The Talking Hands Collection


Beginners, Basics, Battlefields: Modes revisited

In letzter Zeit habe ich öfter Anfragen bezüglich des Themas "Modes" bekommen, ob nun per Email oder im Forum. Deswegen glaube ich, dass es an der Zeit ist, das Thema noch einmal aufzugreifen. Ich empfehle den Artikel von Rainer zum Thema (in der Theory-Collection), und hoffe, dass dieser Artikel noch ein wenig mehr Licht in´s Dunkel bringt...

Was sind Modes?

Modes (auch "Kirchentonleitern" genannt) sind für viele ein Mythos, für manche ein Buch mit sieben Siegeln, für einige die einzige Wahrheit, und für andere ein Bestandteil der Musik, der seinen Stellenwert hat und dementsprechend genutzt wird. Es gibt obendrein verschiedene Arten, sich den Aufbau und die Funktionsweise der Modes zu verdeutlichen. Aber fangen wir am Anfang an...

BITTE BEACHTEN: Die Note "H" (die übrigens eigentlich nur in
Deutschland so genannt wird) bezeichne ich, wie in allen meinen
Artikeln, als "B" (Ais wäre somit "Bb")

Unsere "Grundtonleiter" ist die Durtonleiter (wobei wir Dur auch "Ionisch" nennen können), die sich folgendermassen aufbaut:

Stufen: I - II - III - IV - V - VI - VII - VIII (I)
Beispiel C Dur: C - D - E - F - G - A - B - C
oder auch G-Dur: G - A - B - C - D - E - F# - G

Der Aufbau ist, wie man hoffentlich sieht, folgender: Grundton, Ganztonschritt (GTS) zum zweiten Ton (C zu D), GTS zum dritten (D zu E), Halbtonschritt zum vierten Ton (E zu F), GTS zum fünften (F zu G), GTS zum sechsten (G zu A), GTS zum siebten (A zu B), HTS zum achten (B zu C). Das heisst, dass sich die Halbtonschritte zwischen der dritten und vierten Note sowie zwischen der siebten und achten Note befinden.

So, wie kommen wir nun zu unseren Modes?

Ganz einfach! Indem wir einfach die Tonleiter von einem anderen Ton aus beginnend "abzählen". Klingt komplizierter als es ist. Nehmen wir das gute, alte C Dur als Beispiel:

C - D - E - F - G - A - B - C ... = C Dur

Nun, die gleiche Tonleiter, vom D aus angefangen, sieht so aus:

D - E - F - G - A - B - C - D

Wie man sieht, sind (natürlich) die gleichen Noten wie in C Dur vorhanden. Was wir hier vorliegen haben, ist unsere zweite Kirchentonleiter, unser zweiter "Mode": D Dorisch. Ganz wichtig: Es kommen bei dieser Methode keine zusätzlichen Vorzeichen oder irgendetwas hinzu!!!! Es handelt sich einfach immer noch um unsere C-Dur Tonleiter, angefangen beim D!

Alles klar soweit? War doch noch nicht so schwer. Gut, also, wir wissen nun, gehen wir vom D aus durch die C Dur-Tonleiter, erhalten wir D-Dorisch. (Am Beispiel G: G-A-B-C-D-E-F#-G... von der zweiten Note aus sieht das so aus: A-B-C-D-E-F#-G-A... A-Dorisch!) Wie sieht es mit den Halbtonschritten aus? Die haben sich nun verschoben ... liegen bei Dorisch zwischen der 2. und 3. und zwischen 6. und 7. Es gibt einige Leute, die sich den Aufbau der Tonleitern anhand dieser Positionsveränderungen merken.

Wie geht es weiter?

Na, mit der dritten Tonleiter!

Startpunkt ist wieder C-Dur. Diesmal beginnen wir jedoch vom E aus.

E - F - G - A - B - C - D - E

Diese Tonleiter (Beispiel von G Dur ausgehend: B-C-D-E-F#-G-A-B) heisst E-Phrygisch. Die Halbtonschritte liegen wo? Ich glaube, das kriegt ihr inzwischen auch allein raus! Weiter zur nächsten Tonleiter: C Dur, von F angefangen:

F - G - A - B - C - D - E - F

Heisst wie? Richtig, C-Lydian. G als Startton:

G - A - B - C - D - E - F - G

Was wir hier haben ist G Mixolydian.

Die nächste Tonleiter sollte uns bekannt vorkommen:

A - B - C - D - E - F - G - A

Das ist nämlich unsere gute alte Molltonleiter (auch Aeolian / Äolian) genannt.

So, nun zur letzten Tonleiter!

B - C - D - E - F - G - A - B

Diese nennt sich B-Lokrian.

Hier noch einmal eine Übersicht:

  • C Ionian: C D E F G A B C
  • D Dorisch: D E F G A B C D
  • E Phrygisch: E F G A B C D E
  • F Lydisch: F G A B C D E F
  • G Mixolydisch: G A B C D E F G
  • A Äolisch / Moll: A B C D E F G A
  • B Lokrisch: B C D E F G A B

Ich empfehle jedem, sich diese recht enfache Konstruktion der Kirchentonleitern (durch Abzählen der Skalen von verschiedenen Startnoten) noch einmal zu verdeutlichen … indem man sich einfach mal eine andere Grundtonart nimmt und das gleiche System daran durchzieht.

Wie soll ich mir das merken? Und wie klingen die Dinger?

