| Fazit: |
Meinen
Guild Pilot hatte ich ja im Rahmen der Instrumenten-Bereinigung
abgegeben. Nun wollte ich doch wieder einen bundlosen Bass, wegen
e-akustischer Aktivitäten und als Zweitinstrument. Groß ist der
Markt für Fretless-Bässe wohl nicht mehr, der Fender MIM Jazz
Fretless entfiel wegen liniertem Griffbrett und falsch positionierten
Flanken-Dots, gleiches gilt für die Yamaha-Bässe und
auch für Ibanez. Der Rest am Markt war mir zu teuer. Auf
den Hoyer stieß ich in einem Testbericht in G&B. Als er dann bei
Art Of Sound für 265€ im Angebot war griff ich zu.
Auspacken erzeugte als Erstes den bekannten Yamaha-Effekt: einwandfreie
Verarbeitung, sauber lackiert, sieht nicht wirklich billig aus.
Dass der Fender Jazz Bass Pate gestanden hat ist nicht zu übersehen,
lediglich die Kopfplatte und die Korpushörner weichen deutlich
ab, der Koprus ist deutlicher Strat als Jazz Bass. Griffbrett-Breite
am Sattel ist 40mm, im Vergleich zu 38mm beim Jazz Bass. Die Bridge
ist deutlich massiver, aus Guss und funktioniert tadellos, nettes
Detail: die Saiten können von innen eingehängt werden, man braucht
nicht die ganze Saite beim Aufziehen durch das Loch zu ziehen.
Die Verarbeitung ist einwandfrei, passgenaue Halstasche, ordentlich
lackiert, keine schiefen Teile, Potis laufen weich und sahnig.
Als erstes geht aber der Plastiksattel raus, ein Stück Vintage
Bone nimmt seinen Platz ein, würde ich aber bei jedem Instrument
machen. Der alte Sattel hatte noch reichlich Luft, die Saitenhöhe
war recht weiträumig eingestellt. Nur 2 x 2 kleine Dots auf dem
Griffbrett markieren die 12. und 24. Lage. An den Flanken dann
komplette Dots (3, 5, 7, 9, 12 u.s.w.), exakt und korrekt positioniert.
Die Tuner sind offene Vintage-Tuner unbekannter Herkunft, funktionieren
jedoch einwandfrei. Der Stringtree sitzt etwas tief, ein paar
Unterlegscheiben beheben das. Die Tuner sind namenlose offene
Mechaniken, arbeiten aber spielfrei.
Nach Abnehmen des nicht gerade sehr geschmackvollen
Pickguards stellt sich die Frage, warum Hoyer überhaupt
ein Pickguard drauf gemacht hat. Der Korpus aus drei
Teilen ist nämlich ohne Routings und sieht ohne
dieses Plastikbrett deutlich besser aus. Auch die sauberen
PU-Fräsungen und die Halstasche sprechen für
ein Leben ohne Pickguard. Auch sieht man, dass der Hals
noch ein ganzes Stück weiter in den Korpus geht
als das Griffbrett. Ein wenig schwarzer Mattlack auf
den Hals-Ausläufer, muss ich nur noch sehen, wie
ich die Löcher der Pickguard-Schrauben ordentlich
verschließe und den Lack sauber bekomme.
Mit neuem Sattel und kompletten Setup sieht die Sache
mit der Bespielbarkeit auch schon anders aus. Ernie
Ball Custom Flatwounds (Dank an Yeti) ersetzten die
Roundwounds ab Fabrik. Die Saitenlage ist prima, weil
recht niedrig einstellbar, somit ist das Griffbrett
auch plan und ohne wesentliche Dellen. Ist übrigens
ein 24-Lagen-Griffbrett, selten für bundlose Bässe.
Ach ja, Griffbrett, ist eine Menge Palisander für das
kleine Geld. Überhaupt ist das kein leichtes Instrument,
wiegt fast das Gleiche wie mein Fender Jazz.
Erstes Anspielen fühlt sich gut an. Es ist weitgehend
ein Jazz Bass-Hals, die 2mm mehr Breite am Sattel sind
nicht zu spüren. Das Griffbrett ist recht flach, der
Hals liegt so zwischen Preci-Prügel und Jazz-Bass-Rennbahn,
der Jack Bass spielt sich nicht gerade mühelos, gerade
mit 55er-Saiten nicht, aber man spürt das Instrument,
man spielt es. Die Intonation ist sehr gut, ganz schön
sattes Sustain für ein Instrument ohne Bünde und mit
Flats. Linde als Korpus hatte ich auch noch nicht. Es
sieht so aus als wenn Qualität und Verarbeitung des
Holzes auch im Low-Price-Bereich inzwischen einen hohen
Standard erreicht haben, da gibt es verarbeitungs-mäßig
nix zu meckern, selbst wenn der Bass 500€ gekostet hätte.
Hat er aber nicht. Trotzdem ist das Elektrikfach satt
mit Graphitlack ausgepinselt und die Abdeckung mit Alufolie
belegt. Punkt Halsverschraubung: legt man den Bass auf
einen Tisch und zupft eine Saite an, merkt man wie gut
die Resonanz zwischen Hals und Body ist. Diese Schlitzaugen
haben ihre Lektionen mehr als gut gelernt.
Erstes Mal am Stöpsel. Da macht sich nun der Preis bemerkbar.
Die Hoyer-Pickups sind nicht wirklich schlecht. Der
Hals-PU liefert einen satten, tiefen und brummigen Sound.
Der Bridge-PU ist ein ganz knurriger, sehr drahtiger
und hochmittiger. Leider sind die Regelwege der beiden
Volume-Potis ziemlich knapp, aber mit etwas Geduld kann
man tatsächlich vom Kunterbass-Sound bis zum Jaco-Gezuppel
alle Sounds erreichen, das ist schon sehr beeindruckend
für die Liga, in der der Bass preislich spielt. Mit
anderen, hochohmigeren Potis wird das günstiger, und
was soll ich mit einem Instrument, an dem ich nichts
verbessern kann? :-)) Also die Pickups sind für
den Preis in Ordnung, als wirklich brauchbar würde
ich nur den Hals-PU und die Summe Hals + Bridge-PU bezeichnen,
der Bridge-PU allein ist kaum einsetzbar, zu körperlos,
zu drahtig. Gut, dass ich noch zwei Fender-PUs in der
Schublade habe, die kommen als nächstes zum Zuge.
Leider sind die Hoyer-Pickups etwas schmaler als Standard-Jazz-Pickups,
da muss ich warten, bis ich an Daddy's Oberfräse
ran komme, die Pickup-Löcher müssen ein bis
zwei Millimeter breiter sein.
Also erstens hat der Bass spieltechnisch Jazz Bass-Charakter,
das wollte ich auch so. Verarbeitung und Materialien
sind für den Preis mehr als in Ordnung, da könnte Hoyer
auch mehr Preis ansetzen. Die Hardware ist auch 100%
in Ordnung. Elektrik und Pickups sind verbesserungswürdig,
da werden noch ein paar Investitionen anfallen, aber
dann hat man ein prima Instrument. Erinnert mich irgendwie
an meinen MIM Jazz Bass, der hat sich auch erst über
die Jahre zu meiner #1 entwickelt.
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