Einsteiger-Bässe
Das Thema kann man endlos auswalzen. Noch mal zur Frage nach den Fender-Bässen.
Ist ein VW Golf gut? Wenn nein: warum fahren dann so viele davon herum?
Noch schlimmer: es gibt heute eigentlich gar keine schlechten Bässe
mehr, wie in den Siebzigern oder früher. Aber das gehört eher
zum Kapitel Bass-Kauf.
Gehen wir erst einmal von den rein technischen
Dingen ab, die gehören in das Kapitel Bass-Kauf und worauf
man achten sollte. Wesentlicher ist hier die Frage wie der Bass denn
aussehen soll und welcher Typ von Bass. Eine Reihe von Anhaltspunkten
ist möglich:
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Ich würde einem Anfänger immer empfehlen, sich noch
nicht mit Fünf- oder Sechsaiter-Bässen abzugeben. Nicht
weil sie generell schwieriger oder komplizierter sind, sondern weil
sie am Anfang von wesentlicheren Dingen ablenken können. Also
sollte es zuerst ein Viersaiter sein. |
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Nehmt einen Bass mit 34"-Mensur, das ist der 'Standard Longscale'.
Höchstens wenn Ihr sehr lang gewachsen oder mit grossen Händen
ausgestattet seid, könnt Ihr eine 35"-Mensur nehmen. Ihr
müsst sowohl die untersten als auch obersten Bundpositionen
ohne Verrenkungen und Anspannungen erreichen können. Ein Shortscale
Bass mit 30"- oder 31"-Mensur ist auch ok, gerade wenn
Eure Körpermaße nicht die größten sind. |
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Die Marke an sich spielt keine wesentliche Rolle. Eine Vorliebe
für bestimmte Marken und Bauformen stellt sich mit der Zeit
von selbst ein. Und es muss kein Fender U.S.-Modell oder Alembic
sein. Andererseits: Finger weg von Exoten, wie sie in Kaufhäusern
oder Versandhäusern angeboten werden, oder bei Conrad. |
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Geht erst einmal davon aus, dass dieser erste Bass nicht Euer
letzter sein wird. Er kann in Zukunft aber noch wichtige Dienste
als Backup für Euer Haupt-Instrument sein. Also kein Wegwerf-Teil
kaufen! |
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Erst einmal Rechnung aufstellen: wieviel Geld ist denn verfügbar?
Man braucht ja noch einiges an weiterem Material wie mindestens
einen Übe-Amp, Kabel, Gurt, Stimmgerät, später vielleicht
noch Effekt-Geräte und einen größeren Amp für
den Proberaum. Nehmen wir mal ein paar Zahlen: unter 500,-- DM wird
man kaum einen neuen, brauchbaren Bass bekommen. Aber auch ein oberes
Limit: sich als Newbie einen 5000,-- DM-Bass zu kaufen ist absoluter
Blödsinn, denn was die spezifischen Eigenschaften und Merkmale
Eures Traum-Basses sind, werdet Ihr eh erst in ein paar Jahren wissen. |
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Ich würde den Kauf eines ersten Basses immer in ein Musik-Geschäft
verlegen. Und zwar in ein möglichst großes, weil es eine
gewisse Wahrscheinlichkeit gibt, dass die Verkäufer reell und
die Preise in Ordnung sind. Es sei denn Ihr habt einen erfahrenen
Bassisten oder vorurteilsarmen Gitarristen an Eurer Seite, der wenigstens
auf die technischen Eigenschaften des Instruments einen verschärften
Blick wirft. In diesem letzten Falle kann auch der Kauf eines gebrauchten
Instrumentes sinnvoll sein, ohne dass Ihr über's Ohr gehauen
werdet. Seid Ihr aber auf Euch allein gestellt, nehmt das Musikhaus
Eures Vertrauens. Keine Garantie, aber eine Wahrscheinlichkeit zur
Vermeidung von Fehlkäufen. |
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Eine Berater in Form eines erfahrenen Bassisten, im Mangelfall
auch Gitarrist, ist immer hilfreich. Oder ein wirklicher Fachverkäufer.
Man soll ja keine Namen nennen, aber z.B. Jens Markfeld in Ibbenbüren
hat Kenne, ist ehrlich und zuverlässig, und bescheisst nicht.
Es gibt sie noch, die guten Verkäufer, man muss sie nur finden. |
Nächster Punkt betrifft die Marke und Bauform, hier tauchen die
meistens Fragen auf. "Ist ein Fender Jazz Bass wirklich gut?"
