The Talking Hands Collection


Beginners, Basics, Battlefields

Legato Part I

Oh Mann ... ich muss mich hier einmal ganz förmlich entschuldigen: Bei den Lesern dieser Artikel, beim Sätzer und bei meinen ehemaligen Instruktoren am GIT (die hätten mir die Gitarre inzwischen wahrscheinlich schon um die Ohren gehauen).

Also: Es tut mir leid, mit den Themen der Artikel so hin- und herzuspringen! Es machte ja vielleicht noch Sinn, dem Thema "Üben / Wechselschlag" ganze drei Artikel zu widmen, aber das Thema Tapping hätte ich eigentlich noch nicht besprechen dürfen, da ich einen superwichtigen Schritt vergessen habe: Das Legatospiel.

Stellen wir uns doch einfach mal vor (Ach, wunderbare Welt der Phantasie ):

Gitarrist A aus B an der F ist ein Anfänger auf der Gitarre. Einige Fachbegriffe ("Pick, Slide" usw.) kennt er schon, aber sonst weiss er noch nicht viel vom eigentlichen Gitarrespiel. Also liest er (kaum zu glauben) meine Artikel für Anfänger, quält sich durch wochenlanges Üben von Wechselschlags-Übungen, verbraucht 'zig Batterien mit dem Metronom ...

Nun hat A eine annehmbare Wechselschlagtechnik und will zum nächsten Thema "Tapping" weitergehen. In der Notation sieht er dann diese witzigen kleinen Symbole: die kleinen Bögen mit dem HO und PO drüber ... und was ist das nun???

Tja, liebe Leser, das muss kein Wunschdenken sein, ich kann mir ein solches Szenario durchaus vorstellen ... Hier also mein Beitrag (erster Tei ???) zum Thema "Legato". Was ist das denn jetzt ?

Nun, im Gegensatz zum sturen Wechselschlag (schlagt jede Note mit dem Pick an) ist das Legatospiel ein "gebundenes Spiel". U.U. wird nur eine Note angeschlagen, die anderen Noten werden mit Hammer-On's (HO), Pull-Offs (PO) und Slides gespielt. Wie das im Einzelnen geht und was das überhaupt heisst, darauf werde ich nun genauer eingehen.

Hammer Ons

Hammer On bedeutet, mit einem Finger durch einen harten Aufschlag eine Note zum Erklingen zu bringen. Das heisst, wir greifen z.B eine Note am ersten Bund der hohen E-Saite, schlagen diese mit dem Pick an und "hämmern" dann mit einem anderen Finger hart auf eine andere Note. In unserem Beispiel ist das am zweiten Bund.

Wir müssen hart genug aufhämmern, um die Note einigermassen laut erschallen (Mann, was bin ich heute ein Pöt [oder war 'Poet' absichtlich falschgeschrieben? ... d.S.]) zu lassen. Das erfordert am Anfang eine gewisse Übung. Noch mehr Übung erfordert es, den richtigen Finger zum Aufschlagen zu wählen. Da gibt es eine Faustregel: Solange sich die gesamte Figur über vier Bünde erstreckt, ist für jeden Bund ein anderer Finger zuständig.

Das bedeutet: Spielen wir die erste Note am ersten Bund (man halte diese mit dem ersten Finger), und wollen nun eine Note am zweiten Bund aufschlagen, so sollten wir das mit dem zweiten Finger tun (Mittelfinger). Für den dritten Bund dann den Ringfinger, 4. Bund: kleiner Finger.

Bei Überstreckungen muss das Ganze anders aufgeteilt werden, aber für den Anfang soll diese Regel (die übrigens auch für den Wechselschlag und für überhaupt fast alles gilt) genug sein.

Im ersten Lick sehen wir dann eine gute Übung für dieses Prinzip. Schlau wie ich bin, habe ich die Finger natürlich nicht ausnotiert, aber es braucht (nach meiner Erklärung wahrscheinlich doch) keinen Raketenwissenschaftler, um den Fingersatz einzusehen. Wir legen also den Zeigefinger auf den ersten Bund und schlagen am 2. Bund auf. Dann nehmen wir den Mitttelfinger wieder weg, benutzen wieder das Pick für die erste Note und schlagen mit dem Ringfinger am dritten Bund an. Das Ganze wiederholen wir mit dem kleinen Finger, und alles zurück ...

