Sound Control
Oder: Warum sind hier so viele Knöppe an meinem Amp?
Freiwillig hätte ich mich diesem Thema gar nicht genähert.
Wenn da nicht mehrmals diese Fragen gekommen wären, die so oder
ähnlich lauteten:
- Wie muss ich eigentlich für die verschiedenen Raumarten (Proberaum,
Kneipe, Tanzsaal) Bässe und Höhen
am Amp einstellen, damit es so und so klingt?
- Was mache ich mit dem Bass- und Treble-Regler an meinem aktiven
EQ im Bass? So oder so einstellen?
- Stelle ich besser am Bass oder am Amp ein?
- Mein Verstärker im Proberaum klingt furchtbar dröhnig
und stumpf. Hilft ein EQ? Neuen Amp kaufen?
Bei diesen Fragen habe ich dann immer die Flügel gestreckt und
auf die alte Regel "Probieren geht über Studieren" verwiesen.
Aber es gab keine Ruhe. Und zugegeben: so manches Mal stehe ich auch
hilflos vor den sieben Schiebereglern meines Bass-Amps. Muss man wohl
doch einmal heran an das Thema. EQ, Kurzform für Equalizer,
eine mehrbändige Klangregelung, mit der man gezielt einzelne Frequenzbereiche
absenken oder anheben kann. Wie breit dieser Bereich ist, wird durch
die Güte (Q) angegeben. Je höher die Güte (z.B. 0.5,
1.0, 2.5), desto schmaler ist der Frequenzbereich, der behandelt wird.
Parameter Zwo ist das jeweilige Maß der Anhebung oder Absenkung,
gemessen in dB. dB?
Die Geschichte mit dem Hören
Hören ist eine komplizierte und vertrackte Sache. Das menschliche
Ohr ist ein sehr komplexes Gebilde, das Schalleindrücke über
das Innenohr in Nervenimpulse zum Gehirn umwandelt. Im Gehirn findet
weitere Verarbeitung statt, auch Interpretation und Ein/Ausblenden von
Informationen. Eine sehr schöne Darstellung zum Thema Hören
und Wahrnehmung findet sich in Ars
Auditus der Universität Wuppertal.
Worum es uns eigentlich allein geht ist das Verständnis, wie sich
Betonen und Vermindern bestimmter Frequenzbereiche auf den Sound unseres
Instrumentes auswirkt. Dies kann am EQ des Amps oder am Instrument selbst
geschehen, wenn das Instrument einen aktiven EQ hat. Aktive EQs im Instrument
erkennt man daran, dass eine Bakterie oder zwei derer im Instrument
sitzen und sicheine Elektronik im Bereich der Regler findet, die im
Gegensatz zur passiven Regelung auch fähig ist, einzelne Frequenzbereiche
anzuheben statt nur absenken zu können. Zuvor jedoch ein paar Definitionen
und Einheiten, die uns im Weiteren begegnen:
| Frequenz (F) |
Angegeben in Hz (Hertz) bezeichnet die Frequenz die
Anzahl von vollständigen Schwingungen, die ein Körper
pro Sekunde ausführt. Je höher der Wert ist, desto höher
ist auch der Ton. Die Sprachfrequenz liegt vor allem im Bereich
zwischen 800 und 5000Hz, während der für Menschen wahrnehmbare
Schall sich zwischen 20 und 20000 Hz bewegt, abhängig vom Alter
und dem gespielten Instrument.  |
| Lautstärke (dB) |
Wird in dB (Dezibel) bei verschiedenen Frequenzen gemessen. dB(A)
(oder LpA) ist ein Einzelwert, der die totale Lautstärke
für alle Frequenzen derart beschreibt, dass sie die Wahrnehmung
durch das gesunde menschliche Ohr möglichst genau wiederspiegelt.
dB(C) (oder LpC) bezieht sich besonders auf niedrige Frequenzen
und gibt exakter wieder, wie der Schall durch Menschen mit Hörschäden
wahrgenommen wird. Da einem dB-Angaben in Datenblättern,
Anzeigen und sonst wo noch begegnen, wird die Verwirrung schnell
komplett, denn dB alleine drückt ein logarithmisches Verhältnis
aus, keinen Absolutwert wie Volt oder Watt RMS.
