The Talking Hands Collection


Kreative Solo-Gitarre

Part I: String Skipping

Irgendwann in seiner Karriere als Sologitarrist wird man hoffentlich an den Punkt kommen, an dem man einfach die gleichen alten Licks satt hat. Das ist dann eine schwere Phase, aber durchaus notwendig, um sich zu entwickeln. Oft stellt man fest, dass man sich solistisch im Kreis bewegt, immer die gleichen Licks, und besonders immer die gleichen, langweiligen INTERVALLE und TECHNIKEN.

Dem versuche ich nun einmal entgegenzuwirken. Und zwar in einer Miniserie über kreative Leadgitarre ... dies ist der erste Teil, und es geht um Stringskipping.

Was ist das nun ?

Nun, beim Stringskipping überspringt man Saiten ("to skip strings"), das heisst, ganz einfach ausggedrückt: man spielt ein paar Noten auf der hohen E-Saite z.B. und führt das Lick dann auf der G-Saite weiter, man überspringt also die B-Saite ... das führt zu neuen Intervallen und damit zu frischen Ideen.

Hier einmal das erste String Skipping Lick, über die Akkorde C-Dur und G-Dur...
Dieses Lick kann auch durch das Verwenden von Hammer On/Pull Off aufgepeppt werden. (was einem als Übung der Linke Hand/Rechte Hand-Koordination sehr zu Gute kommt )

Wir sehen (und hören) diese neuen Intervalle. Technisch gesehen sind String-Skipping Licks schon sehr anspruchsvoll, und sie verlangen eine sehr präzise Dämpftechnik, damit die nicht gespielten Saiten auch wirklich nicht erklingen und damit stören. Zu beachten das grosse Intervall zwischen hoher E-Saite und dem G am 10. Bund der A-Saite ungefähr in der Mitte des Licks. Wer hier verzerrt spielt und nicht ausreichend dämpft kriegt nur Klangmüll.

Das Ganze kann man dann wunderschön als Repeating-Pattern verwenden, oder ganz einfach der weiteren Chord-Struktur via String-Skipping folgen.

Ok, nun eine andere Spielerei mit klassischem Hintergrund, abgeleitet aus Paganini's Capricen ...

Hier kommt der Wechselschlag besser, es passt einfach zu den Harmonien. Man sieht, dass sich dieses Lick aus einer 3 Note-Per String Skala aufbaut.

Als nächstes haben wir eine Pentatonik-Spielerei zur Verwendung als Repeating Pattern...

Und zuletzt noch eine Übung mit einer eher ungewöhnlichen Melodie:

Wer Übungen zur Koordination beider Hände sucht, wird schnell erkennen, dass all diese Licks dazu sehr gut geeignet sind. In einer späteren Kolumne werde ich auf das Thema String-Skipping zurückkommen und mal ein paar echt harte Nüsse bieten !

Ausserdem kann diese Technik hervorragend benutzt werden, wenn einem das eigene Solospiel zu langweilig wird und man neue Impulse sucht.

Nicht zu oft eingesetzt, bieten String Skipping-Licks oft Futter für gelangweilte Ohren, und als Repeating Pattern machen sie sich auch ausgezeichnet.

Ich schlage vor, die oben abgebildeten Licks einmal durchzuanalysieren und sich eigene Licks zu machen, die man zum Üben oder auch in einer Komponisation verwenden kann.

Bekannte Benutzer von String-Skipping-Licks sind z.B. Eric Johnson, Paul Gilbert und Andy Timmons.

Also, bis zum nächsten Mal ...

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