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OK, nachdem ich's versprochen habe, will ich jetzt endlich mal
was über
meinen Harddiskrecorder erzählen...
Modell: Roland VS-880 EX
Ein Bild und ein paar Infos gibts unter http://www.rolandmusik.de/
--> Katalog --> Harddisk-Recording --> virtuelles Studio
--> Vs-880 EX
Als ich mir das Ding zulegte, stand ich vor der Entscheidung: Lege
ich mir einen neuen Computer mit guter Soundkarte zu und mache mit
dem meine Aufnahmen, oder entscheide ich mich für einen Standalone-Recorder.
Aus verschiedenen Gründen habe ich mich für letzteres
entschieden: Das Ding sollte leicht transportabel sein (ich habe
kein Auto) und ich wollte mich nicht mit Abstürzen von irgendwelchen
amerikanischen Betriebssystemen herumschlagen, womöglich, wenn
ich gerade einen Konzertmitschnitt mache. Außerdem hatten
wir mit unserer alten Band ein Demo mit dem Vorgängermodell
aufgenommen, und die Qualität hatte mich damals schon überzeugt.
Dann bekam ich also das Gerät, und war erstmal ein bißchen
überfordert. :-) Wegen der kompakten Größe sind
fast alle Knöpfe doppelt oder dreifach belegt, dementsprechend
unübersichtlich ist das Gerät erstmal. Aber trotz der
Bedienungsanleitung hatte ich bald mein erstes Stück eingespielt,
mit sieben Spuren Stick und einer Spur Gesang (zu hören unter
http://www.
bigfoot.com/~nashorn/mp3/Song001.mp3) Geil!
Das ist schon viel besser als die Sachen, die ich vorher mit dem
Vierspurrekorder meines WG-Mitbewohnmers aufgenommen hatte, und
das war ein edleres Fostex-Gerät... Nochmal zur Bedienungsanleitung:
Die ist wirklich nicht besonders gut, vor allem das Register kann
man fast vergessen. Wenn man also nicht schon weiß, wo zu
finden ist, was man sucht, hat man fast verloren... Zum Glück
gibt es im Internet einige gute Informationsquellen. Inzwischen
habe ich das Gerät etwas mehr als ein Jahr, und so langsam
glaube ich, daß ich alle Funktionen so einigermaßen
durchschaut habe. Vielleicht (oder wahrscheinlich) ginge das bei
Leuten schneller, die schon Erfahrung im Recording-Bereich haben.
Bei mir beschränkte sich die halt auf Vierspurkassettenrekorder,
so daß ich mich in Konzepte wie Busse, Routing, etc. erst
einmal einarbeiten mußte. Aber durch die Komplexitär
des Geräts hat man auch sehr vielfältige Möglichkeiten
und kann Dinge tun, die mit einem einfacheren Gerät einfach
nicht möglich wären.
Jetzt aber mal Butter bei die Fische: Was kann also das Gerät?
erstmal
hat es natürlich alle Vorteile des Harddiskrecordings gegenüber
Bandmaschinen: - Ich verbrauche nur soviel Speicherplatz, wie ich
auch
tatsächlich aufnehme. Es gibt keine leeren "Tonbandstücke",
wenn gerade
mal nur auf zwei von acht Spuren aufgenommen wird. - Ich kann dieselbe
Stelle so oft ich will hintereinanderkopieren, ohne daß ich
mehr
Speicherplatz verbrauche, die Maschine legt dann einfach einen nueuen
Zeiger auf dieselbe Stelle (das ist beim VS-840 z.B. anders. Das
Ziplaufwerk, mit dem der arbeitet, ist für so was nicht schnell
genug,
deshalb muß er die Daten in so einem Fall physikalisch kopieren).
-
Undo-Funktion: Wenn mir ein Fehler passiert, kann ich ihn die letzten
Schritte rückgängig machen - Pro Spur stehen mir 16 virtuelle
Spuren zur
Verfügung. Ich kann also, wenn ich eine Spur mit einem Effekt
bearbeite,
immer die Originalspur im Hintergrund behalten. Ebenso, wenn ich
mehrere
Spuren zusammenmische. - Der Mix läßt sich ziemlich komplett
automatisieren.
Das Gerät hat zwei Effektboards eingebaut, mit allem was man
so braucht.
