EBS ValveDrive (Schweden, 2005)
Röhrenpreamp-/overdrive als Bodentreter in Class-A-Schaltung
Reviewer: Jan Keyling
Bild: http://www.ebs.bass.se/koll/effects/valvedrive.jpg
Website: http://www.ebs.bass.se/koll/valvedrive.htm
Typ: Einzel-Effekt Boden
Effekte: Distortion/Overdrive
Preis: 279 Euro (Neu)
Eingänge: Bass (schaltbar 0/-8 dB)
Fazit: Hervorragender Tube-Preamp/Overdrive vom Edelhersteller aus Schweden. Die Verarbeitungsqualität ist wie erwartet absolute Spitzenklasse, vom soliden Gehäuse bis zu den angenehm "smooth" laufenden Reglern im Vintage-Design. Von rechts nach links (ungewöhnlich) reihen sich Gain-, Bass-, Middle-, Treble- und Volumepoti aneinander. Der EQ ist passiv ausgeführt, ermöglicht daher eher subtile Eingriffe in den Klangcharakter, klingt aber sehr edel und unaufdringlich. Das Grundrauschen des Pedals hält sich auch bei hohen Gain-Settings in Grenzen - was man bei dem Preis aber auch erwarten kann.

Als Röhre dient eine Svetlana 12AX7, die bei Bedarf selber ausgetauscht werden kann, sollte die alte denn doch mal an Saft und Kraft verlieren - sehr sinnvoll, da das Gerät aus Klanggründen in Class-A-Schaltungstechnik aufgeführt ist (welche prinzipiell zu höherem Röhrenverschleiß neigt als Class-B-Technik).

Im Gegensatz zu reinen Overdrive-Pedalen (z.B. EBS BassDriver) hat man die Möglichkeit, via Gainregler den gesamten Bereich von cleanem, aber angenehm warmem Röhrensound bis hin zu brachial-bösem High-Gain anzuwählen. In jedem Bereich klingt das ValveDrive absolut überzeugend und einfach immer eine Spur besser als vergleichbare Transistoreffekte. Speziell an Transistoramps vollbringt das kleine Teil wahre Wunder, trotz gleicher Lautstärke und in Einstellung "clean" setzt sich das Bassignal im Bandkontext einfach besser durch und klingt "runder" und voller.
Zudem hat man die Möglichkeit, zwischen 2 Grundcharakteren ("Modern" und "Vintage") umzuschalten, wobei bei ersterem der Sound näher am unbearbeiteten Original bleibt und auch die Verzerrung erst deutlich später einsetzt (ab Gain-Reglerstellung auf "12 Uhr" aber trotzdem ordentlich zur sache geht).
Der "Vintage"-Mode macht seinem Namen alle Ehre, ohne zu schmutzig zu klingen zerrt er den Sound besonders im Bereich der hohen Mitten intensiv an und komprimiert das Signal leicht - ähnlich einem voll aufgerissenen Vollröhrenamp. Der "Modern"-Mode liefert insgesamt einen volleren, klareren Ton, speziell die Tiefbasswiedergabe leidet auch bei höchsten Verzerrungen nicht.

Am Rearpanel finden sich neben In- und Output noch 2 Dip-Schalter, zum einen der zum Absenken des Eingangspegels um 8dB (bei Verwendung eines aktiven Basses), zum andern der Mute/Bypass-Switch, der entscheidet ob bei nicht aktiviertem Effekt der Ausgang gemutet wird (sinnvoll bei Verwendung als Preamp) oder das Eingangssignal unbearbeitet durchgeschliffen wird (Verwendung als Effektpedal, True Bypass). Ebenfalls befindet sich auf der Rückseite der Anschluss für das mitgelieferte 12V-Netzteil.

Ich persönlich bedaure beim ValveDrive nur eins - daß es nicht zweikanalig ausgeführt ist. Somit bleibt mir die Qual der Wahl: es bei cleaner Einstellung immer angeschaltet zu lassen oder es als ultimativen Booster für schön durchsetzungsfähige Overdrive-Solopassagen zu nutzen. Durch seinen weiten Gainbereich bietet sich das Teil praktisch für Basser jeder Stilrichtung an.
Getestet habe ich das Pedal an einem Trace Elliot 7210, als Bass diente eine Ibanez BTB555. Trotz des wirklich hohen Preises habe ich den Kauf kein einziges Mal bereut. Wer einen vielseitigen Highend-Overdrive sucht oder einfach seinem Amp eine Röhrenvorstufe spendieren will, ohne gleich jenseits der 400€ auszugeben, ist mit dieser Tretmine abolut richtig bedient.
Bewertung:
Stabilität/Zuverlässigkeit:10 / 10
Sound:10 / 10
Bedienbarkeit/Features:9 / 10
Preis/Leistung:8 / 10

GESAMT:9 / 10
 
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