Vier? Fünf? Sechs?
Auf der immerwährenden Suche nach der Wahrheit und
möglichen Fettnäpfchen
Das klingt ja wieder reichlich nach philosophischen Betrachtungen
über Bierkisten, Batterien und Stromarten. So hätte
ich das auch erst eingeschätzt, hätte mich die Spur
nicht auf ganz grundsätzliche Fragen geführt. Heute
als mittig im Basser-Leben stehend, rückwirkend gesehen
auch als Entscheidungshilfe für den Einsteiger:
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Was für einen Bass
nehm' ich denn nun? Viersaiter?
Fünfsaiter? Oder was ... ?
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Sagt ruhig, ich hätte zuviel bei Abi gelesen. Es geht
um mehr als nur die Saitenzahl. Und darauf bin ich durch Jeff
Berlin gekommen, und seine Kommentare und Saitenhiebe ...
Versuch einer dialektischen Betrachtung, und Aufruf zur Konsum-Verweigerung.
Keine Tabulatur, keine MIDIs.Eher ein wenig Instrumentenkunde
und Versuch einer Rückbesinnung.
The bass and the band
Was war denn noch einmal die primäre Aufgabe des Basses
in der Band? Auf einen einfachen Nenner gebracht war das die
Zusammenführung von Rhythmik und Harmonik, Untermauerung
der zugrundeliegenden Kadenzen/Riffs und nicht zuletzt Vervollständigung
des Bandsounds unterhalb 500 Hz. Natürlich kann ein Bass
mehr, und sollte er auch. Aber auch wenn eine Kuh fliegen
kann, sollte man das nicht als den Normalfall ansehen.
Historisch betrachtet hatten Bässe erst einmal vier
Saiten. Das war und ist beim Kontrabass und beim Upright so,
das war und ist meistens beim Precision und Jazz Bass der
Fender-Coleur so. Über Bundzahlen kann man nun diskutieren,
nehmen wir als modernes Mass mal 24 an, gibt als Notenbereich
vom tiefen E bis zum hohen G also über drei Oktaven,
und das ist schon eine ganze Menge. Warum dann Fünfsaiter-
und Sechssaiter-Bässe? Braucht man die? Wenn ja: warum
oder wenn nein, warum nicht? Und was nehm' ich denn nun als
Anfänger?
Geschichtliches
Fünfsaiter- und Sechssaiter-Bässe kamen in breiten
Produktionsstückzahlen in den späten achtziger Jahren
auf, insbesondere gefördert durch musikalische Entwicklungen
in den Sparten Fusion/Crossover und Funk. Bis dahin war der
Viersaiter das absolut vorherrschende Instrument. Und mit
Fusion und Funk tauchte auch ein etwas anderer Bassist auf,
nämlich der viel mehr soloorientierte und versierte.
Die späten Achtziger waren so etwas wie eine Phase der
Emanzipation der Bassisten, als sie heraustraten aus dem Hintergrund
der Bühne und mit komplexen Linien, Slapping und Thumping
einen anderen Fokus bekamen.
Bis dahin kann man diese Entwicklung erst einmal sehr positiv
betrachten. Wie viele Entwicklungslinien ist aber auch diese
Geschichte mit dem Problem behaftet, dass man in seiner Freude
über das Ziel hinausschiesst. Die Industrie diente heftig
und brachte sogar Sechssaiter für knapp über 1000DM
auf den Markt, die nicht einmal schlecht waren.
Bassisten nutzten die sich bietenden Chancen, den Guitarreros
nun endlich mal kräftig eins vor den Latz zu geben, stürzten
sich in Harmonielehre und Akkorde, Modi und Kadenzen. Ich
würde mal behaupten, dass heute viele Bassisten theoretisch
ziemlich firm sind, wesentlich anders als ihre Kollegen in
den Sechzigern und auch Siebzigern. Aber wo viel Licht ist,
ist auch viel Schatten. Es besteht die Gefahr, in dieser Euphorie
die eigentlichen Aufgaben des Basses in der Band zu vernachlässigen,
wenn nicht sogar zu torpedieren. Image- und Machtfragen innerhalb
eines Band-Kontextes können die gemeinsamen Ziele in
Frage stellen. Also ist Vorsicht geboten.
