An open letter to the readers...
Hallo mal wieder. Ist mal wieder einige Zeit her, dass es
von mir etwas Neues gab bei Just Chords ... und dann wird
in dieser Folge auch noch geschwafelt ... seufz...
Tja, ich hab mir gedacht, dass man nach 2 ½ Jahren
(jau, so lange bin ich jetzt dabei) auch mal ein paar Kommentare
zum Allgemeinen abgeben darf. Und da ich so gerne quatsche,
wird das ja nun etwas ausführlicher. Zuerst einmal möchte
ich mich ganz herzlich bei Rainer Böttchers bedanken,
dem Sätzer und "Vater" von Just Chords. Rainer
schafft es immer wieder, meine wirren Zip-Files, gefüllt
mit schlecht konvertierten TAB´s, MIDI´s und tippfehlerbehafteten
Textdokumenten in einen schön anzusehenden und gut lesbaren
Artikel zu verwandeln. Obendrein hat er sich nie über
die teils obskuren Themensprünge beschwert, oder darüber,
dass ich viele Themen noch gar nicht aufgegriffen habe. So
findet man in der Talking Hands-Collection z.B. recht wenig Material
im Stile von "Die ersten Griffe auf der Gitarre"
etc. Auch Themenblöcke wie Rhythmus oder Jazz habe ich
nur leicht angekratzt. Trotzdem erfreut sich die Collection
regelmässig grosser Besucherzahlen, und auch das Email-Feedback
(immer weiter so) kann sich sehen lassen. Vielen Dank also
nun an die Leser, die mit Kritik und Anregungen nicht sparen
und mir immer wieder Mut zum Weitermachen geben.
Ein kleines FAQ ... hier sind ein paar Fragen, die ich oft
gestellt bekomme, samt meinen Antworten ...
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| Gibst Du Unterricht? |
| Ja, das tue ich, wo immer ich hingehe, ob in Atlanta,
New Jersey oder, wie im Augenblick in Herford bzw. Bielefeld.
Wer Interesse hat, kann sich ruhig per Email melden. |
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| Wieso gibt es nichts von Dir in
gedruckter Version? |
| A:Weil ich A) mich überhaupt noch nicht bei Verlagen
beworben hab, B) noch kein abgeschlossenes Konzept für
ein eventuelles Buch ausgearbeitet habe und C) noch niemand
wirklich an mich herangetreten ist. Vielleicht eines Tages,
im Augenblick ist zuviel los. |
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| Wann kann man Dich einmal live
erlebe? |
| Im Augenblick spiele ich zumeist Aushilfsjobs bei Bands,
oder steige einfach mal spontan für einen Gig ein.
Oft handelt es sich dabei um musikalische Projekte, die
mit meiner Musik so viel nicht zu tun haben. Insofern
kann man sich nur schlecht einen Eindruck von mir als
Interpreten (Songwriter etc.) bilden, wenn man mich bei
einem dieser Livejobs sieht. Im nächsten Jahr (2002)
besteht aber eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass ich mich
mit ein paar Kollegen mal wieder mit eigener Musik auf
deutsche Bühnen wage. Angekündigt wird dies
dann natürlich auf meiner Website. Ausserdem steht
dann noch eine Tournee mit Wolfgang Malende an, bei der
ich auch meine Freiheiten habe. Wer also einen Eindruck
gewinnen möchte, dem empfehle ich, einen Gig auf
dieser Tournee zu besuchen. Angekündigt werden diese
sowohl auf meiner als auch auf Wolfgangs Site. |
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| Hast Du eigentlich eine feste
Band? |
| Schwer zu beantworten. Ich habe viel als "hired
gun" im Studio und live zu tun, und deswegen kann
es passieren, dass ich manchmal für lange Zeit nicht
an meiner eigenen Musik arbeiten kann. Eine "richtige"
Band im eigentlichen Sinne bei der Stange zu halten wäre
unter diesen Umständen schwierig. Glücklicherweise
habe ich jedoch inzwischen ständigen Kontakt zu meinem
"Leib & Magen-" Drummer Andreas (der genau
soviel unterwegs ist wie ich) , und wann immer sich die
Gelegenheit ergibt, ziehen wir uns zusammen in einen Proberaum
zurück und arbeiten an Material und jammen einfach.
Bevor ich mit den eigentlichen Arbeiten an "Talking
Hands" beginne, werde ich dies viel öfter tun
und obendrein den Bassisten hinzuziehen, den ich gerne
auf jenem Album hören möchte. Also gibt es in
dem keine "feste" Band im eigentlichen Sinne,
aber eine kleine Gruppierung von Musikern, die bei Gelegenheit
an meinem Material arbeitet. |
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| Kannst Du von der Musik leben? |
| Inzwischen ja. In den USA ist dies um einiges leichter
als in Europa, denn dort waren einfach mehr Jobs zu bekommen,
speziell was Clubgigs angeht. In Deutschland habe ich
mir inzwischen einigermassen einen Ruf erspielt, und die
Kombination von Unterrichten, Live- und Studiojobs ermöglicht
es mir, meine Rechnungen zu bezahlen und morgens den Tisch
zu decken. Wenn ich mit Leuten rede, die Musik eher als
Hobby betreiben, scheint ihnen das eher peinlich zu sein...
dabei sehe ich das als eine Wahl, vor die man sich stellen
muss, und keines von beiden ist besser als das andere.