MIDI

Das MIDI-File zu dieser Übung klingt wie ein Stück aus der “Twilight Zone”, aber es geht eher darum, die Finger zu schulen und an deren Flexibilität/Geschwindigkeit und Präzision (bezogen auf Legato in diesem Fall) zu arbeiten ... zu melodischeren Übungen kommen wir später.

Erst mal weiter ... natürlich sollten wir diese Übung in verschiedenen Positionen auf dem Griffbrett üben ... ein Beispiel dafür findet ihr in Übung #2:

MIDI

Ihr seht, wir nehmen ein Pattern und bewegen es auf dem Griffbrett auf- und abwärts. Der Grund dafür sind die wechselnden Bundabstände in verschiedenen Positionen. Hammer-Ons und Pull-offs sollten im Normalfall geradezu mechanisch von der Hand gehen, deswegen sollte man ihre Anwendung in jeder Griffbrettposition und auf allen Saiten trainieren ...

Nächster Schritt ...

Nun spielen wir mal durch ein Scale Pattern, in diesem Falle eine A-Moll-Pentatonik, beginnend auf der sechsten Saite.

MIDI

Wir sehen, dass die Abstände tendieren ... auf der E6-, B- und E1-Saite geht es vom fünften zum achten Bund, auf A-, D- und G-Saite vom fünften zum siebten Bund.

Denkt bitte beim Spielen daran, den Fingersatz richtig zu verwenden. Alle Noten am fünften Bund werden mit dem Zeigefinger gegriffen, alle Noten am achten Bund mit dem kleinen Finger aufgeschlagen. Alle Noten am siebten Bund schliesslich sollten mit dem Ringfinger aufgeschlagen werden.

Weiter im Text...

MIDI

Die in dieser Übung verwendeten Intervalle/Shapes dürften aufmerksamen Lesern der Beginners-Artikel bekannt vorkommen : Es geht um chromatisches Spiel.

Allerdings ist dies eine der ultimativen Übungen für Hammer-Ons ... denn ein Pattern wie 1-3-4 oder 1-2-4 (bezogen auf Intervalle/Finger) sind relativ einfach zu absolvieren. Viele Gitarristen sind aber überrascht, wenn es um die Chromatik geht: Da muss man die gewohnten Denk- und Bewegungsmuster mal eben umstellen ... gar nicht so einfach. Mit dieser Übung haben wir dann einen effektiven und zuverlässigen (allerdings nicht unbedingt gut klingenden) Weg zum Erlernen einer präzisen Hammer On-Technik vor uns.

Natürlich hört die Übung nicht nach dem dritten Takt auf (die Takte sind eher symbolisch, Tempo und so sind nicht wichtig, es geht am Anfang um Sauberkeit und Praezision) ...

Wie auch immer ... diese Übung über das ganze Griffbrett spielen ... bla bla (muss mir den Satz mal in den Arbeitsspeicher kopieren, damit ich ihn einfach per Paste-Befehl einfügen kann ...)

So, hier ist Lick Nr. 5

MIDI

Hier eine komplette, natürliche A Moll-Skala aufwärts, in Triolen (Three Notes per String ...). Die Hammer-On- Markierungen hab ich mal ausgelassen, dürfte doch wohl hoffentlich klar sein.

Auch hier gilt wieder: CtrlV .... ??? ... verd***t, die meinten das im “Windows für Idioten”-Handbuch wohl doch anders mit “To paste, press Ctrl + V” .... also nochmal: In allen Positionen und ausdauernd spielen ...

So ... nun zur anderen Richtung:

Pull Offs

Was is datt denn nu wieda??? Nun, im Grunde eine Umkehrung des Hammer On’s: Wir greifen zwei Noten gleichzeitig, nämlich die Note, die zuerst erklingen soll, und schon die nächste. Wir schlagen dann die erste Note (im Beispiel 2. Bund, E1) an, und ziehen den Finger schnell und hart (???) von der Saite ab, nicht direkt nach oben (wie erklär' ich das jetzt) sondern ein wenig “schräg” ... um die Note einigermassen laut erklingen zu lassen. Probiert es aus!

