Basslinien-Konstruktion: Blues
Eine gute Möglichkeit, sich mit Basslinien vertraut
zu machen, ist und bleibt der Blues. Was steht auf dem Grabstein
eines Blues-Gitarristen? I didn't wake up this morning
...
Es gibt allerdings nicht das Blues-Schema, sondern
ca 1.42 * 10hoch2, die asiatischen Formen nicht mit eingerechnet.
Wir nehmen uns den Proberaum-Blues als Vorbild.
Sing the blues
In den einfachen Formen hat das Blues-Schema 12 Takte, ein
zwölftaktiges Schema also. Das Schematische entsteht
durch die Gliederung der 12 Takte in ein Call/Answer-Raster
mit drei Akkorden und sechs Akkordwechseln. Damit wir nun
nicht so lange drumrumreden, hier ist die Akkordfolge unseres
Blues, je nach Vorlieben als MIDI-, TablEdit- oder MPEG3-Audio-Datei.
Ja, ja, ja, ..., es ist nicht die reine Blues-Grundform,
es ist irgendeine, aber sie hat 12 Takte, ist in A, verwendet
nicht die üblichen min7-Wechsel, sondern x5 und x7no3rd.
Aber sie ist 75bpm langsam, erst noch ohne Bass und für
uns hier reicht sie allemal. Ansonsten empfehlen wir das Buch
Blues Guitar Rules.
| Blues #1: |
Akkord-Schema |
 |
 |
|
|
Die primitivste Möglichkeit, einen Bass
hinzuzufügen, ist eine Grundtonlinie. Es werden einfach
die Grundtöne der drei Akkorde, A, D und E genommen und
analog der Gitarre im Shuffle hinzugefügt:
| Blues #2: |
Akkord-Schema mit Grundton-Bass |
 |
 |
|
|
Is dat langggggweilich ...
Kommt drauf an, mit einem fähigen Harp-Spieler oder
einer guten Blues-Stimme kann die Basslinie schon reichen.
Es kommt nicht so sehr darauf an, nun unbedingt die
abgedrehteste aller Bass-Linien zu spielen, und das im Blues
schon gar nicht. Für Blues-Bassisten ist eher die Leistungsfähigkeit
der Leber überlebens-entscheidend.
Wenn tatsächlich eine stark im Vordergrund stehende
andere Stimme dazukommt, z.B. eine Bluesharp, kann es passieren,
dass der Bass sowieso in den Hintergrund geht. Und dann spielt
Ihr Euch da hinten die Finger blutig, und kein Schwein merkt
es.
Aber wenn man nun ...
vielleicht den Bass doch etwas aufpeppt? Kann man machen,
z.B. durch eine einfache Quinte. Ist nicht viel Arbeit, aber
die Thematik Grundtonlinie haben wir dann auch schon verlassen.
Alles, was wir tun müssen ist, nicht auf der '1',
sondern innerhalb des Taktes, die Grundnoten durch Quinten
und Oktaven der takteinleitenden Noten zu ersetzen. Trotzdem
wir es hier mit einem Shuffle-Rhythmus zu tun haben, liegen
die Betonungen (die starken Zählzeiten) immer
noch auf den Viertelnoten. Daher sollten Notenwechsel im Bass
auch bevorzugt dort stattfinden.
| Blues #3: |
1 - 5er Blues-Basslinie
|
 |
 |
|
|
Wie viele Bassisten braucht man, um eine Glühbirne
auszuwechseln? 1 - 5 - 1 - 5 - ...
Wirklich witzig. Dabei können wir doch viel mehr. Wir
kennen nämlich Akkorde.
Eine 'richtige' Bass-Linie
Hören wir uns unsere Pseudo-Bluesfolge genauer an,
so fehlt ihr vor allen Dingen eins: die Traurigkeit, die dem
Blues seinen Namen gegeben hat. Die Gitarre spielt zwar den
tongeschlechtslosen A5/D5/E5, es klingt aber alles eher nach
einer Dur-Folge als einer Moll-Folge. Das liegt auch an den
Wechseln der Gitarre von x5 zu x maj7. Da fehlt zwar die Terz,
die das Tongeschlecht entscheiden würde, aber immerhin.
Gut, dann entscheidet der Bass endgültig.
Wenn wir annehmen, dass es eine Dur-Folge ist und die x5-er
Akkorde Platzhalter für Dur-Akkorde (x major und x major7)
sind, dann können wir für eine neue Bass-Linie auch
diese Akkorde als Basis verwenden, nämlich den Grundton,
die Terz und die Quinte, 1 - 3 - 5. Wo liegen diese Intervalle
auf dem Griffbrett? Ist ja auch schon so lange her.
| Blues #4: |
Dur-Blues-Basslinie |
 |
 |
|
|
Schneller, höher, weiter
Eine andere Möglichkeit, die Linie aufzublasen, ist
eine rhythmische Gegenstelle zur Gitarre zu bilden. Die Gitarre
spielt ja einen strammen Shuffle. Ohne den Grundrhythmus zu
verletzen, könnte der Bass die triolischen Pausen weglassen.
Das ist dann auch gleich eine gute Übung für das
Fingerspiel. Versucht doch mal, die Triolen abwechselnd mit
zwei oder sogar drei Fingern der Anschlagshand zu spielen.
| Blues #5: |
Reintriolische Blueslinie |
 |
 |
|
|
What have they done to my song, Ma'
Bisher haben wir mit rein harmonischen Methoden zur Ausweitung
gearbeitet (vielleicht bis auf das Beispiel #5). Wir können
aber auch rhythmische Dinge anwenden. Das klingt dann so:
| Blues #6: |
'Schon passabel'-Blues-Bass-Linie |
 |
 |
|
|
Und so haben wir hier immer noch eine triolische Bass-Rhythmik,
aber
|
Das erste Viertel des Taktes wird als das gespielt,
was es ist: eine Viertelnote, keine Triolen. |
|
Das zweite Viertel ist ein Set Achteltriolen,
jedoch ist die erste Triole eine Pause. Man kann
das schon als Offbeat-Phrasierung bezeichnen;
die Note vom Bass kommt nicht auf die starke Zählzeit,
sondern eine Triole später, eben neben der Zählzeit. |
 |
Die beiden letzten Viertel sind nun wieder echte
Achteltriolen und klingen auch so. |
Fazit
Gar nicht schwer, so ein Blues, aber bietet eine Menge Raum
für eigene Interpretationen. Man kann auch noch diese
verschiedenen Linien kombinieren, beispielsweise die Form
'6' für die ersten vier Takte, die Form '5' für
den D-Part und so weiter.
Noch ein Vorteil des Blues: Sein Aufbau ist meist übersichtlich
und es gibt Unmengen an Übungsmaterial. Nehmt eine CD
von John Lee Hooker oder Albert Lee, B.B. King oder wer auch
immer und Ihr könnt Euch austoben.
Aber vielleicht mögt Ihr ja keinen Blues, seid noch
nicht alt genug dafür, sondern wollt lieber etwas
Poppiges. |