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Hoyer Jack Bass fretless (Korea, 2002)
Pillich Fredless?
Reviewer: Rainer Boettchers
Website: http://www.hoyer-guitars.com/basses/index.html
Typ: Elektrisch Magnet-PUs (4saitig)
Preis: 265,00 Euro (Neu)
Korpus: Linde, dreiteilig
Hardware: Vintage-Tuner, Guss-Bridge
Hals: Mahagoni
Griffbrett: Palisander fretless, Dot-Marks an den Flanken
Bundierung: keine, aber 24 Lagen
Pickups: 2 x Jass Bass (passiv)
Elektronik: Volume Neck/Bridge, Tone (passiv)
Fazit:

Meinen Guild Pilot hatte ich ja im Rahmen der Instrumenten-Bereinigung abgegeben. Nun wollte ich doch wieder einen bundlosen Bass, wegen e-akustischer Aktivitäten und als Zweitinstrument. Groß ist der Markt für Fretless-Bässe wohl nicht mehr, der Fender MIM Jazz Fretless entfiel wegen liniertem Griffbrett und falsch positionierten Flanken-Dots, gleiches gilt für die Yamaha-Bässe und auch für Ibanez. Der Rest am Markt war mir zu teuer. Auf den Hoyer stieß ich in einem Testbericht in G&B. Als er dann bei Art Of Sound für 265€ im Angebot war griff ich zu.

Auspacken erzeugte als Erstes den bekannten Yamaha-Effekt: einwandfreie Verarbeitung, sauber lackiert, sieht nicht wirklich billig aus. Dass der Fender Jazz Bass Pate gestanden hat ist nicht zu übersehen, lediglich die Kopfplatte und die Korpushörner weichen deutlich ab, der Koprus ist deutlicher Strat als Jazz Bass. Griffbrett-Breite am Sattel ist 40mm, im Vergleich zu 38mm beim Jazz Bass. Die Bridge ist deutlich massiver, aus Guss und funktioniert tadellos, nettes Detail: die Saiten können von innen eingehängt werden, man braucht nicht die ganze Saite beim Aufziehen durch das Loch zu ziehen. Die Verarbeitung ist einwandfrei, passgenaue Halstasche, ordentlich lackiert, keine schiefen Teile, Potis laufen weich und sahnig. Als erstes geht aber der Plastiksattel raus, ein Stück Vintage Bone nimmt seinen Platz ein, würde ich aber bei jedem Instrument machen. Der alte Sattel hatte noch reichlich Luft, die Saitenhöhe war recht weiträumig eingestellt. Nur 2 x 2 kleine Dots auf dem Griffbrett markieren die 12. und 24. Lage. An den Flanken dann komplette Dots (3, 5, 7, 9, 12 u.s.w.), exakt und korrekt positioniert. Die Tuner sind offene Vintage-Tuner unbekannter Herkunft, funktionieren jedoch einwandfrei. Der Stringtree sitzt etwas tief, ein paar Unterlegscheiben beheben das. Die Tuner sind namenlose offene Mechaniken, arbeiten aber spielfrei.

Nach Abnehmen des nicht gerade sehr geschmackvollen Pickguards stellt sich die Frage, warum Hoyer überhaupt ein Pickguard drauf gemacht hat. Der Korpus aus drei Teilen ist nämlich ohne Routings und sieht ohne dieses Plastikbrett deutlich besser aus. Auch die sauberen PU-Fräsungen und die Halstasche sprechen für ein Leben ohne Pickguard. Auch sieht man, dass der Hals noch ein ganzes Stück weiter in den Korpus geht als das Griffbrett. Ein wenig schwarzer Mattlack auf den Hals-Ausläufer, muss ich nur noch sehen, wie ich die Löcher der Pickguard-Schrauben ordentlich verschließe und den Lack sauber bekomme.

