| Fazit: |
O. k.,
ich erwarb letztens den Mo´Bass von SWR. Zugegebenermaßen
ein Porsche unter den Bass-Tops, der nicht für jeden erschwinglich
erscheint oder auch erscheinen will. Ich kann das gut nachvollziehen.
In Verbindung mit einer einigermaßen vernünftig klingenden
Box ist man schnell mal 3500 "Teuros" los.
Nun denn, ich spielte zuvor über einen Marshall DBS 7400
mit 4x12er Box und einer 15er Peavey. Um es sofort zu sagen,
das Ganze klang irgendwie immer gleich. Es war gut und laut
und Rock´n Roll aber eben sehr wenig variabel.
Ich habe dann beim o. a. Dealer den Mo´Bass mit der 6 x 10er
Ampeg angetestet. Vom ersten Ton an lief mir ein Schauer über
den Rücken - echt wahr. Die Differenziertheit des Tones riss
mich fast von dem, mir zur Verfügung gestellten Hocker. Ich
spielte das Teil mit einem Yamaha TRB 6 JP an. Bekanntermaßen
hat das Instrument ein Piezo-Pickup, daher wechselte ich auf
einen etwas neutraleren Warwick Streamer. Nun, das Ergebnis
war eher noch beeindruckender. Der Bass wurde derart sauber
übertragen, dass man zunächst glaubt, dass eigene Bassspiel
habe sich extrem verschlechtert. Nach einiger Zeit und ein
wenig mehr Disziplin beim Erzeugen der Töne wurde ich aber
warm mit der Charakteristik des Amps. Er bietet, ohne zugeschaltete
Effekte,bereits ein derart variables Klangspektrum, dass eigetlich
für Effektprozessoren kaum noch Platz bleibt - glaubt man.
Bereits dass erste Antesten der einzelnen Effekte in der
Testbox des Geschäftes förderte ungeahnte Möglichkeiten zutage.
Das Gerät verfügt über einen Overdrive, einen Subwave, einen
Bass-Synth, einen EQ (parametrisch) und einen Chorus. Nun
ja, der Overdrive enttäuschte mich zunächst, als ich ihn jedoch
im Proberaum zuschaltete und etwas an den Reglern schraubte,
um festzustellen dass weniger oft mehr ist, waren Sounds von
Ampeg bis Marshall locker zu finden. Der Overdrive läuft,
so meine ich zumidest dem Schaltdiagramm entnommen zu haben,
über die Röhre der Vorstufe. Das Ganze geht von zarter, nasaler
Nuancierung bis hin zum fetten Brot für Heavy-Fans. Alles
ist drin.
Das Teil hat einen direkten Draht zum Bass-Synth, was die
Bearbeitung von overdriven Sounds noch interessanter macht.
Die Subwave-Section ist im Prinzip ein Octaver, nur besser
als die erwerbbaren Bodentreter. Differenziert überträgt das
Teil auch die Tiefe "H" Saite - groß!
Der Bass-Synth ist ein Wave-Shaper im besten Sinne. Hier
sind auch total abgedrehte, futuristische Soundfiguren drin.
Sehr komfortabel ist dabei die Bass/Synth-Mix- Funktion. Hier
können die zuvor gewählten Shapings, die man mit den Reglern
für Filter, Resonance und Envelope erarbeitet hat, so ausbalanciert
werden dass sie angenehm ins Ohr rauschen. Der Mo´EQ bearbeitet
dann nochmals die Summen - falls gewünscht - der zuvor beschriebenen
Effekte. Auch hier ist wieder ein parametrisches Teil am Werk.
Wer nun glaubt, pah´ ich habe den Sound doch schon vorher
so bearbeitet das er passt, wird sich wundern. Die Effektivität
des nachgeschalteten EQ, der als echter Effekt ausgelegt ist,
gibt nochmals eine Möglichkeit die Sounds der drei vorstehenden
Effekte zu veredeln. Also kein zusätzlicher Schnickschnack
sondern ein wirklich brauchbares Instrument um den Sound nochmals
effektiv an alle denkbaren Gegebenheiten anzupassen.
Nachgeschaltet ist dann der Chorus. Vergesst den Chorus-Sound,
den Ihr bisher über Bodentreter wie z. B. den CEB von Boss
erlebt habt. Das Ding ist Sahne. Er gibt, insbesondere bei
Fretless-Bässen die Tiefe, die Ihr wollt.