Für die Hör-Akustik gilt: 1dB entspricht einer Amplitudenänderung
von etwa 12% und einer Intensitätsänderung von etwa
25%. Da merkt man mal, wie viel solche Bass- oder Höhenregler
bewirken, denn die sind meistens in dB beschriftet und reichen
von 12 bis 18dB.
|
Wo man noch unterscheiden muss, ist der Begriff der Lautheit
und Lautstärke. Das menschliche Ohr nimmt nämlich nicht alle
Frequenzen gleich laut wahr, auch wenn diese es physikalisch sind. Und
zwar in etwa so:

An dieser Kurve, der sogenannten Hörkurve, kann man sehen, dass
für den gleichen Lautheitseindruck bei den Frequenzbereichen unterschiedliche
Lautstärken notwendig sind. Wir hören gerade im Frequenzbereich
der Sprache, also zwischen 2 und 5kHz, am besten, für Bässe
< 200Hz und Höhen > ca. 8kHz sind unsere Ohren weniger empfindlich.
Und das noch nicht genug. Diese Kurve verläuft bei unterschiedlichen
Lautstärken auch noch unterschiedlich. In unserem Ohr, besser im
Mittel- und Innenohr, sind nämlich auch Muskeln, die zum Beispiel
bei großen Lautstärken das Trommelfell stärker spannen
und damit das Ohr unempfindlicher machen. Dabei verläuft dann die
Hörkurve auch anders. Dies erklärt, warum ein Soundcheck bei
Zimmerlautstärke prima Einstellungen des Amps ergeben würde,
während es dann bei voller Lotte im Echteinsatz grausam klänge.
Interessant ist auch der Grenzwert für Gefährdung des Gehörs.
Dort können irreparable Schädigungen des Innenohres auftreten.
Schaut man sich den hohen Bereich an, sollte man bedenken, dass die
Becken des Drumkits horizontal die meiste Energie abstrahlen.
An dieser Stelle, weil passend, etwas zum Thema Gehörschäden
Unser Ohr ist in der Lage Lautstärke-Unterschiede im Verhältnis
1 : 1 Million wahrzunehmen, vom Ticken einer Armbanduhr im stillen Kämmerlein
bis zum Heavy Metal-Gig. Bezogen auf die Ruhehörschwelle hören
wir ab wenigen dB, lauter Straßenverkehr liegt bei ca. 85dB, bei
ca. 100 .. 110dB liegt ein Presslufthammer oder eine Flugzeug-Turbine
in 10m Abstand, und in einem Rock-Konzert kommen nahe der Bühne
schon gerne 125 .. 130dB zu Stande. Bei 135dB kommt es an die Schmerzschwelle,
wo die Lautstärke Schmerzen verursacht. Dass es weh tut, ist ein
Warnsignal unseres Körpers, keine Verletzung im eigentlichen Sinne
wie ein Nadelstich oder der Mann mit dem schnellen Bohrer. Unser Ohr
ist ein empfindliches Organ, bei Verletzungen warnt uns unser Körper
durch Schmerz.
Schon ab 80 .. 90dB permanenter Lautstärke über mehrere Stunden
pro Tag kommt es zu deutlichen Hörverlusten, das Gehör nimmt
besonders in der Höhenempfindlichkeit Schaden. 120dB über
eine halbe Stunde pro Woche können das Gleiche erreichen, nach
dieser Zeit braucht das Gehör bis zu 48 Stunden, um sich halbwegs
zu regenerieren, bis zur vollständigen Regeneration kann eine Woche
vergehen. Wer also nach einer halben Stunde Probe schon so etwas wie
ein deutliches Klingeln oder eine Dumpfheit im Ohr hat, der probt eindeutig
zu laut! Wobei hohe Frequenzen wie von Schlagzeug-Becken oder von einem
aufgerissenen Amp mit Strat viel gefährlicher sind als der Reggae-Bass.
Das sieht man auch oben in der Grafik mit der Grenzwertlinie. Es gibt
Leute, die sich mit ihrem kaputt gespielten Gehör brüsten
wie ein Kriegsveteran mit seinem abgeschossenen Bein, ich warne nur
vor solchem Schwachsinn.
Noch schlimmer als Hörverlust, damit kann man noch ganz gut leben,
ist Tinnitus. Tinnitus äußert sich als ein ständiges
Summen, Pfeifen oder Rauschen in einem oder beiden Ohren, Tag und Nacht.
Hohe Schallpegel sind nicht der Garant für Tinnitus, Tinnitus tritt
auch ohne Lärmbelastung auf, aber Lärm ist die sicherste Methode.
Es gibt Leute, die mit ihrem Tinnitus nahe an der Grenze zum Durchdrehen
sind. Tinnitus ist bis heute nicht wirklich oder nur selten heilbar
und eine grausame Erkrankung. Nicht selten entsteht gleichzeitig mit
diesem Tinnitus auch eine abnorme Lärmempfindlichkeit. Und dann
ist es mit Mucke machen vorbei. Einige wenige Leute gewöhnen sich
mit der Zeit an diese Ohrgeräusche und können damit leben,
einige wenige verlieren die Lust am Leben.
