Harry Warren (24.12.1893 - 22.09.1981)
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Gershwin, Hancock, Zawinul, solche Namen kennt man. Aber
Harry Warren? WTF was Harry Warren? Dabei war Warren einer
der erfolgreichsten und produktivsten Songwriter Hollywoods
überhaupt. Mit Oscar veredelt, wie auf dem Bild zu sehen.
Bei seiner Geburt hieß er noch Salvatore Anthony Guaragna,
als Sohn italienischer Einwanderer. Seine Karriere verlief
eher glatt, übliche Instrumentalausbildung und was dazu
gehört. Schon fast erschreckend ist die Liste der Songs,
die er geschrieben hat, und seine Namelist der Schauspieler,
Musiker und Produzenten ist das Who-is-who Hollywoods seit
den Dreißiger Jahren. Warren gehört zu den wenigen
Songwritern, die in diesen Zeiten zu ihren Lebzeiten den Oscar
bekommen haben. Und trotzdem, auch in seinem Heimatland ist
Warren ein wenig bekannter Musiker, obwohl er bis zu seinem
Tod 1981 voll aktiv gewesen ist. Vielleicht war der Mann nur
sehr bescheiden?
Eine sehr detaillierte Biographie findet sich auch an
dieser Stelle, der geneigte Leser möge den Schreiber
entschuldigen, der Mann ist mir ein bisschen zu produktiv
gewesen ...
Details
über Harry Warren
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There
Will Never Be Another You ist ein Song, der sich in so ziemlich
jedem Realbook findet, ist auch nicht sonderlich kompliziert, sollte
man aber trotzdem drauf haben. Aufgrund der Position dieses Artikels
im Index könnte ich jetzt einfach sagen: "Hier, die Changes
- Walking Bass Line drüber, aber zack-zack!". Habe ich
auch erst so gemacht, aber wir (oder besser ich) müssen mal
etwas weiter kommen. Doch in bewährter Manier hier erst einmal
zur Einstimmung ein kleines Sample.
Dick Fregulia Trio:
There Will Never Be Another You |
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Und in genau der Geschwindigkeit wollen wir es gleich mal spielen
... Scherz beiseite, TWNBAY ist ein typisches Uptempo-Stück
für die kleine intime Session, kann aber auch genauso ein wenig
ruhiger gespielt werden. Die folgenden Playalongs sind ca. 130bpm,
was gut und flüssig zu bewältigen ist. 240-260bpm sind
aber in Sessions an der Tagesordnung. Was fehlt uns jetzt noch?
Ach ja, Lieth-Schieht. So, jetzt war da ja der vorherige Boxenstop
#3, mit den Unsäglichkeiten der Jazz-Rhythmik. Und das
mit der WBL sollte uns auch nicht mehr wirklich schwer fallen, nach
den ganzen vorherigen Artikeln. Übergehen möchte ich den
Schritt nicht, falls jemand gerade erst hier angefangen hat mitzulesen.
Grundstruktur und Die Changes
In der Realbook-Sessionform kommt der Song mit einem Intro daher,
bevor es in den 32-taktigen Chorus geht. Das Intro selbst ist nett
gemacht, Songs mit Intro hatten wir auch noch nicht, verwirrt uns
aber nicht mehr als notwendig. Ach doch, Dolphin Dance hatte auch
ein Intro. Zuerst habe ich mal eine Tabelle gemacht, die die Stufen
von Eb-Dur, in der das Stück steht, listet, so dass man Bewegungen
besser überschauen kann.
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Takte
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Akkorde |
Interpretation |
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I
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Eb |
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ii
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F |
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iii
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G |
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IV
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Ab |
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V
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Bb |
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vi
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C |
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vii
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D |
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1 - 4
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G-7 Ab9#11 | G-7 C7 | F-7 Bb13 | Eb6 Bb13 |
Eine nett abgewandelte ii-V-Kettung mit Ziel Tonika
Eb-Dur. |
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5 - 6
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Eb 7
| Eb 7 |
Beginn des Chorus, Verbleib auf der
Tonika, einfach Ionisch und fertig. Wir schalten um auf ... |
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7 - 10
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D-7b5 | G7 | C-7 | C-7 |
ii-V-i für C-Moll. Naheliegend, da C-Moll
Tonika-Parallele zu Eb-Dur. Auch Moll-Parallele genannt. Jazzer
sagen Tonika-Parallele. |
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11 - 13
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Bb-7 | Eb13 | Ab 7 |
ii-V-I für Ab-Dur. Ab-Dur ist einen Quintfall
abwärts von Eb-Dur, Quintfälle abwärts funzen
immer gerne. |
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14 - 16
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Db9#11 | Eb 7
| C-7 |
Ein weiterer Quintfall abwärts führt zu Db9#11,
die Alteration weist auf weiteres Verlassen der Diatonik an
dieser Stelle hin. Danach aber zurück zur Generaltonika,
dann Dur/Moll-Wechsel.
