Medizinisches, aber auch Praktisches
Machen wir einen kleinen Ausflug. Neben Skalen, Akkorden,
Sounds und Instrumenten gibt es nämlich noch einige Punkte,
die man sich mal zu gegebener Zeit zu Gemüse Gemüte
führen muss. Und zwar, weil oft Probleme beim Spielen,
unsauberes Spielen und auch gesundheitliche Probleme mit Sehnen
und Gelenken darin ihre Ursachen haben, dass man sich als
Autodidakt schlechte Angewohnheiten eingehandelt hat.
Erinnerungen an die frühen Zeiten
Noch heute wache ich gelegentlich nachts schweiß-gebadet auf,
höre schräg hinter mir die damaligen scharfen Worte meines
Gitarrenlehrers: "Hand gerade!", "Was macht denn wieder
der Daumen da?", "Nicht diesen Kasperle-Griff!!!". Die
erfahrenen Lehren der klassischen Gitarre, besonders was die Themen
Handhaltung, Körperhaltung und Fingertechnik angeht, mögen
heutigen SadoMaso-Bassisten und Metal-Jüngern obskur erscheinen,
jedoch: so manches mechanische Problem im Spielen und auch Verletzungen,
die sich dabei mit entsprechender Disposition einstellen, könnten
vermieden werden. Anweisung an die Suchmaschine: Sehnenscheiden-Entzündung,
Carpal Tunnel Syndrom/Tendonitis, Repetitive Strain Injury (RSI). Nebenbei
bemerkt: etwas komplexeres, ausgefeiltes Spiel erfordert auch eine gewisse
Disziplin in den Techniken.
Wenn spätestens eine Stunde nach Beginn der Probe die
Greifhand schmerzt, die Schulter verspannt ist oder einfach
jede Kraft aus den Griffeln gewichen zu sein scheint, ist
es Zeit für Rechte-/Linke-Hand-Themen. Viele Lehrer legen
deshalb von Anfang an gesteigerten Wert auf Handhaltung und
Fingereinsatz, was dann die Schüler so nervt wie die
Ermahnungen in der Schule, doch etwas leserlicher zu schreiben
und Gleichungen kästchengerecht auf das Blatt zu kritzeln.
Wie im Leben so üblich, kommt der Sinn solcher Regeln
erst dann zum Tragen, und wird dann auch eingesehen, wenn
es ohne diese Regeln eigentlich schon zu spät ist, sich
die Krücken und schlechten Angewohnheiten schon tief
in das mechanische Gedächtnis eingegraben haben und man
sie nur schwerlich wieder los wird.
Widmen wir uns zuerst der Greifhand, dem empfindlichsten
Teil der Geschichte. Die Sache ist einfacher als es scheint,
ein paar Regeln reichen, und etwas Aufmerksamkeit. Es lohnt
sich aber, weil man sich weniger im Wege steht. Warum, wird
hoffentlich bei den kommenden Zeilen verständlich. Vielleicht
finde ich noch einen Mediziner, der uns dann das Wie und Warum
en detail beschreiben kann. Bis dahin: Erfahrungen.
Greifhand-Techniken
Hinsichtlich der Belastung liegt das Gros beim Bass in der
Greifhand. Die Hand wird durch mehrere Faktoren belastet,
nämlich:
- Kraft-Belastung durch Saitendicke und -Spannung
- Bewegungs-Belastung
- Wechsel zwischen Greifen und Dämpfen
- Streckung durch lange Mensuren und vorwiegendes Spiel
im unteren Halsbereich
Neben der Belastung durch Bewegung kommt aber noch etwas
hinzu, das belastet: die Nicht-Bewegung, die Statik, indem
der Arm der Greifhand in kaum veränderter Position verbleibt.
Denn dazu ist es notwendig, dass die Muskulatur den Arm stützt,
so genannte isostatische Belastung/Spannung. Die menschliche
Hand ist ein ungeheuer komplexes System aus Sehnen, Knochen
und Gelenken, angetrieben aus einer Muskulatur, die überwiegend
im Unterarm liegt. Daher treten, wenn Überlastungen in's
Spiel kommt, Beschwerden im Unterarm verstärkt auf. Die
Qual durch statische Belastung betrifft aber wieder die Schulter-
und Rückenmuskulatur, daher die Kreuz- und Rückenschmerzen
bei langem Stehen mit fast 5kg um den Hals.