Ich kann nur dringend vor zu hohen Lautstärken bei Proben warnen.
Ihr macht Euch Euer Gehör kaputt, das unverzichtbare Instrument,
oder holt Euch einen Tinnitus, der den Spaß an der Musik deutlich
verderben kann. Wenn jemand meint, er müsste in Proben auf dem
Kit herum prügeln, dass es einem in den Ohren klingelt, oder der
Gitarrist fährt seinen Stack bis an die Schmerzgrenze aus: setzt
Zeichen bis hin zur Verweigerung, packt das Instrument ein! Oder investiert,
wenn die Kollegen nicht zur Vernunft zu bringen sind, das Geld für
zwei Sätze Bass-Saiten in einen brauchbaren Gehörschutz vom
Akustiker.
So, jetzt war ich etwas abgeglitten, aber ich dachte, auch nach Hinweisen
aus der Leserschaft, dass der Hinweis sinnvoll ist.
Zurück zum Eq
Um also für seine Anlage die passenden subjektiven Einstellungen
zu finden, hat Herumdrehen an den Knöppen bei Zimmerlautstärke
wenig Sinn, der annähernde Pegel von Proben/Auftritten sollte schon
erreicht sein. Gleichzeitig machen sehr hohe Lautstärken schon
deshalb wenig her, weil das Ohr so zu sagen zu einem Teil abschaltet
oder weil man sich das Trommelfell perforiert.
Ebenso für unser Thema relevant ist der Effekt der Verdeckung,
den man oben bei Ars Auditus auch anhören kann. Ein einzelner Ton
wird anders laut wahr genommen als der gleiche Ton mit anderen zusammen.
Dieser Effekt wirkt um so stärker, je weiter sich andere Töne
über das Frequenzspektrum verteilen. Ein Sinus-Ton von 55Hz wirkt
deshalb auch anders als ein Bass-A von der leeren Saite. Die Obertöne
spielen mit und verdecken zum Teil das 'reine' A. Mit zunehmender Laustärke
wird die Empfindlichkeit und Differenzierungsfähigkeit des Ohres
immer schlechter. Bis hin zu einem abstrusen Effekt, nämlich dem,
dass der gleiche Ton in Zimmerlautstärke und in vollem Bandpegel
unterschiedlich hoch erscheint. Dies besonders bei sehr tiefen und sehr
hohen Tönen.
Je mehr sich Frequenzen im Bereich der Sprache bewegen, desto höher
ist der Wahrnehmungsgrad. Deshalb ist Variation in den Frequenzen 800
.. 4kHz von viel größerer Auswirkung auf den Sound als vielleicht
bei den Subbässen < 50Hz oder den Höhen > 6kHz. Hier
bildet sich am stärksten der hörbare Sound. Die spezielle
musikalische Aufgabe, das akustische und rhythmische Bett im Gesamtsound
zu liefern, ist aber eher bei < 200Hz zu finden. Und genau in diesen
Bereichen ist deshalb die Soundformung des E-Basses prägnant. Die
Einstellung eines Amps oder eines Basses ist eine Gratwanderung zwischen
dem, was wir mit dem Bass erreichen möchten, und der Beschaffenheit
unseres Gehörs. Neben der Betonung oder Absenkung einzelner Frequenzen
spielt demnach die Lautstärke noch eine wesentliche Rolle. Gitarristen
können manchmal einfach nur laut sein, der Bassist hat ganz andere
Probleme.
Tiefhöhen, Hochmitten und Hochtiefen
Unterschiedliche Frequenzen führen zu unterschiedlichen Eindrücken.
Während Bässe in der Regel als warm empfunden werden, haben
Höhen leicht etwas Unangenehmes, Schrilles. Was ist mit den Mitten?
Die repräsentieren die Energie, den Druck, denn dort ist unser
Gehör auch am empfindlichsten. Hören ist immer mit Emotionalität
verbunden, daher verbindet sich der Sound, den wir einstellen, auch
mit einem Empfinden. Diese Verbindungen sollte man bei der Suche nach
seinem idealen Sound nicht vergessen.
Ich versuche jetzt mal nach meinem Gusto (niemand bewerfe mich mit
Katzendreck) den verschiedenen Frequenzbereichen Namen zu zu ordnen.