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17 - 20
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F9 | F9 | Fm7 | Bb7 |
Das ist clever. F9 ist ein Spannungsbogen zum
eigentlich richtigen Fm7. Eine lang gezogene ii-V-I, die in
Takt 21 wieder auf die Tonika zurück führt. |
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21 - 31
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dito |
Wiederholung der Sequenz wie in den Takten 5 -
15. Jedoch kein Wechsel auf die Tonika-Parallele C-Moll, sondern
... |
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32
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A-7 | D7 |
Würde ich mal vermuten: G ist Tonika-Gegenklang,
das hier ii-V-i für den TG. Nicht diatonisch, aber spannungsreich.
Muss man drauf kommen. |
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33 - 36
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Eb Ab9#11 | G-7 C7 | F-7 Bb13 | Eb6 |
Wieder eine ii-V-Kette analog zum Intro, und eine
ii-V-I zur Tonika Eb-Dur; Eb6 löst sich zum Repeat des
Chorus Eb 7
in Takt 5 auf, der Sext-Akkord wirkt wie eine Vorhalte-Funktion. |
Naheliegend: eine Walking Bass Line. Gut, ist kein Problem.
Die Jazz-Polizei lehnt sich zufrieden zurück und bestellt
noch ein Pilschen. Nicht ganz, denn ich habe in dieser Bass-Linie
einen Fehler eingebaut. Den sollte man, so denn das Gehör schon
einigermaßen funktioniert, auch heraus finden. Mal als Variation
zu den sonst 'richtigen' Bass-Vorschlägen.
So weit waren wir früher schon einmal, aber nun wollen wir
die Sache ein wenig abwandeln. Wir wollen nämlich die Bass-Linie
in 'straight fours' verlassen und uns etwas moderneren Formen des
virtuosen Bass-Spiels nähern. Voraussetzung, as already said,
der Boxenstop #3. Harmonisch war das
alles paletti, aber an der Rhythmik, da können wir getrost
ein wenig herum schrauben. Und so zu sagen als Parallele zu harmonischen
Patterns und nun einmal rhythmische Patterns ansehen und anhören.
Die alternative Art der Bassline
Was wir noch beachten sollten
Hm, also anders. Rhythmisch. Gut, also es ist so, dass im Jazz
sehr gern und ausgiebig mit ternärer Rhythmik gearbeitet wird.
Aber woran erkennt man das?
Entweder steht über den Noten ,
oder das Zauberwörtchen Swing. Finden wir über
einem Stück eine solche Angabe, sei es Jazz Swing, Medium
Swing oder sonst ein Swing, weist das darauf hin,
dass dieses Stück im Swing Feel zu spielen ist, und das heißt
eben ternäre Rhythmik. Steht da allerdings irgendwo etwas von
einem Swinger Club, ist damit kein lokaler Jazzer-Treffpunkt
gemeint, sondern man ist auf einer weniger passenden Site gelandet.
So wie es harmonische Patterns gibt, die man immer wieder getrost
einbauen kann und sich so seine WBL zusammen pfriemelt, existieren
auch rhythmische Patterns, die immer wieder gerne genommen werden.
Die sind übrigens gar nicht versteckt und geheim, in der letzten
Gitarre&Bass war eine Transkription von Paul Chambers Bass-Arbeit
in Errol Garner's Misty (mit Wes Montgomery, unser nächstes
Stück), da standen die Patterns auch drin. Und noch eine weitere
Schrecksekunde: die Notation von rhythmischen Feinheiten jenseits
der Halben und Viertel ist in Tabulatur schwierig. Wir brauchen
ein wenig Notation, Standard-Notation. Kommen wir nicht drum herum.
Obwohl das mit solchen Programmen wie TablEdit dann doch wieder
möglich ist auch Tabulatur entsprechend zu gestalten.
Die Basis-Patterns
Ternäre Rhythmik heißt nicht, dass man nun nur noch
so mit Triolen jeglicher Coleur um sich wirft. Triolisch heißt
auch nicht nur Achteltriolen, sondern auch Vierteltriolen. Der triolische
Anteil wird stattdessen viel lieber zu Verzierungen benutzt, um
die eher konservative Schiene der WBL in Vierteln zu verlassen und
fetziger, witziger zu spielen. Halbe und auch Viertel haben eine
stark tragende Funktion, sie stützen sound-mäßig
stark, so dass besonders bei eher langsamen, ruhigen Stücken
der Swing-Anteil abnehmend ist. Unterteile ich eine Viertel in Triolen,
erziele ich eine deutlich höhrere Unterteilung und Geschwindigkeit.
