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SWR Mo´ Bass (Musik Jellinghaus (JMS) in Dortmund, 2002)
Mo´ Bass-Top von SWR
Reviewer: Nobbi
Bild: http://www.swrsound.com/products/proseries/mobass.html
Website: http://www.swrsound.com/products/ownersmanuals/MoBass_OM.pdf
Typ: Röhren-Vorstufe (Top)
Speaker: Ampeg SVT 610 HLF
Kanäle: 2
Preis: 1850 Euro (Neu)
Leistung: 400 Watt Sinus
Eingänge: passive and active Instruments Stereo Effects Loop Stereo Headphones
Ausgänge: Wet and Clean - Klinke und XLR, unsymmetrisch und symmetrisch, Tuner, Headphone
Effect-Loop: Parallel
Klangregelung: Parametrischer EQ f. Vorstufe, parametrischer EQ für FX-Section
Fazit:

O. k.,

ich erwarb letztens den Mo´Bass von SWR. Zugegebenermaßen ein Porsche unter den Bass-Tops, der nicht für jeden erschwinglich erscheint oder auch erscheinen will. Ich kann das gut nachvollziehen. In Verbindung mit einer einigermaßen vernünftig klingenden Box ist man schnell mal 3500 "Teuros" los.

Nun denn, ich spielte zuvor über einen Marshall DBS 7400 mit 4x12er Box und einer 15er Peavey. Um es sofort zu sagen, das Ganze klang irgendwie immer gleich. Es war gut und laut und Rock´n Roll aber eben sehr wenig variabel. Ich habe dann beim o. a. Dealer den Mo´Bass mit der 6 x 10er Ampeg angetestet. Vom ersten Ton an lief mir ein Schauer über den Rücken - echt wahr. Die Differenziertheit des Tones riss mich fast von dem, mir zur Verfügung gestellten Hocker. Ich spielte das Teil mit einem Yamaha TRB 6 JP an. Bekanntermaßen hat das Instrument ein Piezo-Pickup, daher wechselte ich auf einen etwas neutraleren Warwick Streamer. Nun, das Ergebnis war eher noch beeindruckender. Der Bass wurde derart sauber übertragen, dass man zunächst glaubt, dass eigene Bassspiel habe sich extrem verschlechtert. Nach einiger Zeit und ein wenig mehr Disziplin beim Erzeugen der Töne wurde ich aber warm mit der Charakteristik des Amps. Er bietet, ohne zugeschaltete Effekte,bereits ein derart variables Klangspektrum, dass eigetlich für Effektprozessoren kaum noch Platz bleibt - glaubt man.

Bereits dass erste Antesten der einzelnen Effekte in der Testbox des Geschäftes förderte ungeahnte Möglichkeiten zutage. Das Gerät verfügt über einen Overdrive, einen Subwave, einen Bass-Synth, einen EQ (parametrisch) und einen Chorus. Nun ja, der Overdrive enttäuschte mich zunächst, als ich ihn jedoch im Proberaum zuschaltete und etwas an den Reglern schraubte, um festzustellen dass weniger oft mehr ist, waren Sounds von Ampeg bis Marshall locker zu finden. Der Overdrive läuft, so meine ich zumidest dem Schaltdiagramm entnommen zu haben, über die Röhre der Vorstufe. Das Ganze geht von zarter, nasaler Nuancierung bis hin zum fetten Brot für Heavy-Fans. Alles ist drin.

Das Teil hat einen direkten Draht zum Bass-Synth, was die Bearbeitung von overdriven Sounds noch interessanter macht. Die Subwave-Section ist im Prinzip ein Octaver, nur besser als die erwerbbaren Bodentreter. Differenziert überträgt das Teil auch die Tiefe "H" Saite - groß!

Der Bass-Synth ist ein Wave-Shaper im besten Sinne. Hier sind auch total abgedrehte, futuristische Soundfiguren drin. Sehr komfortabel ist dabei die Bass/Synth-Mix- Funktion. Hier können die zuvor gewählten Shapings, die man mit den Reglern für Filter, Resonance und Envelope erarbeitet hat, so ausbalanciert werden dass sie angenehm ins Ohr rauschen. Der Mo´EQ bearbeitet dann nochmals die Summen - falls gewünscht - der zuvor beschriebenen Effekte. Auch hier ist wieder ein parametrisches Teil am Werk. Wer nun glaubt, pah´ ich habe den Sound doch schon vorher so bearbeitet das er passt, wird sich wundern. Die Effektivität des nachgeschalteten EQ, der als echter Effekt ausgelegt ist, gibt nochmals eine Möglichkeit die Sounds der drei vorstehenden Effekte zu veredeln. Also kein zusätzlicher Schnickschnack sondern ein wirklich brauchbares Instrument um den Sound nochmals effektiv an alle denkbaren Gegebenheiten anzupassen.

