| Fazit: |
Der
Yamaha BEX 4C ist ein Zwitter nach Art einiger e-akustischer Jazz-Gitarren:
ein Semi-hollow-Korpus mit Mittelblock, sowie Piezo- als auch
Magnet-Pickup, diese mischbar. Was ich wollte war ein Bass, der
einen akustischen Ton produziert, aber nicht die Beschränkung
auf nur Akustik hat, sondern auch rein elektrisch läuft. Als solchen
bietet Yamaha dieses Instrument seit 2002 an, in einer Form ohne
Piezo mit zwei Magnet-Pickups als Billy Sheehan Signature. Ein
stabiler, gepolsterter Hartschalen-Koffer mit viel Stauraum ist
auch dabei, bei Yamaha ab 500$ Instrumentenpreis heute Default.
Der Koffer ist natürlich schwerer als der Bass, der so bei
3,5kg liegen müsste.
Bauform: entsprechend einer Jazz-Gitarre ist der Bass ganz schön
groß, verglichen mit einem üblichen E-Bass. Ein wenig sperrig
ist er schon, aber wegen der eher geringen Korpustiefe geht es
noch gerade. Zwei obligatorische F-Löcher, Ebenholz-Bridge und
eine konventionelle Kopfplatte in 2x2-Konfiguration scheinen den
Begriff Bass-Gitarre zu rechtfertigen. Shapings gibt es nicht,
die Suche nach einer entspanten Spielhaltung endet, wenn man den
Unterarm nicht mehr auf die Korpuskante auflegt, sondern den Arm
auf's Top legt. Der vierfach geschraubte Hals hat eine flache
D-Form, mit 40mm am Sattel ist er nur geringfügig breiter als
ein Jazz Bass mit seinen 38mm, also in etwa einem Precision entsprechend.
Ebenso Fender-mäßig die gut verrundeten Schultern.
Trotzdem sieht der Hals breiter aus als er ist, erst beim Spielen
kommt fast wieder Fender-Feeling auf. Ein Korpushorn gibt es wegen
der Form nicht, also ist eine gewisse Kopflastigkeit am Gurt nicht
zu vermeiden. Auf dem Knie liegt er aber völlig ausgeglichen,
weil die Taille weit zum Hals liegt. Wegen der recht weit innen
sitzenden Bridge geht der Hals auch weiter hinaus, das Instrument
ist insgesamt eine gute Handbreit länger als übliche 34"-Longscale-Bässe.
Er sieht recht lecker aus, die Verarbeitung aller Teile ist makellos,
keine Lackfehler, perfekt abgerichtete und polierte Bünde, klaglos
arbeitende Tuner. Kurz: die gewohnte unglaubliche Yamaha-Qualität
und saubere Verarbeitung. Sogar Holzknöpfe hat man ihm spendiert,
Ebenholz wie die Bridge wäre ideal gewesen, aber immer noch besser
als Metall oder Plastik. Es ist auch das erste Mal, dass mir ein
Instrument aus dem Koffer kommt und der Sattel gut justiert ist.
Zwar habe ich noch zwei bis drei Zehntelmillimeter dazu gegeben,
notwendig war das aber nicht. Ein letzter Punkt, der mich verblüfft:
wieso intoniert eine so einfache Bridge- Konstruktion so perfekt?
Auch nach dem Nachstellen der Halsspannung oder Saitenwechsel
stimmt die Intonation. Wahrscheinlich ein alter Samurai-Trick.
Die Werkssaiten sind Roundwounds, aber ziemlich stumpf. Also als
Erstes runter damit, meine Fender Flatwounds neigen sich dem Ende
zu, muss ich nachbestellen. :-)
Im Lieferzustand ist die Saitenlage recht hoch, aber nicht zu
hoch eingestellt. Da ich es gerne etwas niedriger habe, an der
Bridge aber nicht herum feilen möchte, lege ich nach etwas Ausprobieren
drei Blättchen von Karteikarten a 6x2cm in das Halstaschenende.
Prompt stellt sich eine Super-Saitenlage ein, kein Unterschied
zu meinem Jazz Bass, nur dass die Bundierung und Hals-Verarbeitung
bei Yamaha ab Werk so gut ist wie bei Fender nach Investitionen
in Bünde-Egalisieren beim Gitarrenbauer. Flitze-Hals, Flitze-Saitenlage,
das Instrument macht Spass und drängt sich im Spielgefühl geradezu
auf. In den letzten Tagen hatte ich keinen anderen Bass in der
Hand, so gut spielt er sich. Resumee in der Mechanik: perfekte
Verarbeitung, gute Hardware, besonders die Bundierung ist als
perfekt zu bezeichnen.