Beispiel: spiele ich eine reine WBL, habe ich i.d.R. vier Noten
pro Takt. Spiele ich bei zwei Downbeats aber triolisch, habe ich
schon 2 + 2x3 = 8 Noten, im Swing Feel immerhin noch 2 + 2x2 = 6
Noten. Die Beschleunigungs-Wirkung ist nicht unerheblich. Vereinfacht
gesagt beschleunigt Swing Feel die Bass-Linie, während die
Verwendung von halben Noten (half feel) die Linie spürbar verlangsamt
und beruhigt. Mischen dieser Notenwerte bewirkt dann, dass die Geschwindigkeit
der Bass-Linie variiert und so gemeinhin lebendiger und dynamischer
klingt.
Der Übersicht zuliebe zählen wir nun mal alles auf, was
uns an Rhythmus-Varianten zur Verfügung steht. Für unseren
Basslinien-Baukasten. So zu sagen das volle Brett. Was wir später
davon verwenden werden wir sehen.
Zuerst eine Entwarnung. Die binären Werte bleiben uns alle
erhalten. Fast alle jedenfalls.
| Binäre Patterns |
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Ganze Noten |
(beim Bass selten verwendet) |
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Halbe Noten |
(machen ruhige Passagen) |
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Viertelnoten |
(die Basis der Walking Bass
Lines) |
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Punktierung |
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Alter Schmand. Wo sind die Achtel? Die Achtel sind genau die, die
unserem Swing Feel zum Opfer fallen. Diese ersetzen wir durch einen
gebundenen Triolen-Set. Ich nenne diesen Set von hier ab Swing-Tupel.
Ist mein persönlicher Begriff, habe ich soeben erfunden. Triolen
bleiben wie sie sind, die Vierteltriolen nehmen wir auch gleich
mit rein. Und die Deadnotes, obwohl die weniger Rhythmus als Spielweise
bezeichnen.
| Ternäre Patterns |
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Achteltriolen |
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Swing-Tupel |
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Vierteltriolen |
 |
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Deadnotes |
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Aus nur diesen Komponenten kann man schon eine Menge machen. Was
fehlt oben? Genau, die Pausen. Sind nicht extra aufgeführt.
So, denn schauen wir uns mal an, was wir so aus dem obigen Bausteinen
bauen können. Zuvor noch als Anmerkung, dass Takt-gerecht alles
verwendet werden kann, auch und gerade binäre und ternäre
Werte. Ebenso kann in aufeinander folgenden Takten beliebig gewechselt
werden, ein Takt halbe Noten, dann vielleicht Viertel, dann ternär
und wieder zu halben Noten zurück. So lassen sich schöne
Wechsel und rhythmische Spannungsbögen bauen. Aber dazu am
Ende mehr.
Kombinat Rhythmus-Palette
Das Salz in der Suppe sind also rhythmische Wechsel und Kombination
von binären und ternären Werten. Ich liste einige mögliche
Patterns mal beispielhaft auf. Schön rein hören, schön
mitzählen.
Ich denke, man hat ganz gut gehört, dass diese Linien im Vergleich
zur Viertel-orientierten WBL mehr swingen und flockiger wirken.
Zuzuschreiben der Verwendung ternärer Rhythmik mit den Swing-Tupels
und auch reinen Achteltriolen, wobei wir auch einfach über
die Notation Medium Swing schreiben könnten, und aus
den notierten Achtelnoten würden unsere gespielten Swing-Tupels.
Damit wären wir dann an dem Punkt, dass wir diese andere Rhythmik
auch für There Never Will Be Another You anwenden können.
Also tief durchatmen, allen Mut zusammen nehmen und einen ersten
gültigen Versuch auf's Spiel setzen. Einen etwas modifizierten
Playalong-Track brauchen wir noch, wegen des etwas anderen Feels.
| There Will Never Be ... (swing feel) |
 |
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Dieser einzelne Chorus mischt Halfnote- und Quarter-Feel mit ternären
Sequenzen, und wirkt doch schon erheblich variabler als eine reine
Viertelnoten-WBL. Wie man diese Anteile mischt, oder ob man eher
eine durchgehende Linie fährt, ist Geschmackssache. So, dann
swingt man schön.
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