Nachgeschaltet ist dann der Chorus. Vergesst den Chorus-Sound, den Ihr bisher über Bodentreter wie z. B. den CEB von Boss erlebt habt. Das Ding ist Sahne. Er gibt, insbesondere bei Fretless-Bässen die Tiefe, die Ihr wollt. Er matscht nicht, er verrauscht nicht, er übertreibt nicht, alles was man einstellt passiert und zwar vom ersten Millimeter des Poties an. Mit dem Ding bin ich in meiner Band der König!!! - dazu später mehr.

Dann folgt noch die Master-Section. Hier geht es um Bearbeitung der Outputs. Es ist hier möglich, die FX-Section zu "bypassen" (per Schalter) oder zu "blenden" (per Regler pro Kanal). Letzlich gibt es noch die beiden Volume-Regler, die auch den echten Stereo-Charakter des Amps wiederspiegeln. Hier ist die Lautstärke für beide Kanäle einstellbar. Der Clou ist aber, dass sich mittels eines kleinen Schalters (Dual-Mode) die FX-Section auf einen Kanal beschränken lässt. Mittels dieses Schalters lässt sich die FX-Section auf den linken Kanal legen, der rechte Kanal fährt dann das cleane Bass-Signal.

Auch hier sind wieder klangliche Effekte möglich, die man vorher eher ins Reich der Träumer verbannt hätte. Nun noch zu einem der entscheidenden Features des Mo´Bass - der Aural Enhancer. Hier ist eine Räumlichkeit des Bass-Klangs zu erzielen, die in der Bass-Top-Familie wohl ihresgleich sucht. Richtig eingesetzt glaubt man manchmal im All zu spielen. Daneben ist natürlich auch noch ein Limiter/Leveler vorhanden, den ich als \"echten\" Compressor erfahren habe.

Was gibt es nun aus dem Echtbetrieb zu berichten. Ich habe das Teil erst seit kurzer Zeit. Daher kann ich nur aus Proberaum-Sessions berichten. Die erste Inbetriebnahme förderte zunächst ein paar argwöhnische Blicke der Gitarreros zutage. Wie, kein graphic EQ? Wieso ist´n das Blech so gebogen? Was´n das für´n Reglerwirrwarr? Nun, sofort beim ersten Ton waren alle lieb - ehrlich. Ich habe in einer Lautstärke spielen können, die als nachbarfreundlich bezeichnet werden kann und war trotzdem jederzeit präsent. Auch das Aktivieren begrenzeter Leistungsreserven ergab eine völlige Veränderung der vorherigen (Marshall) Situation. Alle hörten sich noch. Das völlige Aktivieren des Potenzials bietet sich aber nur in Proberäumen über 2000 qm an, da man nur dann weit genug von seinem Setup weg steht um nicht blutige Ohren zu riskieren.

Nun ja, der Sound in der Band ist auf jeden Fall ausgewogener geworden. Man liebt also auch hier allseitig meinen Mo´Bass. Differenziertheit und Durchsetzungsvermögen müssen hier einfach nochmals erwähnt werden. Und hier noch zu meinem Mo´Compressor - da ich hin und wieder den Fretless-Bass einsetze erziele ich nun mit meinem schlichten Hilfsmittel echte "Wows" und "Geils" der anderen Band-Members. Es ist also so, als ob man über Nacht das differenziert Bassspiel erlernt hätte. Lauter Anschlag ist lauter Anschlag und leiser Anschlag ist leiser Anschlag. Die Sound-Variabilität sucht seines gleichen.

Mit der erwähnten Ampeg SVT 610 HLF-Box klingt das Setup so differenziert, dass ich bis an mein musikalisches Lebensende nicht in der Lage sein werde, dass gesamte Potenzial zur Gänze auszunutzen. Eine Frage stellt sich mir jedoch noch. Wie klingt das Ganze mit zwei Ampeg SVT 610 HLF? Zurzeit bediene ich noch meine alte 4x12er Marshall, die sich aber hervorragend in das Setup einfügt, da sie in der Lage ist das Bassfundament ein wenig zu erweitern.

Also ihr Bassisten: Ich weiß dass das beschriebene Teil teuer, und wirklich teuer ist. Wer jedoch irgendwie in der Lage ist, günstig so ein Teil zu erstehen, soll es tun!!! Das Top zahlt sich derart aus, dass man den Spaß am Bassspiel neu entdeckt.

Nobbi

Bewertung:
Stabilität/Zuverlässigkeit:10 / 10
Sound:10 / 10
Bedienbarkeit/Features:10 / 10
Preis/Leistung:10 / 10

GESAMT:10 / 10
 
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