Box business
Jeder spielt sie, keiner gibt es zu. Patterns. Dabei schwören
einige Teacher auf dieses Prinzip, nämlich ihren Schülern
boxes an die Hand zu geben, Strickmuster, nach denen man
frei spielen kann, ohne sich um harmonische Prinzipien oder Tonleitern
wirkliche Gedanken machen zu müssen. Obwohl mir das prinzipiell
nicht liegt, möchte ich trotzdem das Verfahren kurz schildern.
Verwende ich aber nicht das Wort boxes, sondern lieber Patterns.
Es geht darum, aus der Betrachtung von Akkorden und Tonleitern vereinfachte
Muster abzuleiten, welche Noten innerhalb eines harmonischen Kontextes
verwendbar sind. Der Vorteil und zugleich Nachteil dieses Verfahrens
ist, dass man nicht unbedingt weiß, was man da gerade spielt.
Aber wie bei allen Schnellschuss-Verfahren, spielt das dann keine
große Rolle.
Was steckt dahinter?
Nix Neues. Patterns, oder boxes, sind in der Regel nichts
Anderes als die konsequente und sinnvolle Anwendung der Pentatonik.
In diesem Sinne ist dieses Kapitel auch nicht als revolutionäres
anzusehen, sondern als Vertiefung und weitere praktische Anwendung
der Pentatonik für den Bass. Erklärt auch die Position
im Index.
Ein Pattern ist also ein Muster, ein Kochrezept oder eine Webmethode.
Patterns sind nichts Neues, wir haben sie schon in anderen Artikeln
gesehen, aber nicht als solche benamst. Zum Beispiel so etwas:

Das hier ist so etwas wie ein Pattern über die pentatonische
Moll-Tonleiter in G, stammt aus einem anderen Kapitel. Es ist so
etwas wie ein Kochrezept: Man nehme die und die Bundpositionen,
und fettich ist die Blues-Tonleiter. Und noch mehr: man nehme das
Pattern und verschiebe es um zwei Bünde nach oben, und bekommt
die A-Blues-Tonleiter, oder exakter: pentatonisch A-Moll. Nicht
alle Patterns müssen fünf oder sechs Noten haben, viele
Standard-Patterns sind auf dem Bass viel kleiner, haben nur drei
oder vier Noten.
Das ist der Vorteil von Patterns. Hat man sie einmal intus, kann
man sie auf viele Positionen auf dem Griffbrett abbilden. Ist das
Pattern klein, wie hier zum Beispiel nur über drei Saiten,
kann man sie auf dem Viersaiter mindestens auf die E- und A-Saite
abbilden und so praktisch über die Lagen fast alle Tonarten
abdecken.
Wir wollen uns in diesem Kapitel ein wenig detaillierter mit Patterns
beschäftigen, die sowohl aus dem chordalen als auch modalen
Sumpf stammen. Solche Patterns sind ohne Zweifel hilfreich, weil
sie so etwas wie ein Rezept darstellen, das einem im Anfang die
Sache ein wenig leichter machen kann, und hinterher auch. Kann,
muss aber nicht. Mehr noch, durch Einüben solcher Patterns
setzen sich die Bewegungsabläufe in unserem Kleinhirn fest,
wie Knöpfe zumachen oder Schnürsenkel binden; da überlegen
wir auch nicht, was wir nun genau machen müssen und welcher
Finger sich wie bewegen muss. Geht einfach automatisch so, wenn
man es nur oft und intensiv genug geübt hat, und deshalb spielt
auch fast jeder im Grunde Patterns. Jaco hatte seine Patterns, Rainer
hat seine Patterns, Bernd hat auch welche. Auch Adam Nitti würde
es nicht zugeben ... 
Pattern und Leitern
Es ist wohl klar, dass jedes Pattern letztendlich auf eine Tonart
zurück geht, daher sind Patterns tonart-abhängig. In einer
Moll-Akkord-Umgebung hat die große Terz nichts zu suchen,
die kleine Septime ebenso i.d.R. nicht in Dur. Wisst Ihr ja schon.
Müssen wir also entscheiden, welche Tonart. Ja ja, es gibt
viele Leitern und Tonleitern. Wir reduzieren hier die Sicht auf
Dur und Moll, Ionisch und Äolisch. Man könnte für
andere Leiterarten, Modes oder Stammtonleitern, solche Patterns
bauen. Also nur zu.
Moment, sind Patterns immer leiter-abhängig? Nicht wirklich
alle, wenn die tonart-bestimmenden Noten gar nicht drin sind. Fangen
wir mit diesen Hybriden an.