Gern gestellte Fragen von Neueinsteigern zum Thema. Denn natürlich gibt es verschiedene Methoden, sich die Modes zu merken und sie zu lernen... und alle haben sie einen besonderen, eigenen Klang. Also, eine Methode, sich die Kirchentonleitern einzuprägen ist, wie schon erwähnt, anhand der Positionen der Halbtonschritte. Das hilft auch dabei, die jeweilige Skala auf dem Griffbrett zu visualisieren.

Eine weitere Methode wäre, ganz einfach und unverblümt jede Tonleiter als Ableitung unserer Grundtonleiter Ionisch zu sehen... also z.B. "F Lydisch ist C Dur, mit der Note F angefangen", oder "B Phrygisch ist G Dur, vom B ausgehend" oder auch "A Mixolydisch ist D Dur, mit D als Grundton"

Theoriefreaks können einen noch etwas anderen Ansatz wählen: Nämlich den jeweiligen Vergleich zwischen den Kirchentonleitern und den elementaren Tonleitern Dur und Moll (oder Ionisch und Äolisch). So kann man z.B. sagen:

  1. Dorisch ist Moll mit einer grossen Sext
  2. Phrygisch ist Moll mit einer kleinen Sekunde
  3. Lydisch ist Dur mit übermäßiger Quart
  4. Mixolydisch ist Dur mit kleiner Sept
  5. Lokrisch ist Moll mit kleiner Sekund und verminderter Quinte

Es gibt sicher noch einige andere Sichtweisen ... Spieler wie Steve Vai sehen jede Kirchentonleiter als unabhängige eigene Skala (dazu später), andere wie z.B. Greg Howe sehen alles als eine grosse, lange Durtonleiter etc.

Nun zu den Klängen

Dorisch

Dorisch ist "strahlender" oder auch ein wenig fröhlicher als unsere Natürlich Moll-Tonleiter. Man findet Dorisch oft angewandt in Fusion, im Latin-Bereich (Santana!) aber auch in Blues und Pop.

Phrygisch

Phrygisch hat einen "spanischen" Sound, ziemlich düster und sehr spannungserzeugend.

Lydisch

Die lydische Tonleiter hat einen ausgeprägten Dur-Charakter. Sehr fröhlich, kann aber auch mysteriös klingen. Steve Vai verwendet diese Tonleiter sehr oft (ungern gebe ich solche Sätze von mir ...). [kann ich mir nicht wirklich vorstellen ... d.S.]

Mixolydisch

Etwas bluesiger, oft auch dort angewendet. Eines der bekanntesten Beispielstücke dürfte "Summer Song" von Joe Satriani sein... oder wer mehr auf Klassiker steht, dem empfehle ich den "Freeway Jam" von Jeff Beck.

Die Molltonleiter

dürfte recht bekannt sein... unsere "traurige" Klangfarbe

Lokrisch

ist eine eher ungewöhnlich klingende Skala, düster, mysteriös...

Und wat nu?

Ich halte den alten GIT-Ansatz "Über diesen Akkord spiele ich diese Skala" für ... sagen wir einmal, ziemlich steif. Wenn ich Leute sehe, die sich die Ohren brechen, indem sie versuchen, den Akkordwechseln durch konstantes Skalenwechseln folgen (über einen C-Dur Akkord spiele ich C-Dur, über den F-Dur Akkord F-Lydisch etc.), dann denke ich mir oft ... "Ziel verfehlt". Man kann und sollte auch jede Skala für sich erforschen, ihre Klänge erproben und versuchen, sie in der eigenen Musik an der richtigen Stelle anzuwenden. Ob man nun Stücke um den Klang einer Tonleiter herumkomponiert, oder einfach mal versucht, über eine I-IV-V-Progression mit der Mixolydischen Tonleiter zu jammen, das bleibt dem Spieler selbst überlassen. Man sollte sich auf jeden Fall Zeit lassen... jede dieser "Modes" für sich erforschen. Versucht z.B. einmal, in nur EINER Position auf dem Griffbrett zu bleiben, und dort alle Kirchentonleitern nacheinander durchzuspielen. Wer sich die 5 Major-Scale-Pattern oder sogar die sieben Longform-Pattern draufgeschafft hat (über all diese habe ich ja ausführlich geschrieben), dem fällt es wahrscheinlich leichter, diese Skalen von jetzt auf gleich anzuwenden.

Eine Sache, die oft vergessen wird, ist die Anwendung beim Komponieren. So kann man (und das habe ich auch mal in einem der "Riff Of The Week"-Folgen beschrieben) sehr interessante Ergebnisse erzielen und wirklich den Effekt der Kirchentonleitern hören, wenn man Akkordfolgen mit Mode-bezogenen Basstönen kombiniert. So kann man z.B. einen F-Dur (F A C)- und einen G-Dur (G B D) Dreiklang (am Beispiel C Dur halt) über einen E-Basston (leere E-Saite) spielen, und erhält so einen phrygischen Character. Diese Art der Kombination von Dreiklängen und unterschiedlichen Basstönen kann man überall finden, ob nun bei den Beatles, bei Van Halen, Pat Metheny, Phil Collins oder wo auch immer.

Ich empfehle, das ganze einmal auszuprobieren!!!!

So, ich hoffe nun, dem einen oder anderen das Thema "Modes" etwas nähergebracht zu haben... für Rückfragen stehe ich wie immer per Email zur Verfügung.

Email: talkinghands@web.de Web: www.ericvandenberg.com

 
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