Um nun erst einmal die Hand zu entlasten und seine Kraft
ökonomisch zu nutzen, gibt es einige wenige, aber wichtige
Regeln, die mit der Greifhand zu beachten sind. Als Belohnung
hält die Kraft länger, und auch die Bewegungen werden
schneller und weniger fehleranfällig. Allerdings unter
einer Bedingung, wie sie auch im Sport gilt: Belastbarkeit
und Kraft in der Muskulatur ergeben sich nur durch möglichst
gleichbleibendes, in entsprechenden Grenzen durchgeführtes
Training.
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Fangen wir damit an, wie es nicht sein sollte: diese
Handhaltung ist der oben angesprochene 'Kasperle-Griff'.
Immer wieder zu beobacheten, gerade bei Gitarristen,
wo der Daumen um den Hals herumgreift. Diese Handhaltung
hat direkt mehrere Mankos:
- Die Finger stehen in einem flachen Winkel auf den
Saiten, daher ist sauberes Greifen der einzelnen Saiten
schwierig, man schmiert auf den oberen, nicht
aktiven Saiten. Nebengeräusche kommen hinzu.
- Die Spreizung der Finger (Streckung) funktioniert
wenig.
- Es findet eine Verkrampfung im Handgelenk und im
Oberarm statt, der Arm steht nahe am Körper und
ist in seiner Bewegung beeinträchtigt.
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| Nun, wie es idealerweise aussehen sollte. Die Finger
kommen in einem steilen Winkel auf Saiten und Griffbrett,
die Spannung im Handgelenk ist stark vermindert, das Handgelenk
fast gerade, der Arm kann freier agieren, die Hand hat
Raum für Streckung. |
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Frage: wie kommt man zu dieser Handhaltung? Idealerweise,
indem man sie so von Anfang an beim Erlernen des Instrumentes
verinnerlicht. Hat man sich schon eine schlechte Handhaltung
eingefangen, muss das Gehirn diese neue, veränderte Handhaltung
erst erlernen und die alte Haltung verlernen. Das braucht
zum einen Zeit, und es erfordert, dass man die neue Haltung
ganz bewusst und gezielt einübt. Ein paar Details sind
wesentlich und sollten daher ganz gezielt beachtet werden:
| Grundvoraussetzung für eine 'gesunde' Handhaltung
ist, dass der Daumen der Greifhand auf der Rückseite
des Halses, in etwa in der Mitte liegt. Dadurch ergibt sich nicht nur ein günstiger
Freiheitsgrad für die Finger, sondern auch ein maximale
Kraft-Verfügbarkeit! |
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Schritt #1 ist es, die Hand locker zu bekommen und
diese Grundhaltung dann bei zu behalten und auf das
Greifen zu übertragen.. Daher sollte man als ersten
Ansatz diese lockere Handhaltung einnehmen und so die
Hand auf den Hals führen. Der Daumen landet auf
der Halsrückseite, so dass sich die Handhaltung
vom ersten Bild quasi automatisch einstellt.
Achtung mit dem Handgelenk, es sollte wenig angewinkelt
sein. |
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| Eine kleine Übung, die diese Funktionalität
verstärkt und auch der notwendigen Kraftentwicklung
dient: den Daumen seitlich entspannen und einzelne Übungsläufe
(z.B. aus dem Bass Practice
Book) ohne Daumen durchführen. Zuerst sehr ungewohnt,
aber gerade solche Übungen nehmen unsere Koordination
sehr in Anspruch und vertiefen den Lern-Effekt. |
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| Auch beim besten Bemühen ist es möglich, aus
der guten eine schlechte Haltung zu machen: hier die Sicht
des Winkels zwischen Arm und Hals optimal. Einmal sieht
man, dass der Daumen den ersten beiden Fingern gegenüber
zu liegen kommt: optimale Kraft. Und die unterschiedlichen
Fingerlängen werden kompensiert. Das Handgelenk ist
wenig abgewinkelt. Alles paletti. |
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| So wiederum sollte es nicht sein! Das Handgelenk
ist stark gewinkelt, die Sehnen auf dem Weg in den Oberarm
werden innerhalb des Handgelenkes stark belastet. Tendonitis
droht, oder Carpal Tunnel. Und die Muskulatur verkrampft
sich zusätzlich, weil viel Kraft in den Sehnen für
die Dehnung und Umlenkung verbraten wird. |
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| Weil: diese Handhaltung ermöglicht eine
verführerisch weite Streckung der Finger und damit
eine große Reichweite. Für das Gelenk und die
Sehnen aber ist das alles andere als gut. Also nich' machen
... permanent, meine ich ... |
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Eine entspannte Greifhaltung liefert aber mehr als nur Schonung
für Muskeln und Sehnen. Sie ermöglicht auch große
Greifweiten, Voraussetzung für die One-Finger-Per-Fret-Methode,
und schafft optimale Kraftentwicklung.