No triad, no cry
Die beiden Intervalle, in denen sich Dur und Moll am deutlichesten
unterscheiden, sind die Terz und die Septime. Die Sexten auch, aber
die liegen eher in der Mitte und haben so nicht die Spannungsbedeutung
wie gerade die Septimen. Die Terz ist wichtig durch die Moll- und
Dur-Prägung, die Septime im Leitton-Bereich. Sind diese in
einem Pattern gar nicht enthalten, kann da auch nichts Schlimmes
passieren.
Quint-Pattern
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Leiter-neutral |
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Dies ist die Ausgangsbasis für alle neutralen Patterns,
der Grundton, die Quinte und die Oktaven beider dazu. Nur ganz
wenige Tonleitern haben keine reine Quinte im Repertoire, daher
ist dieses Pattern das wohl universellste überhaupt. |
Neben der Quinte gibt es noch ein weiteres Intervall, das in den
meisten Leitern enthalten ist, nämlich die Quarte:
Quart-Pattern
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Weitgehend Leiter-neutral |
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Ergänzt durch die reine Quarte ergibt sich ein erster
Verdacht darauf, was die Patterns auszeichnet: geometrische
Symmetrie. Was denn der Sinn der ganzen Übung ist, sich
diese Spielmethoden wegen ihrer konstanten Bildungsregeln
leicht merken zu können.
Da die Quarte nicht wirklich tonart-prägend ist, bietet
sie sich eher als Durchgangston an. Immerhin aber schon vier
Noten. Grundton und Quinte als tragende Intervalle, die Quarte
als Durchgangsnote und Colorierung.
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Ist da noch mehr? Leider nicht, denn alle anderen Intervalle sind
tonart-prägend, nicht weitgehend Leiter-neutral. Hm, das heißt,
wenn man es genau betrachtet ... die große Sekunde, die kommt
doch auch in vielen Leitern vor, und ist keine Terz ...
245-Pattern
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Weitgehend Leiter-neutral |
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Jetzt sind es schon fünf Noten. Die große Sekunde
ist, wie die Quarte, in der überwiegenden Zahl von Tonleitern
enthalten, daher auch relativ ungefährlich. Und zusätzlich
passt sie gut in's Bild, alle Noten liegen auf der jeweiligen
Saite zwei Bundabstände auseinander. Öh, fast alle.
Da auch die Sekunde nicht gerade Tonart-tragend ist, ist
sie wie die Quarte mehr Durchgangsnote. Aber der Schwerpunkt
des bassistischen Wirkens liegt ja eh mehr auf dem Grundton,
eventuell gestützt durch die Quinte.
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So, das war es jetzt aber tatsächlich. Mehr ist nicht drin,
alle anderen Intervalle sind zu stark an Tonarten gebunden, und
würden im falschen Zusammenhang mit anderen Tonarten Kollisionen/Dissonanzen
bewirken. Aber immerhin hat die Sache etwas Form bekommen: Patterns
bilden sich symmetrisch und sind auch für den Doofsten zu merken.
Auch für sturzbetrunkene Blues-Bassisten. 
Moll-Patterns
<YODA MODE>Werden wir Tonart-bezogen nun</YODA MODE>.
Natürlich brauchen wir nicht von vorne anzugangen, unsere
Basis-Patterns sind für Moll = Äolisch als Grundlage geeignet,
denn war ja nix Modales drin. Was wir nun hinzufügen können,
sind die beiden Moll-Intervalle, zuerst die Terz und dann die kleine
Septime:
Moll-Pattern
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Äolisch = Moll |
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Nee, Moment, das ist zwar theoretisch korrekt, aber da haben
wir den Gedanken des Patterns aufgegeben. Da kann man ja gleich
nur Tonleitern nehmen.
Arrangieren wir das etwas um und sparen uns auch die Sekunde,
die bringt uns ja so wie so nur Durchgangs-Qualitäten,
mit der Terz und der Septime haben wir zwei bessere Intervalle
für Farbigkeit im Angebot:
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Ah ja. Da entsteht wieder ein Pattern, das man sich leicht
merken kann. Da sind wieder die Zweierabstände und die
gewünschte Symmetrie. Prima. Ein bischen hin- und herrutschen
gibt es dazu, das lockert manche Linien doch erheblich auf.
Die tiefergelegte Septime liefert gute Spannungsbögen
zum Grundton.
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Selbst wenn wir noch weitere Oktaven der Intervalle hinzu
nehmen, bleibt die Symmetrie erhalten und man kann die Noten
frei von der Leber weg durch spielen. Alles, was notwendig
ist, ist das Lokalisieren des Grundtones, danach ist die Zwei
als Führungsgröße Leitlinie und Sicherheitsgurt
zu gleich.