Wer seine Brötchen mit Musik verdient, kann lange
Dürreperioden haben, wo es finanziell sehr eng wird.
Auch was Sozialversicherungen etc. angeht, muss man sich
als "Berusmusiker" schon was überlegen.
Deswegen ist es absolut akzeptabel, wenn sich jemand entscheidet,
die Musik als Hobby zu sehen und sich einen regulären
Job zu beschaffen. |
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| Stellst Du Dein Gear selbst ein,
wartest Du es selbst, oder lässt Du das machen? |
| Das kommt auf mehrere Faktoren an. Zum Beispiel darauf,
was zu tun ist. Saiten wechseln, Intonation und Vibrato
einstellen und solche Sachen mache ich inzwischen selbst,
auch MIDI- und Steuerungsverdrahtungen sowie Rackverkabelung
mache ich immer noch selbst. Besonders was das Einstellen
und Besaiten meiner Gitarren angeht, fühle ich mich
einfach wohler, wenn ich es selbst mache... das nenne
ich das "Fallschirmspringer-Syndrom", immerhin
packen die meisten Fallschirmspringer ihre Schirme auch
selbst. Was das "Biasen" von Amps (oder generelle,
grössere Ampreparaturen) angeht, sowie Holzarbeiten
(Hals abschleifen, Halsbruch reparieren) oder Arbeiten,
für die man speziellere Werkzeuge benötigt (PU-Fräsungen,
Fretjobs etc.) so überlasse ich das lieber einem
qualifizierten Techniker. Als ich noch grosse Racks im
Einsatz hatte (zu meiner Zeit in Atlanta verwendete ich
noch ein 12 HE-Rack... das "Spaceship"... konnte
alles ausser Kaffee kochen), wurden auch die von einem
Techniker (in Atlanta hat das für mich Marc Becker
gemacht... Gruß!!!) konzipiert und verdrahtet. |
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| Warum hast Du bei so vielen Deiner
Gitarren andere Pickups eingebaut, d.h. warum kaufst Du
nicht einfach eine Gitarre, die nicht mehr modifiziert
werden muss, also alle Komponenten, die Du willst, schon
eingebaut hat? |
| Diese Frage höre und lese ich öfter. Antwort:
Weil ich mich z.B. auf gewisse Pickups "eingeschossen"
habe, und oft ist die Gitarre, die mir gefällt, nicht
mit jener Bestückung zu bekommen. Soll heissen: Wenn
ich eine neue Gitarre ausprobiere, so achte ich darauf,
wie sie akustisch (also das Holz) klingt, und wie sie
sich bespielen lässt. Faktoren wie Tonabnehmer kann
man hinterher leicht tauschen, dabei kommt es halt auf
persönlichen Geschmack an. So kann man eine Seriengitarre
noch etwas modifizieren und von einem Instrument, das
man gut findet, in ein persönliches Trauminstrument
verwandeln. Und so mache ich es schon seit meiner gitarristischen
Frühzeit. Damals könnte ich nie besonders viel
Geld anlegen, und so musste ich dann bei den Gitarren
die Schwachpunkte beseitigen.... und das halt Stück
für Stück und über einen gweissen Zeitraum.
So wurden ausgeleierte Stimm-Mechaniken und mikrophonische
Tonabnehmer halt Stück für Stück ausgetauscht,
so dass ich am Ende kein sehr wertvolles, aber voll funktionelles
Instrument hatte. Sicher kann man sich im Custom Shop
oder beim Gitarrenbauer ein Instrument massschneidern
lassen, aber ich habe es immer so gehalten, dass ich mir
reguläre Serieninstrumente kaufte und dann leicht
nach meinen Preferenzen modifizierte. Einer meiner derzeitigen
Favoriten, was PU´s angeht, ist übrigens der
Seymour Duncan Custom Custom, und der wird nur in sehr
wenigen Instrumenten verwendet. |
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| Übst Du immer noch sehr viel? |
| Ja. Jeden Tag. Soviel ich kann. Ich weiss nicht, woher
diese Sprüche von wegen "Tja, ich spiele schon
so lange, ich brauch ja nicht mehr zu üben"
kommen... das trifft nämlich kaum zu. So weiss ich,
dass auch Kollegen wie Steve Morse, Steve Vai und andere
immer noch täglich (soweit es der Zeitplan zulässt) üben, einfach, um das spielerische Niveau zu erhalten
(glaubt mir, die ganze Wechselschlagtechnik z.B. leidet
schnell, wenn man mal ein paar Wochen nicht oder kaum
übt oder sie sonst wie anwendet... man kann sich
da schnell wieder auf einen akzeptablen Stand bringen,
aber ein paar Minuten am Tag sind schon nötig, um
sein Level zu halten) Man verliert einiges an Potential,
wenn man nicht mehr übt und die Gitarren z.B. nur
für Proben oder Gigs auspackt (und das Spielen dieser
ist nicht mit Üben zu verwechseln !). Da kann man
Jahre an einer Legato- oder Pickingtechnik arbeiten...
