The Talking Hands Collection


Beginners, Basics, Battlefields

Beginners I: Chordorientiertes Solieren

So, hier nun also mein erster wirklicher Beitrag aus dieser Serie für Beginner ...

Es geht um das Anwenden harmonischen Grundwissens um über eine einfache, im Pop und Rock oft vorkommende Akkordfolge zu solieren.

Wir verwenden dazu eine Progression (Akkord- oder Harmoniefolge) in Amoll/C Dur. Ich verweise zum Thema "Zusammensetzung von Akkorden" und "Grundtonleitern" auf die Theoriesektion von Just Chords, wo der gute Sätzer dieses Thema anschaulich erklärt.

Die Akkorde in dieser Progression sind:

I

III

V

A-Moll

A

C

E

G-Dur

G

B

D

F-Dur

F

A

C

C-Dur

C

E

G

Wir sehen in diesem "Setzkasten" die jeweiligen Töne des Akkords, also Grundton, Terz und Quint.

Hier einmal zwei Positionen der Am/Cdur-Skala (C-D-E-F-G-A-B-C):

Die Akkordfolge des behandelten Stückes sieht insgesamt so aus:

  • Am / G Dur / F Dur / C Dur
  • Am / G Dur / F Dur / Am
  • Am / G Dur / F Dur / C Dur
  • Am / G Dur / F Dur / Am
  • C Dur / F Dur / G Dur / Am

Dieses Stück erhebt keinen Anspruch auf kompositorische Finessen, es ist halt eine Grundharmoniefolge. Man könnte sich ein klein wenig an das Stück "Forever Young" der Band Alphaville erinnert fühlen ...

Ich habe hier absichtlich keine 7er-, sus-, b5- oder ähnliche Akkorde eingebaut, weil es hier um elementare Grundsätze geht, sich das Ohr verwöhnt fühlen soll, und weil es das Erklären des Grundprinzips einfacher macht. (Sätzer möge seinen hämischen Kommentar bitte hier einfügen [Ich liebe sus2, sus4 und sus74 ... d. Sätzer] )

Ich habe für die MIDI-Wiedergabe einen Synthsound für die Begleitung (Akkorde) gewählt, um eine Fläche zum Solieren zu schaffen, die sich über den gesamten jeweiligen Takt geht, und damit unsere Leadgitarre sich nicht mit eventuellen Arpeggios der Begleitung schneiden kann.

Das Stück nennt sich übrigens "Magdalena" und wurde zusammen von mir und einem meiner ehemaligen Schüler entwickelt, als Audiomaterial zum Thema dieses Artikels.

Hier einmal das gesamte Stück:

Magdalena TEF MIDI

Wir hören: nix Revolutionäres. Die Leadgitarre beginnt im fünften Takt. Ich habe mir Ausschmückungen mit Hammer Ons/Pull Offs und ähnliches gespart, es geht hier wirklich nur um die Wahl des Tones.

Wir finden in der Leadgitarre kleine Arpeggios etc. Ich habe einen Schwerpunkt darauf gesetzt, uns an die Einzeltöne der Akkorde zu halten, bzw. kleine Läufe durch die Skala einzubauen, um diese Einzeltöne miteinander zu verbinden.

So, hier die ersten 4 Takte mit Leadgitarre (Takte 5-8):


Wir beginnen mit dem A auf der G-Saite, spielen dann über B und C zum D auf der B-Saite (Lage 1), welches hervorragend zum darüberliegenden G-Dur passt, da D die Quinte von G-Dur ist, dann zum E, Sprung zum G. Die Begleitung wechselt zum F, wir zum A (Terz von F-Dur), und zum Schluss geht es wieder abwärts, zum C (Terz des begleitenden A-Moll) ...

Ich denke das Schema ist offentsichtlich, wir spielen entweder Grundton, Terz oder Quint des Akkordes und verbinden diese mit den übrigen Tönen aus der Skala. Jenes sollte der geneigte Gitarrist einmal üben, auch in verschiedenen Tonarten. Besonders beim ersten Improvisieren über eine neu erstellte Akkordfolge kann diese Technik sehr hilfreich sein!

Weiter geht's, die nächsten 4 Takte, (9-12):

Akkord C: Wir beginnen mit einem C (E-Saite), dann über's B zum G und von da aus die Pentatonik runter.
Akkord G: Hier beginnen wir auf dem B (Terz), gehen dann über D zum G (= G-Dur Arpeggio) und 'rauf zum hohen B ... also alles im G-Dur Akkord.
Akkord F: Ein tyisches F-Dur Arpeggio.
Akkord C: Hier nun ein Lauf über die Skala (nicht über die Pentatonik von C zu C).

Takt 9: Wieder spielt sich alles im Bereich des A-Moll-Arpeggios ab. So bleibt das Ganze halt schön harmonisch ...
Takt 10: Start auf G, kurzer Lauf, dann Roll durch den Arpeggio zum hohen G.
Takt 11: ... Steigerung zum C ...
Takt 12: Obwohl wir ein A-Moll als Begleitung haben, spielen wir über ein G-Dur Arp zum G auf der D-Saite, und enden auf einem B.

Takt 13: Nun wird's ganz harmonisch ... über die nächsten Takte verwenden wir keinerlei Arpeggios mehr, dafür einen längeren Lauf in Takt 15, und enden mit einem A.

Nun wird man sich fragen, warum hat er jetzt das alles so erklärt ? Gute Frage ... ich wollte mal zeigen, dass man über eine Akkordfolge ganz einfach unter Anwendung harmonischen Grundwissens mittels Grund- und Akkordtönen sowie kleinen Arpeggios sehr schöne Melodien spielen kann, ohne gleich auf 08/15-Licks zu verfallen.

Wie gesagt: Ich beantrage für "Magdalena" keinen Grammy, ich denke aber, es wird ein einfach zu durchschauendes Schema sichtbar, das Beginner der Leadgitarre sich einmal verinnerlichen sollten.

Zur Übung sollte man einfach mal eine ähnliche Akkordfolge in anderen Tonarten auf eine Kassette aufnehmen, und dann dazu auf ähnliche Weise solieren.

Es geht hier keineswegs um Erreichen von Megageschwindigkeiten, es soll nur verhindert werden, dass man sofort wieder in's alte "200 Licks berühmter Klampfer"-Schema verfällt ... ausserdem kann man u.U. mit ein wenig Grundwissen und einer gewissen Methode seinen Hintern retten, wenn's drum geht.

Also ... mal ausprobieren, versucht auch einmal, eine Gesangsmelodie o.ä. zu kopieren .... aber dazu später.

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