Das tue ich als Bassist, daher mag ein Gitarrist oder Cellist ganz andere
Definitionen haben.
| Frequenz |
Bereich |
Sound-Einfluss
|
|
| < 30Hz |
Subbässe |
mittel
|
Diese Frequenzen werden kaum noch gehört, sondern
um so mehr gefühlt. Somit stellen sie so etwas wie den Punch
in die Magengegend da, vermitteln weniger Klang an sich, sondern
fühlbare Musik. Sehr tiefe Frequenzen hoher Energie können
sogar Übelheit oder Kreislaufprobleme auslösen. Die Amis
wollten mal Infraschall-Waffen damit bauen. |
| 30 - 100Hz |
Bässe |
stark
|
Dieser Bereich ist deutlich hörbar und ist das
Fleisch im Sound, vermitteln viel Fett, Wärme und Volumen.
Dieser Bereich vermittelt eigentlich am stärksten die musikalische
Wirkung des Basses, daher kann man hier auch am meisten verderben,
entweder durch zu viel oder durch zu wenig |
| 100 - 300Hz |
Tiefmitten |
stark
|
Die hier machen eigentlich den Hauptdruck, der von
einem Bass-Instrument ausgeht, sind die Energie-Lieferanten. Leider
ist es auch der Frequenzbereich, der in Räumen am meisten kritisch
ist. Ein zu deutliches Absenken macht den Sound hohl. Absenken in
gewissem Rahmen bewirken einen crisperen, akzentuierten Ton. |
| 300 - 600Hz |
Mitten |
mittel
|
Die Mitten sind das, was den Fretless-Sound am meisten
charakteristisch macht. Sie liegen deutlich im Bereich unseres besten
Hörvermögens, sie sorgen für Artikulierung und setzen
sich im Bandsound gut durch. Überbetont machen sie jedoch den
Sound etwas schwammig, weil unser Ohr auf diesen Frequenzbereich
besonders gut reagiert. |
| 600 - 1000Hz |
Hochmitten |
gering
|
Diese Frequenzen liefert oben herum unser Bass schon
nur noch als Obertöne. Daher sind sie auch verantwortlich für
das Attack, für das Klingeln von Stahlsaiten und den spitzeren
Klangeindruck. Für Singlecoils ist der Bereich deutlich vertreten,
Humbucker halten sich etwas zurück. |
| 1000 - 6000Hz |
Höhen |
gering
(außer Slap)
|
Auch hier ist unser Bass nur noch in Obertönen
der Saiten aktiv. Diese Komponenten des Klangs sind Klicken vom
Plektrum, beim Slappen/Poppen das Aufschlagen der Saiten auf Bünden.
Je nach Saiten und Pickups können darüber hinaus auch
noch Schwingungen erzeugt werden, bis an die 6 oder 7kHz. Viel höher
geht der Bass aber nicht. Oder sollte er nicht gehen. |
Diese Charakterisierung zeigt zu einem Teil schon, welchen Einfluss
die Regler eines Bass-EQs haben. Nehmen wir mal einen:

Na, was haben wir denn da? Sieben regelbare Frequenzbereiche, 50Hz,
120Hz, 400Hz, 500Hz, 800Hz, 4.5kHz und 10kHz. Der Hersteller dieses
Gerätes empfiehlt nun für die verschiedenen Einsatzbereiche:
- Rock: Bässe stark und Tiefmitten weniger stark anheben, Mitten
auf neutral, Höhen leicht angeben
- Reggae: Tiefbässe sehr stark, Tiefmitten stark anheben, Mitten
neutral, Hochmitten etwas anheben, Höhen neutral
- Slap: Bässe stark, Tiefmitten weniger stark anheben, Mitten
neutral, Hochmitten fast ganz raus, Höhen mittelstark anheben
- Studio: Bässe und Tiefmitten etwas anheben, Mitten etwas weniger
anheben, Hochmitten leicht absenken, Höhen neutral
- Jazz: Bässe leicht, Tiefmitten stärker anheben, Mitten
neutral, Hochmitten leicht anheben, Höhen leicht absenken
Zu bedenken ist, dass der erste und der letzte Regler nicht mehr einen
Frequenzbereich, sondern alle Frequenzen darunter und darüber anhebt!
Amps haben öfter nicht die Frequenzen auf den EQ-Regler stehen,
sondern verwenden die Nomenklatur von oben.
Und auch noch wichtig: statt viele Frequenzen anzuheben, kann man auch
die anderen absenken. Das vermeidet Übersteuerungen oder zu hohe
Pegel. Statt Bässe und Höhen anheben kann man auch Mitten
absenken.
