Beginners, Basics, Battlefields
Legato Part II
Das Thema "Legato" liegt in der Talking Hands-Collection
schon eine Weile zurück. Damals habe ich versucht, einen
einigermassen leicht verständlichen Einführungstext
samt einigen hilfreichen Übungen zum Thema zu verfassen.
Ein zweiter Teil wurde damals schon angedeutet, und der folgt
jetzt. Es geht um Änderungen, Erweiterungen und Variationen.
Das Thema Legato ist ein recht großes, und man kann
wohl kaum eine vollständige Sammlung von Übungen
erstellen, die das Thema abdecken. Durch meine Tätigkeit
als Lehrer als auch durch meine eigene Beschäftigung
mit dem Thema (schliesslich arbeite auch ich bei jeder Übungssession
an meiner Legatotechnik) sind mir jedoch noch einige Übungen
bzw. Übungskonzepte aufgefallen, die ich hier gerne noch
aufzeigen würde... "Legato Discipline" sozusagen.
Beginnen wir doch wieder einmal beim am Anfang... eine der
Grundübungen zum Thema Hammer On / Pull Off war damals
diese:

Das Schema ist, so glaube ich, leicht ersichtlich: der erste
Finger ist unser "Grundfinger", und wir erzeugen
erst mit dem zweiten, dritten und dann dem vierten Finger
"Trills"... das Ganze zurück und auf den anderen
Saiten wiederholen. Keine musikalisch wertvolle Übung,
sondern eine reine Fingerübung als Training der Fingerstärke
und -geschwindigkeit.
Dazu gibt es eine Steigerung, sozusagen "Stufe 2".
Sehen wir uns einmal die nächste Übung an:

Im ersten Takt sieht noch alles aus wie Übung 1. Ab
Taktschlag 2 im zweiten Takt dann sehen wir, was sich verändert:
wir nehmen nun unseren zweiten Finger als "Grundfinger"
und erzeugen Trills mit dem 3. und 4. Finger. Anschliessend
ist dann der 3. Finger dran. Das ganze dann wieder zurück.
Auch hier gilt: auf allen Saiten wiederholen. Wem Triller
in dieser Region des Griffbretts zu schwer sind ( immerhin
haben wir hier die höchsten Bundabstände), dem empfehle
ich, das Ganze am 12. Bund zu starten und sich dann langsam
abwärts zu arbeiten.
Ich möchte darauf hinweisen, dass diese Übung für
einige von uns noch sehr neu und anstrengend sein können.
Es können dabei Müdigkeitserscheinungen oder sogar
leichte Schmerzen in den Fingern entstehen. Bemerkt man diese,
sollte man sofort abbrechen und eine Pause machen.
Es erfordert nun einmal eine gewisse Zeit, die Finger an Hammer
On´s zu gewöhnen, und wer hier nicht auf die Signale
seines Körpers hört, kann eine Menge kaputt machen.
Ok, zurück zu den schon bekannten Übungen zur Legatotechnik:

Diese Übung sollte zumindest aus meinen älteren
Ausführungen zum Thema Legato bekannt sein. Ich empfehle
sie immer noch als gute Übung dazu. Wichtig dabei ist:
- der Spielfluss. Die Noten sollten wirklich alle gleich
lang sein.
- Die Dynamik. Alle Noten sollten ungefähr gleich
laut sein. Dies kann Übung erfordern, da es
schon einmal sein kann, dass die Noten, die z.B. mit dem
Ringfinger erzeugt werden, etwas leiser sind.
- Der Pick-Anschlag bei der ersten Note auf jeder Saite!
Dies ist etwas, worauf mich Brett Garsed am GIT sehr genau
hinwies. Gepickte Noten tendieren dazu, lauter zu sein als
"gehämmert". Man sollte versuchen, den Unterschied
zwischen beiden zu minimieren, so dass eine lange Sequenz
mit immer gleich lauten Noten entsteht.
Hier ist Experimentieren angesagt: Natürlich kann eine
lauter angeschlagene erste Note gut als Akzent dienen (die
ja bei schnellen Sequenzen schon eine schöne Klangfarbe
sein können), zum Beispiel "EINS-zwei-drei-vier
(nächste Saite) EINS-zwei usw." Wer aber eine lange,
fliessende Sequenz erzeugen möchte, bei der alle Noten
gleich laut sind (kann ein wunderschöner Effekt sein),
dem empfehle ich, daran zu arbeiten, Legato- und gepickte
Noten auf einem Lautstärkelevel zu halten.
Hier dazu noch eine Variation:
So, um noch ein paar Ideen zu geben und den Leser anzuregen,
sich selbst ein paar Übungen und Sequenzen auszudenken,
hier ein paar Legatovariationen:

| Takt 1: |
Wie die vorangehenden Übungen, aber mit einer Streckung.
Bitte mal auf allen Saiten und in verschiedenen Positionen
austesten. Wem die Streckung zu extrem ist, fängt
wieder in einer höheren Position an. |
| Takt 2: |
Hier findet sich die Streckung an anderer Stelle... |
| Takt 3: |
Wie beim Picking können wir auch hier verschiedene
"Zahlencodes" verwenden. Also z.B. statt "1234"
mal "1324" o.ä. |
| Takt 4: |
Ich sag nur: "1423" |
Hier noch eine 3-Note-Per-String-Übung
direkt aus der Shredderküche:

Auch hier sollte man mal wieder verschiedene Varitionen (bitte
auch mal diatonisch anstatt nur chromatisch oder "sequentiell")
ausprobieren.
So, hier ein bekanntes Lick, wie man es oft bei Spielern
wie Satch oder Vai gehört hat:

Das Schema ist auch hier nicht so schwer zu erkennen, Tonart
ist A Dur.
Und zu allerletzt einer der (vielen) "holy grails"
der Hammer On-Gilde: die ersten zwei Takte aus "The Power
Cosmic" von Joe Satriani. Mr.S hatte dieses Stück
damals als Lehrstück für ein Gitarrenmagazin eingespielt.
Alle Arps wurden mit Hammer Ons der linken Hand (!!!) gespielt,
und zwar bei 200 bpm (!!!!!) .

Hier gilt es, sich langsam heranzutasten und vor allem
darauf zu achten, dass die Noten sauber und rhythmisch korrekt
erklingen... also nicht schummeln oder schlampen! Mr. S. bezeichnet
das Stück selbst als "Showstück", und
wenn man das im Hinterkopf behält, ergibt "The Power
Cosmic" eine nette Übung ... no musical ambition
here!
So, das wären meine Ergänzungen zum Thema "Legato",
der lang angekündigte zweite Teil...
Fragen, Kritik und Anregung wie immer an talkinghands@web.de
(www.ericvandenberg.com)
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