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Yamaha BEX 4C BS (Japan, 2003) [ Nachtrag 05/2005]
Best of both worlds
Reviewer: Rainer
Typ: Semi-Akustisch Magnet/Piezo-PUs (4saitig)
Preis: 650,-- Euro (Neu)
Korpus: Erle-Body, Fichte-Decke
Hardware: Gotoh-Kopien, Ebenholz-Bridge
Hals: Ahorn
Griffbrett: Palisander
Bundierung: Medium-size, 20 Bünde
Pickups: 1 Split-Humbucker, 1 Piezo in Bridge (aktiv)
Elektronik: Magn.: passiv, Piezo: 3-Band-EQ (aktiv)
Fazit:

Der Yamaha BEX 4C ist ein Zwitter nach Art einiger e-akustischer Jazz-Gitarren: ein Semi-hollow-Korpus mit Mittelblock, sowie Piezo- als auch Magnet-Pickup, diese mischbar. Was ich wollte war ein Bass, der einen akustischen Ton produziert, aber nicht die Beschränkung auf nur Akustik hat, sondern auch rein elektrisch läuft. Als solchen bietet Yamaha dieses Instrument seit 2002 an, in einer Form ohne Piezo mit zwei Magnet-Pickups als Billy Sheehan Signature. Ein stabiler, gepolsterter Hartschalen-Koffer mit viel Stauraum ist auch dabei, bei Yamaha ab 500$ Instrumentenpreis heute Default. Der Koffer ist natürlich schwerer als der Bass, der so bei 3,5kg liegen müsste.

Bauform: entsprechend einer Jazz-Gitarre ist der Bass ganz schön groß, verglichen mit einem üblichen E-Bass. Ein wenig sperrig ist er schon, aber wegen der eher geringen Korpustiefe geht es noch gerade. Zwei obligatorische F-Löcher, Ebenholz-Bridge und eine konventionelle Kopfplatte in 2x2-Konfiguration scheinen den Begriff Bass-Gitarre zu rechtfertigen. Shapings gibt es nicht, die Suche nach einer entspanten Spielhaltung endet, wenn man den Unterarm nicht mehr auf die Korpuskante auflegt, sondern den Arm auf's Top legt. Der vierfach geschraubte Hals hat eine flache D-Form, mit 40mm am Sattel ist er nur geringfügig breiter als ein Jazz Bass mit seinen 38mm, also in etwa einem Precision entsprechend. Ebenso Fender-mäßig die gut verrundeten Schultern. Trotzdem sieht der Hals breiter aus als er ist, erst beim Spielen kommt fast wieder Fender-Feeling auf. Ein Korpushorn gibt es wegen der Form nicht, also ist eine gewisse Kopflastigkeit am Gurt nicht zu vermeiden. Auf dem Knie liegt er aber völlig ausgeglichen, weil die Taille weit zum Hals liegt. Wegen der recht weit innen sitzenden Bridge geht der Hals auch weiter hinaus, das Instrument ist insgesamt eine gute Handbreit länger als übliche 34"-Longscale-Bässe. Er sieht recht lecker aus, die Verarbeitung aller Teile ist makellos, keine Lackfehler, perfekt abgerichtete und polierte Bünde, klaglos arbeitende Tuner. Kurz: die gewohnte unglaubliche Yamaha-Qualität und saubere Verarbeitung. Sogar Holzknöpfe hat man ihm spendiert, Ebenholz wie die Bridge wäre ideal gewesen, aber immer noch besser als Metall oder Plastik. Es ist auch das erste Mal, dass mir ein Instrument aus dem Koffer kommt und der Sattel gut justiert ist. Zwar habe ich noch zwei bis drei Zehntelmillimeter dazu gegeben, notwendig war das aber nicht. Ein letzter Punkt, der mich verblüfft: wieso intoniert eine so einfache Bridge- Konstruktion so perfekt? Auch nach dem Nachstellen der Halsspannung oder Saitenwechsel stimmt die Intonation. Wahrscheinlich ein alter Samurai-Trick.

Die Werkssaiten sind Roundwounds, aber ziemlich stumpf. Also als Erstes runter damit, meine Fender Flatwounds neigen sich dem Ende zu, muss ich nachbestellen. :-)

Im Lieferzustand ist die Saitenlage recht hoch, aber nicht zu hoch eingestellt. Da ich es gerne etwas niedriger habe, an der Bridge aber nicht herum feilen möchte, lege ich nach etwas Ausprobieren drei Blättchen von Karteikarten a 6x2cm in das Halstaschenende. Prompt stellt sich eine Super-Saitenlage ein, kein Unterschied zu meinem Jazz Bass, nur dass die Bundierung und Hals-Verarbeitung bei Yamaha ab Werk so gut ist wie bei Fender nach Investitionen in Bünde-Egalisieren beim Gitarrenbauer. Flitze-Hals, Flitze-Saitenlage, das Instrument macht Spass und drängt sich im Spielgefühl geradezu auf. In den letzten Tagen hatte ich keinen anderen Bass in der Hand, so gut spielt er sich. Resumee in der Mechanik: perfekte Verarbeitung, gute Hardware, besonders die Bundierung ist als perfekt zu bezeichnen.

