Einleitung

Man kommt doch immer wieder an solche Punkte. Was nun? Wie weiter? Neues Instrument? Neues Effekt-Gerät? Irgendwie geht es nicht so recht vorwärts, amerikanischer Fachbegriff für diese Situation: ‚In the rug ...‘. Man steckt fest, weiß nicht, was man üben soll, oder wie man sein Spiel verbessert. Immer wieder landet nun das böse Fingerchen auf Root Note, zu verführerisch scheint die Verwendung der Quarte und Quinte, gelegentlich abgelöst durch eine eingestreute Sieben. Wo man es doch eigentlich besser wissen müsste. Was nun? Slappen lernen, doch noch? Einen Satz Plektren kaufen? Fragen über Fragen ...

Wenn man sich nun durch eine gewisse Anzahl von Themen gearbeitet hat und im Grunde meint, das verfügbare Repertoire an Möglichkeiten müsste doch eigentlich ausreichend sein, ja immer dann ist es Zeit für neue Themen. Aber welche? Noch ein Video von Steve Bailey? Zum 50. Male das Buch über Jaco lesen? Neuner-Akkorde auf vier Saiten versuchen?

Für mich kam die Antwort eher zufällig. Ich stieß bei Amazon auf ein Buch von David Gross namens Harmonic Colors For Bass. Skalen und Modes schienen zuerst nicht unbedingt die Antwort auf die drängenden Fragen nach Fortschritt zu sein, doch ich musste meine Meinung ändern. Ein Ausweg aus der Farblosigkeit und Eintönigkeit sind demnach Leitern. Also stieg ich ein und stellte fest, dass das, was mich bei einigen Bassisten in ihrem Spiel so faszinierte, aus genau diesem Themenbereich stammt. Nehmen wir mal Teen Town oder Procession von Weather Report: wie kommt man eigentlich auf solche abstrusen Notenfolgen? Genialität? Obwohl ... da war diese Farbigkeit und Weitschweifigkeit bei den Profis und Heroen, die ich für mich selbst auch gern hätte. Und auch: sich selbst einzugestehen, dass man nicht weiterkommt, ist auch Fortschritt und Mobilisieren eigener Kräfte.

Nun doch weg vom Ansatz des chordalen Spiels versus modales Spiel heißt das nicht. Der chordale Ansatz bleibt weiterhin eine wertvolle und nutzbare Basis. Erst wenn dessen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, dann kann man den Horizont erweitern. Zum Beispiel mit Skalen. Und das heisst dann nicht Jazz. Definitiv nicht.