Nicht zu unterschätzen ist der Aufwand, sich schlechte
Angewohnheiten wieder ab zu gewöhnen, wie Rauchen, Trinken
oder in der Nase-Bohren. Üben sollte man das Greifen
gezielt und gerade zu gymnastisch.
Fingersätze
Oh oh, kritisches Thema. Zwei sind die gängigen, der
erste ist auch als Kontrabass-Satz (KBS) bekannt, der
zweite als One-Finger-Per-Fret (OFPF). OFPF ist verständlich
und das, was oben auf den Bildern zum Ausdruck kommt, in einer
Lage ist jeweils ein Finger für den Bund Lage + n zuständig.
Der Vorteil dieses Fingersatzes ist, dass man pro Lage mindestens
vier, in höheren Lagen sogar fünf oder sechs Bundpositionen
im Zugriff hat ohne die Handposition verändern zu müssen.
Ich würde OFPF als das Idealziel ansehen. Allerdings
scheitern Beginner sehr leicht und sind frustiert. Warum?
Einfach deshalb, weil die am meisten benutzten Finger unserer
Hand der Daumen und der Zeigefinger sind. Und deshalb haben
sie aus dem Alltagsgeschäft schon die beste Kraftentwicklung.
Die nächstbelasteten Finger sind der Mittelfinger und
der kleine Finger. Aber mal beobachtet, wie oft man tagtäglich
den Ringfinger nutzt? Kaum. Selbst wenn man versuchsweise
mal etwas in die Hand nimmt und zu drückt, wird man fest
stellen, dass der Ringfinger wenig Druck bringt. Und da liegt
das Handicap. Wie kann man das ändern? Durch Üben
... Bass Practice Book,
One-by-one und Chromatics up. Täglich dreimal
nach den Mahlzeiten, das über sechs Monate und das Problem
ist gegessen. Wem das zu unmusikalisch ist, kann auch jede
beliebige Leiter nehmen, so lange vier Finger in einer Lage
zum Einsatz kommen.
Als Beispiel: man nehme G-Dur in der 3. Lage und improvisiere
sich einfach konstant in Vierteln durch diese Leiter. Könnte
man sogar im Office unter dem Schreibtisch machen, mit einem
breiten Lineal in der Greifhand, sozusagen bass-less
practicing ... 
Alternative: KBS. Der sogenannte Kontrabass-Fingersatz nutzt
nur Zeigefinger, Mittelfinger und kleinen Finger, spart den
Ringfinger also aus. Bei den Kräften, die bei einem Kontra
zum Greifen notwendig sind, auch nicht unverständlich.
Was aber heisst, dass eventuell mehr Lagenwechsel und Umgreifen
notwendig ist. Und es fehlt ein Finger für mehr Geschwindigkeit.
Muss man sich also entscheiden. Oder situationsbedingt mal
die eine, mal die andere Form.
So weit zur Greifhand. Bevor wir zu den näxten Themen
übergehen, sei an dieser Stelle eine Problematik erwähnt,
die für beide Hände gilt: Unabhängigkeit der
Finger in ihrer Bewegung. Diese Frage verschieben wir aber
auf einen folgenden Absatz, wo es um den Anschlag geht, da
können wir das in einem Rutsch durchziehen.