Anderes Beispiel an Empfehlungen. Einmal von SWR für seinen
Workingman's, einen für meinen Geschmack eher neutral klingenden
Verstärker:
Die recht kräftigen LoMid-Einstellungen von SWR sehe ich ein wenig
mit gemischten Gefühlen. Für ein Stadion ist das vielleicht
ok, für kleinere und akustisch ungünstige Räume kann
das zu Dröhn-Problemen führen. Trace Elliot sieht/sah
das so, für seine 7-Band-EQs:
Funk
Jazz
Vintage
Wer sich dann auf die Suche nach Manuals für Bass-Verstärker
macht, wird noch eine Reihe von Einstellungsvorschlägen finden.
Your mileage may vary, ist das aber ein Anhaltspunkt die Sound-Beeinflussung
mittels Equalizer in den Griff zu kriegen.
Noch mal zusammen
Was können wir denn nun aus den bisherigen Sachen schließen?
| Subbässe |
Absenken der Subbässe fällt manchmal weniger
auf als Anheben. Beim Anheben verstärken wir den Punch des
Sounds. Der Sound wird spürbarer. Übertreiben bewirkt
aber Vermatschen des Sounds, weil die Subbässe die anderen
Frequenzbereich zu decken. Also Subbässe maßvoll bis
wenig anheben. |
| Bässe |
Das ist im Grunde für den Bass der wichtigste
Frequenzbereich, zusammen mit den Tiefmitten. Die leere A-Saite
hat eine Grundfrequenz von 55Hz, die Oktave 110Hz, zwei Seiten und
zwei Bünde höher dann ein A mit 220Hz. An diesem Frequenzbereich
sollte man deshalb nicht zu sehr herum fuddeln, eine leichte bis
mittlere Anhebung schafft mehr Punch und Druck, eine starke Anhebung
wirkt aber leicht als Wummern. Absenken dünnt den Sound unvorteilhaft
aus. |
| Tiefmitten |
Die Tiefmitten sind gerade die, die für Dröhnen
meistens am stärksten verantwortlich sind. Andererseits sind
sie ja die Energielieferanten. Wie viel Tiefmitten man verträgt,
hängt zu einem großen Teil vom Raum ab. Bei kleinen bis
mittleren Räumen (also bis ca. 50m²) führt ein Anheben
der Tiefmitten fast immer zum Dröhnen, erst in großen
Räumen kann man sich ein leichtes Anheben der Tiefmitten für
mehr Energie im Ton leisten. |
| Mitten |
Die sind diejenigen, die beim Anheben für einen
nasalen Sound sorgen. Das kann beim Fretless absolut erwünscht
sein, für einen rockigen oder funkigen Sound sollte man sie
jedoch etwas bis mittelmäßig absenken, aber nicht zu
stark, sonst verliert der Sound an Rückgrad und Durchsetzungsfähigkeit. |
| Hochmitten |
Die machen nun wieder den Klick und den Attack, der
z.B. einem Jazz Bass oder auch einem Stingray seinen spezifischen
Sound gibt. Singlecoil-Pickups liefern meisten satte Hochmitten.
Und die setzen sich in der kleinen Besetzung gut in Szene. In der
Bigband haben die dann weniger verloren, das beißt sich mit
Bläsern oder auch mit dem Klavier, dann eher etwas weg nehmen
davon. |
| Höhen |
Tja, ob man die braucht? Für's Slappen bestimmt.
Ansonsten sollte man Höhenregler ganz vorsichtig benutzen,
sonst wird der Sound leicht scharf oder aggressiv. |
Diese Gliederungen der Frequenzbereiche reicht für den Hausgebrauch
aus. Daraus nun eine generelle Empfehlung abzuleiten, täuscht jedoch.
Weil noch zwei Faktoren zu berücksichtigen sind, einmal der Raum,
zweitens die Musikrichtung. Und der Verstärker + Box. Ampeg
Trace Elliot Warwick SWR Eden ...
Einen Regler/Schalter haben wir noch gar nicht erwähnt. Bei dem
einen Hersteller heißt er 'Pre shape', beim anderen 'Presence',
der nächste benamst ihn als 'Ambience'. Allen gemeinsam ist es,
dass sie den Frequenzgang des Amps in einer so irgendwie ähnlichen
Weise verbiegen, wie rechts zu sehen. Und dieser Frequenzgang ist so
eher der Rock/Pop-Ecke ähnlich. Wie der Frequenzgang nun tatsächlich
aussieht, darüber schweigen die Hersteller. Geheim-Rezept, das
ist der XYZ-Sound, der da gebildet wird.