Von Dynamikeffekten (Compressor, Limiter, etc.) über Modulationseffekte,
Delay/Hall und Verstärkersimulationen etc. bis hin zu abgefahreneren
Sachen wie Lo-fi-Effekten und Vocodern. Die Presets sind sogar recht
brauchbar. Relativ neu ist das sogenannte Mastering-Toolkit mit
Dingen
wie Multibandkompressoren etc. Recht brauchbar fürs Mastering
zu Hause -
natürlich kein Vergleich zu professionellem Mastering, aber
ich war
erstaunt, wie viel besser (d.h. transparenter) meine Mixe nachher
klangen. Neu sind auch Lautsprechersimulationen. Die sollen bei
Benutzung von bestimmten Roland-Monitorboxen gängige Abhören
simulieren
(bis hin zu Ghettoblastern und Miniradios), um zu vergleichen, wie
der
Mix sich auf verschiedenen Systemen klingen würde. Selber habe
ich damit
allerdings keine Erfahrung.
Digitale Ein- und Ausgänge gibt's je zwei, optisch und koaxial.
Nützlich ist bei dem Gerät auch der SCSI-Anschluß.
Hier kann ich nämlich
zur Datensicherung wahlweise eine externe Festplatte, ein ZIP-Laufwerk
oder einen CD-Brenner anschließen (hier funktionieren allerdings
nur
bestimmte Modelle). Mit letzterem hat man zusätzlich die Möglichkeit,
Audio-CDs zu brennen. Nicht schlecht. So bleibt man von der Aufnahme
bis
zur CD im digitalen Bereich. Ein bißchen mühsam ist,
daß das Gerät vor
dem Brennen jeder CD erst einmal ein Imagefile errechnen muß,
was dann
auf die CD gebrannt wird. Dieses File läßt sich dummerweise
nicht
speichern. Das bedeutet, daß das Brennen manchmal nervig lange
dauern
kann. Erst das allerneuste Harddiskrecording-Gerät von Roland
(VS-1880)
hat erstmals die Möglichkeit, das Image-File auch zu speichern.
Was würde ich mir an meinem Gerät noch wünschen?
Mehr Spuren, natürlich,
davon kann man nie genug haben :-) Abgesehen davon: - ein größeres
Display. das ist beim VS-1680, dem entsprechenden 16-Spur-Gerät
und
sogar dem VS-840, dem billigeren Achtspurgerät, besser gelöst.
-
dasselbe gilt für einen Hi-Z-Eingang, in den ich meine Gitarre
direkt
einstöpseln könnte. - es gibt keine Möglichkeit,
rückwärts aufzunehmen.
Also keine 60er-Jahre-Rückwärts-Gitarren, keine satanischen
Botschaften.
- Phantomspeisung für Mikrophone (gibt's beim VS-1680) - eine
vernünftige Bedienungsanleitung...
Zur Praxis: Inzwischen habe ich, neben einigen Songs, die ich Alleingang
zu Hause aufgenommen habe, zwei größere Projekte damit
gemacht. Das eine
war eine CD mit Schlafliedern für meine Patentochter, das andere
vier
Demo-Stücke mit einer Band. Die Bedienung ist zwar nicht einfach
und
nicht immer intuitiv, mit etwas Übung bekommt man aber auch
hier
genügend Routine, so daß das Arbeiten recht entspannt
für mich war.
Inzwischen benutze ich das Gerät auch zum Üben mit Kopfhörer,
dann kann
ich Ideen, die mir beim Spielen kommen, auch gleich festhalten.
Die
Klangqualität (auch die der Effekte) ist für meine Zwecke
mehr als
ausreichend. (wenn ich ich nicht irre, wurde Victor Wootens eine
Solo-CD
auf einem VS-1680 aufgenommen, die Geräte reichen also schon
in
professionelle Bereiche) Das schöne ist eben, daß der
Recorder alles
drin hat, was man so braucht.
Insgesamt bereue ich es kein bißchen, mir das Ding angeschafft
zu haben.
Natürlich wünsche ich mir öfter ein größeres
Gerät, und wenn ich mal
groß bin, kaufe ich mir bestimmt ein VS-1880 :-)
Puh, ist ganz schön lang geworden, und im Laufe des Schreibens
habe ich
bestimmt die eine oder andere Sache vergessen, die ich eigentlich
schreiben wollte... Fragt mich einfach, wenn ihr mehr wissen wollt.
Johannes
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