Stehen, Sitzen, Liegen
Mit so einem richtig fetten, gut klingenden Instrument hat
man ja nun seine fast 5kg um den Hals hängen. Für
90 Minuten Auftritt nicht so das Hauptproblem, das entsteht
erst dann, wenn man lange im Proberaum herum steht. Proben
von 4 Stunden habe ich auch schon hinter mir. Spätestens
nach zwei Stunden fängt es dann an zu schmerzen, in den
Schultern und der unteren seitlichen Schultermuskulatur, im
Lendenwirbelbereich, wobei auch die Statik dazu kommt, man
sich wenig bewegt.
 Eine
Möglichkeit ist es, bei der Probe gelegentlich zu sitzen.
Ich persönlich spiele aber auch nicht gern im Sitzen,
vor allen Dingen, wenn man zu tief sitzt. Möglichkeit
Nummer Eins, für Bassisten geradezu undenkbar, aber möglich:
ein Schlagzeug-Hocker. Diese kann man nämlich verstellen
und seiner optimalen Sitzhöhe anpassen, auch so hoch,
dass die Oberschenkel zum Boden hin leicht abfallen. Diese
Position ist deshalb günstig, weil man dadurch nicht
so über dem Instrument hängt, und der Gurt bleibt
dran.
Günstiger,
besser, und störungsfreier im Spielbetrieb sind sogenannte
Stehhilfen. Diese gibt es als Hausfrauen- und Hausmänner-Support
gelegentlich günstig in Supermärkten oder Warenhäusern.
Vorteil ist, dass man an der Kopfposition wenig verändert,
und auch während des Spielens sich einfach ohne Unterbrechung
mal etwas ausruhen kann.
Gute Stehhilfen können leicht 30 oder 40€ kosten,
für arme Musiker und für diesen Zweck vielleicht
schon zu viel. Mein Teil habe ich in einem Möbelhaus
gefunden, sieht aus wie Fahrradsattel auf einem Rohrgestell,
erfüllt aber völlig seinen Zweck.
Das Standrohr meiner Stehhilfe ist allerdings wesentlich
höher als in diesem Bild, ich weiss aber nicht, ob IKEA
das Teil noch im Programm hat. Jedenfalls verschaffen Stehhilfen
schon eine ganz erhebliche Entlastung des Rückens.
Obwohl eigentlich ein anderer Punkt hätte schon vorher
kommen müssen, oft unterschätzt, das Stiefkind in
der Equipment-Sammlung vieler Musiker: der Gurt. Was da so
an Plastikstreifen oder als Gurte für Bass missbrauchte
Gitarrengurte verwendet wird, geht auf keine Kuhhaut. Dabei
spielt der Gurt eine primäre Rolle, wie wohl man sich
mit seinem Instrument beim Spielen fühlt. Abgesehen von
Rückenproblemen entscheidet der Gurt auch über
Instrumenten-Position und -Verhalten, es kann sogar so weit
gehen, dass ein unpassender Gurt zu Problemen in den Armen
führt, weil die Arme das ausgleichen müssen, was
der Gurt tun sollte, aber nicht tut. Diese Lernkurve habe
ich auch hinter mir, das Thema aber vor einem Jahr oder so
abgehakt und mir endlich einen guten, stabilen Gurt zugelegt.
Aussehen ist Geschmackssache, folgende Kriterien nicht:
- Breite des Gurtes mindestens 6 cm, besser noch 8 cm.
- Das Material Leder ist vorzuziehen, Innenseite immer Rauhleder
oder mindestens aufgerauht. Am besten der ganze Gurt aus
Wildleder.
- Polsterung im Schulterbereich ist Muss, so dick wie möglich.
- Der Gurt soll ohne Werkzeug und ohne Abmontieren von
Straplocks in der Länge verstellbar sein.
- Ihr spielt ein schweres Instrument, das Gesamtgefühl
des Gurtes sollte
dem einfach entsprechen.
Mein Gurt ist aus Ibbenbüren, 8 cm breit, helles Wildleder
und einfach super bequem. Den Preis will ich auch nicht verheimlichen,
denn unter 30 bis 35€ bekommt man keinen vernünftigen
Gurt. Aber so etwas ist eine Anschaffung für's Leben,
und für die Gesundheit und Bequemlichkeit sollte so etwas
einmal drin sein. Vor Jahren gab es auch einmal einen Gurt,
der kreuzförmig mit zwei Teilen aufgebaut war und die
Belastung besser verteilte, ähnlich so einem Trageriemen,
den die Leute in Spielmannszügen mit ihrer großen
Trum verwenden.