Zwar beteuern immer wieder alle Hersteller mehr oder minder sie seien
bei ihren Produkten um neutralen Sound und möglichst musikalische
Reproduktion bemüht; in realitas pflegen alle Hersteller ihren
jeweils eigenen Sound. Deshalb lassen sich die Einstellungen eines Eden
Traveller nicht auf einen Sweet15 übertragen, schon weil letzterer
ein Combo ist. Allen gemeinsam ist aber die Wirkung eines Frequenzbereiches
in einem Raum, deshalb die Warnungen zu dröhnigen Tiefmitten oder
mulmenden Tiefbässen. Somit nix mit generellen Angaben, es ist
am Ende doch wieder in jedem Raum ein Ausprobieren. Hilfreich dann,
wenn man aus dem aktuellen Resultat zuerst grundlegende Schlüsse
ziehen kann, das dann aber aus der Erfahrung und einem geschulten Gehör,
wie es für Toningenieure und/oder Soundmen Berufs-Voraussetzung
ist.
Am Bass oder am Amp?
Nächste Frage. Antwort: wenn möglich am Amp. Wenn der Amp
einen EQ mit möglichst vielen Reglern hat. Warum?
Auch
Bässe, die über einen aktiven EQ verfügen, haben meist
nur je einen Regler für Bässe und einen für Höhen.
Dehalb haben sie als Regelcharakteristik eine sogenannte Kuhschwanz-Kurve.
Es ist nur eine recht globale Beeinflussung der Frequenzbereiche möglich.
Man kann entweder alle Bässe oder alle Höhen beeinflussen.
Darum nennen sich diese EQs auch 2-Band-EQs, weil sie eben nur zwei
Frequenzbänder beeinflussen können.
Es gibt natürlich auch EQs in Bässen, die eine zusätzliche,
eventuell sogar parametrische Mittenregelung besitzen. In diesem Fall
können auch Mitten abgesenkt oder angehoben werden. Parametrisch
heißt dann, dass die Frequenz, bei der diese Mitten-Regelung wirkt,
eingestellt werden kann. Mit einem solchen 3-Band-EQ, idealer Weise
eben mit parametrischen Mitten, kann man dann doch schon viel reißen,
weil man ja nun Zugriff auf ein einzelnes, verschiebbares Frequenzband
im gerade kritischen und entscheidenden Mitten-Bereich bekommt. Parametrische
3-Band-EQs sind aber wohl eher die Ausnahme und Highend-Bässen
vorbehalten. Bei aktiven 2-Band-EQs bleibt es beim Kuhschwanz, und das
ist eher so etwas für Adhoc-Korrekturen, weniger für wirkliches
Formen des Sounds.
Die Höhenblende, die sich in passiven Regelungen der Bässe
findet, wollen wir nicht völlig vergessen. Diese kann lediglich
Höhen absenken, nichts anheben. Die Regelkurve dieser passiven
Höhenblenden ist oft abenteuerlich und dämpft in geringen
Einstellung erste Höhen, voll hinein gedreht schneidet sie Höhen
ab und dämpft bis in den Hochmitten-Bereich hinein.

Bei einem mehrbandigen EQ, wie an modernen Bass-Amps, hat man Zugriff
auf mehrere Frequenzbänder und dementsprechend viel mehr Einfluss
auf einzelne Frequenzen, was man beim EQ im Bass nicht hat. So bekäme
man z.B. ein Dröhnen im Proberaum nur unvollständig in den
Griff. Am Amp kann man solche Probleme besser lösen.
Aktive EQs im Bass sind also nicht überflüssig oder schlecht,
aber sie stellen immer nur eine globale Beeinflussung des Sounds dar.
Der Slap-Einstellung vom GEB-7 oben oder vom Workingman's kann man sich
mit einem parametrischen 3-Band-EQ annähern, am besten geht es
aber mit einem 7-Band-EQ im Band, besser noch 12-Band wie die alten
Trace Elliots.
Gesamt-Sound mal nicht vom EQ
Zwar haben wir hier in der Hauptsache den EQ im Blick. Aber bekommt
man es mit dem EQ nicht so hin wie gewünscht, können andere
Sound-beeinflussende Komponenten das erreichen. Ich spreche von Effektgeräten.
Da wäre einmal der Flanger oder der Phaser, der den Sound ganz
saftig anfetten kann. Ein leichter Overdrive kann durch den höheren
Anteil an Obertönen die Durchsetzungsfähigkeit vorteilhaft
steigern. Ein Chorus macht den Sound weicher und geschmeidiger. Ein
Octaver fügt tiefere Oktaven dazu, der Sound wird breiter und fetter.
Kommt man also mit seinem Amp absolut nicht zu Potte, hilft vielleicht
doch ein Effektgerät, anstatt dass man seinen Amp wechselt, oder
das Instrument.