Fakten und subjektive Betrachtung
Betrachten wir diese Dinge doch erst einmal mit versuchter
Neutralität und ziehen daraus ein paar Schlüsse.
Klar sind das meine Schlüsse ... ich will ja auch auf
einen bestimmten Punkt hinaus:
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Viersaiter
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Fünfsaiter
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Sechssaiter
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| Stimmung |
E-A-D-G |
B-E-A-D-G oder
E-A-D-G-C |
B-E-A-D-G-C |
| Notenbereich |
> 3 Oktaven |
> 3,5 Oktaven |
ca. 4 Oktaven |
| Vorteile |
| - |
Preis |
| - |
Saitenabstände |
| - |
Einfache Navigation |
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| - |
Erweiterter Tief-Notenbereich |
| - |
Leersaitenfreies Spielen einfacher |
| - |
Noch beherrschbare Saitenabstände |
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| - |
Erweiterter Tief-Notenbereich |
| - |
Leersaitenfreies Spielen einfacher |
| - |
Breites Akkord-Spiel möglich |
| - |
Solo-Spiel erweitert |
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| Nachteile |
| - |
Solo-Spiel begrenzt |
| - |
Begrenztes Akkord-Spiel |
| - |
Mechanisch instabiler als 5er
und 6er |
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| - |
Dämpfung und Koordination
etwas schwieriger als 4er |
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| - |
Hoher Preis |
| - |
Saitenabstände gering |
| - |
Saitenwechsel teuer |
| - |
Gefahr von Overplaying |
| - |
Dämpfung und Koordination
aufwendig |
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| Subjektives |
Der Viersaiter fördert die Konzentration
auf das Wesentliche, nämlich auf die musikalischen
Aspekte des Spielens. Er ist leicht beherrschbar und
aufgrund der geringen Saitenzahl übersichtlich.
Für reine Begleitspieler optimal, für Anfänger
wärmstens empfohlen. |
Noch problemlos beherrschbar, erweitert
der Fünfsaiter sowohl das tiefe Brummen der Metalfreaks,
ermöglicht dem Rockbassisten aber auch in den beliebten
Tonarten E und A leersaitenfreies Spielen. |
Sauberes Spiel und Koordination sind
aufwendiger und schwieriger. Dafür ist breites
Akkordspiel und grosse Zahl von Noten pro Lage möglich.
Solo-Spiel und Eskapaden werden wirkungsvoll unterstützt. |
Kombiniere???
Wenn wir nun vor der Entscheidung stehen, z.B. beim Ersterwerb,
uns für einen bestimmten Bass-Typ zu entscheiden, sind
wir jetzt weitergekommen? Wenn nein, hier ist meine persönliche
Entscheidungstabelle, b.z.w. das Konglomerat:
| Viersaiter |
Fünfsaiter |
Sechssaiter |
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Der Viersaiter ist und bleibt der Standard-Bass an
sich. In dieser Kategorie gibt es das breitestes Angebot
hinsichtlich Bauformen, Sounds und Preis/Leistung.
Gerade für den Beginner ist es das optimale Instrument,
auch gerade wegen der Beherrschbarkeit und Übersichtlichkeit.
Der Vierer hat aus meiner Sicht noch einen weiteren
großen Vorteil: er erzwingt geradezu die Konzentration
auf saubere Technik und Reduktion auf das Wesentliche,
nämlich die Support-Funktion des Basses. Alle
weiteren Fortschritte, sei es Solo, chordales Spiel
oder Harmonics ist ohne weiteres möglich. Jaco
Pastorius, Jeff Berlin, Stanley Clarke et.al. haben
oder spielen immer noch Viersaiter und haben trotzdem
ein breites Spektrum und spielen tolle Solos.
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Dem Fünfsaiter muss man zugute halten, dass
er in den Rock- und Pop-Standardtonarten leersaitenfreies
Spielen ermöglicht, ohne zu Overplaying und tonalen
Machtkämpfen zu verleiten.
