Shred 101 - Steve Morse Pt. 3- Composer and
everything else
Oder: Teil 3 der Mini-Serie
Mit enormer Verspätung kommt hier der dritte und letzte
Teil meiner kleinen Serie über Steve, diesmal mit einem
Blickpunkt auf ihn als Komponist und Arrangeur, und ein paar
Schlussgedanken.
Was denn nu´?
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Mein letzter Artikel behandelte ja eher Steve als Gitarrist,
und ich habe hoffentlich ein paar interessante Licks
gezeigt. Steve sollte aber nicht nur als Gitarrist gesehen
werden, denn seine Musik, ob nun mit der Steve Morse
Band, den Dixie Dregs (Steve schrieb übrigens mindestens
90 % der gesamten Musik der Dregs, inkl. der Soli aller
Instrumentalisten!) oder DP, zeigt immer wieder, dass
Steve auch ein genialer Komponist und Arrangeur ist.
Ob es um geniale Hooklines und Riffs, oder komplexe
Kontraponktduette zwischen Gitarre & Bass, oder
auch um klassisch orientierte Akustikgitarrensoli oder
komplizierte Fusion-Soliduelle geht, für (fast)
jeden ist was dabei.
Melodien
Steve hat einige echt tolle Melodien geschrieben, die
ihren besonderen Charakter oft durch einen kleinen "Trick"
erhalten. Anstatt nämlich nur eine Melodie mit
komplexen Notenlängen zu schreiben, spielt Steve
oft durchgehende Parts mit gleichbleibenden Notenlängen,
in denen die eigentlichen Melodienoten auf interessante
Weise eingewoben sind, also nicht immer nur konstant
auf 1 oder 4 oder sonst wo zu hören sind.
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Steve mit
Dregs-Bassist
Andy West in den frühen 80ern
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Ein hervorragendes Beispiel dafür findet sich in "The
Introduction". Schon immer fand ich den Mittelpart (vor
dem Übergang zum Solo) echt wunderschön: ein aufsteigender
Part mit einer interessanten Melodie, der beim oberflächlichen
Hören echt komplex klingt.
Insgesamt spielt Steve jedoch 16tel-Noten und variiert nur
immer die Positionen von Melodie-und Bassnoten, wodurch folgendes
entsteht:
Wie man also sieht, handelt es sich um einen einzigen (!!!)
Gitarrenpart, in den die Melodie integriert ist (auf dem Album
wurde eben jener Part noch durch mehrere Overdubs verfeinert).
Zugegeben, recht kompliziert zu spielen (schwere Fingersätze
und Wechsel), aber wenigstens rhythmisch leicht zu erlernen,
handelt es sich doch (abgesehen vom Ende) um konstante 16tel-Noten.
Das Tempo liegt bei ca. 70 bpm für die Viertelnote.
Und ganz ähnlich hat Steve es ein paar Jahre auf dem
Album "Structural Damage" gemacht, beim Song "Rally
Cry". Wieder sind Melodienoten und Basstöne geschickt
zu einer Melodie gestrickt worden. Auf dem Album wurde das
ganze noch mit einer Akustikgitarre gedoppelt.
Native Dance
Nun zu einem weiteren meiner "favorite Morse parts":
der Mittelteil von "Native Dance" (von "Structural
Damage"). Das Tempo liegt bei 120 bpm, und wieder finden
wir einen recht komplexe Melodie mit integriertem Melodiepart
vor. Die Akkordfolge des Riffs ist übrigens:
D
- Em - D - C - G - Am - D - C - G
Beim zweiten Durchgang endet es auf Em, beim dritten wieder
auf G (in der Tab sieht man nur den ersten Teil, aber im MIDI-File
hört man den zweiten und dritten Teil, plus die unterlegte
Steeldrum-Melodie, die noch einmal einen Kontrast dazufügt.
Steve hat die Linie mit einem Gitarrensynth eingespielt)
Noch einmal zurück zur Akkordfolge: Auch diese Akkorde
sind extrem smart positioniert. Ich geh mal kurz durch:
- Erster Takt: D auf 1, Em auf 2+, D auf 4
- Zweiter Takt: C auf 1, G auf 2+, Am auf 4+
- Dritter Takt: Weiterhin Am aus dem vorhergehenden Takt,
D auf 3, C auf 4+
- Takt 4: G auf 2+
Interessant, isn´t it?
Auch hier (wie ich es schon mal bei Slash Chords erwähnte):
es müssen nicht unbedingt wahnsinnig komplexe Akkorde
sein, es hilft manchmal schon, sie timingmässig anders
zu positionieren, um einen interessanten Part zu erhalten.
[Anmerkung des Sätzers:
Samples zum Stück finden sich auch in der Bass
Collection.]
Endless Waves
So, nun zu einem meiner Lieblingssongs von Steve Morse: "Endless
Waves" von "High Tension Wires". Der Song ist
nicht unbedingt eine von Steve´s bekanntesten Komponisationen,
für mich zählt sie aber zu seinen schönsten.
Es handelt sich um eine Ballade mit Akustikgitarren und Gitarrensynth,
Tempo liegt bei gemächlichen 63 bpm.
Hier sehen wir das Intro:
Sieht man sich einfach nur die Tab an, könnte man glauben,
es handelt sich um das typische "Hintergrund-Akkord-rauf-und-runter"-Geplänkel.