So ein Punkt fehlt uns noch, dann sind wir durch.
Anschlag
Für diejenigen, die eh' mit Plec spielen (wollen/müssen/dürfen)
verweise ich auf diesen Artikel, da findet sich reichlich Info über
das Plektrum. Für die Finger-Bassisten kommen die Sachen
Fingering und, als kleinen Nebenkriegsschauplatz, Nagelpflege
in Betracht.
Picking and Fingering
Der Anschlag mit einem Finger hat seit den 60er Jahren an
Bedeutung verloren, die heutigen Bassisten nutzen meist den
Anschlag mit zwei oder auch drei Fingern. Wer meint, dass
zwei Finger zu langsam sind, soll sich mal Dave LaRue ansehen,
der ist mit zwei Fingern unglaublich schnell. Steve Bailey
lehrt den Anschlag mit drei Fingern, ich denke aber, dass
das einfach Geschmacks- und Übungssache ist. Der Anschlag
mit einem Finger findet aber doch noch Einsatz, nämlich
beim Thumping, dem Anreißen der Saite in etwa in der
Mitte, wodurch ein sehr sanfter und weicher Anschlag entsteht.
Die Funktion der Anschlagshand ist komplex, es kommen auf
die Anschlagshand sowohl das Anschlagen als auch das Dämpfen
von Saiten als Aufgabengebiet zu. Aber eins nach dem anderen.
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Ein-Finger-Methode
Doch, es gibt sie noch. Der Anschlag mit einem Finger
findet doch noch Einsatz, nämlich beim Thumping,
dem Anreißen der Saite mit dem Daumen in etwa
in der Mitte, wodurch ein sehr sanfter und weicher Anschlag
entsteht. Das ist in leisen Passagen sehr nützlich,
und auch simpel: Daumen parallel zur Saite und Saite
mit der linken Daumenkante ziehen und loslassen. Nicht
soooo feste ...
Je weiter der Anschlag zur Mitte der Saite gerät,
desto weicher. Unterstützung für die Positionierung
holt man sich entweder über das Anchoring
auf dem Schlagbrett (oberes Bild), oder unter dem Hals.
Für leise, langsame, getragene Sachen geradezu
ein Muss. Und eben auch sehr simpel, da kann kaum etwas
schief gehen. |
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Zwei-Finger-Methode
Auch bekannt als Spider Walking oder
einfach Walking. Zum Anschlagen werden Zeige-
und Mittelfinger benutzt.
Drei-Finger-Methode
Vom Prinzip her eigentlich analog zum vorherigen Absatz,
jedoch wird der Mittelfinger auch noch benutzt.
Bei beiden Methoden wird relevant, wie man sich für
die Positionierung und Stützung der Hand verhält.
Es gilt die Regel: je naher am Steg der Anschlag erfolgt,
desto prägnanter, aber auch dünner der Sound.
Je weiter zum Hals, desto effektiver und auch weicher
der Sound. Die Stützung der Hand erfolgt meistens
auf einem der Pickups oder auf dem Hals. Dieses Anchoring
ist gerade am Anfang wichtig für die Orientierung
der Hand. Mit zunehmender Spielpraxis verliert das Anchoring
an Bedeutung, weil das Gehirn erlernt, wo sich die Hand
befindet und sich die Bewegungsabläufe wie Fahrrad-
oder Auto-Fahren einprägen. Es gibt ja noch ein
zweites mögliches Anchoring, nämlich das des
Unterarms auf dem Rand des Korpus oben. Und das kann
völlig zur Orientierung ausreichen.
Nicht zu vernachlässigen ist trotz und alledem,
dass das Anchoring auch eine Entlastung der Hand bedeutet.
Also man muss das Anchoring nicht später
aufgeben, man kann. Übrigens ist eine starke
Krümmung des Handgelenks der Anschlaghand nicht
kritisch, sondern manchmal sogar hilfreich. Denn die
Anschlagshand ist ja wenig belastet und somit weniger
gefährdet, im Vergleich zur Greifhand.