Die Frage ist Blödsinn, sorry. Natürlich ist er gut, wenn
man dieses Instrument mag und gerne spielt. Ansonsten gibt es Dutzende
anderer Bässe, die passen und auch gut sind, oder genau so schlecht.
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Marken: Vergesst den Marken-Hype, der hat sich schon in
den 90-er Jahren erübrigt. Orientiert Euch nicht wirklich an
Marken, so lange die Marken bekannt und am Markt eingeführt
sind. Doch ein paar Namen zur Orientierung? Ok, Fender, Squier,
Gibson, Epiphone, Dean, Warwick, Washburn, Ibanez, Yamaha, Aria,
G&L, Alembic, esh, Cort, Steinberger, E.S.P., und die Liste
wird lang. Wer es mal sehen will, kann ja in die Link-Liste
gehen ... |
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Bauform: Ich denke es hat schon einen Grund, warum Leo's
Design so viel Anklang gefunden hat. Aber es ist nicht der Weisheit
letzter Schluss. Aber ergonomisch, gut zu handhaben, Standardmaße
für Koffer und Saiten, in der Regel ausgewogen am Gurt hängend.
Viersaiter, hatten wir schon gesagt. Ob Humbucker, P- oder J-Pickups
... kommt gleich. Die Bauform ist nicht wirklich von Bedeutung. |
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Look: Das ist wichtig! Der Bass muss Euch optisch und im
Design gefallen, Ihr müsst ihn auf Anhieb mögen. Sein
Sex-Appeal, das ist ein Faktor. Ihr müsst einfach Spass an
dem Instrument haben, wie es aussieht, wie es sich anfühlt,
es muss einfach Spass machen ihn zu spielen. Punkt. |
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Feel: Das ist eigentlich noch wichtiger, aber gerade für
den Anfänger auch schwieriger. Feel bezieht sich nicht nur
auf die Korpus-Form, sondern auch das Handling insgesamt. Nehmt
Euch Zeit für einen ersten Eindruck. Mögt Ihr lieber einen
Bass mit schmalem, flachen Hals (Fender Jazz Bass), mit schmalem
und dickem Hals (Fender Precision), oder lieber eine breite Rennbahn
von Griffbrett? Hängt auch von Eurer Bauform ab, mit kurzen,
feingliederigen Fingern werdet Ihr wahrscheinlich mit einer Jazz
Bass-Bauform besser warm werden als mit einem fetten D-Hals und
20mm-Saitenabständen. Auch wenn Ihr selbst noch nicht oder
kaum spielt: vertraut Eurem Gefühl. Der Bass muss so etwas
wie einen guten Eindruck hinterlassen. Und gerade kleine Kerls sollten
mal einen Shortscale probieren, die sind heute gar nicht mehr schlecht
und klingen sogar. |
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Sound: Der Kern der Sache, das Ein und Alles. Bass immer
trocken an einen repräsentativen Verstärker, also so
ab 1000,-- DM und maximal 2000,-- DM-Klasse. Es muss Euer Sound
sein, ganz simpel. Klangregelung am Amp gerade, nicht Bässe
und Höhen hochgezogen, das ist Blendwerk, das ist wie viel
Sahne im Eis: zuerst schmeckt es super, am Ende ist einem schlecht.
Also Ihr müsst den Sound des Basses hören, nicht den
des Verstärkers.
Warum ich diesen Punkt 'Sound' nicht als ersten genannt habe?
Weil sich am grundsätzlichen Sound im Nachhinein noch etwas
machen lässt, durch neue Pickups und durch eine aktive Elektronik
zu Beispiel. Bespielbarkeit oder Handling lassen sich später
kaum noch ändern, oder nur mit erheblichem Aufwand. Also
gut bespielbar muss er sein. Und dem Sound zwar Aufmerksamkeit
widmen, weil er eventuell spätere Investitionen erspart,
aber weil er eben nicht abänderlich ist. Optimal ist natürlich
Super-Bespielbarkeit und Super-Sound. Aaaaaber ... seinen wirklichen
Sound bekommt Ihr erst nach einiger Zeit zu hören, wenn Ihr
in verschiedenen Umgebungen gespielt habt und Ihr Euch an das
Instrument gewöhnt habt. Da kann auch mal ein Instrument
auf die Nerven gehen, wie schon mit dem Eis erwähnt.
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Ob er nun von Fender oder Ibanez oder Washburn ist, spielt keine Rolle.
Feel, Look und Sound sind die Kriterien. Nicht Preis oder Status. Hm,
ja ja, ist ja gut, Ihr wollt doch Namen und Preise ... subjektiv, nach
meiner Ansicht ...
- Fender US-Modelle: teuer, überbezahlt, für den Preis oft
mindere Qualität. Nix wirklich für Anfänger.
