1000 Meisterwerke
Steve Vai: Crossroads-Duell
OK, dies ist nun der Start der zweiten Miniserie in der
"Talking Hands Collection". Ich versuche damit, eine Unterteilung
zu schaffen und immer mal wieder von Thema zu Thema zu springen,
damit es für den geneigten Leser (aber hauptsächlich
natürlich fuer mich) nicht langweilig wird.
Der Titel dieser Miniserie: "1000 Meisterwerke".
In dieser Serie geht es um die Analyse bekannter und legendärer
Soli, einfach um mal zu sehen, was der Gitarrist da gerade
gemacht hat, und um u.U. die eine oder andere Inspiration
für unser eigenes Spiel zu sammeln ("ja, ja, die Bassisten
reden jetzt wieder von Klauen ...") [Bassisten
klauen dagegen offen und ehrlich! ... der Sätzer]
Wir beginnen mit einem der legendärsten Gitarrenstücke
der letzten 20 Jahre: Dem CROSSROADS-Duell von
Steve Vai.
Das gibt es nicht auf Tonträger zu kaufen, es ist auch
nicht im Soundtrack des Filmes enthalten. Wer aber mal die
Chance hat, den Film zu sehen, sollte dies unbedingt tun!
Am Ende des Filmes muss der junge Protagonist des Filmes,
Eugene (spricht sich "Ju-dschihn", gespielt von Ralph Macchio)
ein Gitarrenduell gegen den besten Gitarristen des Teufels
spielen um die Seele seines Freundes zu retten. Jener Gitarrist
wird gespielt von Steve Vai, und der hat auch alle Gitarrenparts
des Duells im Studio eingespielt.
Zuerst liefern sich die beiden ein Frage-Antwortspiel, Eugene
eher mit Blueslicks, Vai mit Metaltricks. Zum Ende hin legt
Steve Vai dann ein Mörder-Heavy Metal-Solo hin, und es
scheint, als hätte Eugene verloren ... dem Zuschauer
steigen die Tränen in die Augen ... doch da!: Eugene
legt noch mal los, diesmal ohne Slide (das er während
des Duells ausgiebig benutzt hat) und legt auf seiner Telecaster
ein unglaubliches, klassisch inspiriertes Solo hin.
Steve Vai ist recht frustriert, versucht Eugenes Solo zu
kopieren, scheitert aber am letzten Ton (ein Bending zum 29.
Bund der Gitarre, also ein A), schmeisst die Gitarre hin,
Eugene hat gewonnen ... Happy end ...
Happy End ? Falsch! ... Tausende Gitarristen vor
dem Bildschirm warfen sich schon während des Solos aus
dem Fenster, Aberhunderte später, als sie versuchten,
es zu transkriptieren ... hier nun meine Version, zumindest
in Auszügen ... (wer eine TAB vom kompletten Solo möchte,
schreibe mir bitte eine Mail ).
Zuerst einmal: Das Solo ist ein Arrangement der 6. Caprice
von Niccolo Paganini aus seinem Werk "24 Capricen fuer
Solovioline". Steve hat einige Teile umarrangiert, die
Hauptmelodie aber beibehalten.
Fas ganze beginnt mit einigen klassischen Arpeggios, gespielt
mit Sweep-Picking. Hier die ersten zwei Arpeggios:
Die Schwierigkeit liegt im Lagenwechsel. Steve verwendete
keine feste Position, sondern rutschte zwischen zwei Positionen
hin und her. Waghalsigen Gitarristen und sonstigen Revolutionären
steht es natürlich frei, das ganze umzuarrangieren und
sich einen eigenen Fingersatz zu suchen.
Hier die naechsten beiden Arpeggios:
Hier ist eine Streckung vom 5. bis zum 9. Bund enthalten.
Wer damit noch Probleme hat, sollte sich mit dem Thema "Streckungen"
beschäftigen und diese trainieren, aber dabei langsam
vorgehen, ohne sich Sehnen oder Muskeln zu beschädigen.
Auch hier sind wieder Lagenwechsel enthalten.
Hier die letzten drei Takte des Intros:
Takt 1: Ein weiterer Arpeggio.
Takt 2: Hier springt Steve zwischen den Einzeltönen
hin und her und spielt sich so durch die ganze Oktave.
Takt 3: Ein G# auf der hohen E-Saite, und die tiefe
E-Saite leer angeschlagen ... das Ganze für einen ganzen
Takt gehalten, und es geht weiter zum Hauptstück...
Dies ist die Hauptmelodie, und ich empfehle, sich einen
ganz eigenen Fingersatz auszuknobeln. Dieses Lick enthält
einige schwierige Punkte, und man sollte langsam anfangen,
bevor man es dann letztendlich auf hohes Tempo bringt.
Der zweite Teil der Hauptmelodie. Ein gutes Beispiel für
klassische Harmonielehre.
Das sollte als Übungsmaterial erst einmal reichen.
Wie gesagt, wer die komplette Tab braucht, schreibe mir eine
E-Mail. Im weiteren Lauf des Stückes finden wir noch
hübsche kleine Gimmicks wie String-Skipping, wilde Slides
und ein Wahnsinnsbending vom 24. Bund der hohen E-Saite zum
A (29. Bund, 5 Halbtöne!). Den Gerüchten, Steve
habe das auf der Tele, die Macchio im Film benutzt, mit 21
Bünden und 16. E-Saite, möchte ich hier einmal energisch
entgegenwirken!
So, das war's erstmal wieder. Das nächste Mal bearbeiten
wir in "1000 Meisterwerke" mal Eric Johnson's Solo aus "Desert
Rose" und werden sehen, was man mit einer mickrigen kleinen
Pentatonik so alles machen kann.
Fragen. Vorschläge und Kritik (sowie Wünsche)
bitte an talkinghands@web.de.
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