Jazz oder Precision, das ist hier die Frage ...
Die Frage nach den Unterschieden ist berechtigt, sind sie doch
gerade am Anfang nicht ganz so offensichtlich, um nicht zu sagen:
die beiden Bässe sehen sich schon recht ähnlich. Am besten
merkt man den Unterschied, wenn man beide Instrumente mal eine Zeit
lang selbst gespielt hat. Aber dann ist es meistens zu spät.
Also, die Fakten:
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Fender Jazz Bass
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Korpus:
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Erle oder Esche |
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Hals:
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Ahorn |
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Griffbrett:
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meist Rosewood, aber auch Ahorn |
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Pickup:
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2 x Singlecoil |
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Mensur:
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34" (864 mm) |
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Bünde:
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20, je nach Baujahr medium |
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Sattelbreite:
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1.500" (38 mm) |
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Halsprofil:
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je nach Baujahr D- bis flache
C-Form |
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Fender Precision Bass
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Korpus:
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Erle oder Esche |
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Hals:
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Ahorn |
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Griffbrett:
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meist Ahorn, aber auch Rosewood |
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Pickup:
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Gesplitteter Singlecoil |
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Mensur:
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34" (864 mm) |
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Bünde:
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20, je nach Baujahr medium/small |
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Sattelbreite:
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1.625" (41.3 mm) |
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Halsprofil:
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je nach Baujahr fette D- bis U-Form |
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Stellt man diese Daten gegenüber, werden doch erhebliche Unterschiede
durch die Pickup-Konfiguration sichtbar. Auch auffällig ist
die etwas unterschiedliche Korpusform. Tatsächlich ist der
Precision auch etwas größer, massiger und griffiger,
wenn auch nur geringfügig. Tuner und Bridge der Bässe
sind allerdings gleich, wenn auch unterschiedlich nach Herkunft
wie Japan, USA oder Mexiko. Auch haben sich beide Bässe über
die Jahre verändert, die Grundkonzepte sind jedoch nie wirklich
verändert worden. Nun zum Detail-Vergleich:
| Pickups |
Das wohl auffälligste Kennzeichen. Bezieht sich
hier auf die Original-Fender-Pickups, durch Nutzung
anderer Pickups wie EMG, Bartolini oder Lane Poor kann
sich dieses Verhalten etwas verschieben.
Der Jazz hat zwei Singlecoils, die über zwei Volume-Regler
mischbar sind. Der Hals-PU des Jazz klingt eher tiefmittiger,
der Bridge-PU hochmittig mit schärferen Konturen.
Die Kombination beider Pickups gibt ein gutes Bass-Fundament
mit deutlich akzentuiertem Anschlag und transparenten
Höhen.
Beim Precision werkelt ein geteilter Singlecoil. Die andere
Größe im Vergleich zum Jazz-PU ist nicht nur Optik,
der P-Pickup hat tatsächlich eine ganz andere Wicklungsart,
nämlich mit größeren Spulen. Ein Standard-Precision-Pickup
klingt wesentlich satter und fetter als ein Jazz-PU, hat ein
tiefmittiges Timbre und hält sich in den Höhen etwas
zurück. Auch diese Aussage ist zu relativieren, denn
z.B. ein Bartolini 9P statt dem Fender-PU ändert dies
erheblich, der 9P klingelt geradezu. Es ist aber nicht nur
der Pickup, der die Sound-Unterschiede bringt.
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| Hals |
Der Hals eines Precision ist etwas breiter und erheblich fetter
als der eines Jazz, was sich im Sound und im Spielgefühl
ausdrückt. Der Jazz hat einen Flitze-Hals und unterstützt
eher schnelleres Spiel mit flinken Fingern. Dafür hat der
Precision durch den dickeren Hals das bessere Sustain und den
pfundigeren Sound. Jazz Bässe sind daher auch anfälliger
für Deadspots als Precisions, weniger Wetter-beeinflusst
auch. |
| Korpus |
Der Precision hat die stärker reagierende Korpus-Masse,
je nach Korpusholz kann das Gewicht differieren. Mein Jazz wiegt
ca. 4.8kg, mein Precision ca. 4.2kg. Trotzdem hat die Korpusform,
auch durch Schnitt und Massenverteilung, einen Einfluss auf
den Sound, weil der Jazz aus Esche und der Precision aus Erle
gefertigt ist. |
| Griffbrett |
Ein Rosewood-Griffbrett hat einen wärmeren, gedeckteren
Klang als ein Ahorn-Griffbrett. Zwar ist der Hals immer
aus Ahorn, das Rosewood wird jedoch darauf aufgesetzt.
Ahorn klingt heller und crisper als Rosewood. Obwohl die
Wärme des Rosewood den samtigen Sound des Precision
unterstützen würde, sieht man die meisten Precisions
mit Ahorn, die meisten Jazz Bässe mit Rosewood. |
Verwirrend? Nicht wirklich. Fazit:
Der Jazz Bass ist ein Bass für schnelles, flüssiges Spiel,
auch gerade für Solo-orientiertes Spiel, mit seinem Rennhals
und seinem soundmäßig zu den Mitten tendierendem Verhalten.
Der Attack gerade mit dem Bridge-Pickup ist deutlicher, sein Sound
setzt sich klar im Band-Gefüge durch, jedoch so richtig fett
wird er nicht. Mir würde als Anwendungsbereich der Rock, ProgRock,
Fusion/Crossover und Folkrock einfallen, so ganz grob als Richtschnur.
Der Precision Bass liefert das sattere Pfund, er klingt mehr im
Tiefmitten-Bereich mit drückendem Fundament und gutmütigem
Verhalten. Obwohl nur mit einem Pickup ausgestattet ist, bringt
die Anwendung verschiedener Spieltechniken (z.B. Anschlags-Punkt
und -Stärke) trotzdem eine ausreichende Bandbreite an Sounds.
Dementsprechend würde ich ihn in die etwas mehr 'heavy'-orientierten
Musikstile positionieren wie Metal-Varianten, Hardrock oder auch
Pop, da er sich weniger mit dem Sound-Gefüge einer komplexen
Band beißt.
Wie immer jedoch: your mileage may vary ...
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