Creative Leadguitar
Arpeggios
Argh ....! Wie konnte ich so verrückt sein, mir das
Thema "Arpeggios" vorzunehmen. Übermütig
geworden, schätze ich. Gut, gut, lasset uns beginnen....
Wie bin ich damals mit Arpeggios in Berührung gekommen?
Nun, das fing so richtig eigentlich erst am GIT an: Da ging
es nämlich um Konzepte für's Solospiel, Analyse,
"solistisches Vokabular" .... und da ging es um
die Frage "Wie soll ich Soli denn nun theoretisch am
besten angehen?" Da gab es mehrere Möglichkeiten:
- Mit vollständigen Skalen ... nö, viel
zu viele Noten, ausserdem endet man damit schnell bei der
"Rauf-Runter"-Philosophie.
- Mit Dreiklängen: Nö, auch nicht, nicht
genug Noten drin.
- Mit der Pentatonik: Mag vielleicht über Blues-
und Rock-Kadenzen ausgezeichnet funktionieren, bei anderen
Changes wird's schwierig, und 'ne Analyse dazu klappt auch
nicht besonders gut.
- Mit Arpeggios!
Jau!!! Grossartig, die beste Wahl. Warum? Erstens sind Arpeggios
lineare "Übersetzungen" von Akkorden. Macht
also das Spielen über Changes das Ganze schon etwas einfacher.
Zweitens stellen Arpeggios schon einen etwas höheren
Anspruch an die eigene Spieltechnik, und klingen z.T. sehr
interessant. Und drittens: Geben einem Arpeggios immer mal
wieder neue Ideen, weil sie ganz einfach ein wenig anders
klingen als Skalen und man automatisch bestimmte Intervalle
vermeidet.
Aber mal ganz zum Anfang zurück: Was sind denn nun Arpeggios?
Nun, Arpeggios sind sozusagen "buchstabierte Akkorde",
d.h. wir spielen die Einzeltöne in beliebiger Reihenfolge,
aber immer nur einen auf einmal. Wer gerne "sweept",
wird ohne Arpeggios nicht weit kommen, weil sie sich durch
Fingersatz und Intervallgrösse ideal zum Sweepen eignen.
Aber schon bei der guten alten Akustikgitarre, z.B. beim
"Strumming" hat man Arpeggios. Überlegt mal,
wir greifen einen Akkord ( z.B. E-Dur ), und dann "strummen"
wir, d.h. wir schlagen mit dem Plec alle Saiten an. Mit ein
bisschen Überlegung wird schnell klar, dass wir in dem
Sinne keinen Akkord (also mehrere Noten gleichzeitig) erklingen
lassen, sondern immer nur eine Note nach der anderen (natürlich
klingen sie dann ineinander, und ausserdem wird das Ganze
mit höherer Geschwindigkeit ausgeführt ... die Geschwindigkeit
ist sogar so hoch, dass uns dieses "Arpeggieren"
gar nicht mehr auffällt).
Nun aber Schluss mit den revolutionären Gedanken (so'n
Quatsch)! Diesmal habe ich ein etwas anderes Design für
den Artikel verwendet, neben TAB werdet Ihr auch Griffbrettdiagramme
finden, da das Prinzip, das ich erläutern will, somit
ein wenig einfacher zu durchschauen ist. Als Beispiel verwende
ich heute hauptsächlich ein Cmaj7-Arpeggio [...von
Paul Gilbert? d.S.]. Die anderen Arpeggios
sollte sich der geneigte Leser nach dem Lesen des Artikels
selbst erarbeiten können. Erstmal soll es um "Shapes"
gehen, und um verschiedene Spielweisen für ein Arpeggio.
Also, was waren noch die Töne in einem Cmaj7? Ach ja,
C-E-G-B! Das sieht dann so aus:
Nun besteht die erste Möglichkeit eines Cmaj7-Akkords
darin, die Tönen nicht gleichzeitig, sondern einzeln
nacheinander anzuschlagen (in Takt 1 der TAB sehen wir, wie
das geht, in Takt 2 beziehen wir das G auf den beiden E-Saiten
mit ein ...)
Ganz klar, oder? Nun gehen wir das Ganze mal anders an. Nehmen
wir doch einfach mal die einzelnen Noten des Voicings (C-E-G-B)
und packen wir diese in einen Fingersatz:
Alles klar? Beachtet bitte auch den Fingersatz, den ihr zum
Spielen verwendet, d.h. alle Noten am zweiten Bund mit dem
ersten Finger, alle Noten am dritten Bund mit Finger Nr. 2,
alle am 4. mit Finger 3 (Ringfinger ) und alle Noten am 5.
Bund mit dem kleinen Finger ("Der Pinkie, der Pinkie
und der Brain, brain, brain, brain .... "sorry !!!)
Nun kann man das Ganze schon etwas anders angehen. Spielen
wir uns über einen angeschlagenen Cmaj7 doch einmal durch
diesen Fingersatz, und zwar zweimal, aber im Oktavabstand.
Tja, und nu? Übertragen wir diesen Fingersatz zu anderen
Grundtönen, z.B. G und D, sieht das Ganze so aus:
Die Töne eines Gmaj7 Akkordes im Fingersatz.
Und für Dmaj7.