- Fender Mexiko: Etwas schwankende Qualität, mehrere Instrumente
vergleichen, hier noch mal die Sache mit der Technik
beachten! Ansonsten bekommt man mit den Fender Mexiko-Modellen für
unter 1000,-- DM sehr brauchbare Instrumente. Mit späterer Aufrüstung
wie besseren Pickups und guter Hardware gelegentlich sogar ein Instrument
für's Leben.
- Squier: Die Fender LowEnd-Tochter, gelegentlich für unter 500,--
DM angeboten. Brauchbare Instrumente, gut spielbar, ich würde
sagen: Empfehlenwert.
- Dean: hat sich mit der Edge-Serie echt gemausert. Die Tschechien-
und Korea-Modelle überraschen mit sehr guter Bauweise und Qualität,
besser als 90% der US-Instrumente. Pickups sind nicht der Bringer,
aber auch hier liefern EMG und Bartolini später Abhilfe.
- Yamaha: Also wie diese Schlitzaugen es hinkriegen, für diese
Preise so ordentliche Instrumente zu bauen. Yamaha baut nicht wirklich
Standards nach, sondern modifiziert Standards und adaptiert eigene
Ideen. Auf jeden Fall antesten. Sind ihr Geld allemal wert.
- Washburn: haben mir immer gut gefallen, sehr handlich, ordentliche
Qualität, Fender-nah. Aber auch wieder Pickup-Sparmassnahmen.
Die XB-Serie verblüffte mit Super-Bespielbarkeit.
- Ibanez: Auch ein Dauerbrenner. Für schon unter 1000,-- DM wirklich
ausgezeichnete Instrumente mit dauerhaft brauchbaren Pickups!
- Epiphone: Na ja, wer's mag. Eigentlich Spezial-Instrumente (Thunderbird,
Les Paul Bass). Nicht unbedingt Anfänger-geeignet.
- Warwick: Soundmäßig sehr gut, auch gut bespielbar. Da
muss man für ein Instrument aber auch schon ein paar Märker
auf den Tresen legen.
Der Kauf eines Instrumentes ist wie der Erwerb eines Paares Trekkingschuhe.
Obwohl sie im Laden prima passen, erweisen sie sich nach 100km als Fehlkauf,
scheuern oder sind zu steif oder haben eine zu rutschige Sohle. Oder
die Schuhe der Firma XYZ gefallen einem eindeutig besser, sind aber
teurer als budgetiert, wenn vielleicht in Qualität und Passform
tatsächlich besser als die billigeren Schuhe. Man kann auch ein
paar Schuhe von Dachstein nehmen, sauteuer, und nach einiger Zeit feststellen,
das die alten Nikes billiger und bequemer waren. Tatsächlich stellt
sich aber immer erst deutlich später heraus, ob die Wahl gut oder
weniger gut war. Und das kann einem bei einem Instrument genau so gehen.
Als letztes das Thema
Gebrauchtkauf
In eBay, in Kleinanzeigen findet man jede Menge gebrauchtes Zeug zu
kaufen. Mal angenommen, die Wahl steht im Grunde schon fest, z.B. weil
Ihr schon öfters einen Fender Jazz oder einen Washburn, Ibanez
oder Warwick oder Stingray gespielt habt. Der Kauf von gebrauchten Instrumenten,
ohne sie vorher in der Hand gehabt zu haben, ist immer ein Risiko. Man
kann es tun, aber man muss auch damit rechnen, von Trotteln über
den Leisten gezogen zu werden. Man kann aber auch Glück haben und
ein prima Instrument bekommen, für einen guten Preis. Mir so passiert
mit einem Fender Japan Precision, für 650DM ein Sahneteil, in eBay.
Und ich war der einzige Bieter! Passiert, kann gut gehen, kann derbe
in die Hose gehen, bishin zu überwiesenem Geld und kein Instrument
kommt an. Alles schon passiert, höchste Vorsicht in eBay!
Wenn man knapp ist und der Erwerb eines Instrumentes existenziell ist,
sollte man vom Fernkauf abgehen. Das Risiko, gerade für einen Anfänger,
ist zu hoch. Gebrauchtkauf ist sinnvoll, wenn der Verkäufer in
der Nähe wohnt und sich das Instrument antesten lässt. In
der Regel ist die Preiserwartung des Verkäufers zu hoch. Habt den
Mut über den Preis zu diskutieren, jeder möchte gerne einen
guten Schnitt machen. Das ist fair, nur müssen beide, Käufer
und Verkäufer, auf dem berühmten Teppich bleiben.
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