Nicht, um sich die harmonischen Grundlagen ernsthaft zu ersparen,
sondern als Routine-Unterstützung
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Das Gleiche für Dur
Geht das für Ionisch = Dur auch? Versuchen wir es. Beginnen
wir wieder mit unseren neutralen Patterns.
Dur-Pattern
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Ionisch = Dur |
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Ausgangspunkt. Alles auch in Dur enthalten. Was prägt
die Dur-Leiter? Die Dur-Terz und die große Septime.
Packen wir dazu:
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Nett, aber wenig hilfreich. Ein symmetrisches Pattern ist
das ja wohl kaum. Und tatsächlich lässt sich die
Dur-Form nicht in ein einfaches Pattern bringen. Das liegt
an der Quarte und der Septime mit ihren Halbton-Abständen
zur Terz und zur Oktave. Was tun?
Wie in der Mathematik: stellen wir die Formel ein wenig um,
dividieren hier, subtrahieren dort, verschieben da. Die Quarte
ist eh nur wieder Durchgangsnote gewesen, schmeißen
wir sie raus. Die große Sexte dient uns als Ersatz für
die Septime, denn sie ist in Moll nicht enthalten, ist eine
Dur-Komponente. Und bekommen dann:
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Jau, das ist wieder ein übersichtliches Zweier-Pattern,
wir wir es wollten. Zwar fehlt uns hier die spannungsreiche
große Septime, dieses Bauernopfer nehmen wir aber gern
wegen des Gewinnes an Übersichtlichkeit hin.
Weiten wir dann noch das Muster wie auch in der Moll-Thematik
aus:
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Und, voilá, ein über das ganze Griffbrett reichendes,
zweier-konstantes Pattern, wenn auch mit geringen harmonischen
Verlusten.
Lassen sich also beide, Moll- und Dur-Pentatonik, in solche
Patterns umsetzen. Die jetzt nur noch merken und man ist für
jeden noch so lange dauernden Proberaum-Blues gerüstet,
ob Dur oder Moll, alles kein Thema. Pentatonik sei Dank.
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Und mit etwas Phantasie kann man mit solchen ausgedehnten Patterns
noch abgebrühteste Keyboarder am Ende des Stückes geringfügig
beeindrucken (am Ende des Laufes nicht vergessen ein unberührtes
Gesicht aufzusetzen, sich wortlos umzudrehen und an seinem Amp herumzudrehen):

Even more patterns ...
Chutt. Gibt es noch mehr Patterns, die man sich vielleicht merken
sollte? Die vielleicht in irgendeiner Situation günstig in
der Tasche zu haben sind? Klar, auch wenn es nicht so offensichtliche
Muster sind, aus Akkorden kann man sich noch ein paar weitere Patterns
ableiten, immer wieder gut zu gebrauchen. Manche ganz praktisch,
manche mehr zum Improvisieren oder um in den Probepausen herum zu
daddeln und sich bei den Mitspielern unbeliebt zu machen.
Zählen wir sie einfach auf, unsorted, unpaid for.
Noch mehr Patterns kann man sich aus gängigen Akkord-Mustern
leicht selbst zusammen zimmern. Und sich vielleicht ein paar davon
etwas mehr zu eigen machen als andere.
Fazit
Obwohl ich in der amerikanischen Literatur ein paar Beispiele gefunden
habe, wo Lehrer einfach nur solche Patterns an Schüler weiter
geben und ihnen damit in kürzester Zeit Erfolgserlebnisse verschaffen,
würde ich dieses Verfahren nicht für den Königsweg
halten. Sich aus den bestehenden Kenntnissen sein Konglomerat an
Techniken heraus zu picken, ist ok. Man sollte jedoch wenigstens
noch halbwegs wissen, was man da tut. Andernfalls kommt man schnell
zu einem Stop, und nicht mehr weiter. Im Sinne von: ich kann zwar
einen Sandkuchen backen, aber bei Marmorkuchen bin ich überfragt.
Ansonsten ist das Kapitel Pattern ein netter Beweis für die
Nützlichkeit und Flexibilität der pentatonischen Leitern
und den darin befindlichen günstigen Intervall-Abständen.
Es lohnt sich daher, die Basis- und erweiterten Patterns für
Dur- und Moll-Pentatonik einzuüben, über sie zu improvisieren
und in seine angestammten Bewegungsabläufe zu integrieren.
Im Bereich Double Stops lassen sich noch weitere nützliche
Patterns aus Akkorden und Akkordformen destillieren. Dies dann alternativ
zu den Penta-Patterns für Fills und solistische Einlagen. Wer
im Bereich Double Stop-Patterns noch weiter fündig werden möchte,
schaue bei Mark King, Stu Hamm und Stanley Clarke vorbei. Und grüßt
sie schön von mir ...
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