Nun können wir doch theoretisch schon ganz ohne viel
Überlegen eine Begleitung zu einer Akkordfolge zu diesen
Akkorden spielen, und wenn es nur das gute alte "Rauf
und Runter" ist. Klingt doch auch ganz anders als mit
ganzen Skalen. In der TAB könnt Ihr sehen, wie das aussieht,
allerdings habe ich den Dmaj7 (den ich vorher nur als Beispiel
verwendete) in einen D7 (D dominant 7) umgewandelt, um der
Grundtonart des Beispieles (G-Dur) gerecht zu werden.
Wie gefällt Euch das? Das Schema ist im Grunde ja nun
ganz einfach: Der Grundton liegt immer auf der A-Saite, und
durch diese "Eselsbrücke" können wir schnell
das entsprechende Arpeggio finden. Wenn ihr diese Fingersätze
entsprechend des gewünschten Chords (maj, min, maj7,
min7, sus 2, sus4, add9, dim., usw.) benutzt, könnt Ihr
Euch schnell eine Begleitung für die Leadgitarre basteln.
Es muss ja auch nicht immer rauf und runter gehen.
Nehmt Euch doch einfach mal ein "Fakebook", und
spielt Euch durch so ein paar Songs durch. Oder nehmt Eure
Lieblingsakkordfolgen auf Band auf und übt die Anwendung
von Arpeggios dazu.
Arpeggios können auch hervorragend dazu verwendet werden,
Grundlinien für ein Solo zu entwerfen, oder Solofragmente
miteinander zu verbinden. Gemäss Eric Clapton's berühmten
Spruch "Ein Solo muss wie eine Geschichte aufgebaut sein,
mit Anfang, Höhepunkt und Ende" (sinngemaess zitiert)
kann man z.B. ein Solo mit einem Arpeggio beenden oder beginnen,
oder es verwenden, um sinnvoll die Positionen zu wechseln,
d.h. schnell von hohen zu tiefen Positionen bzw. andersrum
zu kommen Wow, was ein Satz!!!!!!!!). Weil ich so ein Schatz
bin, gebe ich noch ein anders Beispiel zur Verwendung unseres
ersten Fingersatzes, anhand der Akkordfolge des alten George
Benson-Klassikers "Breezin'" (sehr empfehlenswert!!!!):
Allerdings befriedigt uns die Kenntnis von nur einer Fingersatz
natürlich nicht! Also bauen wir uns ein paar mehr,
indem wir eine Darstellung des Griffbretts bis zum 12. (XII.)
Bund nehmen, und alle Töne unseres Arpeggios (immer noch
Cmaj7 = C E G B ) in allen Positionen eintragen.
Nun haben wir schon ein wenig mehr "Vokabular"
und können uns durch die Lagen spielen. Teilt Euch dieses
Griffbrett in diverse Positionen/Patterns ein, und merkt euch
zur Orientierung, wo der Grundton liegt ... und schon ist
das Ganze auch über andere Akkorde anwendbar.
Da ich ja in meinen vorherigen Artikeln schon einige der
wichtigsten Spieltechniken behandelt habe, empfehle ich Euch,
jene Techniken mit Arpeggios anzuwenden. Beispiele? Gerne!
- Alternate Picking: Spielt Euch durch diverse Patterns
und achtet dabei auf genauen und sauberen Wechselschlag.
- String Skipping: Nehmt Euch eines der Pattern und
spielt es, wobei ihr zwischendurch immer Saiten überspringt
('skippt#).
- Ein Beispiel zum chord-orientierten String Skipping
habe ich im zugehörigen Artikel schon gegeben.
- Tapping/ Bewegungsrichtungen: Natürlich kann
man Arpeggios auch entlang einer Saite spielen (und natürlich
sind das z.T. grosse Intervalle), kombiniert mit Tapping
bekommen wir aber schöne Ergebnisse. Im Tapping-Artikel
findet ihr ein Beispiel zum Tapping eines add9-Arpeggios.
- Sweeping: Die Technik, die auf Arpeggios beruht.
Mit einer ausreichend grossen Sammlung von Arpeggioformen
und -fingersätzen könnt Ihr Euch schon eine ganze
Menge gutklingende Sweeps bauen, und wenn ihr Euch an diesen
Patterns orientiert, braucht ihr auch nicht viel nachzudenken.
Denn wie sagten schon Billy Sheehan und Paul Gilbert (da
isser, Sätzer!!! Da ham'ma wieder den guten Paul! Freust
Du Dich auch so wie ich??? [Klar,
ey ... d.S.]) von Mr.Big so passend? "If
you think, you stink!".
Tja, wer das Solieren mal mit Arpeggios angeht, wird schnell
merken, wie viele gute neue Ideen man da herbekommt. Wer bis
jetzt an Pentatoniken und Skalen gewöhnt war, kann hier
eine ganz neue Welt entdecken.
Natürlich habe ich hier auch wieder nur an der Oberfläche
des Thema gekratzt, denn das Thema ist enorm gross,
aber ich persönlich habe herausgefunden, dass das eigene
Experiementieren sehr viel mehr bringt als wenn ich Euch nun
alle möglichen Konzepte/Patterns/Licks usw. vorlegen
würde.
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