Elektrik: der Hals-Pickup ist ein gesplitteter Humbucker, das
Signal geht auf einen Volumen- und einen Mix-Regler mit Mittenrasterung,
der das Piezo-Signal aus dem aktiven 3-Band-EQ dazu mischt. Der
Volumenregler ist ein wenig leichtgängig, aber akzeptabel.
Sound: der passive Magnet-Pickup allein klingt recht höhenarm,
wenn auch nicht wirklich stumpf, dafür aber mit satten Tiefmitten
(jedenfalls mit Flatwounds, mit Roundwounds klingt es sicher höhenreicher).
Ein gewisser Kontrabass-Sound ist mit den Flatwound-Saiten schon
heraus zu hören. Der Piezo fügt Höhen und Hochmitten dazu, wenn
auch etwas metallisch. Magnet- und Piezo-Pickup für sich allein
sind nicht der Knaller, die Mischungen beider liefern aber eine
enorme Palette von Sounds, von einem fast E-Bass-Sound bis zu
dem einer e-akustischen Gitarre. Letzterer Aspekt muss aber den
EQ einbeziehen, denn dieser erlaubt sehr weite Einstellungen und
muss auch sogenutzt werden, dann wird auch der Piezo-Sound allein
brauchbar. Das gesamte Sound-Spektrum ist schwer zu beschreiben,
weil ich es bisher von keinem Bass so gehört habe. Der Schwerpunkt
liegt aber eindeutig auf akustischen Sounds mit einem hellen Attack
vom Piezo und sattem Bass vom Humbucker. Der 3-Band-EQ bestimmt
die Art des Zumischens akustischer Anteile, somit ist er in der
Variabilität noch eine wichtige Stellschraube.
Das Thema Saitengeräusche und Dämpfen bekommt bei
Einsatz eines Piezo noch eine ganz neue Bedeutung, weil der
Piezo sehr empfindlich reagiert und auch Bundschnarren durch
unsauberes Greifen brutal deutlich im Sound präsentiert.
Deshalb ist der BEX an manchen Stellen gewöhnungsbedürftig.
Was war noch? Nun ja, das Einsatzgebiet des BEX 4C ist sicher
nicht das gleiche wie das eines reinen E-Basses, er ist ein
wenig ein Exot, aber weniger exotisch als ein reiner Akustik-Bass.
Er kann elektrische Sounds, seine Stärke sind aber E-Bass-Sounds
mit einer Piezo-Prise dazu. In einem Punkt ist er aber unangreifbar,
und das ist die hervorragende Bespielbarkeit und Verarbeitung
sowie das nicht alltägliche Erscheinungsbild. Ideal für
Jazzer und Akustik-Bands.
Nachtrag 2005
Hm, nun ja, allerdings klingt er für Jazz schon etwas
metallisch, oder zu wenig warm. Nun also die Schnapsidee:
ich hätte doch mal gerne zum Wiederbeleben meiner instrumentellen
Depression einen Fretless. Warum den BEX4C nicht seiner Bünde
berauben und mal sehen hören, wie er dann klingt?
Selbst wollte ich das aber nicht machen, denn für das
Entfernen der Bünde hatte ich nicht das passende Werkzeug.
Also lieber den Profi
ran lassen. Der entfernte die Bünde und füllte die
Bundschlitze penibelst mit Ahorn. Das gibt zwar helle Streifen
an den bisherigen Bundpositionen, was ich bisher dann für
einen Warmduscher-Fretless gehalten hätte, erleichert
aber dem Gelegenheits-Fretless-Spieler die Grob-Intonation.
Der Empfehlung zur Verwendung von Thomastik-Infeld-Flats folgte
ich auch noch.
Das Ergebnis der Aktion ist überraschend, der Bass klingt
nun wesentlich besser als mit Bünden, weil die beinahe
100%-ige Holzbasis des Instrumentes nun erst richtig klanglich
zum Tragen kommt. Mit 75% Humbucker und 25% Piezo plus leicht
zurück gezogenen Höhen hat der BEX4C Fretless einen
schönen, warmen und runden Holzton mit gar nicht mal
schlechtem Sustain. Reiner Humbucker-Betrieb hat schon fast
etwas Kontrabass-Artiges an sich, schnurrt schön und
hat von den paar Fretless-Modellen, die ich bisher hatte,
den angenehmsten Ton und die beste Bespielbarkeit.
Hätte Yamaha vielleicht den BEX4C gleich als Fretless
angeboten, wäre er konsistenter und passender gewesen.
So ist schon seit einiger Zeit aus dem Programm. Aber ich
habe jetzt einen schönen Fretless, der mir so richtig
passt.
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