Moderne Fünfsaiter sind auch für Anfänger
beherrschbar, gerade mit Jazz Bass-Saitenabständen
und flachem Hals. Geringfügig teurer als Vierer
ist das Angebot breit und variabel. In der 24-Bund-Version
ist der Fünfsaiter schon sehr mächtig und
liefert bei anständiger Bespielbarkeit auch weitreichende
Solo-Möglichkeiten in den oberen Lagen.
Der Fünfsaiter kann eine Alternative zum Vierer
sein, muss aber nicht. So halte ich ihn im Progressive
Rock für verzichtbar, im Heavy Rock ist er therapeutisch
zweckmässig.
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Ich würde heute dazu neigen, den Sechssaiter
als das Kampfinstrument der Basser zu bezeichnen.
Sicherlich liefert er für Solo-Spiel und akkord-orientiertes
Spiel die besten Möglichkeiten, hat jedoch eben
die Gefahr in sich, seine bassistischen Aufgaben zu
verlassen und sich mit Gitarristen und Keyboardern
in den oberen Lagen Sound-Kämpfe zu liefern.
Anfängern würde ich grundsätzlich
vom Sechser abraten. Er kann dazu verführen,
sich in schierer Noten-Verfügbarkeit zu verlaufen
und den Blick für die Grundlagen zu verlieren.
Das Marketing-Argument, dass der und der Basser auch
den oder den Sechser spielt, möchte ich nicht
weiter kommentieren. Schumi fährt Ferrari, ich
nicht ...
Der Sechser ist ein Image-Instrument. Es sei denn,
man spielt in einem vokal-losen Trio, da kann der
Sechser sinnvoll sein und Aufgaben der Rhythmus-Gitarre
übernehmen.
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Alle diese Punkte sehe ich unabhängig von der Frage
'Bünde oder keine Bünde'. Beim Bundlosen würde
ich aber wahrscheinlich eher zum Fünfsaiter tendieren,
da Anfänger vom Grätenfreien eher zuerst Abstand
nehmen.
Stimmung .... !!!!!
Manuel Frischknecht hat noch ein paar interessante Verweise zu
den verschiedenen Stimmungen, die in diesem Zusammenhang auch
noch von Interesse sind:
Die Saitenanzahl 4 und die "Standardstimmung" EADG sind
gar nicht mal so alt wie viele meinen. Die ersten Bässe
als eigentliches Instrument tauchen so im 14./15. Jhd. auf
und hatten die abenteuerlichsten Stimmungen und Saitenzahlen,
z.T. sogar mit bundierten Griffbrettern. Sehr oft wurde
ein Instrument gemäss musikalischer Vorgabe gefertigt. Bis
Mitte/Ende 19. Jhd. gab's dann einen regelrechten Glaubenskrieg
zwischen 3- und 4-Saitern, sowie Quint und Quart-Stimmung.
Die Italiener mehr mit 3, die Franzosen mehr mit 4-Saitern.
Erst moderne Stahlsaiten haben dann zu dem uns heute bekannten
Kontra mit "flacher" Saitenlage und Stimmung EADG geführt,
den es im klassischen Orchester allerdings auch als 5-Saiter,
tief-B resp. hoch-C für Solostimmung, gibt. Die reine Solostimmung
wäre dann aber wiederum AEBF#, alles klar :-) ?
Der Kontra als Urmutter unseres E-Basses (was im Grunde
ja sowieso die akkustische Bassgitarre wäre) ist, wie wir ihn
kennen, gerade mal doppelt so alt wie sein elektrisches Pendant.
Und ich ...?
Ich habe meinen Sechser an die Wand gehängt und nutze
wieder ausgiebig meinem Jazz Bass und meinem Guild Fretless.
In einem Set mit Gitarre und Keyboards hat sich die Nutzung
der hohen C-Saite als Störfaktor erwiesen.
Sollten mich Bill Bruford oder Simon Philips und Satriani
oder Steve Morse mal zu einer Session einladen, würde
ich wieder drüber nachdenken. Bis dahin pflege ich die
Erkenntnis, dass Beschränkung auch Vorteil sein kann.
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