Portrait: Criss Oliva (1963 - 1993)
Ich kann mich noch sehr gut erinnern, als
ich 1994 auf MTV das Savatage-Video Edge of Thorns
sah ... die Nummer hat mir ungemein gefallen. Wunderschöne
Klavierpassagen, sehr stimmungsvolle Riffs, beeindruckende
Soli, und der ganze Song sehr melancholisch.
Am nächsten Tag habe ich mir dann im CD-Shop das gleichnamige
Album gekauft ... und zuhause beim Anhören hats
mich dann fast aus den Schuhen gehauen: Beeindruckende Songs
im heavy-Gewand, sehr stimmungsvoll, mit toller Gitarrenarbeit.
Bei der Ballade All I bleed ist mir echt die Gänsehaut
gekommen, besonders beim sehr emotionalen Solo.
Ich wollte dann sofort mehr Infos über diese Band aus
Tampa/Florida, und war schockiert, als ich in einer älteren
Ausgabe einer deutschen Heavy Metal-Zeitung einen Nachruf
auf den Gitarristen von Savatage las: Criss Oliva verstarb
am 17. Oktober 1993 bei einem Autounfall auf dem Weg zum Livestock
Music Festival. Ein entgegenkommender Fahrer geriet in die
falsche Spur und traf Criss Auto frontal. Criss war
sofort tot, seine Frau Dawn überlebte schwerverletzt.
Ich legte mir innerhalb kurzer Zeit diverse Savatage-Alben
zu, u.a. Streets, In the Hall of the Mountain
King, später dann die wiederveröffentlichten
Demos auf Dungeons are calling. Immerwieder war
ich begeistert von Criss kreativer Heavy Metal-Gitarre
und vom tollen Songwriting der ganzen Band.
Das nächste Album nach Criss Tod war Handful
of Rain 1994, gewidmet Criss, mit Alex Skolnick (Ex-Testament
) an der Gitarre. Der Song Alone you breathe ist
Criss speziell gewidmet und fast herzzerreissend.
Heute spielt Al Pitrelli (Anhören!!!) die Leadgitarre
für Savatage, unterstützt von Chris Cafferty, und
die Band bringt immer noch geniale Metalscheiben raus. Criss
Oliva ist aber trotzdem nicht vergessen. Seine alten Amps
(modifizierte Marshalls) und Gitarren (ESPs und Jacksons)
werden wie Reliquien gehütet und kommen bei neuen Sessions
immer noch zum Einsatz. Criss Grab kann man in Palm Harbor,
Florida besuchen, und Meinungen über ihn auf der Criss
Tribute Wall der offiziellen Website (www.savatage.com)
hinterlassen.
Ih habe mir erlaubt, ein paar Soloausschnitte und Riffs herauszusuchen,
um mal ein wenig Interesse an Criss zu wecken, der heutzutage
immer noch nicht (oder nicht mehr) ein Begriff ist. Ich empfehle
dringend, sich den Mann und seine Band einmal anzuhören,
es lohnt sich wirklich. Besonders Metal-Gitarristen können
hier mal neue Einflüsse sammeln.
Riff #1: Edge of Thorns
Hier das Interlude-Riff von Edge of Thorns, das
direkt zum Solo (mit der Progression C5-A5-C5-D5 ) führt.
Wie Ihr seht, handelt es sich hier um ein Pedaltone-Lick.
Tonart ist A-Moll, Tempo 90bpm für die Viertelnote, die
E6-Saite ist auf D gestimmt (Drop-D). Das Solo ist von mir,
habe mal versucht, ein paar typische Criss Oliva- Licks zusammenzubauen.
Natürlich hat das nun nicht die Qualität von Criss
Arbeit heran, aber ich habe mein Bestes gegeben. Criss war
selbst in seinem Live-Solo kein purer Fieddler,
sondern hatte immer Midtempo-Passagen und schöne Melodien.
Riff #2: All I bleed
Hier das Intro zum Solo der wunderschönen Ballade All
I Bleed (von Edge of Thorns). Der Song entwickelt
sich zum Solo hin, hier kann man echt was über Spannungsaufbau
lernen. Die Tonart ist A-Moll, Tempo 160bpm, und es handelt
sich hier um triolische 3 Note-per-String Pattern. Ihr soltet
Euch unbedingt das ganze Stück genau anhören!
Riff #3: City beneath the Surface
Hier das Intro eines recht frühen Stücks von Savatage,
City beneath the surface ... ich habe das Ganze
allerdings etwas verändert ... nämlich den Tapping-Part
ganz an den Anfang gesetzt, und eine kurze Sequenz dazu geschrieben.
Obwohl der Tapping-Part keine grosse Bewegung oder harmonische
Raffinesse zeigt, hat es auf der Aufnahme (zu finden u.a.
auf Dungeons are calling / Sirens ) doch eine
gewisse Magie ...
Tonart ist übrigens D-Dur.
Riff #4: City beneath the Surface-Variation
Und hier einmal die Akkorde des schon erwähnten Stückes
Die Rhythmik ist nicht original, aber die Akkorde sind gleich.
Dropped-D Tuning ist angesagt. Die Akkordfolge ist C5-D5-Bb5-A5.
Ok, ich weiss, das war nur sehr wenig Gitarristenfutter.
Wie beim Jason Becker-Artikel geht es hier aber weniger um
eine Criss Oliva-Kopierschule, sondern mir geht
es darum, bei einigen das Interesse an Criss zu wecken, und
seinen Namen im öffentlichen Gedächtnis zu bewahren.
Mir hat damals das Lernen und Hören von Olivas
Gitarrenarbeit und Komponisationen enorm viel gebracht, und
ich weiss, dass es einigen (besonders Metal-interessierten)
Gitarristen nicht anders gehen wird. Also, hört mal 'rein,
besucht die Website .... hört immer genau hin, und achtet
aufs Gesamtbild: Komponisation, Sound, Atmosphäre
....
Und von mir: Danke, Criss, und R.I.P. !!!!
Hier noch ein paar Hörempfehlungen:
Savatage- Dungeons are calling / Sirens (Rerelease, 1995,
Tips: Sirens, City beneath the surface,
the whip)
Savatage- Streets (Eine echte Rockoper, Tips Jesus
saves, Believe, Ghost in the ruins)
Savatage- Gutter Ballet (Tips- Gutter Ballet,
When the crowds are gone)
Savatage- Edge of Thorns (Tips- Edge of Thorns,
All I bleed, Sleep, Follow me
)
Savatage- Hall of the Mountain King (Tips: Hall of
the..., Prelude to Madness)
Savatage- Ghost in teh ruins live (Tips Criss Intro,
Post Script)
ohne Criss Oliva:
Savatage- Dead winter dead (Gitarren: Al Pitrelli &
Chris Cafferty, Tip: Mozart Madness (eine Hardrock
version von Ode an die Freude), Christmas
Eve (Sarajevo 12/24))
Savatage- Wake of Magellan (Pitrelli, Cafferty Tips: Morning
Sun, Turns to me, Welcome)
Savatage- Handful of Rain (Gitarre: Alex Skolnick, Tips:
Handful of Rain, Alone you breathe
)
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