Hört man aber das MIDI-File dazu, hört man, was
für eine fliessende, durchgehende Melodie Steve hier
geschrieben hat. Es scheint sich hier eher um eine lange,
zusammenhängende Melodie mit zuweilen dazugespielten
Bassnoten zu handeln, obwohl es fast alles nur arpeggierte
Akkorde sind. Die Akkorde sind:
- Cmaj9-Fsus2/A-F (Takt 1)
- Cmaj9-Fsus2/A- F- G (Takt 2)
- Cmaj9-Fsus2/A-F (Takt 3), und
- C/G-F6-G-C5 im vierten Takt.
Und in unserem letzten Notenbeispiel finden wir das Intro
zum Solo (gespielt mit Pick auf einer Nylonsaitengitarre).
Was aber das Interessante hieran ist, ist eher der Background
(Am-Am/G-F-C), der für mich ein wirklich schöner
Part ist.
Und ausserdem ... und nicht zuletzt ....
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Tja, dies war der letzte Teil meiner Miniserie über
Steve Morse. Zu schreiben gäbe es noch viel, und
eine Menge Musik zu präsentieren. Ich möchte
es aber dem geneigten Leser selbst überlassen,
die Musik von Steve für sich zu entdecken, und
zu versuchen, die Melodien und Soli zu ergründen.
Ja, ich gebe zu, ich bin ein grosser Fan von Steve und
seiner Musik (als Gitarrist schon ein grosser Einfluss
für mich) und bin auch immer wieder von seiner
Art und seinen Gedanken begeistert. Ich persönlich
sehe ihn als einen "players player", einen
Spieler mit hohem Wiedererkennungswert, einen harten
Arbeiter, aber auch als einen leider unterschätzten
Songwriter.
Steve hat sich über die Jahre eine treue Gefolgschaft
erspielt, für die er wohl so ziemlich alles geben
würde. Mit Deep Purple hat er sich neues Publikum
erschlossen, und an unzähligen Side-projects hat
er mitgewirkt. Dabei hält er sich vom Mainstream
fern, spielt die Musik, die er liebt und ist (wenn es
auch manchmal recht hart ist) damit zufrieden, das Jahr
hindurch mit SMB, DP und / oder den Dregs zu touren.
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Steve in
den frühen 80ern mit Andy West und Dregs-Violinist
/ Rhythmus-Gitarrist Marc O´Connor
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Ich empfehle jedem Gitarristen (nicht nur Virtuosen-Freaks),
sich ein wenig mit Steve´s Musik zu beschäftigen.
Nicht nur ist er einer der wenigen E-Gitarristen, der auch
hervorragend Klassik-und Westerngitarre spielt, sondern schafft
es auch live zu überzeugen, seine Parts auf der Bühne
wiederzugeben, und dabei immer mal wieder etwas Neues zu präsentieren.
Wenn Ihr ihm mal begegnet, seid nett zu ihm und grüsst
ihn von mir.
Danke für´s Mitlesen, ich hoffe, es war interessant
und lehrreich, und ich hoffe, bei dem einen oder anderen ein
Interesse an Morse´s Musik geweckt zu haben. Kommentare
per Mail sind erwünscht. Hier noch mal die Auswahldiskographie
mit Anspieltipps (für die, die es eilig haben) ... gibt
natürlich wieder nur meinen Geschmack wieder...
EMail: talkinghands@web.de
Website: www.stevemorse.com
Noch einen Gruss an Rainer ... bei der nächsten Session,
an der wir beide teilnehmen, ist "Native Dance"
(und vielleicht noch einer oder zwei) echt fällig! [Native
Dance? Battle Lines! d.S.]
The Dixie Dregs
- The Great Spectacular ("Kathreen", "Refried
Funky Chicken", "What If...")
- Freefall ("Northern Lights", "The Jig"...)
- What If... ("Odyssey", "What If...",
"Night Meets Light",...)
- Night Of The Living Dregs ("Long Slow Distance",
"The Bash", "Leprechaun Promenade" ...)
- Dregs Of The Earth ("The Hereafter", "Twiggs
Approved"...)
- Unsung Heroes ("Cruise Control", "Day 444"...)
- Industrial Standard ("Bloodsucking Leeches",
"Up In The Air"...)
- Bring Em Back Alive ("Holiday", "Cruise
Control"...)
- Full Circle ("Ionized", "Sleeveless In
Seattle", "Calcutta" ...)
- California Screaming ("Peaches En Regalia",
"The Bash", "Night Meets Light"...)
The Steve Morse Band
- The Introduction ("Cruise Missile", "The
Introduction", "The Whistle")
- Stand Up ("Pick Your Poison", "Distant
Star", "Travels Of Marco Polo")
- Steve Morse Solo- High Tension Wires ("Ghostwind",
"Highland Wedding", "Tumeni Notes",
"Endless Waves" ..)
- Southern Steel ("Simple Simon", "Vista
Grande", "Battle Lines"...)
- Coast To Coast ("Get It In Writing", "The
Oz", "Morning Rush Hour")
- Structural Damage ("Good To Go", "Native
Dance", "Dreamland"...)
- Stressfest ("Stressfest", "Rising Power",
"Eyes Of A Child"...)
- Steve Morse solo- Major Impacts ("Well I Have",
"Prognosis", "White Light")
Deep Purple
- Purpendicular ("Sometimes I Feel Like Screaming"...)
- Abandon ("Any Fool Knows That") ...
Mail wie immer an talkinghands@web.de
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