Vortrefflich diskutieren kann man nun noch über
die Fingerhaltung. Die meisten Lehrer und Bücher
vergessen dabei aber geflissentlich, dass Menschen halt
alle unterschidlich sind. |
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(Für diejenigen, die nun rätseln,
was auf dem T-Shirt steht: es ist ein 'Siedler IV' T-Shirt
:-))
Die zwei gängigen Schulen sind die: Finger sind beim
Anschlag gerade, oder Finger sind beim Anschlag gekrümmt.
Erste Schule gibt vor, dass der Finger gerade auf der Saite
zu liegen kommt, der Anschlag erfolgt in einer leichten Bewegung
des Fingers und der Hand aufwärts. Die Alternative ist,
dass der Finger zwar auch gerade oder halbwegs gerade auf
der Saite ankommt, der Anschlag aber nur aus der folgenden
Krümmung des Fingers entsteht. Mischformen sind möglich
und wahrscheinlich.
Was aber alle Schulen tunlichst ignorieren, sind die vorgegebenen
unveränderlichen Parameter: Fingerlänge, Saitenabstände,
relative Länge der Finger zueinander. Meine Meinung ist
daher, dass man es einfach so machen sollte, wie es einem
am besten passt. Die Methoden sind zwischen einem Viersaiter
mit Jazz Bass-Saitenabständen und einem extrabreiten
Fünfsaiter mit 16mm Saitenabständen am Steg nicht
übertragbar, das geht gar nicht gleich! Mit langen, dünnen
Spinnenfingern wird der Anschlag zwangsläufig anders
verlaufen als mit kurzen, fetten Griffeln! Da kann man nicht
vereinheitlichen und vorschreiben, wie es denn theoretisch
sein sollte. Verlasst Euch da auf Euer eigenes Gefühl.
Und das ist deutlich und zuverlässig: wenn es anfängt
weh zu tun, oder man trotz langem Übens etwas nicht so
hin kriegt, ist etwas falsch. Dann sollte man sich seine Handhaltung
und seinen Spielablauf genauer ansehen.
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Full-Hand
Da könnte man zwei Dinge verstehen: entweder alle
Finger außer Daumen, oder die Picking-Position
von der (klassischen) Gitarre. Ja ja, das geht, wenn
es auch nicht der Regelfall ist. Mit diesem aus dem
Picking der Gitarre übernommenen Anschlag sind
auf dem Bass begrenzte Sachen möglich, die aber
auch gut als Überraschungs-Effekte oder für
Solo-Sachen zu verwenden sind. Wenn man den Anschlag
mit zwei oder drei Fingern intus hat, ist das Fullhand-Picking
kein großes Problem mehr, gewöhnungsbedürftig
ist aber, dass ein Anchoring nicht mehr möglich
ist und die Hand frei über den Saiten agiert. Anchoring
auf dem Korpusrand hilft aber. |
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... und Dämpfen ...
Das Anchoring des Daumens auf einem Pickup ist abwandelbar.
Anstatt den Daumen durchgehend auf dem Pickup abzustützen,
kann man den Daumen auch nutzen, um zu dämpfen. In diesem
Fall ruht der Dauemen nicht auf dem Pickup, sondern auf der
nächstunteren Saite, die gerade gespielt wird. Bei Übergängen
von tiefer zu hoher Saite wandert der Daumen ebenso höher.
Variante zwei ist das Abstützen des Daumens auf der E-
oder eventuell B-Saite, so lange man diese nicht braucht.
Eric wies noch darauf hin, dass es Bässe gab und gibt,
die eine schmale Leiste oberhalb der Pickups haben, auf dem
der Daumen ruht. Wie man das nun macht, ist sehr sehr individuell,
und das sollte man auch so lassen. Entwickelt erstens Eure
eigen Art des Anchoring, das ist so lange ok, wie die Hand
nicht verspannt oder verkrampft wird. Zweitens sollte die
Anschlagshand genug Freiraum haben, das Dämpfen nicht
benutzter Saiten mit zu übernehmen. Wie weit solche Variabilität
gehen kann, kann man leicht sehen, indem man einfach mal andere
Bassisten beobachtet.
Moving, moving ...