Weiterer erwähnenswerter Faktor im Gesamtsound der Band, und um
den geht es hoffentlich zentral, ist die Gesamtabstimmung des Sounds
zwischen allen Instrumenten. Wie schon an anderer Stelle erwähnt,
spielt es eine große Rolle in welchen Frequenzbereichen und in
welcher Art von Sound sich die andere Kollegen tummeln. Nehmen wir drei
theoretische Szenarien und schauen uns an, wie unterschiedlich der Bass-Sound
wahrscheinlich sein müsste.
|
Akustik-Band
|
Metal-Band
|
Pop
|
| Akustische Gitarre(n): belegen Mitten, Hochmitten
und Höhen |
E-Gitarren: Überwiegend Bässe und Tiefmitten
bis Mitten, mit Dropped-Tuning ist zu rechnen |
Gitarren: Eher Mitten und Höhen, nicht übermäßig
Higain |
| Piano: Nahe den Gitarren, etwas Anteil in den Tiefmitten |
Drums: eher mitten-betont bis in die Höhen hinein,
das aber heavy |
Event. Piano: leichte Tiefmitten, sonst eher Mitten
uind Hochmitten |
| Event. Percussion: Mitten und Höhen |
|
Drums: Ausgewogen, Mitten und Höhen |
Welchen Sound würden wir für den Bass wählen, also wie
unseren Amp, das Instrument bis hin zu Effektgeräten verwenden?
Also für die Akustik-Band, da habe ich Erfahrung, würde ich
im Idealfall einen Fretless nehmen, einen leichten Chorus dazu; der
Amp würde gute Bässe und eher verhaltene Mitten und Höhen
bekommen, um nicht mit den Gitarren oder dem Piano zu kollidieren. Hier
ist der Bass in seinem Element, nämlich die Bässe und damit
Fülle zu liefern, die Piano und Gitarren nicht haben. Dann aber
in den Hochmitten und Höhen verhalten. Ein Jazz Bass mit etwas
zurück gedrehtem Klangregler macht auch eine gute Figur, artikuliert
sich schön und kann sich auch weiche Ausflüge in obere Lagen
erlauben.
Bei der hypothetischen Metal-Band hat der Basser einen schweren Stand,
wer einen Marshall-Fullstack und Paulas mit Dropped-Tunings kennt, weiß
das. Für mich wären hier ein Röhrenamp mit satten Bässen,
leicht angezerrt für die Ortbarkeit im Spektrum und ein Bass mit
fetten Humbuckern die Waffen der Wahl. Aus den Mitten und auch Tiefmitten
würde ich mich eher zurück ziehen und den Ketarristen dieses
Feld überlassen, mehr können die nämlich auch nicht.
Stattdessen auf dem Griffbrett schön unten bleiben und den Bereich
unterhalb 100Hz deutlich belegen.
Pop. Hm, sehr breites Spektrum. Aber wie bei den Akustikern ist der
Tiefton-Bereich eher unbelegt, also in dieser Domäne bleiben, Kollision
mit dem Piano in den Mitten vermeiden. Die Hochmitten und Höhen
stehen uns hier aber wieder etwas offen. Hier wäre es möglich,
bezüglich seines eigenen Sounds aus dem fast Vollen zu schöpfen,
so lange man sich in bestimmten Frequenzbereichen nicht in die Quere
kommt.
Mit wem wir kaum Probleme bekommen, sind die Impuls-Lieferanten Drummer/Perkussionisten.
Wo man ein wenig abstimmen sollte, ist im Sektor Snare und Bassdrum,
diese bestimmen das Ergebnis der Drums sehr stark, daher sollten Sound
von Drums und Bass sich möglichst weit ergänzen.
Heißt ...
... sich einen allein selig machenden Sound an seiner Anlage zu basteln,
ist für den Bass-Solisten die Lösung. Für die Band und
das Zusammenspiel aller Beteiligten nicht. Der Gesamtsound muss stimmen
und da kann es schon sein, dass unser Bass für sich allein uns
soundmäßig wenig zufrieden stimmt, wenn es denn dann im Band-Gesamtsound
auf einmal ideal ist und er ausgewogen und prägnant wird. Es relativiert
auch die Bedeutung von EQs, Klangregelungen und Amp-Typen. «Ich
geh' jetzt mal in den Proberaum und bastele an meinem Sound» kann
zur Retourkutsche oder unendlichen Suche führen, weil das Instrument
i.d.R. nicht für sich allein klingt. Dann bei Unzufriedenheit mit
seinem eigenen Sound auch mal das Komplette betrachten, ob uns nicht
eventuell die Gitarren hinein pfuschen oder der Keyboarder und es deshalb
besch***en klingt.