wird man da faul, kann man seine Technik schnell auch
verlieren... man wird schlampig, die Licks klappen nicht
mehr ganz so gut. Ausserdem kann man immer an neuen Ideen
und Übungen arbeiten und damit immer mal wieder frischen
Wind in´s eigene Spiel bringen. Das Thema "Gitarre"
bzw. "Musik" ist so gewaltig, dass man über
viele viele Jahre immer etwas Neues finden kann, mit dem
man sich beschäftigen kann. Wer denkt "Ha, ich
bin so gut, ich brauch nix Neues mehr zu üben"
wird faul und oft spielerisch viel zu einseitig. Ich glaube,
dass man nie aufhören sollte, sich zu entwickeln. |
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| Hast Du irgendwelche Tipps, was
man als Pro unbedingt braucht? |
| Habe ich. Ich könnte natürlich jetzt seitenweise
Gear auflisten oder theoretische Kenntnisse an den Mann
bringen, aber es sind viel elementarere Sachen, die man
braucht, wenn man sich erst mal in´s Prolager durchgeschlagen
hat (aber nicht nur dort). Teamgeist zum Beispiel. Man
sollte versuchen, auch den Kollegen bei einer Produktion
oder einer Session das Leben zu erleichtern, egal ob es
um den Roadie, den Tontechniker oder den Produzenten geht.
Erst dann ist entspanntes arbeiten möglich. Eine
positive Grundeinstellung hilft ebenfalls. Sicher gibt
es oft Jobs, die im Voraus nicht so toll aussehen, wo
es Probleme gibt... es macht die Sache aber auch nicht
einfacher, wenn man dann noch extrapessimistisch ist und
die ganze Zeit herumbrummelt. Eine "Let´s just
do it, it´s gonna be ok"-Einstellung hilft
da schon weiter und macht die Zusammenarbeit angenehmer.
Eine realistische Selbsteinschätzung kann von enormen
Wert sein. Man sollte sein Licht nicht unter den Scheffel
stellen, aber man sollte auch seine Schwächen kennen.
Wenn im Studio nach einem virtuosen Slidepart gefragt
wird, so empfehle ich gerne einen Kollegen weiter, von
dem ich weiss, dass er den Part um einiges schneller und
souveräner auf´s Band kriegt als ich. Nicht,
dass ich es nicht gerne versuchen würde, bzw. dran
arbeiten will, aber Zeit ist nun mal meist gleichbedeutend
mit Geld, und anstatt sich als den Supermann zu verkaufen
sollte man zusehen, dass man die Produktion so gut wie
möglich unterstützt. |
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| Noten lesen, ja oder nein?!? |
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Seufz... eine oft gestellte und noch öfter diskutierte
Frage. Meine Meinung dazu: unbedingt nötig ist
es nicht, aber ich empfehle es schon aus Gründen
der Kommunikation. Es macht einem das Leben schon einfacher,
wenn man einem Bandkollegen oder Jampartner schnell
eine Melodie oder sonst einen Part ausnotieren kann...
wenn man nicht erst alles in TAB umschreiben oder auswendig
lernen muss... wenn man einfach ein Real Book beliebig
aufschlagen und dann zusammen auf dem entsprechenden
Part jammen kann.... wenn man bei der Arbeit an eigenen
Songs einfach einen Part für den Keyboarder, Bassisten
oder Drummer ausnotieren kann, und nicht erst alles
vorsingen muss. Sicher geht es auch ohne, aber mit ist
es oft schneller und entspannter. Zweitens ist es bei
einigen Jobs (Aushilfe z.B. bei Big Bands oder Orchestern,
einigen Studiojobs etc.) auch gefragt, da ist es dann
nicht schlecht, Noten lesen zu können.
Es geht also schon um persönliche Charakterzüge,
die manchmal wichtiger sein können als pure Soundflexibilität
oder virtuoses Spiel.
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So, das waren mal wieder ein paar oft und gern gestellte
Fragen... wie gesagt: keep that mail coming...
Ansonsten hoffe ich, das Euch die Talking Hands-Collection immer
noch gefällt, und dass Ihr das eine oder andere Interessante
oder Hilfreiche bei mir findet. Danke für´s Zuhören
(Zulesen?) und den Support
Bis bald ....
talkinghands@web.de
www.ericvandenberg.com
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