Schon ganz oben angedeutet, jetzt hier aktuell, sowohl für
die Greifhand als auch für die Anschlagshand essentiell
ist nämlich ein einzelner Punkt:
Unabhängigkeit
der Finger untereinander!
Das ist der Kern sowohl beim Anschlag als auch beim Greifen.
Unabhängigkeit der Finger ist zu 95% Übungssache.
Für die Greifhand ist das ganz offensichtlich, aber für
die Anschlagshand gilt das genau so. Und da man da wenig sagen,
aber viel üben kann, finden sich im Bass
Practice Book auch genug Übungen dazu. Betreffend
der Greifhand ist eigentlich alles geeignet, was unter Finger-Übungen
zu finden ist. Entsprechendes Training für den Anschlag
ergibt sich dann (in einzelnen Übungen auch erwähnt),
dass der Anschlag in wechselnden Patterns erfolgt. Beispiel
(Finger beginnend beim Zeigefinger = 1 durch nummeriert):
- 1 - 2 - 3 - 1 - 2 - 3 - 1 - 2 - 3 - ...
- 1 - 2 - 3 - 2 - 1 - 2 - 3 - 2 - 1 - ...
- 3 - 2 - 1 - 3 - 2 - 1 - 3 - 2 - 1 - ...
- 1 - 3 - 2 - 1 - 1 - 3 - 2 - 1 - 1 - ...
Entdecke die Möglichkeiten. Auch die, die Anschlagsfolgen
der Rhythmik anzupassen, 3/4, 4/4, 6/8.
Trocken-Übungen gibt es dazu zusätzlich. Und da
von allgemeinem Interesse, finden sich die nicht hier, sondern
im BPB.
Krallenpflege
Für klassische Gitarristen ist das Thema Nagelpflege
ein unerschöpfliches Forschungsgebiet, daraus wird eine
Wissenschaft gemacht. Ganze Broschüren
und wissenschaftlichen Werke werden darüber verfasst.
So weit wollen wir es hier nicht treiben, der vorherige Link
soll da als vollständige Anleitung ausreichen.
Technisch ist der Anschlag mit den Nägeln vom normalen
Finger-Picking nicht wesentlich unterschiedlich, soundmäßig
schon. Anschlag mit den Fingernägeln ergibt einen perkussiven
Sound, jedoch im Vergleich zum Plektrum mit anderer Auslenkung
der Saite und dichter, Horn als Pick-Material gab es mal,
ist aber wegen des Artenschutzes passè. Versuche mit
Kunststoff existieren, z.B. bei den Boutique-Plecs.
Das organische Material Horn in Form von Fingernägeln
hat aber seinen eigenen Klang, wie das bei Plektren auch der
Fall ist. Nachteil ist die Abhängigkeit von seinen Bio-Plecs,
wenn man sich in der Autotür oder beim Zusammenlegen
von Getränkeverpackungen mal wieder einen Nagel abgebrochen
hat. Da aber die Anschlagskontrolle beim Spielen mit den Fingernägeln
über die Sensorik der Fingerkuppen und des Nagelbettes
erfolgt, ist die Dynamik und Variabilität des Nagelspiels
dem Plec weit überlegen.
Zur
Pflege seiner Nägel zwei Hinweise. Der erste betrifft
Form und Pflege. Die stabilste Nagelform und die am wenigsten
bruchgefährdete ist die Sinus-Form, man bleibt nicht
so schnell hängen und sämtliche alltäglichen
Belastungen treffen immer auf eine senkrechte Nagelkante.
Daher sollte man üben, diese Form gut hin zu bekommen.
Die Länge der Nägel ist Geschmacksfrage, aber je
länger, desto schlechter das Gefühl beim Anschlag,
und desto hinderlicher im Alltag, jedenfalls für Leute,
die auch tatsächlich arbeiten müssen. Ein häufig
genannte Regel ist zwei bis vier Millimeter über die
Fingerkuppen hinaus.
Fingernägel werden grundsätzlich nicht geschnitten,
sondern gefeilt, Nagelknipser sind so wie so tabu. Beim Schneiden
oder Abknipsen von Nägeln entstehen an der Nagelkante
kleine bis mikroskopische Risse, die austrocknen und die Bruchgefahr
erhöhen, lange Fingernägel (hier auch noch mal der
dringende Hinweis an unsere weiblichen Leser )
bekommt man nur durch Feilen ordentlich hin, nicht durch Schneiden.