Mit neuem Sattel und kompletten Setup sieht die Sache mit der Bespielbarkeit auch schon anders aus. Ernie Ball Custom Flatwounds (Dank an Yeti) ersetzten die Roundwounds ab Fabrik. Die Saitenlage ist prima, weil recht niedrig einstellbar, somit ist das Griffbrett auch plan und ohne wesentliche Dellen. Ist übrigens ein 24-Lagen-Griffbrett, selten für bundlose Bässe. Ach ja, Griffbrett, ist eine Menge Palisander für das kleine Geld. Überhaupt ist das kein leichtes Instrument, wiegt fast das Gleiche wie mein Fender Jazz.

Erstes Anspielen fühlt sich gut an. Es ist weitgehend ein Jazz Bass-Hals, die 2mm mehr Breite am Sattel sind nicht zu spüren. Das Griffbrett ist recht flach, der Hals liegt so zwischen Preci-Prügel und Jazz-Bass-Rennbahn, der Jack Bass spielt sich nicht gerade mühelos, gerade mit 55er-Saiten nicht, aber man spürt das Instrument, man spielt es. Die Intonation ist sehr gut, ganz schön sattes Sustain für ein Instrument ohne Bünde und mit Flats. Linde als Korpus hatte ich auch noch nicht. Es sieht so aus als wenn Qualität und Verarbeitung des Holzes auch im Low-Price-Bereich inzwischen einen hohen Standard erreicht haben, da gibt es verarbeitungs-mäßig nix zu meckern, selbst wenn der Bass 500€ gekostet hätte. Hat er aber nicht. Trotzdem ist das Elektrikfach satt mit Graphitlack ausgepinselt und die Abdeckung mit Alufolie belegt. Punkt Halsverschraubung: legt man den Bass auf einen Tisch und zupft eine Saite an, merkt man wie gut die Resonanz zwischen Hals und Body ist. Diese Schlitzaugen haben ihre Lektionen mehr als gut gelernt.

Erstes Mal am Stöpsel. Da macht sich nun der Preis bemerkbar. Die Hoyer-Pickups sind nicht wirklich schlecht. Der Hals-PU liefert einen satten, tiefen und brummigen Sound. Der Bridge-PU ist ein ganz knurriger, sehr drahtiger und hochmittiger. Leider sind die Regelwege der beiden Volume-Potis ziemlich knapp, aber mit etwas Geduld kann man tatsächlich vom Kunterbass-Sound bis zum Jaco-Gezuppel alle Sounds erreichen, das ist schon sehr beeindruckend für die Liga, in der der Bass preislich spielt. Mit anderen, hochohmigeren Potis wird das günstiger, und was soll ich mit einem Instrument, an dem ich nichts verbessern kann? :-)) Also die Pickups sind für den Preis in Ordnung, als wirklich brauchbar würde ich nur den Hals-PU und die Summe Hals + Bridge-PU bezeichnen, der Bridge-PU allein ist kaum einsetzbar, zu körperlos, zu drahtig. Gut, dass ich noch zwei Fender-PUs in der Schublade habe, die kommen als nächstes zum Zuge. Leider sind die Hoyer-Pickups etwas schmaler als Standard-Jazz-Pickups, da muss ich warten, bis ich an Daddy's Oberfräse ran komme, die Pickup-Löcher müssen ein bis zwei Millimeter breiter sein.

Also erstens hat der Bass spieltechnisch Jazz Bass-Charakter, das wollte ich auch so. Verarbeitung und Materialien sind für den Preis mehr als in Ordnung, da könnte Hoyer auch mehr Preis ansetzen. Die Hardware ist auch 100% in Ordnung. Elektrik und Pickups sind verbesserungswürdig, da werden noch ein paar Investitionen anfallen, aber dann hat man ein prima Instrument. Erinnert mich irgendwie an meinen MIM Jazz Bass, der hat sich auch erst über die Jahre zu meiner #1 entwickelt.

Bewertung:
Bespielbarkeit: 9 / 10
Sound:8 / 10
Optik:8 / 10
Preis/Leistung:10 / 10

GESAMT:9 / 10
 
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