McCoy Tyner
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Endlich mal ein Ober-Jazzer und Komponist, der noch lebt
... zur Zeit, so weit zu lesen ist, in New Yourk.
Geboren am 11. Dezember 1938 in Philadelphia und schon als
Youngster mit vielen öffentlichen Auftritten wurde er
einer breiteren Öffentlichkeit als Pianist des John Coltrane
Quartetts bekannt, mit Jimmy Garrison am Bass und Elvin Jones
an der Schießbude. Das Quartett tourte in den 60er und
70er Jahren fast permanent.
Tyner hat eine ganze Latte an Aufnahmen und Produktionen
hinter sich, die im Jazz einen großen Einfluss gehabt
haben. Einige Aufnahmen: The Real McCoy (1967), Tender Moments
(1967), Expansions (1968), Extensions (1970). Seit den 80er
Jahren ist Tyner mit seinem Trio unterwegs, dabei Avery Sharpe
am Bass und Aaron Scott am Schlagzeug.
Tyner ist seit seiner Jugend Muslim, sein muslimischer Name
ist Sulaimon Saud.
(Mehr
Details)
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McCoy Tyner
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Aisha stammt aus den 60er Jahren und wurde insbesondere in der
Version mit Coltrane bekannt. Auf das Stück bin ich mal wieder
per Zufall gestoßen und fand es wegen seiner etwas abenteuerlichen
Akkord-Kombinationen sehr interessant. Hier eine Version des Infinite
Trios aus U.K von ihrer
Website, sowie einer kleiner Auszug aus dem Original:
| Aisha |
Infinite Trio (live 2003) |
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| Aisha |
John Coltrane |
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(speichern, .mp3 in .m4a umbenennen,
dann frisst es auch Winamp)
Vorbetrachtung
In der Entwicklung des Jazz sind sehr viele Zwischenstufen zu sehen.
Das, was wir heute eher als klassischen Jazz bezeichnen, hat seine
Wurzeln auch in der klassischen Musik und ihren eher strengen Regularien
und Formen. Daher finden in Stücken aus den ersten Jahrzehnten
des 20. Jahrhundert Kompositionsformen wie Kadenzen und regelgerechte
Modulationen breite Anwendung. Schließlich war ja vieles aus
der eher populären Musik geborgt und verjazzt, somit eher für
das Alltagsohr bestimmt, siehe Gershwin, Young oder Miller. Bereits
in der Mitte des 20. Jahrhundert fand eine Abkehr von der strengen
Tonalität statt, die im Bebop eine starke Ausprägung fand,
bis hin zum vorläufigen Ende der Phase mit dem Free Jazz eines
Peter Brötzmann, Han Bennink oder George Haslam. Dass Free
Jazz etwas völlig Abgedrehtes sei, widerlegt der Pianist Keith
Tippett übrigens auf Lizard bei King Crimson sehr schön.
Zurück zu McCoy Tyner und Aisha. In einem Punkt gehört
Aisha mit Summertime zusammen: Play it, or leave it.
Auch dieses Stück bietet relativ wenig Raum für modale
Kleinkunst, es sei denn, man geht mit der Gitarre oder dem Piano
daran, wie bei Infinite oben zu hören. Das Bass-Riff am Anfang
des wieder mal 32-taktigen Chorus würde ich zum Beispiel erst
gar nicht anders machen, das würde dem Stück seinen Charakter
nehmen. Dafür ist in den Zwischenstufen etwas mehr Raum für
eigene Prägungen. So ist die Akkordfolge modern klingend genug
um auch Wechsel zwischen binären und ternären Akzent zuzulassen,
während andere Abschnitte mehr als Viertel-Grundnoten kaum
erlauben.
Leadsheet
Basis ist schon wieder eine Version von SongTrellis.
| Aisha |
Nur Akkorde |
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Kurzanalyse
Wie schon oben erwähnt trennten sich in der Neuzeit die Jazz-Komponisten
von den klassischen Kadenz-Folgen und Modulationen; stattdessen
entstanden Stücke wie Aisha, in denen Akkordfolgen eher aus
Sound-Gründen konstruiert wurden. Aisha klingt nicht zuletzt
deshalb eher modern, weil dieser Akkordfluss aus der heutigen ProgRock-Methodik
wohl vertraut ist: Ganzton-Modulationen und autentische Kadenzen
sind Brot-und-Butter in der Rock-Musik, bei Spock's Beard oder Dream
Theater (Jehova, Jehova ... )
zuhauf zu hören.