Unendliche Weiten
Der EQ am Bass-Verstärker hat aber neben der Sound-formenden Funktion
noch eine ganz andere Aufgabe. Die kommt dann zum Tragen, wenn der Raum,
in dem man spielt, akustische Probleme aufweist. Vielen ist vielleicht
der Effekt vertraut, der in Proberäumen und auch Wohnzimmern auftritt:
der Bass dröhnt oder wummert. Gleiches kann passieren, wenn Bühnen
in Nischen untergebracht sind, oder wenn man beim Kneipengig in einer
Ecke steht.
Solch schwieriges, Sound-versauendes Verhalten von Räumen rührt
entweder von Resonanzen oder von stehenden Wellen her. Gerade schlecht
bedämpfte Proberäume in den Größen 18 .. 25m²
haben Resonanzfrequenzen so in der Gegend 150-300Hz, ein Bereich, in
dem wir uns mit unserem Bass gerne aufhalten. Gibt unser Amp solche
Frequenzen dann zum Besten, trifft man die Resonanzfrequenz des Raumes,
und da schwingt die ganze Raumluft freudig mit. Es dröhnt. Abhilfe
schafft hier nur das Ausprobieren, wo die Resonanzfrequenz des Raumes
liegt und diesen Bereich am EQ absenken.
Stehende Wellen bilden sich durch Reflektionen des Schalls an den Wänden
aus, und zwar in der Art, dass sich im Raum feststehende Lautstärken-Täler
und -Berge bilden. Besonders Räume, deren Abmessungen ganzzahlige
Vielfache voneinander sind, sind für stehende Wellen richtige Paradiese
(Beispiel: Raum ist 2.5 x 5m groß). Wer sich mal für unterschiedliche
Frequenzen die auftretenden Muster ansehen möchte, ist beim Thema
Raummoden
gut bedient.
Die Alternative zum Herumstellen am EQ wären Dämpfungsmaßnahmen,
die aber gerade im Bass-Bereich etwas teurer werden (Bass-Fallen, Tiefton-Dämpfung
mit mindestens 8cm-Noppenmatten). Da nimmt man dann andere EQ-Einstellungen
gern in Kauf.
Steht
man öfter vor solchen Problemen, z.B. bei häufigen Auftritten
und so hobbymäßig, lohnt die Anschaffung eines kleinen Sinusgenerators
mit ablesbarer Frequenzeinstellung, den man an seinen Bass-Amp anschließt,
bei mittlerer Lautstärke die Frequenzen durch geht und hört,
wo sich im Raum Resonanzen durch Dröhnen bekannt machen. Und wer
gerne bastelt, kann sich so etwas auch in ein Döschen bauen, es
reicht, wenn der Generator Frequenzen von 50 - 500Hz erzeugen kann,
da liegen die kritischen Werte. Oder eben alternativ mal Bässe
oder Tiefmitten am Amp absenken und sehen, ob's aufhört zu dröhnen.
Und je mehr Bänder der EQ hat, desto besser kann man die kritischen
Frequenzen durch gehen und absenken. Für die PA gibt es Audio-Prozessoren,
die automatisch den Raum ausmessen und die PA auf linearen Frequenzgang
einstellen können.
Das sollte so als Starter reichen, sich mit den Knöppen etwas
weniger befremdet zu beschäftigen. Wenn es nicht so konkret und
simpel war wie erwartet, liegt das am Thema. Es ist nicht möglich
für 500 Bässe an 700 Verstärkern mit 64 Boxentypen von
300 Herstellern eine beglückende Aussage zu treffen. Die Erwartung
einer Tabelle 'Rock-Basssist + Stingray + Mo'Bass + Ampeg8x10 = die-und-die-Einstellungen"
kann nicht funktionieren, schon weil in dieser Gleichung der Raum und
der Rest der Band fehlt. Und das Effektgerät. Und die Spielweise.
Der Audiophile würde noch nach dem Kabel und der Batterie im Bass
fragen.
Einzig und allein die Möglichkeit das Unbehagen am Sound zu definieren
hilft. Deshalb muss man sich die Zeit nehmen und im Proberaum mit Zettel
und Schreiber eine Tabelle bauen, die da zeigt: wie verändert sich
der Sound, wenn ich das oder jenes verstelle. Und wie reagiert dieser
eine Raum und meine Band? Ein wenig Voraussetzung dazu hoffe ich geliefert
zu haben, the rest is up to you.
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