Elektrik: der Hals-Pickup ist ein gesplitteter Humbucker, das Signal geht auf einen Volumen- und einen Mix-Regler mit Mittenrasterung, der das Piezo-Signal aus dem aktiven 3-Band-EQ dazu mischt. Der Volumenregler ist ein wenig leichtgängig, aber akzeptabel.

Sound: der passive Magnet-Pickup allein klingt recht höhenarm, wenn auch nicht wirklich stumpf, dafür aber mit satten Tiefmitten (jedenfalls mit Flatwounds, mit Roundwounds klingt es sicher höhenreicher). Ein gewisser Kontrabass-Sound ist mit den Flatwound-Saiten schon heraus zu hören. Der Piezo fügt Höhen und Hochmitten dazu, wenn auch etwas metallisch. Magnet- und Piezo-Pickup für sich allein sind nicht der Knaller, die Mischungen beider liefern aber eine enorme Palette von Sounds, von einem fast E-Bass-Sound bis zu dem einer e-akustischen Gitarre. Letzterer Aspekt muss aber den EQ einbeziehen, denn dieser erlaubt sehr weite Einstellungen und muss auch sogenutzt werden, dann wird auch der Piezo-Sound allein brauchbar. Das gesamte Sound-Spektrum ist schwer zu beschreiben, weil ich es bisher von keinem Bass so gehört habe. Der Schwerpunkt liegt aber eindeutig auf akustischen Sounds mit einem hellen Attack vom Piezo und sattem Bass vom Humbucker. Der 3-Band-EQ bestimmt die Art des Zumischens akustischer Anteile, somit ist er in der Variabilität noch eine wichtige Stellschraube.

Das Thema Saitengeräusche und Dämpfen bekommt bei Einsatz eines Piezo noch eine ganz neue Bedeutung, weil der Piezo sehr empfindlich reagiert und auch Bundschnarren durch unsauberes Greifen brutal deutlich im Sound präsentiert. Deshalb ist der BEX an manchen Stellen gewöhnungsbedürftig.

Was war noch? Nun ja, das Einsatzgebiet des BEX 4C ist sicher nicht das gleiche wie das eines reinen E-Basses, er ist ein wenig ein Exot, aber weniger exotisch als ein reiner Akustik-Bass. Er kann elektrische Sounds, seine Stärke sind aber E-Bass-Sounds mit einer Piezo-Prise dazu. In einem Punkt ist er aber unangreifbar, und das ist die hervorragende Bespielbarkeit und Verarbeitung sowie das nicht alltägliche Erscheinungsbild. Ideal für Jazzer und Akustik-Bands.

Nachtrag 2005

Hm, nun ja, allerdings klingt er für Jazz schon etwas metallisch, oder zu wenig warm. Nun also die Schnapsidee: ich hätte doch mal gerne zum Wiederbeleben meiner instrumentellen Depression einen Fretless. Warum den BEX4C nicht seiner Bünde berauben und mal sehen hören, wie er dann klingt? Selbst wollte ich das aber nicht machen, denn für das Entfernen der Bünde hatte ich nicht das passende Werkzeug. Also lieber den Profi ran lassen. Der entfernte die Bünde und füllte die Bundschlitze penibelst mit Ahorn. Das gibt zwar helle Streifen an den bisherigen Bundpositionen, was ich bisher dann für einen Warmduscher-Fretless gehalten hätte, erleichert aber dem Gelegenheits-Fretless-Spieler die Grob-Intonation. Der Empfehlung zur Verwendung von Thomastik-Infeld-Flats folgte ich auch noch.

Das Ergebnis der Aktion ist überraschend, der Bass klingt nun wesentlich besser als mit Bünden, weil die beinahe 100%-ige Holzbasis des Instrumentes nun erst richtig klanglich zum Tragen kommt. Mit 75% Humbucker und 25% Piezo plus leicht zurück gezogenen Höhen hat der BEX4C Fretless einen schönen, warmen und runden Holzton mit gar nicht mal schlechtem Sustain. Reiner Humbucker-Betrieb hat schon fast etwas Kontrabass-Artiges an sich, schnurrt schön und hat von den paar Fretless-Modellen, die ich bisher hatte, den angenehmsten Ton und die beste Bespielbarkeit.

Hätte Yamaha vielleicht den BEX4C gleich als Fretless angeboten, wäre er konsistenter und passender gewesen. So ist schon seit einiger Zeit aus dem Programm. Aber ich habe jetzt einen schönen Fretless, der mir so richtig passt.

Bewertung:
Bespielbarkeit: 10 / 10
Sound: 8 / 10
Optik: 9 / 10
Preis/Leistung: 10 / 10

GESAMT: 9 / 10
 
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