So ist eine erste Analyse aus meiner bescheidenen Sicht eher ein
Folge von Aha-Effekten als ein Schwelgen in Kadenzen und modalem
Schweinkram.
| Takt(e) |
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1 - 4 |
Das sind die angedeuteten Ganzton-Modulationen,
von A-Moll zu G-Moll und zurück, bevor er zu F-Moll als
Startpunkt für eine Folge von autentischen Kadenzen wechselt. |
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5 - 8 |
Wenn man F-Moll als aktuelle Tonika
ansieht, ist der Bb7 ... die Blues-Dominante (Subdominante als
Dominantsept-Akkord gespielt) ohne Rückkehr zur Tonika.
Stattdessen wieder eine Ganzton-Modulation, gleiches Spiel und
dann noch einmal einen Ganzton höher. Auch Takt 8 ist dieses
Muster gegönnt, den E7#9 hat Tyner wohl deshalb dem zu
erwartenden Bb7 genommen, weil er eine schönere Auflösung
zum folgenden Am7 ergibt. |
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9 - 12 |
Siehe 1 - 4 |
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13 - 16 |
Entspricht bis auf den Turnaround den den Takten
5 - 8. Die letzten beiden Akkorde mit ihrem starken Quintfall
müssen nun den Übergang zu einem Dur-Part bilden,
deshalb musste dieser Turnaround etwas anders aussehen als in
den Takten 7 und 8. |
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17 - 20 |
Wieder zuerst Blues-Dominanten mit einer #11 als
färbende Alteration. Der Übergang zu Db ist Effekthascherei,
aber klingt schon sehr spannend. |
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21 - 24 |
Gb ist für das B-Dur die Dominante, und wäre
eine V-I-Auflösung. In diesem Sinne wären die Takte
21 und 22 beinahe logisch. Der Rest benutzt zwar auch V-I, aber
eben wieder mit der Spannung aus Halbton-Modulationen. |
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25 - 28 |
Siehe 1 - 4 |
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29 - 30 |
Wie 5 - 8, hier dürfen aber alle Blues-Dominanten
stehen, das gibt einen netten Turnaround zurück zum A-Moll,
quasi große Septime zur Tonika. |
Ich stelle mir so vor, dass Tyner am Klavier gesessen hat und so
vor sich hin klimperte. Denn das Stück nutzt Kadenzen höchstens
in der V-I- und IVd-I (Blues-Dominate)-Version. Man könnte
auch sagen, dass Tyner hier die Songwriting-Methoden der folgenden
Jahrzehnte vorweg genommen hat. Einen zweiten, intensiveren Blick
sollte man jedoch einem anderen Aspekt widmen. Vergleicht man die
Bewegungen in diesem Stück, fällt mir die Ähnlichkeit
mit dem Verlauf so mancher Beziehungskiste auf. Hin- und Herschwanken,
langsame Entfernung vom Objekt der Liebe, dramatische Rückkehr,
erneutes Schwanken. Auch die Spannungen und Auflösungen der
Spannung erinnern mich sehr an Beziehungen, die unstabil und zwiespältig,
gleichzeitig aber auch fesselnd und eben spannend sind. Und das
hat Tyner für mich sehr schön heraus gearbeitet.
Unser Part
Modales Spiel ist in Aisha von uns Bassisten weniger gefordert.
Eher Phantasie und Einfühlungsvermögen für das Thema.
Ich biete mal nur eine einzige Version der Bass-Linien an, die
aber ziemlich aus dem Vollen schöpft. Sie behält natürlich
das 1-5-9-Pattern aus dem Original bei, das wäre Frevel es
auszulassen. Ansonsten habe ich ein wenig reichhaltig in die Kiste
gegriffen und auch Binär/Ternär-Wechsel inkl. Quartolen
nicht gescheut. Eine einfachere Linie, wie sie der Infinite-Bassist
pflegt, wäre vielleicht angemessener, aber man gönnt sich
ja sonst nix. Und warum sollen Basser nicht auch mal herumfuddeln?
| Aisha |
Akkorde + Bass |
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So. ein 'richtiger' Jam-Tracck wie immer auf der JamTrax-Seite.
Das nächste Mal gibt's ein kleines Fazit der ersten vier Stücke,
danach geht es zurück in den 'richtigen' Jazz und in modales
Spiel.
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