Er matscht nicht, er verrauscht nicht, er übertreibt nicht,
alles was man einstellt passiert und zwar vom ersten Millimeter
des Poties an. Mit dem Ding bin ich in meiner Band der König!!!
- dazu später mehr.
Dann folgt noch die Master-Section. Hier geht es um Bearbeitung
der Outputs. Es ist hier möglich, die FX-Section zu "bypassen"
(per Schalter) oder zu "blenden" (per Regler pro Kanal). Letzlich
gibt es noch die beiden Volume-Regler, die auch den echten
Stereo-Charakter des Amps wiederspiegeln. Hier ist die Lautstärke
für beide Kanäle einstellbar.
Der Clou ist aber, dass sich mittels eines kleinen Schalters
(Dual-Mode) die FX-Section auf einen Kanal beschränken lässt.
Mittels dieses Schalters lässt sich die FX-Section auf den
linken Kanal legen, der rechte Kanal fährt dann das cleane
Bass-Signal.
Auch hier sind wieder klangliche Effekte möglich, die man
vorher eher ins Reich der Träumer verbannt hätte.
Nun noch zu einem der entscheidenden Features des Mo´Bass
- der Aural Enhancer. Hier ist eine Räumlichkeit des Bass-Klangs
zu erzielen, die in der Bass-Top-Familie wohl ihresgleich
sucht. Richtig eingesetzt glaubt man manchmal im All zu spielen.
Daneben ist natürlich auch noch ein Limiter/Leveler vorhanden,
den ich als \"echten\" Compressor erfahren habe.
Was gibt es nun aus dem Echtbetrieb zu berichten. Ich habe
das Teil erst seit kurzer Zeit. Daher kann ich nur aus Proberaum-Sessions
berichten. Die erste Inbetriebnahme förderte zunächst ein
paar argwöhnische Blicke der Gitarreros zutage. Wie, kein
graphic EQ? Wieso ist´n das Blech so gebogen? Was´n das für´n
Reglerwirrwarr?
Nun, sofort beim ersten Ton waren alle lieb - ehrlich. Ich
habe in einer Lautstärke spielen können, die als nachbarfreundlich
bezeichnet werden kann und war trotzdem jederzeit präsent.
Auch das Aktivieren begrenzeter Leistungsreserven ergab eine
völlige Veränderung der vorherigen (Marshall) Situation. Alle
hörten sich noch.
Das völlige Aktivieren des Potenzials bietet sich aber nur
in Proberäumen über 2000 qm an, da man nur dann weit genug
von seinem Setup weg steht um nicht blutige Ohren zu riskieren.
Nun ja, der Sound in der Band ist auf jeden Fall ausgewogener
geworden. Man liebt also auch hier allseitig meinen Mo´Bass.
Differenziertheit und Durchsetzungsvermögen müssen hier einfach
nochmals erwähnt werden.
Und hier noch zu meinem Mo´Compressor - da ich hin und wieder
den Fretless-Bass einsetze erziele ich nun mit meinem schlichten
Hilfsmittel echte "Wows" und "Geils" der anderen Band-Members.
Es ist also so, als ob man über Nacht das differenziert Bassspiel
erlernt hätte. Lauter Anschlag ist lauter Anschlag und leiser
Anschlag ist leiser Anschlag. Die Sound-Variabilität sucht
seines gleichen.
Mit der erwähnten Ampeg SVT 610 HLF-Box klingt das Setup so
differenziert, dass ich bis an mein musikalisches Lebensende
nicht in der Lage sein werde, dass gesamte Potenzial zur Gänze
auszunutzen. Eine Frage stellt sich mir jedoch noch. Wie klingt
das Ganze mit zwei Ampeg SVT 610 HLF? Zurzeit bediene ich
noch meine alte 4x12er Marshall, die sich aber hervorragend
in das Setup einfügt, da sie in der Lage ist das Bassfundament
ein wenig zu erweitern.
Also ihr Bassisten: Ich weiß dass das beschriebene Teil teuer,
und wirklich teuer ist. Wer jedoch irgendwie in der Lage ist,
günstig so ein Teil zu erstehen, soll es tun!!! Das Top zahlt
sich derart aus, dass man den Spaß am Bassspiel neu entdeckt.
Nobbi
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