Die erste Übung sieht dann auch dementsprechend ähnlich aus wie die erste zum Hammer On ... die Regeln für Fingersatz usw. sind dieselben (oder die gleichen?).

MIDI

Auch diese Übung ist eine Ableitung einer der vorherigen Übungen ... wir wechseln die Position auf dem Griffbrett, behalten die Fingereinteilung aber bei.

MIDI

Auch hier wieder die gute alte, chromatische Übung, diesmal mit Pull Offs. Warum sich die Übungen ähneln? Weil sich Hammer-On und Pull-Off im Grunde sehr ähneln.

MIDI

Und zum nächsten Schritt ...

Hammer Ons und Pull-Offs kombiniert

Tja, das ist ein grosses Lehrziel: Vermischen der beiden Techniken, um fliessende Läufe hinzukriegen. Am Anfang sollte man nur beim Saitenwechsel mit dem Pick anschlagen, nach etwas Üben benötigt man das Plec dann erst mal gar nicht mehr ... Und das ist das Ziel!!!

Legato-Spiel lässt das Gitarrenspiel natürlicher klingen. Wer eine saubere Legatotechnik und präzises Alternate Picking beherrscht, kann unheimlich viele Nuancen aus seinem Spiel herausholen.

Nehmt doch mal Euer Lieblingssolo (naja, ein Solo, dass ihr vom Hören gut kennt, es sollte aber nicht zu schwer sein) und spielt es nach ... das erste Mal mit sturem Wechselschlag, bzw. mit jeder Note angeschlagen, beim zweiten Mal mit Hammer On und Slides (dazu gleich) ... da tun sich Welten auf!!!!

Es gibt sehr viele Spieler, die Legato- und Picking-Technik miteinander kombinieren (Steve Morse, Satriani, Vai, Malmsteen ) .... (ey, Sätzer, has'ses gemerkt: Ich habe noch überhaupt nicht Paul Gilbert erwähnt .... ach Sch***e ... jetzt doch! [Ich hatte es vermisst, ehrlich ... d.S.] ). Ihr solltet nach dem Üben einmal damit experimentieren.

Ihr könnt Euer Spiel interessanter gestalten, und z..B. ohne Sound- oder Pickup-Wechsel diverse Teile eines Solos ganz verschieden klingen lassen. Komme später nochmal darauf zurück [Sicher dann mit einem Beispiel von Paul Gilbert ... d.S.].

In diesem Lick....

MIDI

... sehen wir eine Art “Repeating Pattern”, in dem wir ein Pattern auf jeder Saite haben und diese mit Hammer-On’s und Pull-Off’s absolvieren. Zu beachten ist, dass nur die erste Note auf jeder Saite angeschlagen wird ... Probiert dies in ... blablabla ... und mit verschiedenen Skalen usw.

In Lick Nr. 10 dann...

MIDI

spielen wir uns mal wieder durch ein Scale Pattern.

So, nun zur letzten wichtigen Legato-Technik: Slide. Wir legen einen Finger auf eine Note, schlagen an und rutschen auf der Saite nach oben zur zweiten Note, der sog. “Zielnote”.

Im letzten Lick dann haben wir ein kleines dreitaktiges Solo, in dem ich die Techniken einmal kombiniert habe: Wir starten mit dem E (die Übung ist übrigens in G-Dur/E-Moll) am 12ten Bund der E6-Saite, dann Hammer On-Patterns auf A-, D- und G-Saite und Slides auf der B- und E-Saite. Anschliessend ein schnelles Repeating Patterns mit Pull Offs ... Fertisch.

MIDI

Ich rege hier wirklich zum Üben und Experimentieren an ... was saubere Legato- und Picking-Technik kombiniert bringen können, habe ich schon erläutert ...

Ich werde noch ein paar Punkte zur Ergänzung all dieser Techniken und Konzepte vorgeben, in Artikeln über mehr Picking-Licks, mehr Legato und “Die Grundbewegungsrichtungen auf der Gitarre” ...

Bis dahin ... Keep on pickin

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