Braucht man einen Lehrer?
Toll, das ist endlich mal eine einfache Frage. Die Antwort:
ja, mit Lehrer ist immer besser. Na gut, ist jetzt wahrscheinlich
nicht die Antwort, die Ihr hören wolltet. Trotzdem. Ein
Lehrer, gearde am Anfang, führt oft besser durch den
Dschungel der Anfangs-Schwierigkeiten und Fallstricke, hilft
Fehler zu vermeiden, die sich später als Hindernis, schlechte
Gewohnheit oder sogar Handycap auswirken können. Wer
es eine etwas differenzierte Betrachtung möchte: es hängt
von Eurer Lern- und Arbeitsmentatlität ab.
Für jemanden, der noch überhaupt kein Instrument
erlernt hat, eine Quinte für eine südländische
Frucht hält und auch sonst das Erarbeiten von Stoff in
Schule und Beruf eher mühsam findet, würde ich einen
Lehrer und qualifizierten Unterricht für unumgänglich
halten.
Für den Rest: beobachtet Eure Art, wie Ihr in anderen
Situationen am besten oder liebsten lernt bzw. wahrnehmt:
| Situation |
JA
|
NEIN
|
| Lernt Ihr Vokabeln lieber mit jemandem, der abfragt
statt sie sich selbst vorzulesen und im Gedanken zu wiederholen? |
 |
 |
| Behaltet Ihr wissenschaftliche oder technische Darstellungen
besser wenn Ihr sie im Fernsehen gesehen habt, oder im
Radio gehört anstatt sie in der Zeitung oder in einem
Buch zu lesen? |
|
|
| Lest Ihr generell nicht gerne? |
|
|
| Merkt Ihr Euch Namen oder Telefon-Nummern besser wenn
Ihr sie gehört und nachgesprochen habt als gelesen/gesehen? |
|
|
| Ist für Euch äussere Gestalt, Design, Formgebung
oder Eindruck wichtiger als Funktion oder Zweckmäßigkeit
(z.B. bei Möbeln, Autos oder Instrumenten)? |
|
|
| Erinnert Ihr Euch gut an Menschen nach ihrem Aussehen,
aber der Name ist nicht mehr verfügbar? |
|
|
| Wenn Ihr über die Strasse geht: hört Ihr eher
nach Autos als hinzuschauen? |
|
|
| Wenn Ihr etwas nicht könnt, bekommt Ihr es lieber
gezeigt als erklärt? |
|
|
(Diese Fragen sind einem Test einer
Universität über Lernverhalten entnommen)
Wenn Ihr den überwiegenden Teil dieser Fragen mit JA beantwortet
habt, spricht vieles dafür, dass Ihr eher im Lernverhalten audio-visuell
orientiert seid und autodidaktisches Erarbeiten mit Lesematerial schwieriger
zu bewältigen ist. Hier ist ein Lehrer, der vorführt und zeigt,
eher am Platze als die Notwendigkeit zur Konzentration und abstrakten
Bewältigung von Inhalten. Jedoch insbesondere Leute, die bereits
eine umfangreiche theoretische Ausbildung hinter sich haben, sind das
Erarbeiten von 'Stoff' vom Blatt gewöhnt. Die Umsetzung auf das
Instrument ist noch eine zweite Story. Wie als Beispiel das Curriculum
eines Unterrichts aussehen kann, habe ich noch in einer Übersicht
meiner besseren Zeiten gefunden, nur mal so als Anhaltspunkt für
den Umfang des Stoffs.
In jedem Fall ist ein Lehrer, wenn er pädagogisch und
menschlich wie musikalisch auf Eurer Rille ist, das Beste,
aber leider auch nicht immer bezahlbar. Eine Ausweich-Möglichkeit
(heute!) sind Videos, sie haben aber keine wirkliche Interaktion
für Lernfortschritte, es entfällt der korrigierende
und lenkende Eingriff des Teachers.
Es ist einen Versuch wert, erst einmal alleine anzufangen
und sich das Spielen eines Instrumentes beizubringen. Solltet
Ihr aber merken, dass es Euch schwer fällt zu lernen
(nicht zu spielen) schaut Euch nach einer interaktiven Möglichkeit
um, sei es Lehrer, VHS oder Gruppen-Unterricht. Besser langsam
in der Gruppe für wenig Geld als mühsam und fehleranfällig
alleine zu Hause.
|