzentration Störfaktoren wie unruhiger Atem
oder zu schneller oder unregelmässiger Kreislauf ausser Gefecht
gesetzt werden können ... und dass ein paar ruhige Minuten mit Durchatmen
vor dem Auftritt/der Session das Leben enorm erleichtern können.
Und hier geht es nicht nur um Auftritte vor einer Hundertschaft!
Wir alle kennen das doch, von uns selbst oder von Kollegen/Schülern
oder woher auch immer: man möchte dem Kollegen mal eben was vorspielen,
sei es das neue "Terror Death Lick" oder nur ein wenig "Schlaggitarre"
(würg!) ... bei vielen reicht das schon, Herzschlag und Atmung durcheinander
zu bringen, man fängt sozusagen an zu hecheln, was nicht nur der
eigentlichen "Performance" abträglich ist, sondern obendrein im
schlimmsten Fall zu einem "Schnellerwerden" führt.
Ich erinnere mich an einen ehemaligen Schüler, der mir "nur mal
eben" einen neuen Song auf der Akustikgitarre vorführen wollte,
und dabei atmete wie eine Mischung zwischen Darth Vader und Teresa
Orlowski. Dadurch wurde sein Spiel beeinflusst. Er variierte unbewusst
das Tempo (wurde schneller, hekticher, unruhiger) und ich bin mir
bis heute sicher, dass er damit sein eigenes Potential unbewusst
einschränkte. Wer jetzt immer noch nicht weiss, wovon ich hier rede,
sollte einmal ein wenig Selbstanalyse betreiben ... mal Herzschlag
und Atmung beim Spielen etwas anspruchsvollerer Musikstücke beachten,
oder mal darauf achten, was da physikalisch beim Kollegen abgeht,
wenn er ein wenig spielt.
Tja, wo bin ich jetzt gelandet? Nein, es geht hier weniger um eigentliche
Spieltechniken, es geht um das "Drumherum" und um Bereiche, die
so unheimlich wichtig sind, oft aber unbeachtet bleiben, nämlich
die Vorgänge im Körper bei der "Performance" und wie weit man jene
verbessern kann, wenn man Dingen wie Aufwärmen, Atmung und Kreislauf
ein wenig Beachtung schenkt. Gar nicht von der Ernährung zu reden
... :-))
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