| Fazit: |
Warwick
Streamer Stage 2, Viersaiter mit D-Tuner. (Dieser Bass schleicht
sich in deine Träume)
Zuerst stand er da beim Händler in der Reihe, zwischen all den
anderen Bässen. Gebraucht war er und trotzdem zeigte das Preisschildchen
eine Nummer, die deutlich über meinem angepeilten Level lag. Es
war Vormittag, der freundliche Mann vom Fach baute mir alles auf,
was ich zum ausgiebigen Testen benötigte; Amp, Stuhl, Kabel, Ständer.
Wenig Kundschaft, reichlich Zeit. Eigentlich klebt einem ja dieser
Fender-Nimbus im Hirn. "Will auch mal einen Fender Jazz-Bass besitzen."
Man wird dann mit dem, was man hat, einfach nicht mehr froh. Ich
weiß, das ist pubertär! Aber manchmal denkt man, man hat auch
nicht mehr sooo viel Zeit. Also her mit den Geräten, erst mal
ausprobieren. Angucken und Preisevergleichen bei Ebay macht nicht
glücklich und ungesehen kaufen ist mir dann auch zu riskant.
Der Warwick sprang mir fast von selbst zuerst in die Hände. Dann
die anderen - MusicMan, Ibanez, Yamaha, Fender, TexMex, Squire,
OLP, Esh - dann wieder der Warwick. Was ganz stark wirkt, ist
die Art, wie er sich an dich schmiegt, dir quasi seine Saiten
reicht, das ist unvergleichlich. Die Bodyform, (klingt jetzt nach
Lifestyle-Werbung!) die wegen dem Hohlrücken nirgends stört, der
angenehm abgerundete Umriß, der Auflagepunkt für den rechten Arm,
alles paßt so, dass die Finger von selbst auf die Saiten fallen.
Nochmal sorgfältig mit den anderen Geräten vergleichen; kann das
sein, dass man sich bei Fender keine Mühe mehr gibt? Sowas wirkt
danach wie ein verirrtes Regalbrett. Allenfalls die neuen Ibanez
SRX sind vergleichbar vom Komfort her.
Bedenkzeit wegen dem Preis, einmal darüber schlafen. Aber eigentlich
war es klar - dieser oder keiner. Allein der Anblick von hinten.
Der siebenstreifige Hals, durchgehend, einteilig mit der Kopfplatte
gefertigt, die in halber Tiefe liegende spaltlose Verbindung mit
dem Korpus. Der Streamer2 ist schwer, trotz den kompakten Maßen,
aber du spürst beim Anspielen der Saiten, wie er antworte, auch
ohne Verstärkung: der Ton steht, der Bass ist steif wie kein anderer.
Beim Preis war noch was drin, also gehört er jetzt mir. Deshalb
kann ich jetzt beim genüßlichen Betrachten die restlichen Eigenschaften
aufzählen: Goldhardware bester Güte, 24 breite Bünde aus Glockensilber,
in drei Ebenen verstellbare Brücke, im Korpus versenkte Saitenlagerung.
Security-Locks, zwei MEC-J-Tonabnehmer, aktive Klangregelung,
per Push-Pull-Poti abschaltbar. Goldhardware, Yin-Yang-Inlays
im Wenge-Griffbrett, verstellbarer Sattel mit Schrauben unter
den Saiten. Der Hals und die Kopfplatte bestehen aus vier Streifen
Wenge und drei Streifen Ovankol. Der Body besteht aus dem dunklen
Afzelia-Holz. Bienenwachs-Finish. Kein Hochglanz- Edelbass-Getue,
keine Schmuckholz-Auflagen. Ein ehrliches, extrem sorgfältig verarbeitetes
Stück Holz, gute Arbeit halt. Auf die Inlays hätte ich verzichten
können.
Zum Sound gibt es nur Gutes zu sagen. Die Klangfarbe vom akustischen
her ist knurrig-voll. Die Abnahme wirkt breitbandig, so dass vom
Kontrabass-Sound bis zum Slap alles einstellbar ist. Fender ist
abgehakt - mein Streamer wartet auf mich. Bleibt nicht mehr die
Frage, ob mir dieser Bass genügt, sondern umgekehrt.
Bei meinem Modell ist oben an der Kopfplatte unter der Stücknummer
die Zahl 91 eingeschlagen, so dass ich vermute, er stammt aus
dem Jahre 1991, was aber für den Zustand keine Rolle zu spielen
scheint. Der Korpus sieht noch sehr nach Handarbeit aus; leichte
Unregelmäßigkeiten in der Oberfläche, aber fantastische Fertigungsqualität.
Ich mußte 840.- EUR dafür berappen, was mich nicht gereut hat.
Der D-Tuner war dran, allerdings bringt er nach dem Umschalten
das E nicht mehr exakt zurück.
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