Ausgenommen sind die Zeitgenossen, die sehr dicke Nägel
haben, die können das Vorhaben auch mit der Flex erledigen.
Auch elektrische Nagelpflege-Maschinen, bei Kaffee-Verkäufern
und in Supermärkten immer wieder gerne im Angebot, sind
verboten, weil sie zu schnell und zu brachial Material abtragen.
Als Werkzeug zur Nagelpflege benutzt man am besten eine klassische
Nagelfeile mit Saphir-Beschichtung; diese liegen preislich
ab 5€ aufwärts, von Zwilling oder Wilkinson. Feilen
auf Papp- oder Kunststoffbasis kann man vergessen, zu wabbelig
und Sandbeschichtung, welche wieder zu grob ist. Optimal sind
Keramik- oder Glasfeilen, da geht aber nix unter 10€.
Eine ordentliche Feile ist aber eine Anschaffung für
Jahre. An diesem Punkt nicht sparen. Mit einer mittelwertigen
Saphirfeile und einer anständigen Keramikfeile ist man
gut bestückt.
Jede Nagelfeile besitzt zwei unterschiedliche Seiten, eine
grobe für die Vorarbeiten, eine feine zum Abschliessen
und Kantenglätten. Die Nägel haben auf beiden Seiten
eine Nagelhaut, daher die Notwendigekeit, die Schleifkanten
zu entgraten und zu verrunden. Mit dem Feilen begonnen wird
an der Spitze, der Nagel wird auf richtige Gesamtlänge
gebracht, danach werden die Seiten bearbeitet, aber mit einer
gewissen Toleranz, so dass für das Glätten und Formen
noch genug Spielraum drin ist. Wer in die Tiefen gehen will,
benutze den obigen Link, oder suche mal unter dem Thema in
Google.
Wenn's doch nicht klappt ...
... und die Nägel immer wieder brechen oder absplittern,
wird entweder beim Feilen zu schnell und zu grob vorgegangen,
oder die Feile ist zu grob, oder die Form muss persönlichen
Eigenarten angepasst werden. Denn die einen Nägel sind
stark gebogen, die anderen fast flach. Gerade gebogene Nägel
eignen sich optimal für die Sinusform, da diese Biegung
den Nagel stabilisiert. Flache Nägel brauchen auch eine
weniger stark verrundete Form.
Eine letzte Wahrscheinlichkeit gibt es aber noch: falsche
Ernährung oder ein anderes Problem im Vitamin- oder Spurenelemente-Haushalt.
Wichtig für die Stabilität der Fingernägel
sind unter anderem die Vitamine A und C sowie Biotin, in der
Sparte Spurenelemente sind Calcium, Zink und vor allem Silizium
zu nennen. Brüchige, splitternde oder sogar fleckig hell
verfärbte Fingernägel können also entweder
auf zu viele Besuche bei McDonalds und Co hinweisen, aber
auch auf eine generelle Fehlernährung, zu viel Alk und
fette Döner, zuwenig Obst, Gemüse und Milchprodukte
wie Joghurt oder Käse. Einfach nur mehr Milch zu trinken
bringt übrigens gar nix, das ist die gleiche Mär
wie mit dem Eisen im Spinat; Kuhmilch ist gut für kleine
Kälbchen, für den Menschen ist die Zusammensetzung
nicht optimal. Der verbleibende Restsatz an Fingernägel-Problemen
bleibt dann genetisch bedingt oder ist auf eine andere körperliche
Erkrankung zurück zu führen.
Fazit
Mann-o-mann, ist doch wieder ein heftiger Brocken geworden,
hatte ich so gar nicht gedacht. Und manche Details sind noch
gar nicht berücksichtigt. Ich denke aber, dass solche
Themen wichtig sind, oder wie mein Vater immer sagte: "Junge,
kaufe niemals billiges Werkzeug, ärgerst Du Dich später
nur mit herum ...".
So können Stolperfallen, seien es schlechte Gurte, falsche
Handhaltung oder einfach blöde Angewohnheiten, zu einem
nervenden Problem werden. Obwohl die Lösungen dann oft
einfach und naheliegend sind.
In diesem Sinne ...
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